Bilder von Menschen, die es gar nicht gibt…

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Draußen ist es schon wieder so warm, dass Fliegen und Mücken ins Haus kommen – ich glaube, diesen Winter waren diese Tierchen gar nicht erst weg. Außer einigen wenigen Nächten mit Bodenfrost ist es im Winter 2019/20 hier bei uns bisher noch nicht wirklich eisig kalt geworden…

Verdrängt Künstliche Intelligenz Palette und Pinsel?

◾Ich beschäftige mich zwar einerseits mit vielen naturwissenschaftlichen Dingen (auch weil ich in diesem Bereich diplomiert habe), aber ein anderes großes Standbein ist bei mir sowohl beruflich als auch privat der Themencluster Kunst/Kultur/Medien. Ich malte schon als Kind lieber, häufiger und besser, als die anderen Kinder. Später füllte ich etliche Skizzenbücher, fertigte tausende von Zeichnungen an und etliche hundert Gemälde auf Leinwand… Doch inzwischen kriegt die klassische Kunst Konkurrenz – ab den frühen 90er Jahren von Billigkünstlern, die in asiatischen „Malfabriken“ Massenwahre für jene Westler schaffen, die sich statt Flachbildschirmfernsehern tatsächlich noch Gemälde aufhängen wollen – in letzter Zeit aber auch zunehmend durch Künstliche Intelligenz und mathematische Algorithmen zur Bilderzeugung: Wir können das „ai-art“ nennen (von „AI“ bzw. „artificial intelligence“, übersetzt „KI“ bzw. „künstliche Intelligenz“).

Zunächst habe ich das als ambitionierter Kunstschaffender natürlich skeptisch gesehen: Nachdem allerlei technische und Bürojobs durch Algorithmen wegrationalisiert wurden (einschließlich aktuell gerade etlicher Meteorologen im Bereich der Wettervorhersage und demnächst vielleicht schon bald sogar Juristen durch „Anwalts-Apps“, etc.), trifft die Digitalisierung nun also auch noch die Künstler! Ersetzt durch Automatisierung… Aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht (es wird wohl glücklicherweise immer beides nebeneinander geben). Das Erbrüten von Bildern mittels Algorithmen ist sogar eine gelegentlich ganz lustige Angelegenheit. Hat eher weniger mit der Arbeit eines Malers oder Grafikers zu tun, sondern eher mit der eines DJs, der an Synthesizern und Mischpult neue Klangwelten zusammenmixt. So ähnlich ist das dann auch mit Bildnissen: Hier mal den Grün-Regler hoch, da 20% eines Katzenfotos als „Gene“ in die Algorithmen schütten und dann hier und da noch an ein paar Parametern spielen… Voila! Gibt’s „Niezuvorgesehenes“ auf die Augen! 🙂 Mir bereitet das inzwischen auch eine gewisse Freude – zumal man oft schon nach wenigen Sekunden interessante Ergebnisse bekommt und nicht erst nach vielen Stunden oder Tagen an der Staffelei. Hier ein Beispiel aus meiner Feder meinem Rechner:

0408 alte Tanten kommen

Das Bild könnte man Aufmarsch der alten Tantennennen – ich finde es ganz witzig.

Wenn ich nicht „klassische Kunst“ aufs Papier oder die Leinwand bringen will, sondern schnell mal nur ein bisschen „Gebrauchsgrafik“ benötige, dann ist die KI inzwischen recht hilfreich – zumal dann, wenn man mal ein paar lizenzfreie und dennoch ansprechende Bildelemente braucht, etwa Videohintergründe, oder – ein Beispiel für Euch WordPress-Leser – auch mal sekundenschnell erzeugte Landschaftsbilder zur spontanen Illustration meiner „Sternenkreuzer Pirmasens“-Story, in die ich dann die ebenfalls mit einem speziellen Computerprogramm entworfenen Helden einfüge…

„Künstliche Intelligenz“ in der Bildbearbeitung kann natürlich auch sekundenschnell Portraits von nicht-realen Personen erschaffen, die man von den Handzeichnungen und Photoshop-Illustrationen begabter Grafiker kaum unterscheiden kann:

0411 Portraits Bilder

Es geht auch noch ein bisschen mehr „crazy“:

0412 Portraits Kunst

Oder aber realistischer – „fotorealistisch“:

0413 Portraits Fotos

„Franz-Walter & Rotraut“ kennt ihr ja bereits aus einem Blogeintrag von mir – aber auch alle anderen Personen sind mittels einfach zu bedienender Algorithmen und der Online-Software „Artbreeder“ erzeugt worden. Die Rothaarige in der Mitte ist heiß – gell, Inorbit? 0410 Ironie FotosWenn man eins gelernt haben sollte am Beginn der 20er Jahre des 21. Jahrhunderts: Traue bloß keinem Foto! Nichts muss so sein, wie es zu sein scheint. Mit manipulierten, gefälschten oder komplett künstlich erzeugten Fotos kann man inzwischen nahezu alles „beweisen“ (UFO-Sichtungen, angebliche Promi-Affären, dass die Erde eine Scheibe ist, etc.), aber seit kurzem gibt es auch immer mehr „Deep-Fakes“. Hierbei handelt es sich nicht nur um künstliche Fotos, sondern um gefakte Filme samt Nachvertonung: Man kann beispielsweise die Queen mit ihrer Originalstimme rappen oder Trump nackt auf seinem Schreibtisch im Oval-Office tanzen lassen! (letzteres muss allerdings nicht zwangsläufig ein Deep-Fake sein, falls sowas auftauchen sollte – man weiß ja nie…) 😉 Inzwischen gibt es haufenweise Apps und Computerprogramme, mit denen man mittels KI Fotos verändern oder sogar komplett neue und oftmals bizarre Bilderwelten „erbrüten“ kann. Ein einfaches Browser-Programm, wo Ihr Euch mal online spielerisch an „AI-art“ ausprobieren könnt ist „Artbreeder.com“ – ich habe dort selber einen kostenlosen Basis-Account. Mit dem „Artbreeder“ habe ich übrigens sämtliche Portraits auf dieser Seite erstellt. Probiert das ruhig mal aus… Braucht Ihr nicht schnell noch für irgendwo im Netz ein paar neue anonyme Profilfotos? 😁

30 Gedanken zu “Bilder von Menschen, die es gar nicht gibt…

  1. Deepfake finde ich aktuell etwas vom Gefährlicheren, was es gibt.
    Für die von dir aufgeführten Begebenheiten jedoch finde ich solches auch toll!
    Die alten Tanten kann ich mir allerdings nicht länger anschauen, weil die keine richtigen Gesichter haben.

    Ich mag sehr gerne Fraktale. Ich erinnere mich gut wie ich als Kind davon in der Geo gelesen habe und davon sofort extrem fasziniert war, weil sich das Muster immer wieder und wieder wiederholt.

    Bei mir hängt ein Bild auf Leinwand, das eine Freundin am PC gemalt (nicht programmiert) hat und dann für mich auf Bestellung „echt“ gemacht hat.

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  2. Hauptsache Du bist echt. Bei Konversationsprogrammen ist die KI ja auch schon sehr weit wie man an diesem Seitensprungportal in den USA gesehen hat. Aber okay da sind die Schlüsselwörter auch recht schnell programmiert 🙂

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  3. Als Kind habe ich mich gefragt, wie dem lieben Gott immer wieder neue Gesichter einfallen. Eineiige Zwillinge waren in meinen Augen das Ergebnis einfallsloser Momente des Schöpfers.
    Wenn die Ethiker und Politiker den Genforschern irgendwann keine Steine mehr in den Weg legen („alles was machbar ist, wird auch gemacht“), dann werden als Nächstes echte Menschen anhand solcher „fotorealistischer“ Bilder im Labor erzeugt. Was spricht dagegen, die Gene nach bestimmten Vorgaben zusammenzubauen? Da Frage lautet dann nicht mehr, ob zuerst das Huhn oder das Ei war, sondern ob zuerst das Foto oder der Mensch war…

    Im übrigen würde es mich wundern, wenn es die „fotorealistisch“ abgebildeten Menschen tatsächlich NICHT geben würde. Das würde bedeuten, dass es mehr Möglichkeiten gäbe wie Menschen aussehen KÖNNTEN als es Menschen auf der Erde gibt.

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