„Eichelprozessionsspinner“

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◾Inzwischen nerven die Eichenprozessionsspinner mit ihren stetig herabrieselnden Gift-Brennhaaren erheblich: Jedes Mal, wenn Philomena oder ich in den Garten gehen, haben wir hinterher ein paar neue Raupendermatitis-Pusteln! 😖 Diese brennen erheblich schlimmer als Mückenstiche und auch gleich mehrere Wochen lang, bevor es langsam wieder besser wird. Ich gehe abends nur noch mit dicker Jacke und Mütze in den Garten, wenn mir unter diesen Umständen überhaupt noch nach Zigarre-Rauchen ist…

Eine einzige Raupe hat bis zu 600.000 Brennhaare und wir inzwischen mindestens zwei etwa fußballgroße Raupennester an unseren Eichen, nebenan beim Nachbarn sind’s sogar mindestens fünf oder sechs Nester, die wir von uns aus mit dem Feldstecher erkennen können.  Mit den bis zu sieben Jahre lang toxisch aktiven, mikroskopisch kleinen und mit dem Wind bis zu mehrere Kilometer weit durch die Gegend fliegenden Brennhaaren ist nicht zu spaßen! Leider sind einige Kleidungsstücke damit inzwischen regelrecht kontaminiert. Andererseits ziehe ich immer wieder das Gleiche an, damit man hinterher nicht unnötig viele Klamotten wegwerfen muss.

Die heutige Blogeintragsüberschrift ist übrigens kein Tippfehler – sondern leider schmerzhafte Realität: Als ich vor wenigen Tagen unter der Dusche Intimpflege betrieb, wurde offenbar ein winziges Raupenbrennhaar, das sich in meinen Haaren verfangen hatte, vom Kopf nach weiter unten gespült, wo es dann eine wirklich äußerst schmerzhafte Wirkung entfaltete! 😱😖😩 Ich würde das meinen ärgsten Feinden nicht wünschen, was dort aktuell los ist… Jedenfalls trage ich seit heute wieder die extraweiten nepalesischen Pluderhosen und nix drunter. 😉

Es ist nun höchste Zeit, Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Raupen einzuleiten, denn diese sind nun im letzten Entwicklungsstadium angekommen, wo sie besonders viele und besonders toxische Brennhaare besitzen. Nun wechseln sie auch nicht mehr in neue Nester und halten sich aufgrund der inzwischen höheren Außentemperaturen tagsüber in ihren Nestern auf. Jetzt können sie endlich durch Baumkletterer mit Schutzanzügen entfernt werden.

Eigentlich hatte ich zu diesem Zwecke bereits vor etlichen Monaten eine Terminvorreservierung bei einem der wenigen momentan äußerst gefragten Fachbetriebe, die hier in der Region in der EPS-Bekämpfung geschulte Kletterer beschäftigen, vorgenommen, bzw. uns auf die Warteliste setzen lassen. Als ich dort gestern in Erwartung eines kurzfristigen Termins anrief, kam dann der Super-GAU: Der Gartenbaubetriebschef teilte mir mit, dass die Kletterer leider ausgefallen sind – und zwar wegen Eichenprozessionsspinner-bedingter Verletzungen! Der eigentlich erfahrenste Kletterer der Firma hatte kürzlich EPS-Raupen bekämpft und dabei auch vorschriftsmäßig eine Schutzbrille und Schutzkleidung getragen. Aber er hatte (O-Ton: „wir haben die Gefährlichkeit dieser Mistviecher eindeutig unterschätzt“) leider vergessen, seine Klettergurte nach dem Einsatz zu säubern. Am Freitag hatte er dann wieder einen Klettereinsatz in anderen Bäumen, die nicht EPS-befallen waren, und trug daher keine Schutzbrille. Der Wind wehte dem Mann oben auf dem Baum Gifthaare von den ungereinigten eignen Gurten in die Augen. Folge: Er musste in die Augenklinik nach „Shangri-La“ und ist nun einen Monat lang krankgeschrieben! 😲😬 Seine Kollegin meldete sich Anfang der Woche ebenfalls krank, weil sie etliche Brennhaare bei einem anderen Arbeitseinsatz eingeatmet hatte… Fazit: Pustekuchen!

Glücklicherweise hat mir der Chef der Gartenbaufirma dann aber noch einen anderen Gartenbaubetrieb in „Graustadt“ genannt, der auch EPS-Bekämpfung durch Kletterer anbietet (bei uns kann leider kein Hubsteiger aufs Grundstück fahren, deshalb muss überhaupt geklettert werden) und mit dem seine eigene Firma regelmäßig zusammenarbeitet. Dort rief ich gleich heute Morgen an und suchte um einen neuen Termin nach. Ich hatte wahnsinniges Glück, denn vor mir standen nicht mehr allzu viele andere betroffene Grundstücksbesitzer auf der firmeninternen Warteliste zur EPS-Bekämpfung (eventuell wurde ich auch vorgezogen, weil ich mich auf die Empfehlung des anderen Betriebs mit den ausgefallenen Kletterern beziehen konnte) – angeblich bekomme ich nun immerhin zu Beginn der nächsten Woche noch einen Termin innerhalb der gleichen Woche.

Für das Nachbargrundstück habe ich den Termin gleich mitreserviert. Ich bin mit dem Nachbarn so verblieben, dass wir uns die Rechnung dann teilen. Dem Kostenvoranschlag nach, den ich heute zugemailt bekam, liegen die Bekämpfungskosten bei unseren Eichen vermutlich irgendwo zwischen 200 und 600 Euro und bei den Nachbarn zwischen 400 und 1200. Hoffentlich können die sich das dann überhaupt leisten… Aber notfalls übernehme ich wirklich die Hälfte der Gesamtkosten, also 300 bis 900 Euro, bevor diese fürchterlichen Raupennester anderenfalls wieder gar nicht entfernt werden, so wie im letzten Jahr: Da ließen Philomena und ich unsere Nester beseitigen, der Nachbar hingegen, ließ seine einfach hängen. Wir konnten deshalb das ganze restliche Jahr lang unseren Garten nicht mehr benutzen! 😠 Aufgrund der vorherrschenden Windrichtung wehte alles vom Nachbarn zu uns herüber und sein Gelände war nahezu nicht betroffen, zumal er seinen eigentlichen Aufenthaltsgarten nicht unter den Bäumen hat, sondern auf der anderen Seite vom Haus.

Dieses Mal ist er allerdings mit seiner ganzen Familie selber stärker betroffen, weil hier seit einer Weile eine unübliche Windrichtung vorherrscht – nun weht es die giftigen Nesselhärchen auch in seinen Garten und die Familie hat inzwischen auch erhebliche Raupendermatitis. Deshalb war er dieses Jahr offenbar auch endlich einsichtig. Mal schauen, was nun dabei herauskommen wird!

◾Gestern spielten wir wieder Tennis – zum zweiten Mal in diesem Jahr. Es war zwar sehr schwül, aber nicht so sonnig, wie beim ersten Mal in diesem Jahr nach der Corona-Pause. Eher ziemlich wolkig. Deshalb war ich hinterher auch nicht völlig im Arsch, so wie beim ersten Mal vor ein paar Tagen. Erfreulicherweise spielte ich auch wieder erheblich besser, als beim letzten Mal nach den acht Monaten Pause. Ich komme wohl wieder langsam rein ins Tennisspielen.

Als wir auf dem Clubparkplatz anhielten, lief uns dort auf dem eigentlich mit einem abschließbaren Tor gesicherten Vereinsgelände ein polnischer Penner über den Weg. Der Landstreicher war deutlich verwahrlost (sah mit vielleicht 28 bis 40 Lebensjahren schon fast wie 50 bis 60 aus und hatte keine Schneidezähne mehr) und deutete permanent auf eine Art laminierten Ausweis, den er an einem Band um den Hals trug. Keine Ahnung, was das war – gibt’s so was wie einen „Polnischen Pennerausweis“? Oder ein „EU-Landstreicher-Diplom“? Ich wollte jedenfalls nicht so nah heran an die lebende Vogelscheuche – nicht nur wegen Corona-Abstandsregeln, sondern auch weil der Typ so ausschaute, als ob er die Krätze oder ähnliches hätte… Da er weder Deutsch noch Englisch verstand, wies er mit Gesten darauf hin, dass er hinterm Clubhaus im Gebüsch schlafen wollte. Wir erlaubten ihm das sofort und ich verabschiedete ihn noch mit einem „dzień dobry“ (so ziemlich auch das einzige, das ich auf Polnisch kann), das ihm ein breites Lächeln ins Gesicht zauberte, als er geschwind hinters Clubhaus verschwand…

Ich befürchte, dass ihn vermutlich nahezu jedes andere Mitglied des Tennisclubs umgehend des eingezäunten Grundstückes verwiesen hätte – notfalls vielleicht sogar gleich die Polizei geholt… Mir tat der Typ leid – soll er sich da doch in Ruhe ausruhen können! Seitdem ich selber seit Jahren im Minus bin, fühle ich mich solchen Obdachlosen vielleicht sogar näher, als irgendwelchen stinkreichen Snobs, wie ich sie oft als Kunden hatte (einer besaß sogar mal eine private Seilbahn auf seinem Hanggrundstück am Taunus, ein anderer immerhin ein Badezimmer, das über 2 Millionen Euro teuer war)…

Obwohl ich auch schon vor meinem finanziellen Abstieg nicht so dünkelhaft war, wie ich hier auf meinem Blog vielleicht partiell rüberkomme – ich bin zwar selber manchmal ein wenig snobby und kultiviere auch meinen Menschenhass, aber dieser bezieht sich immer auf die Menschheit oder Gesellschaft als Ganzes – im konkreten Einzelfall bin ich oftmals sogar eher herzlich. 😉😇 So kamen auch ganze Trauben von Maladen und Beladenen immer auf einen geschnorrten Kaffee in die Kunstgalerie, die ich vor etlichen Jahren in der Altstadt von „Shangri-La“ besaß. Darunter auch ein Penner, zufällig ebenfalls aus Polen – er konnte aber ein paar Brocken Deutsch (die er unter anderem dazu benutzte, mir von einigen Aktgemälden inspiriert zu berichten, dass indische Frauen im weltweiten Vergleich angeblich die schönsten Brustwarzenvorhöfe besäßen) und war auch Kunstmaler: Mit dem Dreck der Straße malte er auf gefundenen Verpackungsmüll-Pappresten kleine Kunstwerke, Aktbilder und Tierzeichnungen hauptsächlich. Er war zwar kein großer Künstler – aber dafür einer, der unbedingt Kunst schaffen wollte! Unter widrigsten Umständen. Ich schenkte ihm, um das zu honorieren, öfters Farbtuben oder weiße Pappe von Bilderverpackungen, auf der er dann malen konnte. Über diese Malerutensilien freute er sich jedes Mal noch erheblich mehr, als über den Kaffee! 🙂 Alle paar Wochen kam er auf eine Tasse in der Galerie vorbei, wenn er durch die Gegend tingelte. Vier oder fünf Mal insgesamt – dann blieb er für alle Zeiten weg.

11 Gedanken zu “„Eichelprozessionsspinner“

  1. Kopfkino *örks*
    Schnelle Besserung – und so böse es klingt: Gut, dass der Wind in die andere Richtung weht dieses Jahr. Ihr werdet das schon bezahlen können, irgendwie.
    Siehste, sogar Profis können was vergessen oder Pech haben.

    Die Pluderhosen sähe ich auch gerne.

    Zum Sport nur soviel: Ich gehe ja normalerweise 1x/Woche Turnen und nehme das nicht so ernst. Jetzt war aber nichts, weil alle Hallen geschlossen waren und ich fühle mich sehr schlecht so ohne. Bald gehts aber wieder los.

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  2. Das hat mich jetzt alles doch ziemlich runter gezogen, auch zuvor das, was Rebell zu berichten hatte. Da kommen mir meine eigenen TB-Notizen echt nichtig dagegen vor …
    Ob für Dich ein Vollbad fortan sicherer wäre wg der gefährlichen Raupenbrennhaare?

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  3. Autsch… also duschst du in den nächsten Monaten nur noch in Badehose? Nein, das ist nur ein blöder Scherz, das würde wahrscheinlich nichts bringen.

    Vor kurzem hat mir eine Polin, die in Deutschland lebt, erzählt, dass das polnische Wort für „bitte“ (prosze) ganz ähnlich klingt wie eine üble Beleidigung. Wenn man höflich sein will, sollte man das e am Ende kurz aussprechen. Mit langem e bedeutet es etwas in der Art von Hurensohn.

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  4. Ohje, das ist echt der blanke Horror. Dein Post liest sich packender als der Spannungsroman, den ich gestern angefangen habe. Aber ich schätze, das ist nur ein schwacher Trost. Gute Besserung!

    PS: Deine Gesten gegenüber dem Penner aus der Gegenwart und jenem aus der Vergangenheit finde ich herzerwärmend. Und sie verleihen deinen Zeilen trotz der dominanten „Raupe des Todes“ etwas Positives. Ich drück euch die Daumen, dass der Eliminierungstrupp nächste Woche wie geplant anrückt und ihr danach endlich Ruhe habt!

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    • Ja, danke. Endlich Ruhe wäre schön… Mit den Brennhaaren, die auf dem Erdboden gelandet sind, hat man leider auch nach der Entfernung der Nester seine Freude – sie sind noch Jahre lang aktiv und können etwa beim Rasenmähen hochgewirbelt werden… Bin auch schon mal auf die „Dunkelziffer“ gespannt, also die Zahl der Nester, die wir von unserem Garten aus mit dem Fernglas noch gar nicht entdeckt haben.

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  5. Autsch 🙈. Was diese Mikrohaare doch anrichten können 😣. Vor paar Tagen hat man in unseren Lokalnachrichten über zeitweise Straßensperrungen aufgrund von EPS-Bekämpfung berichtet. Da musste ich gleich an dich denken. Drücke die Daumen, dass ihr die Plage nächste Woche loswerdet 🐛🍀

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