STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel XXX

#0400[1310]

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🏆 Dieses ist übrigens der 400ste Blogeintrag, den ich seit meinem Start an Silvester 2017 hier auf WordPress veröffentlicht habe (und mein 1310ter Blogeintrag insgesamt, seitdem ich 2002 mit dem Bloggen im Internet begonnen hatte).

🚀 Zum Jubiläum gibt’s für Euch eine neue Folge „Sternenkreuzer Pirmasens“ – viel Spaß beim Lesen!

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Kapitel XXX – Zurück an Bord

◾Unermüdlich hatte sich das Expeditionsteam nach der tragischen Begegnung mit den Gor’Sostorot, die Sergeant Sirić das Leben gekostet hatte, zurück in Richtung der „U.E.S.S. Pirmasens“ gekämpft – inzwischen waren sie ihrer Sicherheit verheißenden, gewohnten Unterkunft schon so nahe gekommen, dass sie die Umrisse des gestrandeten Raumkreuzers eigentlich schon in der Ferne erkennen hätten müssen, wenn es hier nicht so düster und diesig wäre, in diesem kalten, nach petrochemischen Prozessen stinkenden Alienschiff. Dem schwarzen Koloss, in dessen gigantischem, kavernösem Leib eingeschlossen die Pirmasens vergleichsweise nur ein winziger Embryo war…

Heiko Holthusen lag seitlich auf der dank eines gewissen Improvisationstalentes zusammengebastelten Transportvorrichtung. Sein Schlafsack schützte ihn vor der nasskalten Umgebungsluft, in der sich immer wieder spontan Schwaden von Bodennebel bildeten. Kalter Schweiß stand auf der runden Stirn des Physikers, dessen durch den Infarkt lädiertes Herz an Bord des Sternenkreuzers umgehend weiterbehandelt werden musste – Heiko hatte die Augen halb geschlossen und sah hinter den Nebelschwaden eine Frau vorbeibrausen. Ihr langes blaues Gewand und ihre rosafarbenen Haare flatterten im Fahrtwind und hinter ihr bauschte sich ein goldener Umhang in immer neuen Wogen…  Schnell wie der Blitz lief sie in etwa fünfzig Metern Entfernung an ihnen vorbei. Heiko riss seine Augen auf und versuchte sich krächzend mitzuteilen: „Pa äh Pavlína ist wieder da!“, brachte der Kranke schließlich heraus.

Sofort drehten sich mehrere Kameraden zu ihm um, auch überrascht, weil der Doktor nach einem halben Tag Pause überhaupt erstmals wieder etwas sagte. Als sie schnell die nähere Umgebung musterten, sahen sie aber niemanden. „Wo?“, fragte Colonel Deverell Cusmano, den auf seiner dreieckigen Transportbahre festgeschnallten Physiker.

„Ist da gerade vorübergerauscht – schon außer Sichtweite…“

„Gelaufen oder gefahren?“, fragte der Colonel weiter.

„Na gelaufen! Aber sehr schnell. Ja, sehr schnell – etwa so wie einer unserer offenen ATX-58 Gleiter für Planetarerkundungsmissionen…“

Cusmano runzelte die Stirn uns blickte kurz zu den anderen Teammitgliedern, bevor er weiterfuhr: „Und das war eindeutig Doktor Dvořáková?“

„Ja, Pavlína Dvořáková – wer würde sie nicht wiedererkennen mit ihren pinkfarbenen Haaren? Sie trug auch noch ein blaues Abendkleid und eine lange goldene Mantelschleppe, die bei dem Tempo hinter ihr in der Luft knatterte…“

Cusmano führte mit seinem Zeigefinger eine kreisende Bewegung an seiner rechten Schläfe aus, als er sich an die anderen Teammitglieder wandte: „Völlig plemplem… Ich glaube Doktor Holthusen phantasiert schon. Wir sollten uns jetzt sputen – an Bord der Pirmasens ist er definitiv besser aufgehoben… Abmarsch!“ Als sich die drei robotischen Bahrenträger abrupt wieder in Bewegung setzten, stöhnte Holthusen kurz auf und schloss die Augen.

◾Geifernd versuchte der kleine, rattenähnlich aussehende Brugo Ovott seinen schlaksigen Kumpel Cody davon zu überzeugen, dass sie nun endlich losgehen sollten, und zwar nach links. Cody O’Brallaghan verschränkte die Arme vor seinem Oberkörper und stellte sich stur: „Nein, wir gehen nach rechts – nur so gelangen wir in zentralere Regionen dieses Trumms, wenn wir nach links gehen, gelangen wir dorthin, wo die Pirmasens hier hineingeraten ist: Zum Heck!“

„Nein, du Vollidiot! Da vorne ist der Bug! Du beißt deine Hotdogs ja auch nicht mit dem Arschloch ab, oder?“, lachte Brugo keckernd.

„Wieso muss denn unbedingt da vorne sein, wo wir mit dem Sternenkreuzer rein sind? Vielleicht hat dieser Scheißkasten ja ne verdammte Heckklappe, durch die er sich was einpfeifen kann? Schon mal daran gedacht, du beklopptes räudiges Fellkissen?“ Cody tänzelte nun mit hochrotem Kopf auf und ab, als ob er gleich mit den Fäusten weiterdisputieren wollte. Auch die anderen fünf der noch verbliebenen Meuterer mischten sich nun lautstark mit ein. Gerade als die einzige weibliche Rebellin, Amber Nydegger, sinngemäß so etwas wie „Hinten ist das neue Vorne“ von sich gab, rauschte ihnen mit einem abrupten Windstoß Pavlína Dvořáková direkt vor die Optik! Die stellvertretende Wissenschaftsoffizierin der „U.E.S.S. Pirmasens“ war plötzlich wie aus dem Nichts vor der kleinen Rebellentruppe aufgetaucht.

„Halleluja! Wo kommen sie denn nun so plötzlich her, Frau Doktor?“, begrüßte Cody die Wissenschaftlerin mit echter Verblüffung und ließ seinen Blick neugierig über die aufwendig verzierte Prunkrobe wandern, die sich um deren üppige Kurven schmiegte, „ja ist denn schon wieder Karneval? Ich dachte, die feiern da gerade Weihnachtsbescherung auf unserem alten Seelenverkäufer…“

Weiter kam er nicht, denn die transformierte Terranerin schnitt ihm mit einem herrischen „Schweig!“ den flapsigen Redefluss ab. „Ihr werdet euch jetzt sofort wieder in jene Löcher zurückziehen, aus denen ihr herausgekrochen kamt, ihr Würmchen! Aber hopp!“ Pavlína klatschte leicht in die Hände und sorgte dafür, dass die sieben Gestalten vor ihr synchron auf dem Absatz kehrtmachten und sich umgehend entgegen ihrer eigentlichen Absichten in Bewegung setzten. Wie eine traurige Armee von ferngesteuerten Spielzeugrobotern watschelten sie zurück zum nahegelegenen Sternenkreuzer. Ob sie es wollten oder nicht, ihre Beine gehorchten ihnen nicht mehr und trugen sie zielstrebig bis zu jener Rundschott-Luke, die immer noch in der mattgrauen Flanke des gestrandeten Raumschiffs offenstand.

Die „mächtigste Frau des Universums“ schaute ihnen nach, bis sie alle nacheinander brav die Leiter zurück an Bord emporgeklettert waren und hinter sich das Schott verschlossen hatten. Gut so. Pavlína genoss ihre neue Macht und schritt nun bedächtig voran, bis sie wenige Meter vorm hoch emporragenden Bug der Pirmasens angelangt war. Das Schiff lag mit eingezogenen Landestützen in leichter Schräglage in einer langestreckten Mulde.

Wie eine sagenhafte Göttin stand sie nun dort und breitete ihre Arme aus. Sie befahl dem Computervirus über einen Quantenfernimpuls, sofort die Blockierung der zentralen Schiffs-KI aufzuheben und sich zurückzuziehen. Von nun an hatte sie die volle Kontrolle über das terranische Kriegs- und Forschungsschiff. Sofort flammten etliche Scheinwerfer an Mast und Außenhaut der Pirmasens auf und tauchten die Halle in gleißendes Licht. Brüllend erwachten nun etliche Lageregulationstriebwerke für Athmosphärenflüge zum Leben und bliesen orange-graue Rauchschwaden in alle Himmelsrichtungen, bevor sich die Pirmasens majestätisch aus ihrer flachen Senke erhob, in der sie über eine Woche lang festgesessen hatte. Als sie ihre Schräglage ausgeglichen hatte und etwa zwanzig Meter über dem Untergrund schwebte, fuhren automatisch die Landepylone aus dem Schiffsbauch hervor, mit denen bei einer regulären Landung Geländeunebenheiten ausgeglichen werden und die Last des 845.000 Tonnen schweren Raumfahrzeugs besser auf den Untergrund verteilt werden konnte. Eine solche reguläre Landung erfolgte nun auf Pavlínas Befehl hin unmittelbar an gleicher Stelle – diesmal nur eleganter.

Im vorderen Schiffsdrittel senkte sich nun langsam eine breite Rampe aus der Schiffsunterseite herab, die sich nun immerhin ein gutes Dutzend Meter über dem Boden befand, statt direkt auf dessen öliger Morast-Oberfläche aufzusitzen. Die Transformierte wartete, bis die Metallfahrbahn vollständig nach unten gefahren war, bevor sie sich selbst in Bewegung setzte. Da von der Schiffsunterseite über ihr fortwährend schwarze Schmutzpartikel herabkleckerten, lud die majestätisch voranschreitende Frau einen Luftraumtunnel um ihren Weg herum elektrostatisch auf, damit sie honorabel und sauber an Bord gelangen konnte. Die öligen Teerbatzen platschten jetzt nur noch links und rechts von ihr in ausreichender Entfernung zu Boden.

Die fast 70 Meter lang emporführende Rampe war Pavlínas Catwalk und sie genoss es, ihn triumphal hinaufzugehen. Nun auch wieder funktionierende Überwachungskameras säumten ihren Prozessionsweg. Wie eine mittelalterliche Königin hielt sie den gelupften Saum ihres bodenlangen Kleides in ihrer Linken, mit der rechten Hand trug sie majestätisch das schwere Zepter vor sich her, bei dem es sich nach Aussage jenes Gor’Sostorot, der sie transformiert und mit seinem Geist verschränkt hatte, um eine der mächtigsten Waffen der Galaxis handelte. Pavlína ahnte, dass sie diese Waffe wohl zur Erde bringen musste, um sie dann dort einzusetzen – aber diese Aussicht bescherte ihr weder Angst, noch Skrupel oder Unwohlsein. Solche Anwandlungen waren durch die Verschränkung mit dem dunklen Geist des dämonischen Außerirdischen nahezu vollständig überdeckt worden. Dennoch war ihre alte Persönlichkeit nicht vollkommen überschrieben worden – nur ergänzt und moralisch modifiziert. Sie freute sich deshalb tatsächlich „heim zu kommen“ und ihre Pirmasens-Kollegen wiederzusehen. Aber sie fühlte sich diesen alten Weggefährten nach der Metamorphose auch solchermaßen überlegen, dass sie sie allesamt verachtete…

Dieses fiel ihr auch umgehend auf, als sich oben im Hangar, der sich im Anschluss an die Rampe tief ins Schiff erstreckte, Captain Erno Santorius, Hayden Findley und Eidon Ludd im Laufschritt näherten – ihre dummen Gesichter voller drängender Fragen… Die stellvertretende Wissenschaftsoffizierin, die sie offiziell ja weiterhin war, bemühte sich nicht gleich zur Begrüßung aus ihrer Rolle zu fallen und zwang sich zu einer aufgesetzten Herzlichkeit: „Schön euch wiederzusehen! Die Pirmasens ist frei, ich habe es hinbekommen, dass wir die riesige »Leviathan« umgehend wieder verlassen können! Der Rest der Truppe kommt auch gleich…“ Sie deutete hinter sich, wo unweit des Rampenfußes gerade das restliche Expeditionsteam mit dem Patienten auf der Crab-Bot-Trage im von den Scheinwerferkegeln erhellten Bereich angekommen war. „Captain, machen sie die Pirmasens startklar! Es geht heim zur Erde!

Hayden Findley schluckte hörbar und bildete eine steile Stirnfalte aus: „Was? Aber unser Expeditionsplan! Wir sind hier doch noch gar nicht fertig…“

Die Rosahaarige schnitt ihr das Wort ab: „Schhh! Ich habe hier Dinge entdeckt, die unser Weltbild und die Grundfesten verschiedener Wissenschaften erschüttern werden! Wir sind es der Menschheit schuldig, sofort auf die Erde zurückzukehren!“ Captain Santorius sah, dass es offenbar unglaublich viel zu erzählen und zu erklären gab – unter anderem interessierte es ihn brennend, wieso die stellvertretende Wissenschaftsoffizierin plötzlich ein operettenhaftes Prunkkostüm trug. Er hatte sie beim Abschied anders in Erinnerung gehabt. Es würde wohl tatsächlich viel zu erläutern geben. Dass sich Pavlína das Meiste davon komplett aus den Fingern saugen würde, konnte er nicht ahnen…

0149 Pavlina

Laut wurde es im Hangar jetzt auch noch, als sich mit Blaulicht und Sirenengeheul ein Krankentransport-Gleiter mit einem Sanitätsteam näherte, um sich um den Herzinfarktpatienten Heiko Holthusen zu kümmern. Captain Santorius schlug deshalb vor, dass sich alle umgehend zu einer ausführlichen Lagebesprechung auf die Kommandobrücke begeben sollten.

Pavlína bat jedoch zunächst noch um eine kurze Auszeit, sie wolle sich erst noch ein bisschen frisch machen. In erster Linie wollte sie jedoch ihre neuerstandene Waffe sicher in ihrem Kabinenspind wegschließen, bevor diese zu viel Aufmerksam auf sich zog – noch schienen die Kollegen das machtvolle Instrument lediglich als Accessoire ihres spektakulär aparten Outfits wahrzunehmen… „In zehn Minuten bin ich auf der Brücke!“, vertröstete sie die wissbegierige Meute.

Als sie durch die Gänge des Sternenkreuzers ging, kam ihr alles nach wie vor sehr vertraut vor – fast so, als ob sie nicht diejenige wäre, die sie nun war – die mächtigste Frau, die je existiert hatte! Sehr viel mächtiger als Kleopatra, Elisabeth die Erste, oder die aktuelle Präsidentin der United Earth, dachte sie, als sie schnellen Schrittes ins recht belebte Arboretum trat. Dort stieß sie fast mit Benjamin Freitag zusammen, der bei ihrem Anblick zunächst die Augen weit aufriss und danach in schallendes Gelächter ausbrach: „Hey Pavlína! Zu welchem Kostümball bist du denn gerade unterwegs?“

„Zu gar keinem – ich komme direkt von der Leviathan-Erkundungsmission zurück und muss gleich wieder auf die Brücke zu einer wichtigen Besprechung…“

Benjamin lachte noch immer und fragte sie, ob ihr Outfit aus einer Alien-Boutique stamme, oder aus einem intergalaktischen Altkleidercontainer. Mit seinem nonchalant-patzigen Humor brachte er tief in ihrem Inneren eine alte Saite zum Schwingen, die sich offenbar erfolgreich dem Zugriff der Gor’Sostorot-Geistesverschränkung entzog. Sie lächelte nun selber und schüttelte ihren Kopf – das war so typisch Ben! Sie sehnte sich noch immer nach ihm. Auch als Mächtigste der Mächtigen… Aber sie hatte noch zu tun und ließ den gebürtigen Pirmasenser mit der milchkaffeefarbenen Haut deshalb einfach stehen, obwohl er sicherlich auch hunderte von Fragen an sie auf der Zunge hatte. „Das kann warten“, dachte sie und erwischte sich dabei, wie ihr einen paar Phantasien durch den Kopf schossen, die eindeutig unter die Kategorie „Missbrauch ihrer neuen Kräfte“ fielen…

Als sie in ihrer Kabine angekommen war, schloss sie ihre neue Waffe sofort in ihrem Spind ein, der über eine ähnliche Sicherheitsstufe verfügte wie ein Banktresor. Nur sie kannte das Passwort. Eigentlich wollte sie umgehend zurück zu ihrem Meeting eilen, aber sie entschied sich nun doch für einen Garderobenwechsel. Statt seine Trägerin in eine Aura außerordentlicher Autorität zu hüllen, hatte das außerirdische Kleid bei weiteren Zufallsbegegnungen auf den Fluren des Sternenkreuzers für allerlei Gelächter und Heiterkeit gesorgt. Sie zog sich deshalb ihre alltägliche Borduniform an, um von nun an weniger aufzufallen. Zorn flackerte in ihr auf – was bildeten sich diese bornierten Narren ein? Wenn sie gewollt hätte, hätte sie jeden, der da lachte oder mit dem Finger auf sie zeigte, in Sekundenbruchteilen in eine Konfettiwolke aus Blut und Knochen verwandeln können! Es juckte sie schon in den Fingern, ihre neuen Fähigkeiten auszuprobieren und hier und da ein Exempel zu statuieren – warum übernahm sie nicht einfach das Kommando, wenn sie zurück auf der Brücke war und verwandelte den Kapitän und seine Offiziere in Salzsäulen oder sabbernde Idioten? Sie könnte das zweifelsohne… „Pavlína, du musst dich zwingen, so normal wie möglich zu wirken – das ist der höheren Sache dienlich. Bleibe noch solange unter ihrem Radar, wie es dir möglich ist…“

Als sie in ihrem weniger auffälligen Outfit zurück zur Brücke lief, erregte sie nur noch das normale Aufsehen, das ihre physische Erscheinung mit sich brachte. Die Kerle guckten ihr auch hinterher, wenn sie im Laborkittel steckte. Das war Pavlína gewohnt. Kraft ihres verschränkten Bewusstseins nahm sie kurz Kontakt zu den Gor’Sostorot auf, um ihren neuen Herren eine kurze Statusmeldung zukommen zu lassen: „Alle Werte im grünen Bereich!“ Umgehend kam eine Antwort in ihrem Gehirn an: Die Uralten folgten weiterhin ihrem Plan das schwarze Schiff wieder kampfbereit zu machen und würden der „U.E.S.S. Pirmasens“ dann mit einigen Tagen Abstand zur Wiege der Menschheit folgen.

Schon faszinierend, wie zuverlässig diese hypermentale Quantenraum-Geistesverschränkung funktionierte… Aber alle Geheimnisse der mächtigen Uralten kannte Pavlína dann trotzdem nicht – ihr ging jetzt gerade beispielsweise durch den Kopf, wie ihr Transformationshelfer ihr letzte Nacht erzählt hatte, dass seine Informationen über den Sternenkreuzer von einer „Sonde“ stammten… Was für eine Art von Sonde das wohl sein mag, sinnierte die Rosahaarige, als sie gerade an der Kommandobrücke eintraf, vielleicht eine Art Drohne? Oder eine Spionage-Software? Über wirklich Alles hatte man sie dann offenbar doch nicht informiert…

◾Ärgerlicherweise hatten die anderen, Cusmano und Konsorten, ihren zehnminütigen Vorsprung bereits ausgiebig genutzt, um der Sternenkreuzer-Führungsriege von all den entsetzlichen Ereignissen zu berichten, die sie während ihrer Erkundungsmission erdulden mussten. Ihren Schilderungen nach waren die Gor’Sostorot fürchterliche Monstren – blutrünstig und dazu auch noch abgrundtief hässlich… In der stellvertretenden Wissenschaftsoffizierin flammte spontaner Zorn auf, da sie sich ihren neuen Herren zutiefst verbunden fühlte. Für sie waren das noble, großzügige und anbetungswürdige Überwesen und keine finsteren Schreckgestalten. Sie würde ihnen schon bald dabei helfen, ihren rechtmäßigen Platz in der Galaxis zurückzuerobern: Die jämmerliche Menschheit hatte nichts anderes verdient, als ein schnelles Ende!

Aber Pavlína Dvořáková riss sich innerlich zusammen und spielte ihre Rolle gut – mit einer Mischung aus Phantasie und Pathos band sie ihnen einen dicken Bären nach dem anderen auf. Schon nach wenigen Minuten hatte sie die gesamte Gruppe überzeugt und auf Linie gebracht: Sie würden nun mit dem Sternenkreuzer, nach ein paar Systemtests und Reisevorbereitungen, zur Erde aufbrechen – sogar ganz „freiwillig“, ohne dass Pavlína sie einsperren, lähmen oder in Salzsäulen verwandeln müsste…

Ein siegessicheres Lächeln umspielte den Mund der Wölfin im Schafspelz, als sie nach der Lagebesprechung zurück zu ihrer Kabine strebte. Nur noch ein paar Stunden zweiter Weihnachtstag, dann verließen sie den dunklen Bauch der „Leviathan“, die ihnen dann ein paar Tage zeitversetzt nachfolgen würde… Zeit genug für ein bisschen Spaß und Zerstreuung dachte Pavlína – dachte jener Teil in ihr, der nicht ganz so gründlich mit den Gor’Sostorot verschränkt war… Jener Teil, der Lust dazu hatte sich ein laszives Abend-Makeup aufzulegen und sich dann endlich das zu holen, was ihr eigentlich schon seit Monaten zustand!

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(eine Episodenliste mit direkten Links zu allen bisher auf meinem Blog veröffentlichten „Sternenkreuzer Pirmasens“-Kapiteln sowie ein liebevoll illustriertes Glossar zur Erklärung der Fachbegriffe und als Personen-Übersicht findet Ihr unter diesem Link)

3 Gedanken zu “STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel XXX

  1. War doch klar… eine Respektsperson ist der Erdennorm entsprechend anders gekleidet als im Karnevalsfummel. 😉😁🤡 Wie wäre es mit handgewebten italienischem Brokat in Königsblau, Klöppelspitze aus Klöstern, breite Säume mit Petit Point in tonigen Farben, einer ordentlichen Frisur, auffälligem Schmuck und einem Parfum, das Macht und Leidenschaft verspricht? Oder wäre Nacktheit eine gute Alternative? Sie ist doch ziemlich allmächtig und kann die Anderen sehen lassen, was immer sie möchte. Auf jeden Fall bleibt es spannend.

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