STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel XXIX

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Wieder sind 14 Tage vergangen, seitdem ich hier zuletzt einen neuen Blogeintrag veröffentlich habe – in diesen Corona-Zeiten geschieht einfach kaum etwas Berichtenswertes… Aber damit speziell die Science Fiction-Freunde unter meinen Lesern nicht allzu lange darben müssen, habe ich mir heute wenigstens ein neues Kapitel meiner Fortsetzungsgeschichte „Sternenkreuzer Pirmasens“ abgerungen – frei nach dem Motto „lieber eine leicht trashige neue Folge, als gar keine neue Folge“. Stimmt doch, oder? 😉

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Kapitel XXIX – neugewonnene Macht

◾Sie hatten eine Scheißnacht hinter sich. Der kleine Rebellentrupp um Cody O’Brallaghan und Brugo Ovott hatte sich noch keinen Kilometer weit von der „U.E.S.S. Pirmasens“ entfernt und war schon hoffnungslos zerstritten. Die Nerven lagen blank. Cody saß auf einer kleinen Anhöhe, einer außerirdischen Technikstruktur, die sich ein paar Meter über den ansonsten recht ebenen Hallenboden erhob und fluchte. Die verbliebenen Mitstreiter waren ähnlich schlecht gelaunt und machten nach einer annähernd schlaflosen Nacht einen desolaten Eindruck.

Irgendetwas Rätselhaftes war in den vergangenen Stunden vor sich gegangen. „Energiewellen“ schienen sie überrollt zu haben, die bei ihnen zu heftigen Kopfschmerzen und leichter Übelkeit führten. Mysteriöse Geräusche hallten über Stunden durch die riesigen Räume des außerirdischen Monsterschiffs – meist dumpf, als ob sie tief aus vielen Kilometer weit entfernten Schiffsregionen stammten. Die Beleuchtung hatte geflackert, die Luft geknistert. Schließlich war es dreien der zehn Verschwörer zu viel geworden und sie hatten sich panisch auf den Rückweg zum Sternenkreuzer gemacht. Cody hatte die beiden zu ihrem Trupp gehörenden Militärs hasserfüllt aufgefordert, die Deserteure zu erschießen, damit sie auf der Pirmasens keine Meldung machen konnten – aber die beiden Militärs hatten sich geweigert: „Wir töten keine zur United Earth gehörenden Zivilisten!“

„Ihr seid jetzt keine Soldaten der United Earth mehr, sondern gehört zu uns, den Freiheitskämpfern!“ Die beiden Militärs hatten nur mit den Schultern gezuckt und den dreien nachgeschaut, als sie feige zurück ins warme Nest strebten… Was für Revolutionäre waren das! Offenbar immer noch ihren alten Gelöbnissen und Amtseiden verpflichtet… Cody hatte geflucht, geschimpft, geschrien. Unter den sieben verbliebenen Gruppenmitgliedern war es daraufhin zu heftigen Wortgefechten gekommen. Nein, Cody sah, dass es gar nicht gut lief. Immerhin war es gegen Morgen etwas ruhiger geworden, die seltsamen Wellen, die sie alle gespürt hatten wieder verebbt. Aber die Motivation war eindeutig im Keller. Seine Mitverschwörer stritten sich noch immer über das weitere Vorgehen.

Zweiter Weihnachtstag 2121 – Tag 8 in der „Leviathan“

◾Dieses Mal hatte die Erste Offizierin nicht erneut den Fehler begangen, sich den seifig schmeckenden „weihnachtlich aromatisierten“ Morgenkaffee aus dem Dispenser zu ziehen – ihr heutiges Getränk war wieder völlig ohne Schnickschnack und „schwarz wie die Nacht“. Auf die Sekunde pünktlich zu ihrem Dienstbeginn war Hayden Findley mit dem dampfenden Kaffeebecher in der Hand auf der Kommandobrücke des Sternenkreuzers erschienen, obwohl ihre letzte Nacht katastrophal war. Irgendetwas schien außerhalb der Pirmasens geschehen zu sein, dass sich nicht ohne weiteres ergründen ließ. Beim Sprung in die Alcubierre-Metrik verspürte man bekanntlich oft leichte Kopfschmerzen, manchmal schienen sich dabei auch die Strukturen der Dinge zu verformen, so dass es einem beim Anblick davon kurzzeitig schwindelig wurde… Ähnlich hatte sich prinzipiell fast die gesamte vergangene Nacht angefühlt – so als ob eine höhere Macht permanent am Raumzeitgefüge herumpfuschen würde! Die Leuchtziffern, die auf dem Infodisplay an Haydens Offizierskabinenwand die Uhrzeit anzeigten, schienen permanent zu wabern und zu wobbeln – die junge Offizierin kam sich bei diesem Anblick fast so vor, als ob sie sturzbesoffen wäre. Zumindest stellte sie sich einen Trunkenheitszustand so ähnlich vor – außer alle Jubeljahre mal einem halben Glas Sekt, wenn es etwas wirklich Bedeutendes zu feiern gab, blieb sie dem Alkohol konsequent fern.

Die Brückencrew, die sich in den nächsten Minuten peu à peu zu ihr gesellte, wusste ähnliches zu berichten und sah entsprechend gerädert aus. Was in der vergangenen Nacht dort draußen auf der düsteren „Leviathan“ konkret geschehen war – darauf konnte sich niemand einen Reim machen.

◾Was sowohl die Sternenkreuzer-Crew als auch die die Rebellen um Cody O’Brallaghan nicht ahnen konnten war, dass ihre Schlaflosigkeit und die geheimnisvollen Beobachtungen aus einer Vielzahl von Prozessen herrührten, die Pavlína Dvořáková andernorts innerhalb des schwarzen Riesenschiffes über sich ergehen lassen musste: In der Transformationshalle war das große Werk vollbracht!

Mit sichtlicher Genugtuung blickte der ranghohe Gor’Sostorot auf das Resultat des letzten von insgesamt fünf Modifikationsschritten, denen er die Menschenfrau unterzogen hatte. In seinen Augen war sie nun vollkommen – die Allermächtigste unter den armseligen Angehörigen ihrer minderwertig-primitiven Spezies…

Insgesamt waren in den letzten Stunden über 400 Petajoule an Energie geflossen – was in etwa doppelt so viel ist, wie bei der Explosion der bisher größten Wasserstoffbombe freigesetzt wurde! Und es war dabei tatsächlich – auch wenn der Gor’Sostorot-Wissenschaftler es niemals so wie Hayden Findley ausgedrückt hätte – erheblich „am Raumzeitgefüge herumgepfuscht“ worden… Unter fünf verschiedene und jeweils mächtigere Manipulationen hervorrufende Apparaturen hatte er die Terranerin im Laufe der Nacht bewegt. Gespannt blickte er auf den Abklingteller unter dem Gerät Nummer 5, einem mehrfamilienhausgroßen Quantenfluktuations-Universalmanipulator, wo unbeweglich ein blassgrauer Haufen mit annähernd menschlichen Umrissen ruhte, von dem noch ein paar dünne Rauchfahnen aufstiegen.

Zunächst hatte er die terranische Wissenschaftlerin auf den Wissensstand seiner eigenen Spezies gebracht – ein vergleichsweise leichtes Unterfangen. Im zweiten Schritt wurde ihr gesamter Organismus modifiziert, durch induziertes In-vivo-Molekularassembling wurden all jene Anlagen hinzugefügt, über die auch die Gor’Sostorot verfügten: Künstliche Organe und Apparaturen, mit denen sich aktiv und willentlich auf der Mikroebene die Raumzeit manipulieren ließ! Man konnte mit dieser Fähigkeit beispielsweise Elektronik lahmlegen, oder Feinde lähmen. Ihnen auch nötigenfalls berührungsfrei die Köpfe abreißen, wenn solch ein Vorgehen zweckdienlich erschien… Seit Millionen von Jahren verfügte jeder Gor’Sostorot über solche hilfreichen Implantate!

Da er die Menschenfrau für höhere Aufgaben auserkoren hatte – für eine Mission, zu deren Verrichtung sie über erheblich mehr Kraft und Fähigkeiten verfügen musste, als ein gewöhnlicher Angehöriger seiner Spezies – beließ er Pavlínas Modifizierung nicht bei diesen beiden ersten Schritten, die sie lediglich auf das Niveau eines durchschnittlichen Gor’Sostorot emporgehoben hätten. Es waren erheblich gravierendere Eingriffe erforderlich! Eine komplette Manipulation bis auf die Quantenebene herunter. Eine völlige Entartung der Materie, aus der ihr Organismus bestand. Eine „Härtung“ gegen viele erdenkliche Gefahren, die das Universum bereithielt. Bei den letzten beiden Schritten war es um diese schwerwiegenden Transformationen gegangen, die aus der Terranerin eine Wesenheit machten, die sogar nahezu allen Exemplaren seiner eigenen Spezies um Lichtjahre überlegen war!

Am wichtigsten war aber jene Veränderung gewesen, die die Menschenfrau unter dem dritten der Apparate durchgemacht hatte – bei diesem Modifikationsschritt hatte sich der düstere Außerirdische, der unter den Gor’Sostorot auf der „Leviathan“ einer der ranghöchsten war, selbst an die Maschine angeschlossen. In einer halbstündigen Prozedur hatte er seinen eigenen Geist mit dem Verstand der Terranerin verschränkt. Von nun an würde sie nichts mehr tun, was nicht in seinem Sinne war! Sie war nun ein überaus hilfreiches Werkzeug – der gor’sostorotsche Fuß in der Tür zur gesamten Galaxis…

Der graue Kokon, der Pavlína Dvořáková umgab, bekam nun Risse und platzte schließlich vollständig auf. Stolz und kerzengerade stand sie auf der runden Plattform der fünften Apparatur. Die erfolgten Modifikationen sah man ihr äußerlich nicht an – augenfällig war nur der harte, entschlossene Ausdruck in ihrem Gesicht. Sie wusste, wer und was sie nun war – welche unvorstellbare Machtfülle sie nun besaß! Ein überaus wissendes und selbstgefälliges Lächeln schlich sich in Pavlínas stolzes Antlitz…

„Trete hervor, Menschenfrau“, rief der schwarzgewandte Uralte, „ich habe noch ein einzigartiges Geschenk für dich!“

Anmutig schritt sie nun zu ihm herüber – es war nun nicht mehr notwendig, dass er sie unter dem Zwang eines aufoktroyierten Banns bewegen musste. Als sie vor ihm stand, begegneten sich zwei Wesen auf Augenhöhe. Der Düstere griff in eine Lade, die auf einer neben ihm schwebenden Plattform befestigt war und hob daraus einen länglichen goldenen Gegenstand hervor, der sowohl wie eine Art Harpune, als auch wie ein königliches Zepter aussah. Die Erdgeborene wusste dank ihrer neuen Kenntnisse sofort, um was es sich dabei handelte und beugte demutsvoll ihr Haupt, als sie das kostbare Geschenk in Empfang nahm.

„In deinen Händen hältst du nun eine der mächtigsten Waffen, die in diesem Universum jemals geschaffen wurden. Es erfüllt mich mit Stolz, sie in deinen Händen zu sehen, Dienerin der Gor’Sostorot!“

Pavlína deutete einen Knicks an und lächelte abermals: „Ich werde sie in eurem Sinne zu verwenden wissen.“ Sie befühlte den schweren, kühlen Gegenstand, in dessen kristallener Pyramidenspitze es funkelte, als ob dort eine gesamte Galaxie eingeschlossen sei.

„Nach deiner Umwandlung und im Besitz dieser allgewaltigen Waffe bist du nun die mächtigste Frau des Universums, Dienerin der ältesten verbliebenen Zivilisation der Galaxis, der Bezwinger aller Gegner und Vernichter ihrer Feinde, der Herren über alle Kulturen und Zivilisationen, der Wahrer sämtlichen Wissens, allmächtig am Ende der Zeit!“ Pavlína knickste erneut. Sie fühlte sich von ihrer neuen Macht berauscht und dürstete danach, ihre neuen Kräfte ausprobieren zu können. Als der Uralte sie bat, ein Treuegelöbnis abzulegen, tat sie dieses nicht nur anstandslos, sondern aus tiefster neu eingepflanzter Überzeugung.

◾Das arg gebeutelte Expeditionsteam um Colonel Cusmano war tatsächlich den größten Teil der Nacht ohne längere Pausen durchmarschiert. Heiko Holthusens Zustand war zwar kritisch, aber immerhin stabil, obwohl er in seiner improvisierten Sänfte so manches Mal durchgeschüttelt wurde, wenn die drei Crab-Bots auf denen sie befestigt worden war mit ihren kurzen Krabbenbeinchen über Unebenheiten und steilere Stufen hinwegklettern mussten. Sytte Vimpi war sogar geschickt genug, während des Marschierens die Infusionsflaschen zu wechseln, die der ausgeknockte Physiker benötigte.

Wakayoshi Tomokazu warf einen leeren Selbstaufbrühbeutel fort, nachdem er sich mit seiner heißgeliebten Ramen-Suppe gestärkt hatte: „So, mit einem Blick auf unseren Automapper stelle ich gerade fest, dass wir nur noch vier Kilometer vor uns haben…“

„Das sind gute Neuigkeiten, Sergeant“, brummte der Colonel, der mit zusammengebissenen Zähnen an der Spitze des Trupps Tempo machte, „Endspurt! Sehen wir zu, dass wir endlich wieder zurück auf den sicheren Sternenkreuzer kommen!“ Obwohl sie fast am Ende ihrer Kräfte angelangt waren, erhöhten die Teamkameraden nochmals ihre Marschgeschwindigkeit – sie spürten jetzt so etwas wie den „Sog der Heimat“…

◾Auch Pavlína Dvořáková hatte sich inzwischen auf den Rückweg zur Pirmasens gemacht. Da sie nicht nackt zurückkehren wollte, hatte sie sich von den Gor’Sostorot zum Abschied noch eine ihrer neuen Rolle als „mächtigste Frau des Universums“ gerecht werdende Garderobe erbeten. In einem Molekularfertiger hatte sie sich – passend zur Anmutung ihrer neuen Waffe – eine elegante Robe in Blau- und Goldtönen geschaffen, in der sie auch tatsächlich so ausschaute, wie Pavlína sich eine Herrscherin der Galaxis vorstellte. Die Wissenschaftlerin hatte den Saum des neuen Gewandes gerafft und war sofort abschiedslos losgelaufen. Ihr Auftrag war schließlich klar definiert, so dass es nun keinerlei weiteren pathetischen Worte bedurfte.

Freudig probierte sie ihre neuen Fähigkeiten aus und beschleunigte das Lauftempo mühelos auf über 40 Stundenkilometer. Als sie an eine Balustrade zu einem tieferen Schiffsdeck kam, übersprang sie diese in vollem Lauf und rauschte mit flatternder Robe zwanzig Meter in die Tiefe. Die eigentlich harte Landung steckte sie nur mit einem sachten Einfedern ihrer Knie weg und beschleunigte ihren Lauf nun sogar auf Tempo 60!

„Ich glaube, mir beginnt das langsam Spaß zu machen“, rief sie nach einem kurzen Freudenschrei. Obwohl sie ihr exorbitantes Tempo nun schon über etliche Minuten gehalten hatte, war sie kein bisschen außer Puste! Der Herzschlag entsprach ihrem üblichen Ruhepuls… So gehörte sich das auch – als „mächtigste Frau des Universums“!

0144 Pavlina

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(eine Episodenliste mit direkten Links zu allen bisher auf meinem Blog veröffentlichten „Sternenkreuzer Pirmasens“-Kapiteln sowie ein liebevoll illustriertes Glossar zur Erklärung der Fachbegriffe und als Personen-Übersicht findet Ihr unter diesem Link)

3 Gedanken zu “STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel XXIX

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