„1000 Fragen an mich selbst“ (54 – 64)

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Draußen herrscht ein sensationelles Scheißwetter – man weiß gar nicht mehr, ob man nicht besser gleich wieder schlafen gehen sollte, wenn man aus dem Fenster schaut. Da meine Leser nun gerade ihr Wochenende um die Ohren haben, Amüsier- und Regenerationsphase der Lohnsklaven, dürstet es sie nach mäßiger Unterhaltung – kurzweiligem Geblubber, um das ausgekuppelt im Leerlauf tuckernde Hirn ein wenig zu zerstreuen. Nun, es gäbe Netflix – aber einige meiner Abonnenten bevorzugen es dann doch (durch eine von mir dazu durchgeführte Umfrage wurde dieses explizit bestätigt) mit der Lektüre meiner Themensparte „1000 Fragen an mich selbst“ vorliebzunehmen.

Tja – jeder wie er mag: Es folgen die Antworten 54 bis 64.

0️⃣0️⃣5️⃣4️⃣ „Fürchtest du dich im Dunkeln?“

0357 Wolf in der Nacht.jpg▶️ Nein – eher im Hellen. Die Dunkelheit reduziert die Eindrücke und verdeckt das Grelle, Laute, oftmals allzu Abstoßende… Die Menschenmassen halten sich nachts ganz überwiegend in ihren Bauten auf – es ist dann wohltuend ruhig in der Natur, im Wald, auch auf den Straßen (ich lebe ja mittlerweile nicht mehr in der Großstadt, wo es ein florierendes Nachtleben gibt, sondern zurückgezogen auf dem Lande). Augen und Nerven werden geschont. Ich mag die Dunkelheit. Spaziere lieber durch die Nacht, als durch den Tag. Solange ich nicht an einem eindeutig (oftmals dann auch schon tagsüber) „gefährlichen“ Ort bin, fürchte ich mich im Dunkeln nicht.

0️⃣0️⃣5️⃣5️⃣ „Welchen Schmuck trägst du täglich?“

▶️ Als Mann kann man sich ja eigentlich nur mit Manschettenknöpfen oder einer mechanischen Armbanduhr schmücken, wenn man noch halbwegs seriös erscheinen möchte… [Deshalb habe ich das „Experiment“ mit den Bartperlen auch nicht weiter fortgeführt.] Als ich noch eher der weltmännisch-urbane Kultur-Schnösel war – stets glattrasiert und mit snobistischer Gel-Locke in der Stirn – trug ich meinen Chronographen aus dem sächsischen Städtchen Glashütte tagtäglich immer mit einem gewissen Stolz am linken Unterarm (nicht Handgelenk, da störte er mich), bis ich mir ein Smartphone zugelegt hatte. Nun hatte ich generell immer eine „Taschenuhr“ zur Hand. Seitdem ich im ländlichen Exil lebe, musste ich die Armbanduhr auch immer öfters während Garten- und Handwerksarbeiten abnehmen, so dass ich sie irgendwann ganz weg ließ… Außerdem müsste ich das zickige, mittlerweile ziemlich falsch gehende und zum Stehenbleiben neigende Chronometer dringend revidieren lassen, was beim Uhrmacher meines Vertrauens locker mit 300 bis 500 Euro zu Buche schlagen würde – mir zu teuer, bzw. pflege ich, in zunehmender Verarmung begriffen, inzwischen andere Ausgabeprioritäten. Die Uhr bleibt deshalb schon seit Jahren ungetragen in ihrem Kasten.

0️⃣0️⃣5️⃣6️⃣ „Mögen Kinder dich?“

▶️ Auch wenn ich mir das früher nicht vorstellen konnte, denke ich inzwischen: „Ja.“

Früher waren mir Kinder hingegen immer leicht suspekt – ich konnte mit ihnen nichts anfangen und dachte, sie würden mir meine Unsicherheit im Umgang mit ihnen (und auch mit Menschen allgemein – in jungen Jahren war ich ziemlich schüchtern) irgendwie anmerken. So ähnlich wie Hunde, die merken, dass man Angst vor ihnen hat… Später (als ich auch erheblich extrovertierter geworden war) hatte dann die Schwester meiner damaligen Verlobten Giulia eine Tochter, so dass ich nun den Umgang mit Kindern „üben“ konnte. Nun, ich stellte mich dabei gar nicht mal so dumm an…

0358 Punk-Onkel.jpgFür den kleinen Sohn der Schwester von Philomena, meiner heutigen Hausgenossin, bin ich inzwischen wohl sogar sowas wie ein „Held seiner Kindheit“ – der komische, lustige Onkel, der immer mit ihm spielt – normalerweise haben Erwachsene ja keine Zeit oder Lust dazu. Mir gefällt‘s aber, dass ich so gut mit ihm kann. Der Umgang mit den Kindern meines Bruders ist hingegen ein bisschen distanzierter, was sich sicherlich daraus erklärt, dass ich dort meistens gemeinsam mit meiner Mutter auftauche: Oma toppt Onkel, meine Mutter ist dann immer mehr im Focus. Außerdem sehe ich die Familie meines Bruders meistens nur für ein paar Stunden (man fährt zu den Kindergeburtstagen hin, sieht sich zum Adventskaffee bei meinen Eltern, etc.) – während ich den Kleinen von Philomenas Schwester eher mehrere Tage am Stück sehe, weil ich mindestens einmal (in einigen Jahren auch zwei bis dreimal) pro Jahr gemeinsam mit Philomena zu Philomenas Mutter nach Süddeutschland fahre, wenn dort Philomenas Schwester, die eigentlich im Ausland lebt, wochenweise mit dem Kind zu Besuch ist. Durch dieses „Eintauchen ins Familienleben“, ist der Umgang mit dem Sohn von Philomenas Schwester viel intensiver, als der mit meinen eigenen Nichten und Neffen.

0️⃣0️⃣5️⃣7️⃣ „Welche Filme schaust du lieber zu Hause auf dem Sofa als im Kino?“

▶️ a) Ich nutze unser Wohnzimmer hier kaum, sitze deshalb auch nicht mit dem Tablet – auf dem ich theoretisch Filme schauen könnte – auf dem Sofa, b) ich habe seit 2012 keinen Fernseher mehr, mit dem ich Filme ansehen könnte, c) ich war zuletzt 2010 oder 2011 im Kino (sah dort zusammen mit meinem Bruder den Banksy-Film „Exit Through the Gift Shop“) und d) ich lese lieber die Buchvorlage zum Film, als mir die Buchverfilmung anzusehen – die Frage 57 erübrigt sich also folglich…

0️⃣0️⃣5️⃣8️⃣ „Wie mild bist du in deinem Urteil?“

▶️ Das ist vollkommen abhängig vom Thema oder Sachgebiet. Meistens urteile ich eher gnädig (hauptsächlich, wenn mich eine Sache nicht persönlich betrifft), oder erlaube mir eine komplexe, differenzierte Grauzonen-Meinung zu den Dingen… Manchmal praktiziere ich aber auch ausgeprägte Schwarz-Weiß-Denke, kategorisiere in Freund-Feind-Schemata und urteile dann recht hart… Diese Frage kann ich nicht allgemein beantworten.

0️⃣0️⃣5️⃣9️⃣ „Schläfst du in der Regel gut?“

▶️ In letzter Zeit schon. Aber das war wiederholt über sehr ausgedehnte Phasen meines Lebens hinweg anders: Da quälten mich vor allem Einschlafstörungen. Ich lag lange wach und zergrübelte mir oft stundenlang über allerlei Themen und Probleme das Hirn. 0359 Schlafhase.jpgJahrelang, vor allem im Alter von Ende Zwanzig bis Mitte Dreißig, schlief ich auch viel zu kurz (oft nur vier oder fünf Stunden pro Nacht, oder ich machte ein bis zwei Nächte pro Woche sogar komplett durch). Heute schlafe ich meistens 6 bis 7 Stunden pro Nacht und meistens bis zum Aufstehen in einem Stück durch. Ungefähr ein- oder zweimal pro Woche muss ich nachts aufs Klo raus – aber das dürfte mit dem Älterwerden wohl bald öfters werden… 😉

0️⃣0️⃣6️⃣0️⃣ „Was ist deine neueste Entdeckung?“

▶️ Tennisspielen.

0360 Tod0️⃣0️⃣6️⃣1️⃣ „Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?“

▶️ Nö. Mit dem Tod ist das Leben meiner Auffassung nach definitiv vollständig zu Ende. Irgendwelche „Licht am Ende des Tunnels“-Berichte und ähnliche Nahtoderfahrungen sind wohl auf Sauerstoffmangel im Gehirn und ähnliche Effekte zurückzuführen. Tod = aus = absolute Schwärze. Von einem bleibt nix als „Wurmfutter“ übrig. Da ich aber kein „Wurmfutter“ sein möchte (auch wenn ich davon gewiss nichts mehr mitbekommen werde), werde ich mich nach dem Ableben einäschern lassen. 

0️⃣0️⃣6️⃣2️⃣ „Auf wen bist du böse?“

▶️ Aktuell, oder grundsätzlich? Drei expliziten Arschlochtypen aus meiner Schulzeit – Sadisten, die mir meine Kindheit zur Hölle machten und bis heute noch nicht wieder vollständig behobene Charakterschäden zufügten – werde ich bis zu meinem letzten Atemzug böse sein. Den meisten anderen Idioten, die mich im Laufe meines Lebens ausgenutzt/verarscht/betrogen/verletzt haben, habe ich längst verziehen. Oder die alten Geschichten haben schlichtweg keine Relevanz mehr für mich – das Rad des Lebens dreht sich fortwährend weiter. In meinem aktuellen Lebensumfeld bin ich niemandem böse. Eventuell blicke ich auf ein paar Leute herab – aber das ist kein Bösesein… 😉

0️⃣0️⃣6️⃣3️⃣ „Fährst du häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln?“

▶️ Gott bewahre – nein! Mit grässlichen Gestalten in bazillenverseuchtem Ambiente zwangsvergesellschaftet auf Reisen gehen? Das vermeide ich so weit wie möglich. Etwa zwei bis viermal pro Jahr fahre ich mit der Bahn (aber nur 1. Klasse ICE), meistens wenn ich irgendwohin muss, wo ich aus Sicherheitsgründen unser Auto nicht länger abstellen mag. Geflogen bin ich schon seit etlichen Jahren nicht mehr (früher jedoch eher häufig).0361 Car Castle.jpg Fährfahrten sind hingegen ganz okay – dann bin ich eh fast die ganze Zeit lang oben an Deck und halte meine Nase in den Seewind. Ich bin jedenfalls ein eingefleischter Autofahrer – „my car is my castle“. ÖPNV ist eindeutig etwas für ziemlich arme Schweine – mir tun jene Leute leid, die tagtäglich darauf angewiesen sind.

0️⃣0️⃣6️⃣4️⃣ „Was hat dir am meisten Kummer bereitet?“

0362 Heuli▶️ Wenn ich die „Tränenstrom-Nettozeit pro Tag“ als Maßstab für Kummer nehme, waren das wohl die ersten Wochen nach der (zumindest für mich) unvorhersehbaren und ziemlich jäh erfolgten Trennung von meiner Ex-Verlobten Giulia vor nunmehr über einem Dutzend Jahren – diese „TSNZ/d“ konnte damals schon mal Werte von zehn bis fünfzehn Minuten erreichen.

Die längste Kummerphase (eher Wut und Ärger diesmal, jedoch keine Tränen) war die Zeit, in der ich in Berlin meine Stalkerin Mandy an der Backe hatte und gegen diese gerichtlich vorgehen musste, bis endlich wieder Ruhe einkehrte. Das hat mich damals reichlich Nerven und tausende von Euros gekostet – ich schrieb wiederholt in meinem Blog darüber.

Am tiefsten unten (sozusagen im „heftigsten Kummer“) war ich aber bereits im Jahr 2004 für nur wenige Tage: Als der Teil meines Existierens endete, in dem ich noch so etwas wie „gezielte Karriereplanung“, etc. betrieb, war ich in Folge völliger Überarbeitung psychisch und körperlich komplett am Ende. Burnout-Syndrom und durch zeitmangelbedingte Fehlernährung extrem verschärfte Fettstoffwechselstörung (die wurde damals nach dieser Chaoswoche überhaupt erst bei mir diagnostiziert, meine Triglyzerid- und Cholesterin-Werte lagen da fast schon im vierstelligen Bereich). Ich legte mich damals mehrere Tage lang ohne zu essen und zu trinken ins Bett und sinnierte ernsthaft über die Modalitäten eines Suizides nach. Statt mit 240 km/h unangeschnallt gegen eine Betonmauer zu fahren, kündigte ich dann aber meinen Job und legte eine halbjährige Erholungs- & Gesundungs-Auszeit ein, während der ich mit Giulia zusammen kam, danach machte ich mich dann auch beruflich selbständig.

🏁 So – fertig. Nächste Folge „Innenweltenstriptease“ dann vermutlich in einigen Wochen – so, wie Ihr es von mir kennt und mögt. Schönen Restsonntag und einen guten Start in Eure jeweiligen Wochen! 🙂 Hypermentale Grüße.

6 Gedanken zu “„1000 Fragen an mich selbst“ (54 – 64)

    • Müsste ich zur Rush Hour hin und zurück, könnte ich das auch nicht – das Geld zahle ich für meine Ruhe im Auto gerne. Die Verbindungen mit den Öffentlichen würde bei mir aktuell gar nicht funktionieren, doch vor allem nerven mich die anderen Leute darin – beides würde also über kurz oder lang zu einem Zusammenbruch resp. das Erste wohl zum nächsten Unfall wie früher so oft führen.

      Würde ich zB nur max. 30 Minuten mit guten Verbindungen und Haltestellen an passenden Orten fahren können, würde ich mir ÖV nochmal überlegen.

      Gefällt 2 Personen

      • Ich bin in der komfortablen Situation, dass ich nur 10 Minuten mit der Bahn fahren muss. Das lässt sich sogar im Stehen gut aushalten. Zudem fahre ich immer so früh, dass die Züge noch relativ leer sind. Nachmittags sieht es manchmal leider anders aus, aber inzwischen kenne ich schon die Züge, die ich vermeiden muss 🙂

        Gefällt 1 Person

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