Mañana

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Wieder eine Woche lang nichts mehr geschrieben. Nun es passiert halt auch gar nichts mehr. Nichts Relevantes, nichts Gravierendes… Zeit vergeht. Mehr nicht. Seit dieser Corona-Krise bin ich noch passiver, als ich in den letzten Jahren eh schon geworden bin.

Oft liege ich zehn Stunden am Tag auf dem Bett und starre in mein Tablet. Lese darauf Romane, Zeitungsartikel, Fachzeitungsartikel, allerlei Meldungen. Liege reglos und lese. Muskelschwund. Habe inzwischen Beine wie zwei Stöcke. Wenn ich eine Frau wäre, sähen solche Beine klasse aus (Philomena meint das immer, wenn ich mal eine enganliegende lange Unterhose anhabe, in der die Beine ausschauen wie in einer Damenstrumpfhose) – aber an einem Kerl? Zwei lange Stöcke, die kaum noch dazu in der Lage zu sein scheinen, den schweren Wanst zu tragen, der oberhalb folgt. Ich schwanke umher. Mir ist oft schwindelig. Wie ein Astronaut, der nach Monaten im Weltall kaum noch aufstehen kann, wenn er wieder auf der Erde gelandet ist. Wackelig.

In dem Maße, wie Philomena immer fitter wird, baue ich ab. Diametral zu ihr entgegengesetzt. Gefühltes Alter Mitte bis Ende Achtzig… Ich habe auch oft schlechte Laune, wie so ein grantiger Greis. Konzentrationsschwierigkeiten. Innere Gleichgültigkeit. Nichts passiert mehr. Kaum noch Sozialkontakte. Selbst das alle vier bis acht Wochen stattfindende Essengehen mit Mitch ist dieses Jahr bisher komplett ausgefallen – erst war ich krank, dann konnte ich nach der Zahn-OP nicht kauen, dann kam Corona. Rudi wollte auch zu Besuch kommen. Aber ich will ihn hier nicht haben. In Berlin mischt er sich ohne Maske unter die Leute. Er hat dort diese Loser-Runde aus Rentnern, Verschwörungstheoretikern und uncoolen Studenten als Freundeskreis. Treffen sich mehrmals wöchentlich in wechselnder Zusammensetzung. Oft zu zehnt – fast allesamt „Corona-Leugner“. Wenn Rudi zu Besuch käme, schleppt er uns deshalb womöglich noch die Seuche in unsere akribisch gepflegte Quarantäne!

Außerdem müsste ich dann beim Anhören seiner sektiererischen Verschwörungsmythen im Breiten Strahl kotzen – ich ertrage die schon zu normalen Zeiten kaum noch. Aber wenn es dann einmal wirklich ernste Probleme auf der Welt gibt und jemand leugnet diese und erzählt mir was von jüdischen Echsenaliens, die Corona erfinden, um damit die Menschheitsausrottung durch 5G-Strahlung zu kaschieren, dann bin ich definitiv raus! So tolerant bin selbst ich nicht – obwohl ich allgemein hin als überaus diplomatisch gelte (meine „Holzhacker-Seite“ lebe ich eigentlich nur auf WordPress offen aus – ansonsten behalte ich meine Meinung in der Regel aus Höflichkeit strategischen Gründen für mich, solange keine gravierenden Interessen von mir betroffen sind, oder eingeschränkt zu werden drohen)… 😉

0466 Garten

Tennisspielen wäre seit Dienstag bereits wieder möglich gewesen – aber ich habe bislang den Arsch noch nicht wieder hochgekriegt. Dachte auch, es wäre auf den Plätzen nach der Pandemie-bedingten Zwangspause sicherlich arg voll. Philomena joggte jedoch inzwischen ein paarmal dort vorbei und berichtete anschließend, dass dort nix los sei. Hätten wir als bereits spielen können. Nun, eventuell nächste Woche… Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe schnell auf morgen. Mañana. Kommt Zeit kommt Rat. Laut Philomena antworte ich seit einigen Wochen auf alle möglichen Vorschläge, Ratschläge und Anregungen mit „[da(nn)] müssen wir mal gucken…“ – und tue dann absolut nichts. Liege und lese. Schwindelgefühle. Trägheit. Müdigkeit. Ich lese nur noch. Auch nachts. Schlafe vier bis fünf Stunden und bin am nächsten Tag zu müde, um aktiv zu sein. Also wieder liegen und lesen. Absolute Aktivitäts-Peaks sind allenfalls noch Kackengehen und Kaffeekochen. Die totale Action geradezu… 😁

0468 Garten

20 Gedanken zu “Mañana

  1. Mañana war schon immer der mein Lieblingstag. Ich bin ja professioneller Prokrastinierer *kicher*

    Was du beschreibst, kenne ich von mir bei langer Krankschreibung. Allerdings ohne Schlaflosgikeit, das deutet dann doch eher auf eine depressive Phase oder sonst eine psychische Angeschlagenheit bei mir hin. Die beiden Male als das Burnout zuschlug, habe ich erst mal einfach ein paar Wochen nur geschlafen und gelesen. Damals als Single wurde ich auch immer dünner und dünner – fett war ich nie. Jetzt bin ich laut Normierung oberes Normalgewicht für meine Grösse, gefällt mir zwar nicht, doch noch immer ok und kein Grund zur Besorgnis. In der Zeit als ich so klapperdürr war, war ich auch sehr, sehr schwach, doch ich hatte noch nicht mal mehr gross Hunger. Ich denke, das würde ein weiteres Mal nicht noch mal passieren, da ich jetzt den Mann habe und wenn der isst, kriege ich oft auch Hunger oder wenigstens Lust was zu essen 😀

    Rudi würde ich auch nicht bei mir haben wollen unter den Umständen. Wegen der Seuche sowohl wegen dem Gelaber – das mit G5 schlägt dem Fass wirklich den Boden aus und das sagt dir die Verschwörungsgläubige *lach*
    Am Mittwoch sagt mir doch tatsächlich mein Chef von der kleinen Arbeitsstelle, er werde sich auf keinen Fall impfen lassen, man wisse ja nie, was einem da noch injiziert werde – ein Chip oder so. Ähm, hallo? Seit wann glaubt das noch jemand anders ausser ich? Ich musste innerlich so lachen und gestehe: gegen Corona werde ich mich auf jeden Fall impfen lassen, obligatorisch oder nicht – das leuchtet sogar mir ein. Wenn man mich orten will, kann man das auch via Handy tun. Das habe ich dem Chef aber nicht gesagt, waren wir doch grad auf dem Rückweg vom Kauf eines iPhones SE für ihn.

    Ansonsten rät Frau Dr. Prof. Pseudo-Psychologe: Macht doch mal ein kurzes Match, vielleicht kommst du dann wieder aus dem Quark. Langsam könntest du auch wieder nächtliche Spaziergänge in Erwägung ziehen. Das lüftet deinen Kopf durch und bringt dich auf gute Ideen – schätze ich mal…
    *vorsichtig schubse*

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  2. Ich kann dieses Versumpfen gut nachvollziehen. Ich werde auch immer lethargischer. Man könnte theoretisch ja aktiver sein, aber es fehlt einfach die Lust dazu. Da bleibt man lieber gleich liegen. Hätte ich nicht gewisse Dinge, die ich zwingend erledigen muss, würde ich meinen Arsch wohl auch kaum noch vom Sofa bewegen. Der Teufelskreis kann nur durchbrochen werden, wenn man sich mal aufrafft. Danach fließt wieder neue Energie in den Körper.
    Du hast es echt wunderschön da. Ich glaube, ich würde an deiner Stelle auch wieder mit den nächtlichen Spaziergängen anfangen. So zum Eingewöhnen. Und dann ab auf den Tennisplatz 🙂

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    • Leider sehe ich im Liegen nur Wände. Draußen liegen geht wegen der Eichenprozessionsspinner leider nicht mehr – letztes Jahr konnten wir uns über den Sommer sieben Monate lang nicht mehr länger im Garten aufhalten, ohne üble Raupendermatitis zu bekommen. Unsere Gartenmöbel sind deshalb seit einem Jahr eingemottet (sonst müsste man alle Polsterauflagen als Sondermüll vernichten, weil sie dann mit Tausenden von giftigen Nesselhärchen kontaminiert wären). Mit dem Feldstecher sieht man inzwischen bereits die ersten neuen Nester. Noch kann man die aber nicht entfernen lassen, weil die Raupen ihre Nester oft verlassen, um sich in größeren neuen Nestern zusammenzuballen. Erst in etwa sechs Wochen kann man ziemlich sicher sein, auch alle zu erwischen, wenn man den Baumkletterer anrücken lässt. Hoffe, dass der Nachbar mit mehr als doppelt so vielen Eichen dieses Jahr auch mitziehen wird, sonst könnte ich mir die hohen Kosten gleich ganz sparen (letztes Jahr kam nach der Nesterbeseitigung bei uns weiterhin mit dem Wind alles an Brennhaaren von ihm herübergeweht)…

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      • Ich kann mich erinnern, dass euer Nachbar nichts unternommen hat.
        Ich glaube, ich hätte ihm schon längst den Hals umgedreht.
        Sowas Schönes nicht nutzen zu können, ist sträflich. 😕

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        • Letztes Jahr hat er angeblich keine Firma mehr gefunden, die das machen würde – wenn er dieses Jahr auch wieder stur bleibt, schlage ich den Rechtsweg ein. Es ließe sich dann wahrscheinlich sowohl zivil- wie auch strafrechtlich was machen…

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