Das Ende einer Jacke đŸ§„😡

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â—ŸIch zerstöre so gut wie niemals absichtlich Dinge, die man noch gebrauchen kann. So aus dem emotionalen Affekt heraus einfach Sachen zerdeppern? Selten. Das vorletzte mutwillig zerstörte Objekt war vor nunmehr zwölf Jahren ein Pizzateller in meiner damaligen KĂŒche in Berlin-Friedrichshain, den ich spontan gegen die Wand schmiss, als mir ein Informant telefonisch neueste ungeheuerliche Cybermobbing-Sudeleien aus den Tiefen des Internets zutrug, mit denen man damals gezielt meinen beruflichen Ruf sabotieren wollte
 Heute Morgen dann nach dieser sehr langen Pause wieder einmal ein Objekt, das final dran glauben musste!

Manchem mag es befremdlich vorkommen, dass ich so ĂŒberaus pfleglich mit meinem Besitz umgehe und so gut wie niemals etwas „gegen die Wand schmeiße“ oder „in die Tonne kloppe“ – aber jemand, der momentan einen gut dotierten Home Office-Job in Festanstellung nachgeht, oder der auch nur regelmĂ€ĂŸig vom Staat seine FrĂŒhrente in den Allerwertesten getrĂ€ufelt bekommt, kann es natĂŒrlich nur unzureichend nachvollziehen, wie es sich anfĂŒhlt, zur Zeit so gut wie gar kein Einkommen aus Erwerbsarbeit zu haben
 Jeden Monat vierstellige Fixkosten fĂŒr Miete, Versicherungen, Energieversorgung, TelefonanschlĂŒsse, etc.. Dabei darf ich ĂŒber die Hausmiete eigentlich noch am wenigsten meckern, denn fĂŒr die 543 Euro Monatsmiete, die unsere HĂŒtte hier kostet, bekĂ€me ich, wenn ich noch in „Shangri-La“ wohnen wĂŒrde, dort lediglich ein Studentenzimmer in einer WG
 Ohne Philomenas Hilfe, die gegenwĂ€rtig im Gegensatz zu frĂŒheren Zeiten (noch!) ein paar Ersparnisse besitzt, hĂ€tten wir hier nichts mehr zu beißen. Oder wir hĂ€tten noch was zu beißen, aber man hĂ€tte uns dafĂŒr lĂ€ngst Wasser und Strom abgeklemmt
 😬

Wie auch immer, kommen wir zum Akt der Zerstörung!

â—ŸMorgens waren wir wieder in aller HerrgottsfrĂŒhe zeitlich passend zum Öffnungsbeginn eines Supermarktes nach „Graustadt“ angereist, weil es dort Bio-Salat fĂŒr unsere Schildkröte gibt (nicht-bio frisst das kluge Tier nicht), den man hier im popeligen Dorf-Supermarkt, dem Albtraum aller Orthorektiker, nicht erhĂ€lt. Dabei trug ich meine dunkelrote wattierte Winterjacke, deren Seitentaschen-Reißverschluss sich andauernd im Tascheninnenfutter verhakt. Vermutlich eine Fehlkonstruktion ab Werk, denn es ist meine neueste und billigste Jacke (frĂŒher konnte ich mir erheblich bessere QualitĂ€t leisten). Vor zweieinhalb Jahren kaufte ich sie mir, weil mir die dicke Daunenjacke an wĂ€rmeren Wintertagen zu warm war, an denen es fĂŒr meine Sommerjacke noch zu kalt war.

Das mit dem Verhaken des Futters wurde im Laufe der Monate immer schlimmer. Ich glaube ich habe insgesamt bereits fĂŒnf oder sechs Stunden meiner wertvollen Lebenszeit dafĂŒr geopfert, den Stoff aus dem Reißverschluss dieser einen speziellen Jackentasche herauszufrickeln! Am schlimmsten war es bisher vor ein paar Tagen – am vergangenen Mittwoch hatte ich meinen Vater zum Impfzentrum gefahren, wo er seine erste BioNTech-Impfung erhielt – die ganze Zeit ĂŒber, wĂ€hrend der er in Begleitung meiner Mutter im Impfzentrum verschwunden war, sicherlich eine gute halbe Stunde, kĂ€mpfte ich mit dem vermaledeiten Reißverschluss, weil dieser sich wieder einmal hoffnungslos im Stoff verklemmt hatte! 😠

â—ŸNoch schlimmer war es dann aber heute! Als ich nach dem morgendlichen Supermarkteinkauf ins Auto gestiegen war, bekam ich die Jackentasche nicht mehr auf, in der sich der ZĂŒndschlĂŒssel befand
 Den Kofferraum und die TĂŒren konnte man noch fernentriegeln, indem man durch die Jackentasche hindurch auf den Aufsperrknopf des AutoschlĂŒssels drĂŒckte – aber zum Losfahren brauchte ich dann eigentlich den SchlĂŒssel selbst. Und kam nicht an ihn heran, weil das Futter sich diesmal dermaßen grĂŒndlich im Reißverschluss festgefressen hatte, dass man die Tasche nur einen Zentimeter weit öffnen konnte
 Es half kein Zupfen und kein Zerren: Kein Jackentaschen-Sesam-öffne-dich in Sicht! Hinten im Kofferraum taute die TiefkĂŒhlkost auf, wĂ€hrend Philomena und ich abwechselnd eine geschlagene Viertelstunde lang ruckelten, hakelten und rupften


Irgendwann riss mir dann der Geduldsfaden! 😡 Kein Wunder, denn ich hatte noch nichts gegessen, weil wir unbedingt extrem frĂŒh als erste Kunden noch vor den ganzen Corona-Seuchenvögeln dort einkaufen wollten. Ohne FrĂŒhstĂŒck habe ich die Laune eines vorzeitig aus seinem Bau geholten Mumeltieres
 Wie konnte es diese beschissene Jacke wagen, sich jeglicher Methodik zu widersetzen? Ich holte meinen SchlĂŒsselbund hervor und hakte den dicksten und stabilsten SchlĂŒssel den es daran gab in den Reißverschluss ein, um damit den störrischen Verschluss mit aller Kraft gewaltsam aufzureißen.

Ergebnis: Der Reißverschluss blieb zu, aber der SchlĂŒssel glitt abrupt ab und ich knallte volle Lotte blitzbeschleunigt mit meinem Ellenbogen gegen das Metall des AutotĂŒr-Innenrahmens (wir hatten mittlerweile die TĂŒren offen stehen, weil durch das ganze GeĂ€ckte die Scheiben beschlugen) – keine Ahnung mit der wievielfachen Erdbeschleunigung Knochen auf Blech traf, aber es tat höllisch weh! (Auch jetzt, fĂŒnfzehn Stunden spĂ€ter, kann ich den Arm kaum krumm machen, weil ich eine dicke pochende Beule habe.)

Jetzt war endgĂŒltig genug – ich eskalierte đŸ€Ź: Packte mir diese Scheißjacke und hakte die knapp einen Zentimeter weite Taschenöffnung im Affekt ĂŒber einen stĂ€hlernen Haken am Ende der Beifahrersitzverstellungs-Bodenschiene und riss mit heiligem Zorn wie ein Berserker! Ratsch riss die ganze Jacke entzwei und Philomena und ich fanden uns in einem Szenario wieder, das an eine in ein erntereifes Baumwollfeld geworfene Handgranate erinnerte! Überall um uns herum stoben die FĂŒllwatteflocken
 Aber die Tasche blieb nach wie vor rundum versiegelt.

Letztendlich gelang es Philomena mit ihren scharfen ZĂ€hnen das Innentaschenfutter von der RĂŒckseite aus (da kam man jetzt ran, weil die störrische Oberbekleidung ihrer Dreilagigkeit beraubt worden war) durchzubeißen – bis dann endlich der SchlĂŒssel wieder ans Tageslicht kam! Nach zwanzig Minuten Jackenhass!

Irgendwie verspĂŒrte ich eine minutenlange Genugtuung, als diese Jacke sichtlich am Ende war – allerdings verebbte dieses TriumpfgefĂŒhl recht bald und dann tat es mir doch um die Jacke Leid
 😱 Sooo viel Garderobe besitze ich schließlich auch nicht (mehr). Zumal ich eigentlich kaum was fĂŒr die ÜbergĂ€nge zwischen Winter und Sommer habe
 Tja – plötzlicher Jackentod. Kann passieren. 😇

â—ŸPhilomena fand die seidig schimmernde, tiefdunkelrote Bomberjacke ĂŒbrigens recht chic, weil ich darin nicht so sehr nach einem Mantelsnob oder Parkaschrat aussah. Meine Mutter fand sie gerade weil ich darin nicht nach einem Mantelsnob aussah eher proletenhaft doof
 Ihr seht, so weit ist es inzwischen mit meinem durch den Pandemie-RĂŒckzug nochmals verstĂ€rktem „SelbstgewĂ€hlten Exil“ bereits gekommen: Mein Außenwelt-Feedback besteht lediglich aus Philomena und meiner Mutter und das Aufregendste was ĂŒberhaupt noch in meinem Leben geschieht – und von dem ich Euch dann berichten kann – ist eine unbeherrschte Joppen-Destruktion! Mehr toxische Testosteronfreisetzung gibt es in meinem Eremitenleben nicht mehr
 😉

31 Gedanken zu “Das Ende einer Jacke đŸ§„😡

  1. Trotz regelmĂ€ssigem Einkommen verbietet es mir meine Erziehung, Dinge zu zerstören – eigen sowieso nicht, höchstens die von anderen und das ist bisher vielleicht 3x im Leben vorgekommen. Ich raste eher verbal aus.

    Diese Zerstörung wegen klemmenden ReissverschlĂŒssen ist mir allerdings nicht allzu fremd. Solche KleidungsstĂŒcke entsorge ich auch recht schnell, wenn ich keine funktionierende Lösung finde.

    Ich entschuldige mich schon mal, dass ich wĂ€hrend dem Lesen ununterbrochen gegrinst habe – denn wenns mir passiert wĂ€re, hĂ€tte ich vor Lachen nicht mehr gekonnt nach der Zerstörung. Ich hĂ€tte das Problem allerdings mit dem aktuellen Auto nicht haben können, da kann man den SchlĂŒssel nirgends reinstecken zum ZĂŒnden.

    Und doch – es gibt auch gĂŒnstige Kleidung, die hĂ€lt – ich meine jetzt nicht billige.

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  2. Du beschimpfst mich oft mit deinem iPhone-Scheiß als „neidischer Habenichts“ und von niederer sozialer Stellung, bist aber anscheinend schon neidisch auf meine FrĂŒhrente. Lel —————>der auch nur regelmĂ€ĂŸig vom Staat seine FrĂŒhrente in den Allerwertesten getrĂ€ufelt bekommt

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  3. Das Reißverschlussproblem kenne ich auch von verschiedenen Jacken (passiert auch bei höherwertigen Exemplaren). Da kann man schon in Rage geraten 😉 Zerstört habe ich aber allerhöchstens die Tasche bzw. den Reißverschluss, nicht die ganze Jacke. Aktuell nerven mich herausgebrochene ReißverschlusszĂ€hne an einer Jacke, aber noch gehorcht der Reißverschluss meinem Willen 😄

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  4. Mensch – Ihr alle beide sogar am Werk. Krass, ich fĂŒhle voll mit. Meine eine gĂŒnstige, dĂŒnne hellblaue Daunenjacke hat Ă€hnliche AllĂŒren. 😳 Dieses Geschwitze dann immer … 😳
    Rabi hat jetzt gerade wg einem Satz von mir gelacht, der, den Du auch bei Nell geliked hast. Find ich cool, hab an Dich gedacht, weil ich hie und da bei Dir ebenfalls schallend auflachen muss. Was von Dir sicherlich beabsichtigt war. 😉 Und ein Lachen ist in den heutigen Zeiten von unermesslichem Wert, wo es doch immer weniger zum Lachen gibt. Dankbare GrĂŒĂŸe – Dein (Galgen-)Humor ist klasse! 🙂

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  5. Lustiger Eintrag! 😄👍 Die Jacke hat es gar nicht anders verdient, als komplett zerrissen zu werden! 😂 Ich mag Parkas ganz gerne. Finde die gar nicht schratig. Bomberjacken mag ich eher gar nicht. So teuer muss ne Jacke nicht sein. Diese jedenfalls war definitiv scheiße und ein Fall fĂŒr die Tonne!

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      • Genau. Ich habe mindestens drei verschiedene Multiwerkzeuge in dem Stil vom Schweizer Armeemesser, wo alles dran, ist von SĂ€ge, Korkenzieher und Karabinerhaken ĂŒber Kreuzschlitzschraubendreher und Bierflaschenöffner bis zu Nagelfeile und Zahnstocher. Alles noch nie gebraucht! Eigentlich braucht man nur eine kleine Schere.

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  6. Also auch mit geregeltem Einkommen ĂŒberkommt mich eigentlich nie die Zerstörwut. Aber beim Lesen dafĂŒr das Lachen, grad an der Stelle, als ihr im Jackenflaum saßt und sich Philomena zum SchlĂŒssel durchbeißen musste 😄 das ist wirklich eine herrliche Vorstellung 😁👍

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