Ein Auto namens „Heinz“

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Ein Auto, das „Heinz“ heißt? Klingt komisch, ist aber so – doch zunächst muss ich ein bisschen weiter ausholen…

0365 Enzo FerrariDer junge Mann auf dem nebenstehenden Foto (nein, es ist nicht Mesut Özil – auch wenn er so ausschaut) ist „Heinz Schmidt“. Zumindest, wenn man seinen Namen aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt. Bei dem jungen Autorennfahrer, der später seine eigene Sportwagenschmiede gründen sollte, handelt es sich um Enzo Ferrari (1898-1988).

„Enzo“ ist die Kurzform von „Enrico“, dem der deutsche Vorname „Heinrich“ (englisch „Henry“, französisch „Henri“, niederländisch „Hendrick“) entspricht. Die Kurzform wäre ins Deutsche übertragen also „Heinz“ (oder „Hein“, „Heini“, „Hinnerk“, „Henning“). „Ferrari“ ist im Italienischen auch die Berufsbezeichnung für einen Schmied. Da es im Mittalter recht viele Schmieden in den Dörfern gab, ist dieser Nachname auch heute noch entsprechend weit verbreitet – ebenso wie im Deutschen das Gegenstück „Schmidt“. Der Name „Schmidt“ ist einschließlich seiner Varianten „Schmitt“, „Schmitz“, „Schmid“, „Schmidl“, „Schmidli“, „Schmidtke“, „Schmied“ und „Smid(t)“ der häufigste deutsche Familienname. Auch außerhalb Italiens und Deutschlands gibt es etliche Familien, zu deren Urahnen einstmals Männer gehört haben müssen, die den Schmiedehammer schwangen – statt „Ferrari“ oder „Schmidt“ heißen sie dann beispielsweise „Smith“ (englisch), „Smid“ (niederländisch), „Lefebvre“ oder „Lefèvre“ (französisch), „Herrero“ (spanisch), „Ferreira“ (portugiesisch), Kowalski (polnisch), und „Demirci“ (türkisch).

Einige der häufigsten europäischen Familiennamen lassen sich auf mittelalterliche Berufsbezeichnungen zurückführen – im Deutschen gilt das unter anderem auch für die Namen „Müller“, „Meier“, „Fischer“, „Weber“ und „Schneider“. Was das Tagwerk eines Müllers, oder eines Fischers war, dürfte den meisten meiner Leser geläufig sein. Schwieriger wird es schon beim „Meier“ (und seinen Varianten „Meyer“, „Maier“, „Mayer“, „Mayr“, „Mair“, „Meir“, „Majer“, „Meyr“, usw.). Nun, ein „Meier“ (lat. „maior“ oder „maius“ = größer, stärker, bedeutender) war ursprünglich ein Verwalter: Es gab den Hausmei(st)er („maior domus“) im Feudalwesen oder den ländlichen Gutsverwalter. Später bezeichnete man auch den Pächter eines bäuerlichen Landgutes als „Meier“ und das entsprechende bäuerliche Gut als „Meierei“. Im englischen Sprachraum gibt es gleichbedeutend zum deutschen „Meier“, allerdings weniger verbreitet, die Namensversion „Major“ (engl. „mayor“ = Bürgermeister, oder Schultheiß). Weitaus häufiger verbreitet ist im angelsächsischen Raum hingegen der Name „Stewart“ bzw. „Steward“, der aus dem altenglischen „Stigweard“ abgeleitet die gleiche Wortbedeutung als Hofverwalter hat und dort die Funktion des deutschen „Meiers“ innehatte… Bevor es sich nun ausgemeiert hat und ich den Bogen zurück zum Auto namens „Heinz“ finde, sei noch auf eine Kuriosität hingewiesen, die unter deutschen Linguisten und Geografie-Historikern als „Meier-Loch“ bekannt ist: Damit wird das Phänomen bezeichnet, dass bei der geographischen Verteilung des Namens „Meier“ in all seinen Schreibweisen in Deutschland der Name in Mitteldeutschland kaum auftritt. Grund für das Meier-Loch ist, dass in der Mitte Deutschlands der historische Hofverwalter den Namen „Hof(f)mann“ trug, der heutzutage auch ein verbreiteter Nachname ist.

0366 Liz TaylorDa in ganz Europa mittelalterliche Berufsbezeichnungen als Familiennamen geläufig sind, sind sie auch in den meisten europäischen Sprachen entsprechend weit verbreitet – und lassen sich demnach auch übersetzen: „Enzo Ferrari“ = „Heinz Schmidt“. „John Major“ (ehemaliger britischer Premierminister) = „Johannes Meier“. „Liz Taylor“ = „Liese Schneider“. Die wahrscheinlich letzte echte Diva und klassische Leinwandgöttin Hollywoods, Liz (Elisabeth) Taylor (1932-2011), hört sich in der Deutschen Übersetzung gleich deutlich weniger mondän und weltläufig an: „Elisabeth Schneider“, bzw. in der Kurzform gar „Liese(l) Schneider“ – das klingt eher nach der Volkstümlichen Hitparade, anstatt nach Hollywood… 😉

Zurück zum Aufhänger dieses Beitrags: Nach dem verstorbenen Firmengründer Enzo Ferrari wurde im Jahr 2002 ein Supersportwagen aus dem Hause Ferrari benannt, der Ferrari „Enzo“, der in einer limitierten Auflage von nur 400 Fahrzeuge an ausgewählte Kunden verkauft wurde – ein Auto namens „Heinz“. 😄

16 Gedanken zu “Ein Auto namens „Heinz“

  1. Enzo wusste ich, Ferrari nicht – ich übersetze nicht nur Namen, sondern auch Begriffe aus anderen Sprachen – vieles erschliesst sich mir aus meinen E-/D-/I-/F-Kenntnisse und vieles überrascht mich, obwohl es schon fast offensichtlich ist.

    Grad vorhin im Kreuzworträtsel wurde gefragt, was Pasta auf Deutsch heisst, das wusste ich auch nicht – 4 Buchstaben – habe überlegt und kam auf Teig – aufgrund der Wörter drumherum, wars dann auch richtig.

    Als Junge hätte ich Giacomo geheissen, nach Giacomo de Agostini, ein damals bekannter Motorradrennfahrer – meine Mutter ruft mich noch heute manchmal Köbu (die Kurzform von Jakob in der Schweiz), wenn sie mich hoch nehmen will 🙂
    Der Name, den ich trage ist eine Koseform von Anna und eigentlich kein Taufname im Herkunftsland.

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    • Jetzt fällt mir grad ein, dass meine Eltern eine himmelblaue Ente mit Namen Marrone (mit kurzem o und e) hatten – meine Auto ist das feuerrote Spielmobil (Ford Fiesta ST) 🙂

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  2. Danke für die Info! 👍 Dann kann mir ja jetzt endlich den Ferrari holen. Bisher hatte ich immer Angst, damit zu abgenommen rüberzukommen. Aber mit einem „Schmiedeheinz“ kommt man gleich viel bodenständiger rüber. Hoffe Ferrari bietet das auch als Plakette am Wagen an und statt Ross ein Hufeisen 😎

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        • Nö. De facto dürfte hier eher 50+ überwiegen… Aber ich gehe einfach mal davon aus, dass Özil heute bekannter als Rosenthal ist und habe deshalb ihn ausgesucht, wo es gleich zwei für Enzo Ferrari verwendbare Doppelgänger gab. Man muss jedenfalls den jüngeren Followern ein bisschen entgegenkommen – ich bin ja auch ganz froh, wenn sich mal einer u30 in meine Abonnentenliste verirrt: Solange es in dieser Alterskohorte „Daily News from Absurdistan“-Leser gibt, hege ich die Resthoffnung, dass die Jugend doch noch nicht vollständig verblödet ist… 😁😉

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        • die jugend ist ebenso wenig verblödet wie die alten säcke. oder eben genauso, nur anders. ist eine frage der perspektive.
          wir alle stammen von adam und eva ab. wusstest du das nicht? schätze, dass die ehemals ziemlich hässlich aussahen… etwa wie martin feldman.

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        • stimmt, ich hatte zwar schon als zehnjähriger zweifel an der welt, die mir vorgelebt wurde, aber so richtig entwickelte sich meine gesellschaftkritik erst ab der pubertät. offenbar verblödete ich bis heute nicht von innen, wie du es nennst.
          hast du eine erklärung dafür, dass so viel von innen verblöden?

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        • Eine Dir gefällige Erklärung: Wenn innen zu wenig Bier ist, bleibt ein durch Verblödung zu füllender Hohlraum. 😉
          Ansonsten halte ich fehlendes Reflektionsvermögen, mangelnde Fähigkeit zum analytischen Denken, (zu) geringe (Allgemein-)Bildung, Fachidiotentum, Veränderungsscheue und die recht verbreitete Mitläufermentalität (die dann verinnerlicht ist – in der Jugend ist sie eher noch ein Faktor für die Verblödung von außen) für ausschlaggebende Faktoren, welche eine Verblödung von innen befördern.

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        • sicher, all die faktoren, die du nennst, sind tragend für eine spezifische oder allgemeine verblödung. ich kann`s trotzdem nicht verstehen. haben die leute kein eigenes „ich“, keine eigene moral? kein eigenes denken? sind sie alle so leicht zu fressen?

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