Goldene Hamsterregeln (aus Kaufland-Empirie abgeleitet)

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Gerade eben, am frühen Abend, war beim Einkaufen im Kaufland die Hölle los. Ich war extra über die Autobahn nach „Cementum“ gefahren, weil das dortige Kaufland gigantisch ist und ich deshalb vermutete, dass dort noch nicht allzu vieles bereits „weggehamstert“ worden wäre… Offenbar ein Trugschluss.

Schon auf dem Parkplatz fiel mir auf, dass ein ungewöhnlich reges Treiben herrschte – der Parkplatz war randvoll und die meisten Einkaufswägen der mir entgegenkommenden Menschenmassen ebenso. Spätestens als ich den riesigen Supermarkt betrat, sah ich, dass es sich in vielen Fällen wohl doch nicht um lediglich freitagabendtypische Wochenendeinkäufe handelte, sondern um Coronavirus-bedingte Hamsterkäufe! Viele Wägen waren turmhoch mit langhaltbaren Lebensmitteln wie Nudeln und Konservendosen gefüllt…

Hamsterkäufe sind bereits im vollen Gange

Etliche Regalfächer waren bereits leergeräumt. Gerade bei Konserven und Nudeln sah es schon recht mau aus, was die verbliebene Auswahl anging.

🐹 Goldene Hamsterregel Nr. 1: „gehamstert wird nur das, was man kennt“

Völlig leer geräumt war beispielsweise das Regal mit den Haferflocken. Unmittelbar daneben befanden sich Bio-Dinkelflocken und gemischte Bio-Mehrkorn-Flocken – beides war im Gegensatz zu den Haferflocken noch in großer Zahl vorhanden. Auch beim Hamstern gilt also: „Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich!“ In Notsituationen scheinen die generell bezüglich ihrer Nahrungszusammenstellung eher unflexiblen Menschen noch mehr am bereits bekannten Fraß zu kleben, als sonst schon…

🐹 Goldene Hamsterregel Nr. 2: „gehamstert wird das, was einem lieb ist“

Das man als Krisenvorsorge haltbare Vorräte wie Haferflocken und Konservendosen-Eintöpfe anhäufen würde, war mir klar. Etwas belustigt war ich dann aber doch, als ich sah was für abartige Mengen an Alkohol und Süßigkeiten in die Wagen geschaufelt wurden! Das Coronavirus scheint sich für die Zuckerwaren-Branche zu einem Umsatz-Fest wie Ostern, Weihnachten oder Halloween zu entwickeln! Tonnenweise wanderten Haribo-Produkte und Schokolade (aber auch gleich paketeweise reiner Haushaltszucker!) in die Einkaufswägen, in deren Untergestellen bei sehr vielen Einkäufern zusätzlich auch mindestens drei Bierkisten standen.

🐹 Goldene Hamsterregel Nr. 3: „gehamstert wird vom untersten Regalbrett“

Nicht nur beim Alkohol (oftmals Billig-Wodka und Billig-Korn) galt offenbar „je billiger, desto besser“, auch bei den anderen Produkten wurde offenbar sehr preisbewusst gehamstert. Wenn man den ganzen Scheiß schon wegen der Chinesen-Pest anschaffen musste, dann wenigstens so günstig es nur irgend geht! Egal ob es um Dosentomaten oder um Fischkonserven ging: Es musste vom untersten Regalbrett sein. Mit meinem Versuch, überwiegend die teureren Bio-Versionen langhaltbarer Lebensmittel zu ergattern, stand ich ziemlich allein auf weiter Flur.

🐹 Goldene Hamsterregel Nr. 4: „wenn man selbst nicht hamstert, ist man anderen gegenüber noch gehässiger als sonst schon“

Natürlich wurde nicht nur gehamstert. Es gab auch Leute, die lediglich ihre normalen Wochenendeinkäufe machten. Mir fiel allerdings auf, dass diese den Hamsterkäufern gegenüber besonders gehässig waren. Offenbar schmeckte es den Normalkäufern nicht, dass es durch die Hamster bedingt so voll im Laden war. Auch ich fing mir am Kassenband von hinten ein freundliches „guck nur – das da ist bestimmt auch so ein Corona-Spinner!“ ein. Vielleicht war es solchen Kommentaren und der Selbsterkenntnis, dass man als Hamster ein partiell deviantes Verhalten in der Öffentlichkeit offenbarte, geschuldet, dass viele der Menschen mit den eindeutigen Hamsterkäufen in den Einkaufswägen so ruhig blieben. Als ob sie sich vor den anderen Kunden am liebsten unsichtbar machen würden… Dafür, dass es so unüblich voll war, blieb die Stimmung im Markt durchaus gelassen und ruhig. Man zog es offenbar vor, still und leise zu hamstern. Den anderen Einkaufenden rutschten allerdings gehäuft Äußerungen wie „Spinner“, „Idioten“, Panikmache“ und „vollkommen gestört“ über die Lippen. Offenbar zeigt sich der Riss, der die westlichen Gesellschaften durchläuft und in unversöhnliche Gruppen spaltet, auch beim Hamstern!

[Gerade wurde mein Schreibfluss für rund anderthalb Stunden unterbrochen, weil Philomena und danach auch noch Rudi anriefen – beide mit Coronavirus-Bezug: Philomena möchte lieber von mir mit dem Auto aus Süddeutschland abgeholt werden, weil es in den Zügen eventuell Infizierte geben könnte, und Rudi, der Verschwörungstheoretiker, wollte mir unbedingt mitteilen, dass es gar kein Coronavirus gäbe – das wäre alles nur von den Regierungen erfunden worden, um den Leuten irgendwelche Notfallmaßnahmen verkaufen und dadurch zum Beispiel Systemkritiker isolieren zu können.]

Kurzum – es wurde tatsächlich augenfällig gehamstert und ich habe mich heute selber ein bisschen anstecken lassen (vom Hamstern – vom Coronavirus hoffentlich nicht): Für knapp 200 Euro habe ich mir ebenfalls einen randvoll mit haltbarem Zeugs befüllten Wagen nach Hause geholt. Wenn Corona nicht kommt, dann vielleicht ein Reaktorunfall, die Russen, oder doch noch die echte Zombieapokalypse! Man weiß ja nie – aber dann sind wir hier wenigstens gut gerüstet. 😉

0430 Corona-Hamsterkauf

Oh Mann, ich hasse Erbsen aus dem Glas schon jetzt! 🤢

11 Gedanken zu “Goldene Hamsterregeln (aus Kaufland-Empirie abgeleitet)

  1. Oh, so viel hab ich nicht gehamstert. Meine Vorräte reichen vielleicht für 2 Wochen, mehr nicht. Gestern sahs auch schon schlimmer aus in den Geschäften und auf dem Parkplatz. Leere Dosenregale und die Nudeln warn auch sehr leergekauft. Der Laden voller Leute mit vollen Einkaufswägen. Dafür ist mein lungenkranker Nachbar noch total entspannt. Er sagt, hier in die abgelegene Gegend kommt kein Virus. Naja. Ich glaube ja eher, es wird viele von uns treffen. Rudi ist ja auch lustig mit seiner Theorie.

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  2. Ich hab gestern auch Haferflocken gekauft. 😀 Allerdings nur zwei Packungen. Einmal zart und einmal kernig. Für meine Haferflockenmatsche, du weißt schon.

    Wir waren in der Metro. Dort fallen die Hamsterkäufer nicht groß auf, weil eh alle ihre Einkaufswägen bis zum Anschlag vollpacken. Weiß ich, ob mein Vordermann pallettenweise Dosentomaten und Nudeln für sein Restaurant braucht oder ob er wegen Corona hortet? Und da ich einkaufen hasse, habe ich auch vor Corona schon meist große Mengen gekauft. Um nicht öfter als unbedingt nötig in die Supermarkthölle pilgern zu müssen.

    Mir ist das Wort „Panikmache“ gestern auch entfleucht. Allerdings nicht einer bestimmten Person, sondern dem Regal gegenüber, in dem sich normalerweise die Handdesinfektionsmittel befinden.

    Philomenas Wunsch, du mögest sie mit dem Auto abholen, kann ich nachvollziehen. Ich habe M. auch gebeten, in der nächsten Zeit mit dem Auto statt mit der S-Bahn ins Büro zu fahren. Seine Lunge ist immer noch beleidigt und da sorge ich mich echt um ihn.

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  3. Bei uns fehlen seit Tagen auch die günstigen Haferflocken im Supermarktregal… und die fettarme H-Milch, es gab nur noch Vollmilch. Meine Schlussfolgerung: die Panikhamsterer planen, sich wochenlang von Porridge zu ernähren. 😯😉

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  4. Wir gehen erst heute einkaufen, daher weiß ich nicht, wie die Regale im Rewe aussehen 😉 Ich glaube aber, gerade hier in meinem Stadtteil sind eher die Gelassenen unterwegs. Für mich ist es bekanntermaßen auch Panikmache, von der ich mich nicht anstecken lasse. Kann mir schon denken, dass die Hamster Unmut hervorriefen, denn durch sie ist es voller und es dauert an den Kassen länger. Erbsen aus dem Glas, bäääh 🤮🤣. Da würde ich eher Tiefkühlware nehmen.

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  5. Danke für die Tipps, hab sie heute auch gleich befolgt. Jetzt kommt der Virus nun hoffentlich aus, will den Scheiß nicht umsonst gekauft haben und ich fürchte, irgendwo hinter den 300 Dosen Ravioli hat sich der Sohnemann versteckt 😁

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  6. Wir haben tatsächlich heute leere Gestelle gesehen und uns mit anderen Leuten kopfschüttelnd prächtig darüber im Laden amüsiert. Bei den Konserven war alles was bio ist ratzeputz leergeräumt – BIO? Wird man dann weniger krank? Und wieder der Unterschied zu Deutschland: Das Teure wird gehortet. Weiter fehlten Reis, Nudeln, Ketchup, Senf, Backpulver und ähnliches.

    Wir haben nichts auf Vorrat gekauft und werden das vorläufig auch nicht tun.

    Gestern Nachmittag im Büro waren auch alle total entspannt – bis Montag überleben wir auf jeden Fall noch. Auch ich habe gesagt, ich nähme Chips, Schokolade und sonstigen Süsskram mit, wenn die Leute alles andere kaufen.

    Wir harren grinsend der Dinge, die da kommen. Vermutlich WK3.

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      • Und jetzt ist mir noch was eingefallen:
        Die Gedanken, die Rudi hatte, sind mir vor ein paar Tagen tatsächlich von ganz alleine durch den Kopf geschossen. Was ist, wenn es wahr ist?

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  7. Naja, wenn man sonst stundenlang im Zug warten muss, bis auch der letzte Fahrgast mit Adresse registriert ist….!😉
    Hysterie der Behörden…..
    Die Ansteckungsgefahr ist derzeit wohl noch (!) nicht allzu groß.
    Vermutlich ist die Lage Sommer schon wieder entspannter sein.
    Gerade habe ich auf der Seite des RKI gelesen, daß 4 von 5 Verläufen mild seien. Also trifft es jeden 5. (20%) schwerer. Das ist nicht so schön.
    Goldene Hamsterregel übrigens: alle anderen Flocken, Mehrkorn oder Dinkel oder was immer, schmecken nicht! Ich würde auch Hafer kaufen. Außer Flakes, die schmecken auch als Dinkel gut. 🙂

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