Ich baue mir einen Weg

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Gerade habe ich stundenlang ĂŒber den juristischen Finessen diverser FördermittelantrĂ€ge gebrĂŒtet – Thema „Corona-Soforthilfe fĂŒr selbstĂ€ndige Freiberufler“. Im Prinzip gĂ€be es in unserem Bundesland hier drei Möglichkeiten fĂŒr mich, in meiner speziellen beruflichen Situation an Subventionen zu kommen, und damit meine unweigerlich erscheinende Pleite abzuwenden. Leider bin ich am Ende zum Schluss gelangt, dass da nichts wirklich Passendes fĂŒr mich dabei ist
 😒

Die eleganteste Möglichkeit wĂ€re eine staatliche Finanzspritze von wenigen Tausend Euro gewesen, die zurzeit innerhalb meiner Branche schnell und erstaunlich unkompliziert gewĂ€hrt wird und ohne spĂ€tere ÜberprĂŒfung und ohne RĂŒckzahlpflicht behalten werden darf. Eine Einmalsubvention zur NotlagenĂŒberbrĂŒckung. „WĂ€re“ schrieb ich, weil ich mich dummerweise selbst um diese „eleganteste“ Möglichkeit gebracht habe: Ich habe in der Vergangenheit eine bestimmte behördliche Grauzone ausgereizt – das rĂ€cht sich nun insofern, dass mir diese Art der Soforthilfe leider nicht mehr zusteht
 Pech!

Komplizierter und mit erheblich mehr BĂŒrokratie verbunden, wĂ€re eine andere Art der Soforthilfe in fast fĂŒnfstelliger Höhe. Damit kĂ€me ich immerhin eine gehörige Zeit lang weiter ĂŒber die Runden. Allerdings besteht bei dieser mit ziemlich viel BĂŒrokratie verbundenen Nothilfe eine TeilrĂŒckzahlungspflicht, bei der man nach der Corona-Krise unheimlich viel rechnen und prĂ€zise dokumentieren muss, um nicht mit einem Bein im Knast zu stehen. Wenn ich mich darauf einließe, weiß ich gar nicht einmal, ob ich mich dadurch am Ende wirklich besser stehen wĂŒrde. DarĂŒber hinaus wĂŒrde ich damit auch noch heraufbeschwören, dass mir diverse Behörden und Kreditinstitute schlimmstenfalls ĂŒber Jahre hinweg peinlichst genau auf die Finger schauen werden – das will man ja schließlich auch nicht
 Wieder Pech!

Möglichkeit Nr. 3 wĂ€re es, nun auf Hartz IV zu gehen. In der Corona-Krise wird das fĂŒr ein paar Monate auch ohne ÜberprĂŒfung von Wohnsituation (normalerweise mĂŒsste ich zunĂ€chst in eine winzig kleine Wohnung umziehen, bevor ich Grundsicherung bekĂ€me) und sonstigen Vermögenswerten (ich mĂŒsste auch erst einmal meinen halben Haushalt verĂ€ußern, bevor ich regulĂ€r UnterstĂŒtzung bekĂ€me) bewilligt. Allerdings wĂŒrde ich dann nach der Krise ĂŒberprĂŒft werden und mĂŒsste gegebenenfalls einen Großteil des Geldes zurĂŒckzahlen. Außerdem darf sich der Staat bei den Eltern eines Hartzers das Geld wieder zurĂŒckholen, wenn deren Einkommen eine gewisse Grenze ĂŒberschreitet (was bei der Rente meiner Eltern dazu fĂŒhren wĂŒrde, dass sich der Staat dort das gesamte Hartz IV zurĂŒckholte). Da kann ich mir das Geld lieber gleich von denen leihen
 Auch wieder Pech!

Die EinschlÀge kommen nÀher

Inzwischen erlangt man tatsĂ€chlich ĂŒber den einen oder anderen Covid19-Erkrankungsfall Kenntnis, der sich im weiteren Bekanntenfeld ereignet. Im Bekanntenkreis von Philomenas Mutter gab es nun leider auch bereits den ersten virusbedingten Todesfall. 

Ich baue mir einen Weg

Wenn die Lage ausweglos erscheint, muss man einen gangbaren Weg suchen. Auf gewisse Art ist es vielleicht eine Art „Symbolpolitik“, wenn ich momentan tatsĂ€chlich im Garten einen physischen Weg baue, um mich abzulenken. Außerdem kann man sich dadurch ein bisschen körperlich betĂ€tigen – immerhin lĂ€sst man uns diese Saison kein Tennis spielen. Die hiesige Tennisclubanlage bleibt bis auf weiteres geschlossen


In meinem vorvorletzten Blogeintrag fragte mich die Blogging-Kollegin und Leserin „phoebeweather“ zu meinem Wegbauprojekt: „Aus was stellst du denn die Kunststeine her?“, mit denen ich den Gartenweg baue, der verhindern soll, dass ich den spĂ€rlich vorhandenen Rest-Rasen als stark frequentierten Wegraum völlig platt trample
 Nun darauf mag ich Antwort geben: Aus Beton, Metallpulver und Farbpigmenten – aus gĂŒnstigsten Zutaten stellte ich bereits 2017 Betonsteine her, die ebenso gut aussehen, wie wertige polygonale Natursteinplatten. Man muss sich auch mit wenig finanziellen Mitteln nur zu helfen wissen
 😉 (Hier der Link zu jenem Blogeintrag, in dem ich bereits vor zwei Jahren ĂŒber die Herstellung dieser Steine berichtete und ein paar Fotos davon postete) Eigentlich wollte ich damals eine Terrasse damit pflastern, aber dann kam mir der Bau des großen Schildkrötengeheges dazwischen und spĂ€ter auch noch die Eichenprozessionsspinner-Plage, die mich daran hinderte, im Garten weiter daran zu bauen. Die Steine lagen deshalb ungenutzt aufgestapelt ziemlich lange Zeit neben der Garagenmauer herum. Inzwischen habe ich mich von der Terrassenidee verabschiedet und stattdessen die Idee entwickelt, aus den Betonsteinen lieber den Weg zu bauen, der die schon bestehende Terrasse am Haus mit jener kleinen Terrasse vor dem GartenhĂ€uschen und dem Weg an den beiden Schildkrötengehegen zu verbinden, die ich letztes FrĂŒhjahr gebaut hatte. In den letzten Tagen werkelte ich immer mal wieder ein paar Stunden lang daran weiter. Hier ein paar Fotos davon (damit sich meine Leser, u.a. „phoebeweather“ ein Bild davon machen können):

0449 Weg entsteht

Sobald ich komplett damit fertig bin, werde ich dann nochmals ein paar Bilder fĂŒr Euch hochladen. Jedenfalls bin ich momentan ganz froh, dass ich alle benötigten Baumaterialien hier bereits gelagert hatte und nun nichts mehr dafĂŒr kaufen muss, wo das Geld so knapp ist. 😄 (Die Rasenkantensteine aus Kunststoff hatte ich zuvor auch schon im Garten verbaut und kann sie nun „recyceln“, indem ich sie an anderer Stelle erneut einsetze.) Das unter den selbstgemachten Kunststeinplatten eingegrabene Drahtgeflecht soll ĂŒbrigens verhindern, dass unser momentan sehr aktive Maulwurf den Weg wieder auseinander nimmt…

20 Gedanken zu “Ich baue mir einen Weg

  1. Freiberufler
    Ich und Hartz IV? Darum lohnt sich jetzt der schnelle Gang zum Amt
    SelbststĂ€ndige und Freiberufler haben in dieser Krise oft keinen Anspruch auf Soforthilfe des Staates. Sie sollen stattdessen Hartz IV beantragen. Das hatten viele nie nötig und schreckt die meisten ab. Dabei ist es gar nicht schwer – und lohnt sich.

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  2. Cool sehen die aus!
    Bei uns sind die BaumÀrkte zu, bei euch nicht?

    Dann leih dir das Geld halt von deinen Eltern. Das ist doch sicher der kleinste Schatten zum Überspringen?

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  3. Von den Kosten fĂŒr deine Unterkunft her wĂ€re Hartz4 kein Problem. Bei Hartz4 wird auch nix von den Eltern geholt. Das ist nur bei Sozialhilfe. Es könnte sein, dass deine Wohnung zu hroß ust, das ließe sich aber ĂŒbergehen, wenn du mit P einen Untermietvertrag fĂŒr 1 Zimmer machst dann kansst du da auch wohnen bleiben

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        • Als ich Dich 2006 erstmals in Berlin besuchte, hatte ich noch etwa 30.000 auf der Bank und in Aktien… Pleite (temporĂ€r zahlungsunfĂ€hig) war ich dann erstmals 2008/09, als monatelang kein Umsatz war. Danach erholte ich mich wieder (hatte um Anfang 2011 herum sogar meinen besten Monat ever – fĂŒnfstellig! Deshalb konnte ich 2012 auch in das Haus umziehen.) und war dann ein zweites Mal 2014/15 pleite (Dispo ausgereizt) und dann ein drittes Mal jetzt. Zwischendurch hatte ich aber wieder Geld – allein der Bau des Schildkrötenhauses (incl. Elektrik und Heizung) muss zusammengerechnet um die 3000 Euro gekostet haben…
          Jedenfalls gelang es mir mittlerweile zusammengerechnet an die fĂŒnf bis sechs Jahre lang immer haarscharf unterhalb der Dispo-Obergrenze zu operieren – trotz monatlich vierstelliger Fixkosten… Deshalb habe ich noch einen Rest Hoffnung, dass es auch wieder besser wird. 🙂

          Liken

  4. Da hast Du leider recht mit Deiner Analyse. Als ich noch bei der Zeitung war habe ich hier nach dem Jahrhunderthochwasser von 2002 von einer zweiten Pleitewelle Jahre spĂ€ter berichtet. Da wollte die Förderbank die Verwendung der Mittel mir Originalbelegen auf den Cent genau aufgeschlĂŒsselt haben. Und wenn da auch nur eine Kopie dabei war oder in diesem massiven bĂŒrokratischen Werk ein Kreuz nicht korrekt war, wurde die Summen MIT horrenden und auf dem Markt utopischen Zinsen (so macht es auch das Finanzamt) zurĂŒckverlangt. Ich habe ĂŒber ein Ă€lteres PĂ€rchen berichtet, dass da dann im Ruhestand sein Wohneigentum verlor das eigentlich zur Alterssicherung und eben zum Wohnen gedacht war und ĂŒber eine Zahnarztpraxis, die deshalb schließen musste. Insofern tust Du gut daran, hier sehr vorsichtig zu sein.

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  5. Rein von außen betrachtet erscheint Option 2 noch am sinnvollsten?
    Danke fĂŒr die Veranschaulichung der Projekte, das sieht wirklich sehr beeindruckend aus! Der Rotton der Steine ist hĂŒbsch â˜ș Habe mir auch nochmal den alten Eintrag durchgelesen, alle Achtung, was du da aus ureigenster Kraft schon alles bewĂ€ltigt hast!

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  6. Ich bin sehr beeindruckt von Deiner GemĂŒtsruhe und positiven Herangehensweise. Meine besten WĂŒnsche fĂŒr Deine beiden Wege (von Frau Frogg, Ich kriege immer das „gg“ nicht weg 
)

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