Wenn Eichen weichen (indem sie gen Himmel entschweben)…

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„Ich mag schweres Gerät“ kommentierte meine geschätzte Leserin „The One“ aus der Schweiz unter meinem letzten Blogeintrag und bat mich darum, dass ich hier ein paar Bilder unserer Baumfällungsaktion poste, bei der auch ein 80-Tonnen-Autokran zum Einsatz kommen sollte…

▶️ Nun, dieser Wunsch kann heute nach vollbrachter Tat eingelöst werden – hier ist das hellgraue Monstrum:

0595 schweres Gerät

(Firmennamen und die Firmentelefonnummer habe ich selbstverständlich aus Datenschutzgründen verpixelt)

❤️ Ein herzliches Dankeschön auch an die übrigen Leser meines letzten Beitrags fürs Daumendrücken, denn es konnte tatsächlich in jener Art zeit- und kostensparend vorgegangen werden, wie ich es mir erhofft hatte. Statt die große Eiche binnen zwei oder drei Arbeitstagen scheibchenweise zu zersägen und abzuseilen, konnte vom benachbarten Bauernhofgelände aus der Kranwagen eingesetzt werden und der Baum dadurch in lediglich drei Portionen aus unserem Garten gehoben werden. Ein weiterer Spareffekt stellt sich für Philomena und mich dadurch ein, dass unsere Bauernhofnachbarn tatsächlich sehr erfreut darüber waren, das ganze Holz auf ihrem Hof behalten zu können um es zu Kaminholz zu verarbeiten, und deshalb auch keine Abtransportkosten für uns anfielen… Statt zweieinhalb Arbeitstagen dauerte die ganze Angelegenheit deshalb lediglich vier Stunden! Vermutlich werden wir trotz der Extrakosten für den Kran deshalb um die tausend Euro weniger berappen müssen. Deshalb Dankeschön fürs Daumendrücken! ❤️

Auch schön für mich ausgesprochenen „Spätaufsteher“: Ich musste erst anderthalb Stunden später aus den Federn als befürchtet, weil ich gestern telefonisch erfahren hatte, dass der Kranwagen erst etwas später zur Verfügung stehen würde, als zunächst angedacht. 😉

Haus „Nurnocheineichen“

So war ich dann schon mit einem starken Kaffee druckbetankt, bevor der 80-Tonnen-Autokran eintraf. Mit dem Kranwagenfahrer, der tatsächlich eine große optische Ähnlichkeit mit dem US-Schauspieler Ron Perlman aufwies (eigentlich ziemlich krass – ich bitte Euch, wer sieht schon auch nur entfernt so wie Ron Perlman aus?! 😁) hielt ich dann noch ein längeres nettes Pläuschchen, weil sich nun die Baumkletterer ihrerseits weiter verspäteten. Die Wartezeit auf dem betonierten Bauernhofplatz nutzte ich auch, um die Bäume mal aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen: 0596 AuslegerAus der größeren Distanz wirkten die sechs Eichen (vier beim Hühner-Nachbarn und zwei bei uns) tatsächlich wie eine Baumreihe – von unserem Garten aus gesehen, sahen sie immer eher wie ein kleines chaotisch angeordnetes Wäldchen aus.

Irgendwann traf das zweiköpfige Kletterteam dann ein und nun ging es sofort los. Der eine Holzfäller ließ sich samt Motorsäge gleich vom Kran aus in die Baumkrone abseilen. Die Bäuerin, die während des Einsatzes gar nicht zuhause in „Niedergüllestunk“ (meine Aliasbezeichnung für unsere Siedlung hier) auf ihrem Hof war, sondern im benachbarten, rund zwei Kilometer entfernten Dorf „Obergüllestunk“ zu tun hatte, erzählte uns später, dass man den hoch emporragenden Kranausleger sogar vom dortigen Ortskern aus sehen konnte. 😮

Drei Schnitte mit der Motorsäge und drei Abseilvorgänge des Krans, dann war der ca. 25 bis 30 Meter hohe Baum binnen einer halben Stunde vollständig weg und drüben auf dem Hof. 🙂👍

0597 Säger

Es wirkte für mich schon etwas surreal, von unserer Terrasse aus den riesigen Baumstamm in den Himmel entschweben zu sehen. Vielleicht war ich deshalb auch nicht allzu traurig ergriffen – wie im Vorfeld der Fällaktion befürchtet (als ich mich gestern spätabends beim Zigarrerauchen im Garten mit einem Klaps auf den Stamm vom alten Baumgesellen verabschiedete – „mach’s den Bauersleuten dann schön warm in der Stube“ in den Bart murmelnd – hatte ich nämlich tatsächlich eine kleine Träne im Auge 😢). Es sah eher faszinierend als traurig machend aus:

0598 Baum schwebt davon

Ein weiterer Vorteil davon, dass alles so zügig über die Bühne ging war auch, dass eine Blaumeise im Nistkasten an unserer zweiten Eiche nur kurz beim Brüten gestört wurde und deshalb ihr Nest nicht aufgab – etwas, was Philomena und ich durchaus befürchtet hatten, nachdem wir erst heute festgestellt hatten, dass dort schon gebrütet wird.

In der Krone des zweiten Baumes entfernte der Baumkletterer mit der Säge dann noch ein paar große morsche Äste, die uns ansonsten möglicherweise irgendwann bei Sturm aufs Dach gefallen wären. Nachdem diese auch abgeseilt worden waren, machte sich der subunternehmerisch von den Holzfällern beauftragte Kranfahrer mit seinem schweren Gerät wieder vom Acker.

Dafür kam nun ein weiteres nicht ganz so schweres, aber für unseren engen, verwinkelten Garten ziemlich sperriges Gerät zum Einsatz: Die Stubben-Fräse. Um sie überhaupt aufs Grundstück zu bekommen musste das Gartentörchen abmontiert werden, danach war es eine elende Zirkelei, bis das rote Trumm endlich dort war, wo es sein sollte:

0600 Stubbenfräse

Leider war der Einsatz nicht sonderlich von Erfolg gekrönt, denn es war nicht genügend Platz vorhanden, um den Ausleger mit dem Fräskopf tief genug absenken zu können, um die komplette Wurzel der Eiche zu beseitigen. Deshalb war nach zehn Minuten bereits Schluss mit der lautstarken Aktion – gut für die unmittelbar daneben brütenden Meisen… 🙂 Und auch gut für unseren Geldbeutel, da wieder eine ganze eigentlich eingeplante Arbeitsstunde weniger anfiel. Weniger gut allerdings für meine selbstgepflasterten Pfade, weil die ziemlich schwere Stubben-Fräse diesen beim Hin-und-her-Rangieren ziemlich übel zusetzte: Ich werde da demnächst leider einiges ausbessern müssen, v.a. die unter dem Gewicht abgesackten Wegränder. Ich hatte die aus selbstgemachten Kunststeinen (in → diesem Blogeintrag berichtete ich darüber) gebauten Pfade statisch leider nur für uns Fußgänger ausgelegt und nicht für ein circa 700 Kilogramm schweres Vehikel… 🤔

Ansonsten hielt sich der angerichtete „Flurschaden“ aber erfreulich in Grenzen: Hier und da ein paar abgebrochene Zweige, eine schief stehende kleine Eibe (die ich aber bereits wieder geraderichten konnte) und eine aus dem Boden gerissene hölzerne Beeteinfassung (sonst wäre die Fräse nicht um die Ecke gekommen).

Da die Baumwurzel nur bis in etwa zwanzig Zentimetern Tiefe entfernt werden konnte, werde ich dort lediglich ein paar niedrige Pflanzen neuansiedeln können. Die eigentlich als Nachfolger für die beseitigte Eiche angedachte Baum-Neupflanzung wird jetzt etwa versetzt stattfinden müssen. Es soll etwas Robustes & Einheimisches werden – wahrscheinlich ein Speierling oder eine Elsbeere, beide sind für unsere Schildkröte ungiftig, haben eine schöne rote Herbstfärbung und sind zukünftig auch dem Klimawandel gewachsen, weil sie (als auch in der Mittelmeerregion gedeihende Bäume) gut mit Wärme und Trockenheit zurechtkommen… Bis dieser noch zu pflanzende Nachfolger irgendwann wieder richtig hoch ist, werden wir ein paar Jahr(zehnt)e lang erheblich mehr Sonne 🌞 im Garten haben – nicht verkehrt, denn in der zweiten Tageshälfte war es bei voller Belaubung schon arg finster auf unserem Grundstück. Jetzt haben wir erheblich mehr Luft & Licht – hier ein Vorher/nachher-Foto:

0594 gestern & heute

0599 BaumscheibeNebenstehend noch das Foto einer Eichenholzscheibe, auf der ich die Jahresringe auszuzählen versuchte habe – nicht ganz so einfach, weil sie teils nur schemenhaft zu erkennen waren: Ich kam je nach Schätzung der undeutlichen Jahre auf mindestens 115 bzw. maximal 150, d.h. der Baum war wohl um die 130 Jahre alt – man fühlt sich schon ein bisschen scheiße, wenn man dafür verantwortlich ist, dass sowas wegkommt… 😔

Aber allein schon der alljährliche, wochenlange Terror mit den hochgradig gesundheitsgefährdenden Eichenprozessionsspinner-Giftraupen-Brennhaaren rechtfertigte diesen Entschluss! Mal sehen, ob dieser Ärger mit nur noch einer Eiche signifikant abnehmen wird. Zumindest dürfte im Sommer die Beseitigung der Raupennester durch ein Kletterteam nun erheblich günstiger werden… Und wir haben im Herbst weniger Laub und Eicheln einzusammeln.

▶️ Wie auch immer, in meinem Blog werde ich unser Haus „Zweieichen“ wohl weiterhin so nennen, auch mit einem Baum weniger – Haus „Eineichen“ oder „Monoeiche“ klingt irgendwie doof… 😉


P.S.: Über die Literflasche edlen Mirabellen-Obstbrandes haben sich die Bauersleute nach Feierabend auch sichtlich gefreut! Die Buddel hatten wir noch obendrauf gelegt, weil uns lediglich das Kaminholz behalten zu können für den Gefallen, dort den Kran aufbauen zu dürfen, etwas dürftig erschien – zumindest angesichts der enormen Arbeit, die Vater und Sohn jetzt noch mit unserem ganzen Geäst haben werden: Es sieht bei denen nämlich jetzt wie nach dem Orkan „Lothar“ im Schwarzwald aus – das ganze Hofgelände voller Baumschrott… 😁

14 Gedanken zu “Wenn Eichen weichen (indem sie gen Himmel entschweben)…

  1. Juhu – danke für die Bilder und super, dass das so geklappt hat.
    Ausserdem habe ich etwas gelernt – die Stubbenfräse kannte ich noch nicht.
    Gut, dass auch gleich die morschen Äste von Nr. 2 entfernt worden sind.
    In unserer Nähe gibt es eine Kranfirma, deren grösster Kran sieht man auch von weitem, wenn der ausgefahren ist.

    Immerhin müssen die Bauern jetzt das Holz nicht kaufen oder selber aus dem Wald anschleppen, da hätte ich auch zugegriffen.

    Jetzt kannst du endlich aus deinem Quarantäne-Koma aufwachen und die angefallen Schäden beheben und dir vielleicht überlegen, ob du nicht den Eichenstrunk ausgraben willst *frechlache*

    Bei uns im Ort haben sie irgendwann nach unserem Einzug am Flüsschen entlang auch Bäume zersägt und mit einem Heli abtransportiert, weil anders kein Hinkommen war. In dem Fall war aber der Kanton zuständig (also wir Steuerzahler).

    Am Samstag fährt bei uns ein kleiner Bagger auf – tatsächlich machen alle Nachbarn mit – da müssen wir auch noch das OK von Nachbarn einholen, damit wir damit auf unser Grundstück fahren können. Wer sie sind, wissen wir schon (eine kenne ich sogar, das ist die Frau meines Lehrlingsausbildners), ob einer von denen im Telefonbuch steht, weiss ich nicht. Die Vorgenannten stehen schon mal nicht drin. Laut agisdotch dürfte es sich um eine Erbengemeinschaft handeln, da 3 Eigentümer eingetragen sind. Die Website ist ev. auch für Fremde interessant. Schau doch mal drauf, wenn du Lust hast.

    Etwas mehr Licht ist vielleicht nicht schlecht – wir haben grad heute fest gestellt, dass unser Sonnenstore etwas zu wenig weit nach vorne geht und man dann von der Abendsonne geblendet wird, wenn man draussen sitzt. Da muss ev. noch ein Sonnenschirm her. Alternativ könnte man auch ein Tuch mit Wäscheklammern am Storenrand befestigen *GG*

    Schön wie du dich verabschiedet hast. Die Bauersleute werden von dem Holz auf jeden Fall profitieren.

    Und hey: Monoeiche ist doch mal stylish 🙂

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      • Ich könnte dir auch unseren Nachbarn schicken, der darf sprengen…
        Weil du faul bist, habe ich es doch geschrieben *gg*

        Danke schön – der Mann hat bereits angekündigt, er wolle auch mal Baggern. Ich will das nicht, diese Joystick-Koordination liegt mir überhaupt nicht (darum kann ich auch nicht „richtig“ gamen). Wir Frauen dürfen dann Brombeerstauden zusammen sammeln und auszupfen – auch gut. Ich werde erst mal ausschlafen *flöt*

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  2. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Trotzdem kann ich deine Wehmut verstehen, ich hätte mich wohl auch so vom Baum verabschiedet. Aber es kommt ja „Nachwuchs“. Die Nachbarn wird’s sehr freuen und Arbeit sind sie auf dem Hof sicher gewöhnt. Euch einen hoffentlich sonnigen Sommer ohne Raupeninvasion 🙂

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  3. Trotz der verständlichen Wehmut hätte es doch optimaler nicht laufen können.

    Ich denke, die Bauern sind schon sehr gut weggekommen bei der ganzen Aktion. Nicht nur im Hinblick auf das Brennholz – und das ist Gold wert! – sondern auch auf die Eichenprozessionsspinnerthematik! (Klingt fast so impressiv wie superkalifragilistikexpialigetisch! 😁)

    Und auch dass die Blaumeisen nicht zum Kollteralschaden geworden sind, finde ich sehr erfreulich! 👍😘

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    • Ich habe heute sogar schon die Wege repariert… 🙂 Ja, die Bauern sind sicherlich sehr froh, die haben sich sonst alle paar Jahre ganze Bäume anliefern lassen, um die zu Kaminholz zu verarbeiten… Und wir sparen uns den Abtransport, der wohl auch etliche hundert Euros gekostet hätte. 😁

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