Einsteins flauschige Hausschuhe

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Anfang der Woche war ich mit meinem Vater in „Graustadt“, um einen Plattenspieler zu kaufen. Mein Vater ist inzwischen uralt und kann kaum noch mehr als ein paar Meter am Stock laufen. Für ihn war das der größte, weiteste und anstrengendste Ausflug seit langem – und möglicherweise einer der letzten dieser Art.

Das neue Modell kostete lediglich 119 Euro – mehr wollte mein Vater angesichts seiner begrenzten ihm noch verbleibenden Lebenszeit nicht mehr investieren – aber bemerkenswerterweise ist das neue Gerät bezüglich der Abspielqualität keinen Deut schlechter, als sein Vorgänger aus den frühen 70er-Jahren, der damals noch ein ganzes Monatsgehalt gekostet haben dürfte. Es lebe die asiatische Billigfertigung im Zeitalter der günstigen Elektronik! 🎶😃👍

Der alte Vorgänger-Kasten, den meine Eltern sich irgendwann zwischen den späten 60er- und frühen 70er-Jahren gekauft haben dürften, war seit etwa zwanzig Jahren defekt, was meinen Vater aber jahrelang kaum gestört hatte, weil er in den 90er-Jahren begeistert von der Klangqualität (gerade bei Klassischer Musik) komplett auf CDs umgestiegen war. In den letzten Jahren erinnerte er sich aber zunehmend an längst vergangene Zeiten und die damit verbundene Musik und stellte dabei fest, dass er zwar enorme Mengen an Klassik auf CD besaß, dass es jedoch jene Songs, zu denen er als Student mit meiner Mutter getanzt hatte, oftmals gar nicht mehr auf CD erhältlich gab. Lediglich in Form der alten Vinyl-Singles hatte diese Musik überlebt… Gut, die gängigen Hits der bekannten internationalen Bands und Musiker-Stars aus den 50er- und 60er-Jahren gibt’s auch heute noch auf CDs – aber beispielsweise die spezielle Plattenpressung einer mäßig erfolgreichen spanischen Cover-Combo, die damals auf der Hochzeitsreise meiner Eltern allabendlich im Hotel auftrat, hingegen nicht. Solche Schallplatten verstaubten in den letzten zwanzig Jahren ungehört im elterlichen Wohnzimmerschrank.

Nachdem ich am Dienstag den neuen Schallplattenspieler in Betrieb nahm, hatte mein Vater Tränen in den Augen, so gerührt war er, als die angejahrten Songs wieder erklangen! „Jetzt kann ich alle meine alten Alben noch einmal anhören und dann beruhigt sterben“, sagte er. Wenn ich gewusst hätte, wieviel Freude ihm die alten Schallplatten bereiten, hätte ich bereits etliche Jahre eher dafür gesorgt, dass man in meinem Elternhaus nicht nur CDs anhören kann…


Außer dieser Anekdote gibt’s momentan kaum etwas für meine Leserschaft zu berichten – die Tage sind ereignisarm (bis auf mein mich zeitlich voll ausfüllendes, aber leider nur mäßig erfolgreiches Gerödel an der Börse, mit dem ich wie gegen Windmühlenflügel gegen eine mir ansonsten drohende Hartzer-Existenz anzukämpfen versuche) und das Wetter vollkommen unterirdisch! 🌧️🙁👎 Wenn ich immer überall so lese, was es bei Euch andauernd für schöne Sonnenscheintage gibt, dann weiß ich, dass ich wettermäßig definitiv im beschissensten Teil der Republik wohne! Hier wird’s zwischen der Morgen- und der Abenddämmerung kaum merklich heller und oftmals nieselt es. Seit Wochen annähernd ausnahmslos ein Wetter zum Sich-Aufhängen!

🐢 „Kröt“, unserer Griechischen Landschildkröte, geht’s da erheblich besser, denn seit vorgestern hält der Kleine wieder seine Winterstarre im Kühlschrank. Er kann diese depressiv machenden Wintermonate einfach komplett verschlafen, der Glückliche…

0614 Tag 1400

Heute schreibe ich übrigens seit genau 1400 Tagen hier auf WordPress – auch eine Art Jubiläum. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht – dass das hier auch schon wieder so lange geht! Am 31.12.2017 begann ich hier zu bloggen. Meinen wirklich allerersten Blogeintrag ever schrieb ich allerdings bereits vor 6945 Tagen auf der inzwischen eingestellten Internet-Plattform „myTagebuch“… Anno 2002 war das bereits…


Bevor ich hier nun noch mehr olle Kamellen hochwürge, belasse ich es lieber mit diesem Blogeintrag – nur Eines noch zum Schluss:

😃 Seit Kurzem ist mir Albert Einstein noch sympathischer als eh schon – weil ich nun weiß, dass er flauschige Hausschuhe trug:

0615 Einstein flauschige Schuhe

15 Gedanken zu “Einsteins flauschige Hausschuhe

  1. Ich habe noch eine Stereoanlage im Keller – doch da wir den Plattenspieler seit ich mit dem Mann zusammen bin nicht mehr gebraucht haben, werden wir den auch kaum nochmal aktivieren.
    Deinen Vater allerdings verstehe ich gut, denn ich habe jahrelang ausgeleierte Mixtapes aufbewahrt, damit ich gewisse Lieder noch habe bis es dann youtube etc. gab.
    Ich bin dafür ein CD-Kind, habe mir jetzt aber vorgenommen, wenn ich mich nächstes Mal um das Einreihen in die Sammlung kümmere, rigoros zu entsorgen, was ich nur so halbherzig gut finde (ausgenommen Schweizer Künstler).

    Ich drücke dir weiterhin die Daumen für die Geldgeschäfte. Die Börsen sind seltsam zur Zeit.

    An Kröt habe ich grad diese Woche gedacht – die hats gut!

    Mit der Sympathie zu Einstein stimme ich dir voll zu – der ging ja in Aarau zur Kantonsschule (und hat im Patentamt Bern gearbeitet), das ist nur ca. 7 km von mir entfernt.

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  2. Ich finde auch, dass Plattenspieler und Vinyl einen ganz bestimmten Charme haben. Als mein eigener Plattenspieler einst den Geist aufgegeben hatte, waren auch gerade CDs groß im Kommen und ich hab mir seitdem keinen neuen angeschafft. Unter meinen Schallplatten befinden sich aber auch keine Raritäten. Bei meinen Eltern sieht die Sache anders aus. Und auch sie haben viele Singles aus den 60ern.

    S. ist ebenfalls in Besitz einer riesigen Vinylsammlung. Er legt häufig Platten auf, wenn ich bei ihm bin. Dazu ein guter Whisky. Das ist schon fein.

    Finde ich toll, dass du da mit deinem Vater losgezogen bist. Und ich wünsche ihm, dass er noch ein ganzes Weilchen Freude an dem Spieler und seinen alten Schätzen haben wird.

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  3. Schade, dass man es wirklich nicht auch einfach so handhaben kann wie „Kröt“. 🤔

    Und die Geschichte von deinem Vater und dem Plattenspieler rührt mich irgendwie. Schön, dass er nun die Gelegenheit noch einmal bekommt, lieber hyper. Es war vielleicht spät, doch keineswegs *ZU* spät. Du hast ihm eine große Freude damit gemacht, das steht mal fest. 😺🌞🌸

    Bitte bleib, wie du bist – alles erdenklich Liebe von: VVN

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  4. Wunderschöne Geschichte! Ich denke im Moment auch ständig drüber nach, wie ich meinen sehr eingeschränkten Eltern eine Freude machen kann. Die Platten sind allerdings leider weg – aber sie hatten eh nie denselben Geschmack.

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  5. Cooles Tagejubiläum. Jetzt kommt dann aber hoffentlich auch mal ein Flausch-Hausschuh-Photo von dir 😁 Vinyl zu hören, war in meiner musikalischen Findungs-Phase der heiße Scheiß, hatte was Elitäres, was ich rückblickend eher belustigend finde. Aber in dem Fall mit der sonst verschollenen Musik ist es sehr anrührend 🙂

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    • Ich hatte mal eher plüschige, als flauschige Zweit-Hausschuhe (die ersten sind seit über 40 Jahren immer Birkenstock Modell Zürich), aber die sind inzwischen völlig verlatscht und irgendwo in einer Tüte gelandet (ich kann Altkleider nicht wegwerfen, weil ich befürchte, die später in Phasen der Altersarmut noch mal zu brauchen)… LG!

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