Fallen statt Fällen

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Weil ich mich hier, unter anderem im letzten Blogeintrag, (teils künstlich) darüber aufrege, so früh aufstehen zu müssen, bzw. öfters darauf hinweise, dass ich beispielsweise um 6:30, aber auch um 9:30 Uhr noch nicht wach bin, mag mich sicherlich der eine oder andere Leser für einen stinkend faulen Sack halten, der ewig pennt. Vor allem die neueren Follower kennen meine Gepflogenheiten vielleicht noch nicht so ganz… Deshalb sei nur kurz darauf hingewiesen, dass ich keinesfalls lange schlafe – ich stehe lediglich spät auf. 😉 Üblicherweise schlafe ich von vier bis zehn Uhr morgens. Oftmals auch kürzer. Im Wochendurchschnitt sicherlich nicht mehr als fünf bis fünfeinhalb  Stunden pro Nacht. Ich habe dermaßen viele Dinge, für die ich mich interessiere – allein vier Stunden pro Tag verbringe ich mit Selbststudium in allen für mich interessanten Wissenschaftsbereichen – dass ich am liebsten gar nicht mehr schlafen würde, wenn das irgendwie technisch möglich wäre. Soviel dazu.

Nun zu den beiden inzwischen erfolgten Handwerkerbesuchen:

1️⃣ Heizungsmensch: Der Typ kam mittags vorbei und erwies sich als erheblich kompetenter, als der übliche Depp jener Heizungsfirma, der mir zudem auch schon das eine oder andere Mal übel das Klo verkackt hat. Insofern war ich ganz zufrieden. Teuer wird die Reparatur auch nicht, denn der Mann hatte nicht allzu viel zu tun: In einem typischen Fall von „Vorführeffekt“ sprang die seit Samstag defekte Heizung und Warmwasserbereitung nun doch wieder an. Es kann sein, dass ausgetretenes Wasser einen temporären Kurzschluss auf der Hauptplatine verursacht hatte. In den letzten Tagen ist das Wasser dann verdunstet und nun funktioniert das Gerät wieder.

Dennoch ist die 19 Jahre alte Gasheizung in keinem guten Zustand mehr und muss möglicherweise vor dem nächsten Winter durch ein neues Gerät ersetzt werden. Eventuell wird das schwierig, weil das Abgasrohr blöderweise ohne Revisionsklappen eingebaut wurde – aufgrund von gesetzlichen Vorgaben, müsste es bei der Heizungserneuerung eventuell ausgetauscht werden: Für uns hieße das, dass man die gesamte Wand (Rigips und Kacheln) in unserem Badezimmer in der oberen Etage rausreißen müsste, um an den Schacht zu gelangen, der einfach ohne Zugang zugebaut worden ist. Wer plant und konstruiert sowas eigentlich auf solch eine bescheuerte Weise? 🤔😠

2️⃣ Baumkletterer-Firmenchef: Am späten Vormittag kam hier der Baumkletterchef vorbei und fand es „furchtbar schade“, wenn wir hier die beiden „wunderbaren alten Bäume“ fällen lassen würden, die er ebenfalls auf 80 bis 120 Jahre schätzte. Ich hatte ein ähnliches Alter zuvor auch schon vermutet, da ich mich mit Botanik ein bisschen auskenne. Machen würde er es natürlich, wenn wir darauf bestünden, die Kosten lägen bei etwa 6000 Euro (drei Arbeitstage). Auch das hatte ich ziemlich genau so vorhergesehen.

Nun aber die gute Nachricht: Der Firmenchef bildet sich aktuell in einer neuen Methode fort, die in Frankreich mit einem Erfolg von 90% gegen Eichenprozessionsspinner-Raupen angewendet wird – er will das Verfahren ab nächstem Frühjahr ebenfalls anbieten. Es handelt sich dabei um spezielle Fallen, die in die Bäume gehängt werden. Kostenfaktor – etwa 300 Euro pro Jahr. Ich könnte also 20 Jahre lang Fallen in die Bäume hängen lassen (und hoffen, dass zwischendurch doch noch mal ein Minus-fünfzehn-Grad-Winter kommt, der die Viecher lokal für etliche Jahre aussterben ließe), bevor ich die Abholzungskosten wieder drinnen hätte. Selbst das Nesterabsammeln durch Beklettern kostet etwa drei- bis viermal so viel, wie die innovative Raupenfallen-Lösung. In den Fallen ist ein Lockstoff enthalten, der die Raupen anziehen soll.

Wie gut dieses Verfahren zur Eindämmung der Giftraupenplage wirklich ist, lässt sich natürlich nicht so ganz genau sagen, weil es nur Erfahrungswerte aus Frankreich gibt, die man vielleicht nicht eins zu eins auf hiesige Verhältnisse übertragen kann. Aber Philomena und ich sind interessiert und bereit, das nächstes Jahr einmal auszuprobieren. Notfalls müssen dann wieder die Kletterer anrücken, wenn es nicht funktioniert. Außerdem muss der Nachbar wieder mitmachen – aber ich denke er wird das tun und begeistert sein, wenn er hört, dass das neue Verfahren deutlich weniger kostet, als die Nester einzusammeln. Außerdem muss man dann nicht trotzdem zwei Monate lang mit der Brennhaarverseuchung und der Raupendermatitis leben. Leider sind aber 90% keine 100% – deshalb bin ich noch leicht skeptisch.

Ein anderer Tipp des Firmenchefs (ein wirklich netter und altruistisch-generöser Mensch, denn immerhin bringt er sich durch solche Hinweise um Einnahmen) war, dass wir den Wilden Wein vom Baum entfernen sollen. Falls doch wieder das Kletterteam (wie vor ein paar Wochen) kommen muss, um die Nester einzeln zu entfernen, findet es diese erheblich schneller, wenn nicht Stämme und dickere Äste mit der Kletterpflanze überwuchert sind. Deshalb riet er uns dazu, den Wilden Wein in geringer Höhe zu kappen und dann so in Schach zu halten, dass er nicht mehr allzu hoch an den Stämmen empor wächst, damit man dann oben in den Kronen die Nester leichter finden kann. Gute Idee – ich werde gleich noch mit der Rosenschere loslegen.

Immerhin besteht jetzt die Hoffnung, dass wie unsere schönen alten Bäume doch noch erhalten können (der Experte bot uns auch einen leichten Astrückschnitt an, damit etwas mehr Sonne auf unser Schildkröten-Gehege fallen kann – wir werden vermutlich darauf zurückkommen, wenn im nächsten Frühling die Fallen ausgebracht werden) und sich nun unerwartet eine neue Methode zur Giftraupenbekämpfung auftut (alternativ könnte man die Raupen übrigens vergiften, aber die Gifte bzw. Bakterien würden auch alle anderen Insekten in unserem Garten töten und das Leben unserer Griechischen Landschildkröte gefährden). Wenn 90% der Raupen in die Falle gehen, dann schaffen die vielen Vögel bei uns die restlichen 10% vielleicht auch noch (die Meisen und andere Singvögel fressen die frisch geschlüpften Raupen während der ersten Wochen, in denen diese noch keine giftigen Nesselhaare haben). Hoffen wir das Beste! 😃

8 Gedanken zu “Fallen statt Fällen

      • Probieren geht über studieren 😉. Ich würde jeden sich bietenden Lösungsansatz der Baumfällung vorziehen, nicht nur wegen des Geldbeutels, obwohl das natürlich auch ein nicht zu verachtender Vorteil wäre.

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        • Ich schließe mich an. Einen Versuch sind die Fallen doch alle Mal wert. Auch auf die Gefahr hin, dass ihr da im worst case nochmal ein qualvolles Jahr habt. Was ich natürlich nicht hoffe. Aber was ist ein Jahr im Vergleich zu 100, die durch das Fällen auf einen Schlag ausgelöscht würden?

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  1. Immerhin gibt es noch Leute, die einem Tipps geben ohne gleich eine überteuerte Rechnung zu stellen – das freut mich immer sehr.

    Weiter sehe ich es wie die anderen – ich würde das wohl auch wenigstens einmal probieren, so es in D zugelassen wird. Wobei ihr ja EU seid – bei uns ist es manchmal schwierig, wenns was in D gibt, das in der CH auch zu bekommen (rezeptfreie Medikamente zb, die es bei uns nur auf Rezept in Mini-Packungen gibt).

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  2. Das wäre super! Vor allem wegen dem unersetzlichen Baumbestand. Ich bin hier heilfroh über die gewaltige Rotbuche, die das Haus vor der mittäglichen Sonneneinstrahlung abschirmt. Auch wenn das Laub sehr viel Arbeit mit sich bringt und ich im Frühling oder Herbst gern mehr Sonnenwärme hätte. Ganz viel Glück wünsch ich jedenfalls!

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