Neuland für „Kröt“ – erstmals im Innengehege

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In meinem letzten Blogeintrag berichtete ich davon, dass wir unsere Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) aus der Winterstarre geholt haben. Da wir „Kröt“ letzten Herbst früher als je zuvor in den Kühlschrank geschickt hatten und die üblichen vier Monate deshalb entsprechend eher rum waren, geschah das so früh im Jahr wie noch nie zuvor. Normalerweise wird er erst Ende März oder gar Anfang April geweckt und läuft dann bei gutem Wetter in seinem Außengehege herum oder sitzt bei schlechterem Wetter im gläsernen Schildkrötenhaus – dort verbringt Kröt auch die Nächte, weil er hinter Schloss und Riegel vor Raubtieren (Marder, Füchse, Waschbären, etc.) gut geschützt ist.

0589 Nachtquartier

Vermutlich lag es am frühen Wecktermin, dass er dieses Jahr nicht so gut in die Gänge kam, wie sonst. Entweder stand die Sonne für seinen Geschmack noch zu tief am Himmel, oder der Erdboden war selbst im beheizbaren Krötenhaus noch zu kalt für Kröt – das Resultat war jedenfalls, dass unser Schildkröten-Männchen am liebsten weiterhin in seiner Winterstarre bleiben wollte. Aber vier Monate sind eigentlich die Obergrenze und er sollte nun besser langsam seinen Organismus hochfahren und wieder etwas fressen nach der langen Pause. Tagsüber ging er nach draußen ins Außengehege und grub sich tief in der dortigen Höhle ein – Philomena musste ihn deshalb ausgraben, um ihn über Nacht ins sichere Glashaus zu setzen. Dort grub er sich dann in seinem Holzhäuschen ein. Kein Bock auf Wachsein… 💤🐢

Deshalb kam er heute erstmals in unser Innengehege im Haus, das ich vor fast drei Jahren fertiggestellt hatte. Ich hatte Anfang 2018 wochenlang daran gebaut, weil ich den Ehrgeiz entwickelt hatte, dass es wie ein antikes Möbelstück ausschauen solle um besser zur übrigen Wohnzimmereinrichtung zu passen.

0590 Innengehege

Das Innengehege hatte ich damals angefertigt, weil wir damals draußen im Freigehege noch kein beheizbares Haus für unseren Kröt hatten – da eine Haltung an der frischen Luft aber immer natürlicher und gesünder für eine Schildkröte ist (bei meinem Bruder lebte Kröt bis 2017 die meiste Zeit über in einem Terrarium in der Wohnung und sein Panzer wuchs wohl deshalb auch ein bisschen buckelig statt schön glatt), wurde das Innengehe durch die Fertigstellung des Schildkrötenhauses im Garten eigentlich obsolet und ward daher noch nie von einer Kröte von innen gesehen… 😄 Bis heute diente es daher nur als zusätzliche Stellfläche für Zimmerpflanzen und Dekorationsobjekte.

Aber wenn Kröt im Februar noch keinen Appetit hat, muss er halt ins Warme um nach der Winterstarre wieder rege zu werden! Unter den wärmenden Spezial-Lampen ging dieser Plan auch auf: Nach einer Weile machte er sich über die erste Mahlzeit her – Bio-Salat (wir waren deshalb erstmals seit langem mal wieder nicht beim Dorf-Supermarkt einkaufe, wo es kaum Biogemüse gibt, sondern im Edeka in „Graustadt“ – wenn der Salat nicht „bio“ ist, mag ihn Kröt nicht fressen. Tiere wissen halt, was gut und gesund für sie ist!). Salat füttern wir allerdings nur ausnahmsweise – hauptsächlich wird unser Haustier mit selbstangebauten Wildkräutern gefüttert, die auch in seiner natürlichen Heimat vorkommen.

0592 Futter

Es schien Kröt sehr zu schmecken und er fraß auch gleich etliche Salatblätter. Vor der ersten Mahlzeit hatte Philomena ihn natürlich schnell noch auf die Waage gesetzt – diesen Winter hatte er lediglich 13 Gramm Gewicht verloren – äußerst wenig (in der Winterstarre 2019/2020 waren es 35 Gramm, die er abgenommen hatte).

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Sobald es draußen tagsüber etwas weniger kalt ist, wird unsere Landschildkröte aber wieder draußen leben, bzw. über Nacht im dortigen Schildkrötenhaus, in dem die Temperaturschwankungen und die Luftfeuchtigkeit viel natürlicher sind, als in einem Wohnzimmer. Gegen späte Nachtfröste gibt’s dort ja eine temperaturfühlergeregelte Heizung. Mit einer App können wir uns auch immer die Temperatur- und Feuchtigkeitskurve auf dem iPhone oder iPad anschauen, bzw. erhalten einen Alarm, wenn dort draußen irgendwas nicht stimmen sollte. Ich vermute mal, dass es unser Haustier bei uns ganz gut hat, so sehr wie wir versucht sind, die Haltungsbedingungen zu optimieren. Zwei große Außengehege, Wildkräuterernährung, Telemetriedaten per W-LAN direkt aus dem Schildkrötenhaus bzw. Winterstarre-Kühlschrank, alle zwei Jahre eine Wurmkur… Bald fällen wir sogar die eine Eiche, damit Kröt im Garten mehr Sonne hat und Überwachungskameras fürs Außengehe sind auch schon angedacht… Tierwohl“ steht bei Philomena halt an allerhöchster Stelle! 😉

12 Gedanken zu “Neuland für „Kröt“ – erstmals im Innengehege

  1. Kröt ging also heute an einen Ort, wo noch nie eine Schildkröte war… *mitkalauer*

    Ich finde, dass ihr das supertoll macht und die paar Tagen drinnen, werden dem hübschen Herrn bestimmt nicht schaden – oder wie wir sagen: Da geht ihm nichts von der Schönheit ab.

    Das Gewichtbuch ist toll.

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  2. „ganz gut“ ist dezent untertrieben – ich glaube, besser kann es eine Schildkröte nicht haben, als bei euch 🙂 Sind Schildkröten eigentlich Einzelgänger oder würde sich Kröt über Gesellschaft seinesgleichen freuen?

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    • Andere Männchen würde Kröt vermutlich bekämpfen (zumindest wenn zusätzlich auch noch Weibchen da sind), Weibchen hingegen andauernd bedrängen.

      Wenn man Männchen und Weibchen in einem Gehege hält (tun etwa die Nachbarn von Philomenas Mutter), sollte es auf jeden Fall erheblich mehr Weibchen als Männchen geben, da das paarungswillige Männchen die Weibchen permanent stresst und auch verletzt. Das Gehege sollte dann auch groß und unübersichtlich sein, damit die Tiere sich aus dem Weg gehen können. Ausschließlich Weibchen zusammen zu halten ist in der Regel unproblematischer.

      Wenn wir mehr sonnenbeschienene Fläche hätten und deshalb mehr Tiere auf einer größeren Fläche halten könnten, könnten wir beispielsweise „Kröt“ mit fünf oder sechs Weibchen vergesellschaften – oder mit einem weiteren Männchen und zehn Weibchen… Es wird dann aber dennoch alle paar Monate mal zu Bissverletzungen kommen (Männchen stimulieren Weibchen durch Bisse in die Beine zur Paarung – wenn es zu wenig verschiedene Weibchen gibt, bzw. zu wenig Versteck- und Ausweichmöglichkeiten im Gehege, kann die Häufung dieser Verletzungen zu einem Fall für die Tierkliniken werden).

      Weibchen sind auch etwas problematischer zu halten, weil sie Eier legen. Wenn es im Herbst etwa zu warm wird (in unseren Breiten allein schon dadurch, dass man im Herbst Wärmelampen benutzen muss), kann es passieren, dass Weibchen vor der Winterstarre abermals Eier ausbilden, diese dann in der Kälte absterben und das Tier während der Starre tödlich vergiften. Außerdem muss der Kalkgehalt der Nahrung bei den Weibchen exakt stimmen… Und Material für Bruthügel im Gehege sein…

      Männchen sind erheblich unkomplizierter zu halten und außerhalb der Paarungszeit auch weitgehend Einzelgänger (in der Natur treffen die Tiere aufgrund ihrer relativ kleinen Reviere allerdings immer mal wieder auf Artgenossen – man begrüßt sich dann meist mit Kopfnicken und geht wieder seiner Wege. Allerdings helfen sich Landschildkröten instinktiv untereinander, wenn sie irgendwo auf ein umgekipptes Tier in Rückenlage treffen!).

      Deshalb wird Kröt erstmal auch alleine bleiben (es sei denn wir hätten die gesamte Gartenfläche als ständig besonnte Fläche zur Verfügung)… Gegen das Alleinsein und als Weibchenersatz, werden wir ihm wieder phasenweise seinen heiß geliebten Blumentopf ins Gehege stellen 😉… 🏺💕🐢

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