Morgenstund hat Mundgeruch

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Ich habe mich zu einer konkreten Vorgehensweise durch den Blogging-Kollegen „Inorbit“ inspirieren lassen – dieser musste kürzlich zur unchristlichen Uhrzeit zum Arzttermin in Berlin antreten: Deshalb legte er sich vorher gar nicht mehr schlafen und machte stattdessen durch, um mit dem frühen Termin seinen Tag ausklingen zu lassen.

➡️ Ich handhabte das eben genauso: Philomena musste um viertel nach sieben in „Graustadt“ einen Zug erwischen (sie verreist wieder mehrtägig in den Süden auf Verwandtschaftsbesuch). Da wir sicherheitshalber eine knappe Stunde vorher losfahren wollten, hätte ich also spätestens um halb sechs aufstehen müssen – wenn ich meine üblichen morgendlichen Abläufe wie die unsäglich langen Klositzungen wahren wollte, sogar zwischen vier und halb fünf… Da sich meine Zubettgehzeit in letzter Zeit durch meinen angeschlagenen Gesundheitszustand noch weiter nach hinten verschoben hat, als eh schon, hätte ich also dann wieder aufstehen müssen, wenn ich mich sonst gerade erst hinzulegen pflege. Unmöglich. Also machte ich durch. Trank reichlich Kaffee und schrieb am nächsten „Sternenkreuzer Pirmasens“-Kapitel für Euch Leser weiter. 🙂

Als wir nach Graustadt reinkamen, war es da noch gar nicht mal so voll. Auch die Penner schliefen im Bahnhofsparkhaus noch tief und fest in ihren Schlafsäcken… Auf meiner Rückfahrt war es dafür umso voller – was für ein irrsinniges Gewühle, wenn sie alle in ihre Büros streben! Mir absolut rätselhaft, wie man um diese Uhrzeit bereits funktionieren kann… Da ich unterwegs auch noch kurz an einer Tankstelle hielt um vollzutanken, war ich auf dem Rückweg eine gute halbe Stunde länger unterwegs, als auf dem Hinweg. Am frühen Morgen, wenn es noch dunkel ist, sehen innerstädtische Straßenzüge, die mir eigentlich vertraut sind, ganz fremd aus. Anders als in der abendlichen Dunkelheit. Der frühe Morgen ist eine ganz seltsame Tageszeit, die ich in den letzten Jahren kaum mal außerhalb der vertrauten vier Wände bewusst erlebt habe. Das Nachtblau wird ganz allmählich unmerklich heller und die öffentliche Beleuchtung sieht anders aus, als spätabends. Dazu eine Hektik sondergleichen. Ich geriet in etliche Ampelstaus und musste meinen Fahrstil entsprechend anpassen: Einmal fuhr ich an einer Engstelle, die sich durch einen Falschparker ergab, einfach aggressiv weiter, so dass der Gegenverkehr bremsen musste. Wozu fahre ich schließlich ein nur begrenzt sozialverträgliches Auto, wenn ich mich gar nicht dessen Image entsprechend schlecht benehme? 😉

Besonders voll war es vor den Schulen, als ich die äußeren Vororte Graustadts durchfuhr. Perverses Getümmel von absetzenden Helikoptereltern in ihren SUVs. Die verzärtelt/verfettet/verdummte Brut wurde fast bis auf die Schulhöfe gekarrt, wo sie somnambul aufs Handy glotzend ausgekübelt wurde. Ich wurde unangenehm an meine eigene Schulzeit erinnert, die ich inzwischen glücklicherweise gründlich aus meinen Erinnerungen verdrängt habe – nur in ein paar seltenen Albträumen taucht sie noch auf – als ich schließlich ausgerechnet auch noch an meiner eigenen ehemaligen Schule vorbeifuhr (durch den Schlenker zur Tankstelle bei der ich eine Rabattpunktekarte habe bedingt, war mein Rückweg ein anderer als unser Hinweg). Außerdem wuchs da vor dem Schulgebäude ein ganzer Wald – kurz vor unserem Abiturjahrgang wurde die Tradition begründet, dass man als Abschlussjahrgang einen Baum mit einer Erinnerungstafel vor das Gebäude pflanzte. Ich glaube wir setzten damals den dritten oder vierten Baum. Jetzt ist es dort regelrecht düster vor lauter Bäumen. Ich war entsetzt, wie schnell all die Jahre vergangen sein müssen! Tempus fugit… ⌛😮

Jetzt ballere ich mir noch Saufraß vom türkischen Bäcker aus dem Bahnhof rein und bleibe mit etwas Kaffee auch so lange wach, bis die Post kommt. Da ich zwei Pakete erwarte, die ich ungerne irgendwo aus der Nachbarschaft abernten möchte, bleib ich jetzt noch zwei oder drei weitere Stunden lang auf, bevor ich mich dann endlich aufs Ohr hauen werde. 😴

11 Gedanken zu “Morgenstund hat Mundgeruch

  1. Ja, es ist faszinierend, was morgens schon los ist. Ich saß um 7 Uhr 11 im total überfüllten Zug, nachdem ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen hatte. Es war deprimierend. Am Südkreuz habe ich erst mal gefrühstückt und beobachete die Leute, wie sie wie die Irren in ihre stupiden Jobs hetzten. Im Zug habe ich mir die Zeit mit einer Netflix-Doku auf dem Smartphone vertrieben, sonst hätte ich das nicht ausgehalten. Wenn ich sowas jeden Tag machen müsste, würde ich mich erschiessen. Grüße!

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    • Das ist leider nicht wahr – als ich noch morgens aufstehen musste, habe ich täglich den Wecker eine geschlagene Stunde lang nicht gehört. Egal welcher Ton, welche Lautstärke, da ich genau zu der Zeit immer im absoluten Tiefschlaf war – das war seit der Oberschulzeit gut 20 Jahre lang immer so – und ich meine, wenn das Angewöhnen funktionieren würde (jedenfalls bei mir), dann hätte das doch nach der Zeit mal greifen müssen *schulterzuck*
      Ich bin jedenfalls definitiv eine Eule. Mir hat auch der Arzt im Schlaflabor gesagt, dass ich mir besser einen Job nach dem Biorhythmus suchen solle als mich noch weiter damit abzukämpfen.

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        • Ich kenne x Leute, bei denen das einwandfrei immer funktioniert. Meine Mutter kann sich sogar beim Zubettgehen die Zeit sagen, wann sie aufwachen will. Ich bin völlig anders gepolt, was mich gar nicht so stört. Nur ist die Gesellschaft halt so gar nicht für Sonderfälle eingerichtet *schiefgrinse*

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  2. Das erinnert mich an einen Spruch, den meine größere Tochter vor einigen Jahren direkt nach dem Aufstehen losgelassen hat – da dürfte sie (Kind) und es (Uhrzeit) vier oder fünf gewesen sein: „Dufte ich heute aus dem Mund?“

    War doch eine gute Lösung mit dem Durchmachen in dem Fall. Ich handhabe das notgedrungen auch oft so. 😉 Könnte ich nach meinem Biorhythmus agieren – ich bin ebenfalls ein absolutes Nachtlicht – würde ich auch erst um die Uhrzeit ins Bett gehen, zu der meine restliche Familie aufsteht.

    Ach, so rein „atmosphärisch“ betrachtet, hat der frühe Morgen schon seinen Reiz. 🙂

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  3. Guter Plan. Ich habe schon öfter versucht, das durch zu ziehen, wenn ich zur jährlichen Sicherheitsschulung muss. Für mich gäbe es noch die Variante, gleich nach dem Heimkommen ins Bett und um 3 oder 4 wieder aufstehen, sobald ich das erste Mal aufwache – ich notiere mir das mal im Hinterkopf für spätere Vorkommnisse.

    Ich habe frühere meinen Vater oft zum Flughafen gebracht, wenn er zur Auslandsarbeit fuhr. Das war auch oft früh und es ging mir genau so – bis Kloten alles super, auf dem Rückweg in die Pampa ein Chaos. Einmal habe ich die Auffahrt verpasst und musste durch Zürich fahren *augenroll*

    Ich mag die Stille der Nacht halt auch sehr, inkl. der Gestalten, die da so rumeiern. Mein grösster Traum wäre eine Diner (amerikanischer Stil), das 24 h offen hat. Wo der Kaffee aus der Kanne nachgeschenkt wird, wo nachts die kaputten Philosophen etc. zum Plauschen vorbei kommen – leider gibts sowas hier nirgends, sonst hätte ich ich dort schon längst für die Nachtschicht beworben.

    Grad gestern habe ich zum Mann gesagt, dass ich einfach möglichst nichts mit der Gesellschaft zu tun haben will. Ich werde nur noch genervter.

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  4. Muss ich bisweilen wie Du handhaben, weil mein ZA größere OPs ausschließlich vormittags ansetzt. Aber ist stets ein Albtraum, zu früh Termine wahrnehmen zu müssen. Weil, der versäumte Schlaf lässt sich nie nachholen. Verständnisvolle Grüße an alle.

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