STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel XXII

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0005 Logo Pirmasens

Augenblicklich kommt es meinen Lesern zugute, dass Philomena weiterhin absent ist. Die Zeit des Tages, während derer ich mich ansonsten mit ihr zu unterhalten pflege, verwende ich stattdessen zum intensivierten Schreiben neuer „Sternenkreuzer Pirmasens“-Folgen… Ob das der inhaltlichen Qualität der aktuellen Episoden abträglich ist, vermag ich nicht zu sagen. Manch einer wird an dieser Stelle vielleicht einwerfen wollen, dass diese schon immer recht mau war… 😉

Aber es gibt dem ungeachtet immer noch ein versprengtes kleines Häuflein, das meiner Space-Opera weiterhin folgen mag, diesem „GZSZ des galaktischen Orion-Armes“! Diesen Hartgesottenen unter meinen Lesern wünsche ich daher abermals gute Unterhaltung mit dem 22sten Kapitel – wer weiß, ob ich demnächst wieder so viel zum Schreiben kommen werde, deshalb halte ich’s mit dem beliebten Schlussverkaufsmotto: „Alles muss raus!“ 😁

0002 Strich

Kapitel XXII – Neuland wird betreten

Bevor sie als wissenschaftliche Expeditionsleiterin gemeinsam mit Colonel Cusmano als militärischem Befehlshaber einen zwölfköpfigen Erkundungstrupp anführen würde, hatte Pavlína Dvořáková noch allerlei Organisatorisches erledigen müssen. Zunächst hatte sie sich mit Selassea Aubron zum Frühstück verabredet – auch um dieser „Fuzzbutt“ zu übergeben, bevor sie auf Expeditionsmission ging. Die beiden Wissenschaftlerinnen waren binnen weniger kurzer Treffen zu richtigen Freundinnen geworden. Selassea hatte nichts dagegen einzuwenden, sich von nun an für möglicherweise mehrere Tage um das außerirdische Haustier der Akademikerkollegin zu kümmern. Sie hatte als zahlende Passagierin zum einen erheblich mehr Zeit, als andere Crewmitglieder – zum anderen würde sich in der Suite eh ihr Diener Agluz mit dem grünen Pelztier beschäftigen, damit sich Selassea ihren Studien der „Altvorderen“-Kultur widmen konnte.

Die Halb-Ghaen empfand keine übertriebene Furcht in der aktuellen Situation; solange der Sternenkreuzer in diesem riesigen schwarzen Schiff eingeschlossen war, konnte sie sich in Ruhe mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigen. Sie hatte sich auch sagen lassen, dass die Lebensmittelvorräte an Bord der „U.E.S.S. Pirmasens“ prinzipiell unerschöpflich seien, da man die zur Nahrungssynthese in den Food-Dispensern notwendigen Moleküle aus nahezu jeder Art von Ausgangsmaterie extrahieren könne.

Andere Besatzungsmitglieder waren im Gegensatz zu Selassea Aubron jedoch äußerst verunsichert – teils sogar regelrecht ungehalten! Das Frühstückstreffen am Rande des öffentlichen Arboretums stand deshalb unter keinem guten Stern – permanent wurden die beiden Frauen von irgendwem gestört. Da Pavlína Dvořáková die stellvertretende Wissenschaftsoffizierin war, hatte nahezu jeder Vorbeikommende haufenweise Fragen an sie. Ihr kam es in einigen Fällen so vor, als ob manche Crewmitglieder sie persönlich für die prekäre Lage verantwortlich machten, in der sich die Pirmasens gegenwärtig befand – so pampig war der Gesprächston oftmals! Als sich nach einer Weile ein regelrechter Menschenauflauf um den kleinen Frühstückstisch zu bilden drohte, musste Pavlina das Treffen mit Selassea vorzeitig abbrechen. Sie ging kurz in die Hocke um den grünbepelzten Fuzzbutt ein letztes Mal zu herzen und verabschiedete sich dann schnell in Richtung Kommandobrücke.

Tag 2 in der „Leviathan“

Dort kam die Wissenschaftlerin mit den pinkfarbenen Haaren gerade noch rechtzeitig zum von Hayden Findley und Erno Santorius angeordneten Treffen der Informatiker und Programmierer. Diese redeten sich gerade ihre hochbegabten Eierköpfe heiß – offenbar ließ es sich nicht ohne weiteres eruieren, weshalb nach wie vor der Großteil aller Sternenkreuzer-Computersysteme blockiert und damit funktionsunfähig war. Um etwas Ruhe und Struktur in die Expertenrunde zu bekommen, ernannte Captain Santorius einen von ihnen zum Leiter der Task Force „Rapid Resurection“, die sich von nun an mit der schnellstmöglichem Wiederherstellung des schiffseigenen Rechenzentrums beschäftigen sollte. Der außerirdische Programmierer Eidon Ludd wurde vom Kapitän zum Chef dieser Spezialistenschar bestimmt.

0128 Eidon Ludd

Eidon Ludd gehörte zu den insgesamt fünf „H’knam-Jaghar“, die an Bord der Pirmasens ihren Dienst verrichteten – einer Spezies von hochintelligenten Wesen, die von einem Planeten stammten, der nur etwa zwanzig Lichtjahre von der Erde entfernt um einen Doppelstern kreiste. Da ihm die für Menschen und Horko gewohnte Atmosphäre nicht bekam, trug er eine Art Halbmaske mit integrierter Luftaufbereitungsanlage. Wie alle H’knam-Jaghar war er an die zwei Meter groß und spindeldürr. Durch seine Atemmaske blechern klingend, schnarrte er der stellvertretenden Wissenschaftsoffizierin und dem Sternenkreuzerkommandanten seine Bereitschaft entgegen, sich mit vollem Elan seiner Aufgabe zu widmen und verließ eilends die Brücke, um sich ans Werk zu machen.

0129 Brückenszene

Vor der Ausstiegsschleuse durch den die zwölft Mitglieder des Erkundungstrupps die Pirmasens verlassen würden, befand sich eine Art Rüstkammer. Hier nahmen sie ihr bereitgestelltes Equipment entgegen und machten sich damit vertraut. Colonel Deverell Cusmano steckte bereits in seiner Kampfmontur und hantierte mit einer Waffe, die aussah, als ob man damit eine ganze Dinosaurierherde in Konfetti verwandeln konnte.

„Was für eine fulminante Pracht-Wumme!“, kommentierte Nappoke Gnobkock die Trockenübungen Cusmanos mit der tragbaren Plasmakanone, die Gott sei Dank noch nicht entsichert war. Der korpulente Außerirdische gehörte auch mit zum Team – er war als Techniker dabei. Der andere Techniker, Hersberger, war noch nicht zu ihnen gestoßen.

Dafür kam nun die wissenschaftliche Expeditionsleiterin zu ihnen herein, die sich sofort ans Umziehen machte. Als sie dabei kurzzeitig nur mit ihrer Unterwäsche bekleidet war, ließ der lüsterne Schompad seine Blicke über ihren kurvenreichen Körper wandern und kommentierte mit einem freudigen Schmatzer seiner dicken Wulstlippen: „Oh là là – wenigstens stimmt die Tittenquote in unserem dreckigen Dutzend!“

Pavlína rollte hinter ihrer blaugetönten Brille die Augen zur Zimmerdecke und konterte schnippisch: „Klar – du trägst mit deinen Biertitten ja auch mindestens zu einem Drittel dazu bei!“

„Glaub ich nicht, denn die olivgrüne Frau Doktor“, der Schompad nickte grinsend in Richtung von Sytte Vimpi, die in der Nähe einen ihrer Crab-Bots überprüfte, „die hat sogar gleich vier Quarktaschen unter der Haube!“ Die daedramopegianische Gelehrte warf ihm darauf ebenfalls einen wütenden Blick zu. Das könnte ja noch amüsant werden, wenn ausgerechnet Nappoke Gnobkock mit von der Partie ist…

Jetzt mischte sich Aegmuil Bhostor ein, um den Schompad auf andere Gedanken zu bringen: „Schnapp dir lieber einen von den SSBs – dahinten auf dem Stapel müsste für dich einer in XXXL liegen!“

„SSBs? Was’n das?“ Nappoke watschelte zu einem Haufen schwarzer Kunststoffwürste hinüber.

„Na, unsere »Security Sleeping Bags«!“ Diese ein komplettes Einmannzelt ersetzenden Schlafsäcke waren doppelwandig mit elektrisch aufpumpbaren Luftkammern konstruiert und dadurch besonders stabil. Sie waren sogar als schwimmfähige Rettungsinseln zu gebrauchen. Nicht, dass man draußen auf der Leviathan mit irgendwelchen überraschenden Sturzfluten rechnete, aber man weiß ja nie…

„Ah, hier ist meine Furzmolle – steht tatsächlich XXXL drauf. Und auch noch SecSBag200… »Sex-Bag«, das ist ja mal geil – da ist der Name doch wieder Programm!“ Dem kalauernden Fettsack war echt nicht mehr zu helfen…

Inzwischen waren auch die noch fehlenden Expeditionsteilnehmer eingetroffen, als letztes der breitschultrige Hüne Zeke Hersberger, der sich sofort wortlos ans Packen seines Rucksacks machte. Was die Expeditionsausrüstung anging, musste jeder von ihnen einen individuellen Kompromiss aus Gewicht und Funktion eingehen. Schwere, rüstungsähnlich verstärkte Kampfanzüge trugen nur der Colonel und zwei weitere Soldaten. Die wirklich ganz schweren Kampfgarnituren – plattengepanzerte Exoskelette mit elektromechanischer Unterstützung der Bewegungsabläufe und eingearbeiteter Waffentechnik – mussten eh im Depot bleiben, denn sie waren aufgrund der auf dem ganzen Sternenkreuzer weiterhin blockierten Technologie- und Computersysteme leider unbrauchbar. Colonel Cusmano verstaute nun aberwitzige Mengen von Energiezellen in seinem Rucksack und den zahlreichen Taschen seiner Montur. Der legendäre Kriegsheld brauchte haufenweise Hochenergiebatterien für seine tragbare Plasmakanone, die sogar einen eigenen Spitznamen hatte: „Betty Boom“. Soldatenhumor.

Nach schier stundenlang erscheinendem Geraschel, Gezerre und Gestopfe waren endlich alle bereit zum Aufbruch. Draußen wartete die „Leviathan“ mit unergründeten Gefilden auf sie. Alle checkten ihren Knopf im Ohr, mit dem sie auch untereinander in Kontakt bleiben konnten, wenn sie außer Sichtweite geraten sollten. Auch mit der Brücke der Pirmasens ließ sich mittels dieser praktischen In-Ohr-Kopfhörer kommunizieren.

„Sind alle bereit?“, fragte Colonel Cusmano in die Runde. Die fünf anderen Soldaten salutierten und antworteten im Chor mit einem zackigen „Jawoll“!

Der durchtrainierte militärische Anführer des Erkundungstrupps wandte sich daraufhin an die wissenschaftliche Expeditionsleiterin, die auch in einem dunkelgrauen Camouflage-Anzug eine gute Figur machte: „Doktor? Gilt das auch für ihre Leute?“

Pavlína Dvořáková überlegte, was es wohl für ihre Mission bedeuten könnte, wenn Cusmano schon jetzt den Unterschied zwischen seinen Soldaten und ihren Zivilisten so deutlich hervorhob. Ob er ihre Autorität in Frage stellen würde? Ihr war nicht ganz wohl bei diesem Gedanken. Allzu militärisches Gehabe war ihr von Grund auf suspekt. Sie war zu sehr Individualistin, um dem Kommando-Tonfall und den ausgeprägten Hierarchieabstufungen etwas abgewinnen zu können. Deverell Cusmano war eindeutig ein Alphamann, das Befehlen gewohnt und frei von jeglichem Selbstzweifel. Woher stammte eigentlich sein Nachname? Italienische Wurzeln? Pavlína musterte den großen glatzköpfigen Mann zunächst – seine Gesichtszüge wirkten wie gemeißelt und er besaß den hellwachen Blick eines Raubtieres – dann antwortete sie ihm, dass „ihre Leute“, die Wissenschaftler und Techniker, auch so weit seien.

Der Colonel gab dieses über Funk auf die Brücke weiter und öffnete das schwere Schott zur eigentlichen Schleuse, die sich an den Raum anschloss. Als alle Zwölf samt ihrer Waffen und des sperrigen Marschgepäcks in der kleinen Schleusenkammer versammelt waren, ging es darin ziemlich beengt zu. Die einzige Lichtquelle war eine schummerige, rote Deckenbeleuchtung. Rot wegen des „Purkinje-Effekts“ – bei rotem Licht werden die Sehzellen-Stäbchen weniger stark beansprucht und das menschliche Auge adaptiert sich deshalb schneller ans Sehen bei Dunkelheit. Aus der Schleuse gelangte man schließlich in den meisten Fällen direkt ins tiefste Schwarz des freien Weltalls und auch heute stand ein Ausflug in eine ziemlich düstere Umgebung auf dem Programm.

Pavlína hatte sich in eine Ecke gequetscht und beobachtete von hier aus die anderen Teammitglieder. Vor ihr saß die etwas vierschrötig wirkende Daedramopegianerin Sytte Vimpi mehr auf ihren Crab-Bots, als dass sie frei stehen konnte. Direkt daneben zog ein hochgewachsener Soldat seinen Kopf ein, ein Horko. Praktischerweise hatte dieser einen goldenen Ohrring – damit hob er sich von den 27 anderen Horko, die es auf dem Sternenkreuzer gab, erfreulich ab. Für Pavlína sahen diese großen, grünen und gemeinhin als „kosmische Geschwister der Menschheit“ bezeichneten Extraterrestrier alle erschreckend ähnlich aus: Schlappohrig und stets ein bisschen nach mürrischem Ziegenbock…

Ihr fiel auf, dass die „Jungs“ in ihrem Team überwiegend ziemliche Kanten waren – groß wie Berge und muskelbepackt. Der Horko, der Colonel, dieser Hersberger-Typ… Auch der Schompad kam der 2-Meter-Marke nahe – er war allerdings weniger muskulös, sondern eher ein Brocken der fetten Sorte. Es gab allerdings auch zwei eher schmächtige Gestalten – den Loringulaner und einen Asiaten.

0132 Maro Milo

Allzulange mussten sie jedoch nicht in die enge Kammer gepfercht ausharren, denn draußen herrschte annähernd Normaldruck – im Gegensatz zum Ausstieg in Raumanzügen, wenn zunächst minutenlang die Luft aus der Schleuse evakuiert werden musste, konnte man die Außenluke schon nach wenigen Augenblicken betätigen. Der Horko-Soldat mit dem Ohrring, ein Master-Sergeant namens Maro Milo, entrollte eine Strickleiter aus Aluminiumstufen und verschwand flink nach unten. Danach folgten zwei weitere Soldaten. Diese Vorhut sicherte zunächst die nähere Umgebung, bevor der Rest des Teams nachkommen konnte.

Die Luft auf der „Leviathan“ war allerdings nur sprichwörtlich rein – tatsächlich stank sie eher. Pavlína kräuselte ihre Nase und hoffte, dass man sich früher oder später daran gewöhnt haben würde: Es roch gleichzeitig sumpfig-muffig, irgendwie nach Ölraffinerie und zusätzlich nach Ozon. Colonel Cusmano setzte umgehend den Vollhelm seines Kampfanzuges auf, der über ein integriertes Luftfiltersystem verfügte. Den Schompad schien der Gestank jedoch nicht zu stören – ganz im Gegenteil: „Das duftet hier ja fast so köstlich wie eine Schompad-Frau, der gerade einer abgeht!“

Der Sternenkreuzer war wie bereits vermutet in einer Art Mulde zum Stillstand gekommen. Vor dem Erkundungsteam erstreckte sich eine leichte Böschung. In der Senke hatte sich eine außerordentlich dicke Staubschicht, die vermutlich seit Äonen Zeit zum Anwachsen gehabt hatte, in einen zähen schwarzen Morast verwandelt, der die nun dort versammelten Expeditionsteilnehmer zur Begrüßung fast bis zu den Knien aufnahm. Ein schlieriger Ölfilm glänzte auf dem pechschwarzen Schlamm. Colonel Deverell Cusmano und Second Lieutenant Aegmuil Bhostor, der Oktopode mit zwei Armen und sechs Beinen, den Nappoke immer „Beinchenkranz“ nannte, gingen mit ihren einsatzbereiten Waffen voran. Cusmano mit seiner wuchtigen „Betty Boom“ und der Loringulaner mit der am linken Unterarm-Ende implantierten Laserwaffe. Als das Gelände anstieg, verwandelte sich die Schlammschicht zum Glück in eine von Meter zu Meter dünner werdende Staubschicht. Oben angekommen sicherten die Soldaten in jede Richtung ihre Stellung ab, bis das Team vollzählig aus der an den Stiefeln zerrenden Senke vorgerückt war.

In der schummerigen, grünlichen Beleuchtung, die diffus und flackernd aus nicht näher feststellbaren Quellen kam, konnte man die Umrisse der gestrandeten „U.E.S.S. Pirmasens“ mehr erraten, als erkennen. Das militärische 400-Meter-Forschungsraumschiff wirkte jedoch wie ein Kinderspielzeug, wenn man sich seine Umgebung ansah. Säulenartige Strukturen, oftmals eher organisch als architektonisch und seltsam ineinander verdreht anmutend, verschwanden nach oben hin in diesiger Finsternis. Aegmuil Bhostor machte mit dem Ziellaser seines Waffenimplantats in die dichte Schwärze hinein eine Höhenabstandsmessung und verkündete dann mit seiner immer etwas krächzend klingenden Schnabelstimme: „432 Meter – an ihrem Scheitelpunkt ist die Decke dieser Halle höher, als unser Schiff lang ist…“ Alle schwiegen ergriffen und ließen diese Dimensionen auf sich wirken.

Auf dem „Leviathan“ getauften Monstrum war es ungewöhnlich still. Man vernahm keinesfalls die üblichen Betriebsgeräusche, die man auf einem Raumschiff oder einer Raumstation eigentlich erwarten würde. Nur leise Windgeräusche und ab und an das Geräusch einzelner Wassertropfen, die von oben aus der Dunkelheit fielen. „Vermutlich Kondenswasser“, erklärte Sytte Vimpi, die sich für eine kurze Rast auf einen der drei Crab-Bots gehockt hatte, die ihr ansonsten stoisch folgten, „diese Halle, oder Kaverne – ich tue mich schwer mit einer Bezeichnung – ist derartig groß, dass sich in ihr Konvektionsströme ausbilden, die zur Wolkenentstehung führen. Es sind demgemäß Regentropfen, was wir hier sehen.“

Bevor sich die Gruppe wieder in Bewegung setzte, wurde noch überlegt, in welcher Richtung man nun weitergehen solle. Cusmano schlug vor, dass man sich an der Längsachse des Sternenkreuzers orientieren müsse und von dessen Heck aus in der dadurch vorgegebenen Richtung weitergehen. Schließlich war die Pirmasens nach Nappoke Gnobkocks Beobachtungen achtern voran in ihre neue Umgebung geraten. Man würde auf diese Weise also tiefer in die „Leviathan“ vordringen.

Hier meldete sich erstmals Zeke Hersberger zu Wort, der bisher permanent geschwiegen und sich von der Gruppe leicht abseits gehalten hatte, und widersprach: „Als Techniker kenne ich mich mit Raumschiffgrundrissen aus – im Prinzip sind die Layouts immer ähnlich gegliedert. Egal von welcher Spezies auch immer sie entworfen wurden. Wenn wir in interessantere Bereiche gelangen wollen, müssen wir uns seitwärts bis zu nächstgelegenen Hallenwand begeben. Dort finden sich vermutlich wichtigere Abteilungen und Erschließungsinfrastruktur wie beispielsweise Treppenaufgänge. Ansonsten wäre das so, als ob wir auf der Pirmasens stur geradeaus durch einen Flur gingen, anstatt einfach mal nach links oder rechts ins nächste Zimmer zu schauen, was es dort so alles gibt!“ Hersberger hatte seine Worte sehr überzeugend vorgebracht – schließlich besaß er sowas wie gewisse „Insiderkenntnisse“, von denen die anderen natürlich nichts ahnen konnten…

Am Ende wählte man einen Kompromiss: Pavlína Dvořáková riet dazu, zunächst – wie von Hersberger vorgeschlagen – vom Sternenkreuzer im rechten Winkel zu dessen Längsachse wegzumarschieren, bis man zur Seitenwand der höhlenartigen Riesenhalle käme, und sich dann – wie von Cusmano angedacht – längs zu dieser weiterzubewegen. So dürfte man tatsächlich am wahrscheinlichsten auf Zugänge zu niedrigeren Decks, auf Treppenhäuser, oder sensiblere Einrichtungen stoßen. Hersberger stimmte dem Plan zu – schließlich würden sie dann zunächst in jene Richtung aufbrechen, die er initial vorgeschlagen hatte.

Weil das Gelände nicht eben war, sondern teils durch Rinnen und über Podeste aus undefinierbaren Materialien führte, konnte man nicht erkennen, wie weit es bis zu solch einer seitlichen Hallenwand war. Laserentfernungsmessungen endeten meist an der nächsten Säule oder an zahlreichen, teils haushohen Einbauten aus einem schwarzen, glasartigen Material. Letztere wirkten eher wie Ruinen oder Felsen, weil sich ihr eigentlicher Zweck nicht enträtseln ließ. Es gab kaum gerade Flächen und rechte Winkel. Aus etlichen Klüften drang ein diffuses grünes Leuchten, das sich manchmal fast wie die Strömung einer Flüssigkeit auszubreiten schien. Gab es hier etwa Photonen, die im Gegensatz zu normalen Lichtteilchen einem Schlingerkurs folgten? Wenn man sich zu sehr auf dieses wabernde Licht fokussierte, wurde einem unweigerlich übel.

Die beiden ranghöchsten Soldaten eilten dem Rest der Truppe voran – man hatte es jetzt eilig, weil man sich schnellstmöglich ein genaueres Bild von dieser verstörenden, neuen Umgebung machen wollte! Zum Glück schien zumindest die Halle, in der die Pirmasens ihre Bauchlandung absolviert hatte, komplett verwaist zu sein. Auf den ersten paar hundert Metern nach dem Ausstieg war noch die Umrundung jedes Säulenfußes und sogar jedes schwarzen Schutthaufens ausgiebig und grundausbildungsgerecht mit der Waffe abgesichert worden. Nachdem die Soldaten binnen der ersten Stunde jedoch auf keinerlei Lebenszeichen gestoßen waren, wurden sie schrittweise beherzter. Das Durchschnittstempo des Teams stieg von einem viertel Stundenkilometer auf zweieinhalb an. Wenn das hier ein hochtechnisiertes Riesenschiff in tadellosem Top-Funktionszustand wäre, hätten sich längst ein paar Offizielle gezeigt – im Guten, oder im Schlechten. Das bisher noch niemand auf sie geschossen hatte, wertete Colonel Deverell Cusmano als prinzipiell gutes Zeichen.

0131 Es geht los

0002 Strich

(eine Episodenliste mit Verlinkungen zu allen bisher auf meinem Blog veröffentlichten „Sternenkreuzer Pirmasens“-Folgen sowie ein abermals umfangreich erweitertes illustriertes Glossar zur Erklärung der Fachbegriffe und als Personen-Übersicht findet Ihr wie immer unter diesem Link)

Ein Gedanke zu “STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel XXII

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