„Clash of Cultures“ (oder der Wampen?)

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Ich bin ja ein großer Empiriker – klar, mein erstes Universitätsstudium, in dem ich auch diplomierte, war schließlich auch ein naturwissenschaftliches. Ich beobachte und (er)messe, um zu wissen. Mit dem glauben habe ich‘s bekanntlich nicht so… 😉

Immer wenn ich die relative gemütliche Sicherheit bzw. sichere Gemütlichkeit meines selbstgewählten ländlichen Exils verlasse (beispielsweise, um in einer der umliegenden Mittel- oder Großstädte Einkäufe zu tätigen), besteht für mich die Chance interessante psycho- und soziologische Feldstudien zu machen – es gibt immer etwas zu beobachten. Heute erlebte ich auf einem Supermarktparkplatz etwa eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit folgende kleine Begebenheit, bzw. Begegnung:

Vor dem Einkaufsmarkt erstreckt sich ein riesiges Parkplatzfeld, über das eine Fahrspur mäandert, die mehrfach für die Heerscharen der Einkaufswagenschiebenden durch Zebrastreifen unterbrochen wird. Als Autofahrer würde ich mich in diesem räumlichen Setting je nach Situation mit 5 bis 20 km/h fortbewegen. Offenbar sehen das aber nicht alle Automobilisten so. Kommen wir jedoch zunächst zur Fraktion der Fußgänger – auf jene der Fahrenden gehe ich gleich noch umfangreicher ein: Als ich mich mit meinem Einkaufswagen (in dem dank meiner Auf-Diät-Setzung durch Philomena diesmal eher langweiligere Produkte liegen) dem ersten der Zebrastreifen vor dem Marktausausgang nähere, sehe ich, wie dieser von der gegenüberliegenden Seite aus von einer dreiköpfigen Familie betreten wird, die irgendwie so ausschaut, als ob sie „Wilfried“, „Elvira“ und „Steffen“ heißen. Vorweg wankt der Vater – Ende fünfzig bis Anfang sechzig, optisch kurz vor dem zweiten Herzinfarkt. Stattlicher Kerl, der durch die Sommerdiät aus Pils und Grillgut bestens im Fleisch steht, wovon auch die beachtliche Anzahl seiner Kinne zeugt. Die alte Lederweste klafft über seinem mächtigen Wanst, der in einem Holzfällerhemd steckt – beim watscheln paddeln seine Pranken abwechselnd wie zwei Baggerschaufeln durch die Luft. Würde man seinen Schnäuzer links und rechts um einen knappen Zentimeter stutzen, würde der Bart wie jener eines weltbekannter Komikers aus der Stummfilmzeit ausschauen – oder wie der eines ebenso weltbekannten Politführers, der zehn, zwanzig Jahre später seinen großen Auftritt hatte. Die Mutter trippelt etwas verscheucht hintendran – sie ist nicht ganz so korpulent wie ihr Ehegatte, aber immer noch mit einem stattlichen Übergewicht gesegnet, das sie unter einer bunten Outdoor-Funktionsjacke verbirgt, die sogar noch greller ist, als das Lilarot ihrer Kurzhaarfrisur, Kategorie „praktisch, aber für Ende fünfzig noch ganz frech“. Unauffällig und farblos dann der lasch wirkende Sohn, neben der Mutter laufend – vermutlich schon um die dreißig, möglicherweise jedoch noch bei den Eltern wohnend. Aschblond, bleich, moderates Übergewicht, das bisher zu nur einer Kinnverdoppelung führte…

Die Familie betritt gerade mir entgegenkommend den Zebrastreifen, als von rechts ein Porsche Panamera Turbo (Neupreis ab EUR 159.000,- inkl. MwSt. – mit verbauter Werkssonderausstattung aber ca. EUR 200.000,- inkl. MwSt., oder mehr) auf der Parkplatz-Fahrspur mit enormem Tempo heranrast und durch eine energische Vollbremsung erst mitten auf dem Zebrastreifen zum Stehen kommt. Nur durch einen beherzten – und angesichts seiner Leibesfülle wirklich außerordentlich erstaunlichen – Rückwärts-Hüpfer kann der Familienvater sich noch in Sicherheit bringen und touchiert dabei seine hinten auflaufende Ehegattin samt Sohn. Vermutlich bremste der Porsche-Fahrer gar nicht mal für den Familienvater so abrupt ab, sondern, weil ihm frontal und entgegen der auf den Parkplatzfahrspuren vorgegebenen Einbahnfahrtrichtung ein BMW M3 begegnete (Neupreis ab EUR 71.500,- inkl. MwSt. – mit verbauter Werkssonderausstattung und zusätzlichem Fremdfirmen-Tuningpaket aber ca. EUR 120.000,- inkl. MwSt., oder mehr), so dass es für ihn am Zebrastreifen ein bisschen eng wurde. Der Fahrer des vollbesetzten BMWs bremst ebenfalls per Pedaldurchtritt und kommt erst nach dem halben Zebrastreifen zum Stillstand. Die Fahrerfenster beider Automobile befinden sich nun zufällig auf gleicher Höhe und werden geöffnet – man nickt sich zu, grüßt einander freudig, kennt sich offenbar. Beide Fahrzeugführer sind südländischen Typs, vermutlich Anatolier oder Araber, und zwischen Anfang und Mitte zwanzig. Vielleicht haben ihnen ihre Väter (bei denen es sich angesichts der Autopreise sicherlich um wohlhabende Stützen der Gesellschaft handeln dürfte, vielleicht um Wirtschaftsanwälte oder Hirnchirurgen), die Autos für eine kleine Spritztour mit den Studienfreunden überlassen, denn die beiden Fahrzeuge sind bis auf den letzten Platz mit jungen, dunkelhaarigen Männern besetzt. Oder die Fahrzeuge gehören den südländischen Jungs persönlich – vielleicht sind sie ja Gründer eines florierenden Computer-Startups, oder so was in der Art… 🤔

Der urdeutsche (vielleicht hat er aber auch polnische Vorfahren, das ist hier regional gar nicht mal so selten und tut sich optisch und weltanschaulich nix) Familienvater schreitet nun wieder furchtlos voran und schiebt seinen Schmerbauch am Porsche-Heck und am BMW-Kühler vorbei – dabei reckt er die Faust empor und schüttelt sie drohend in Richtung der beiden Autos. Dem wulstlippigen Mund in seinem wutverzerrten, violett angelaufenen Gesicht entfahren dabei tatsächlich (ich konnte es deutlich vernehmen) folgende Worte: „Ich wähle die AfD – dann werden solche Affen wie ihr ins KZ gesteckt!“ 😱

Die jungen Männer in den Autos feixen Tränen lachend und klatschen breit grinsend einander ab, als sie den wutverzerrten „Biodeutschen“ (der allerdings vermutlich alles andere als „bio“ isst) zürnend fuchteln sehen. Kaum ist er samt Eheweib (das auch leicht vor sich hin keifend folgt) und weiterhin farblosem und stillem Sohnemann vorbeigegangen, gibt der Orientale im M3 Vollgas und jagt mit durchdrehenden, qualmenden Reifen davon. Das Kreischen des Gummis auf dem Asphalt tönt nervenzerfetzend über den ganzen Parkplatz. Sobald er einen Bereich der Parkfläche erreicht hat, die nicht von parkenden Kraftfahrzeugen belegt ist, dreht er dort mit Vollgas ein paar Achten und Kreise, wobei er sicherlich das halbe Profil seiner Sommerreifen in weiteren Qualm verwandelt (na, es gibt eh gleich einen Satz neuer Winterreifen), bevor er noch auf dem Parkplatzgelände auf über 100 km beschleunigt und mit heulendem Motor in der gerade erst beginnenden Nacht verschwindet…

Nun, was habe ich da gerade beobachtet? Mein Adrenalinspiegel ist jetzt jedenfalls „oben“ – ich bin hellwach, wurde doch gerade erst unmittelbar vor mir fast jemand über den Haufen gefahren und das infernalische Reifenkreischen danach trieb meinen Stresspegel ebenfalls in die Höhe. Was habe ich als interessierter Hobby-Soziologe heute auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt empirisch beobachtet? Nun, ich glaube es waren „Machtspiele“ – das Abstecken von „Herrschafts-Claims“. Drohende Dominanzgesten. Zum einen von der kommenden, neu(zugewandert)en Anführerklasse der Gesellschaft – zum anderen als Verteidigungshaltung einer wirtschaftlich und in punkto sozialer Relevanz absinkenden Mittelschicht von Endemischen. Islam gegen Christentum, Neureiche gegen Verarmungsgefährdete, Jung gegen Alt. Beide stehen für Gesellschaftskreise, die außer dem gelegentlichen Dönerverzehr keinerlei Schnittmengen aufweisen. Feindliche Lager. Kampf um Herrschaft, öffentlichen Raum, und die eigene Relevanz. Das Neue markiert seinen Herrschaftsanspruch im Revier des alten „Platzhirsches“ (dort wo er äst, also seinen Sonntags- und auch Alltagsbraten holt), mit rauchenden Gummischnörkeln. Das Alte, das vielleicht ahnt, dass die Tage als „Platzhirsch“ gezählt sein könnten, radikalisiert sich ebenfalls und bemüht das „KZ“ als ultimative deutsche Drohung…

Eine Sache beruhigt mich dann aber doch noch angesichts dieses auf Kleinkleckersheim heruntergebrochenen „Clash of Cultures“: Beide Parteien waren einheitlich verfettet! Die Jungs im BMW hatten nicht nur alle die gleiche Undercut-Frisur – nein, zumindest die beiden Orientalen auf den Vordersitzen (die anderen sah ich nicht so genau) hatten für ihre kaum zwanzig Lenze bereits eine beachtliche Leibesfülle, die sie in ihren Trainingsanzügen wie Würste in der Pelle wirken ließ. Stark behaarten Arme, oberschenkeldick und eher fleischig als trainiert wirkend, lagerten auf ihren aus den Trainingsjacken quellenden T-Shirt-Wänsten, die sie sich beim Feixen und Kartoffel-Belachen hielten. Ebenso adipös auch die deutsche Front der Nazivokabular-im-Affekt-User: Schweinefleisch- und Biermast vom Feinsten! 😆 Ob es wirklich irgendwann mal zu einem Bürgerkrieg zwischen den „Alten“ und den „Neuen“ kommen wird? Ich habe ab heute erhebliche Zweifel daran: Beide Parteien sind zum Kämpfen einfach viel zu fett! 😁

24 Gedanken zu “„Clash of Cultures“ (oder der Wampen?)

  1. Ich bin froh, dass es hier kaum solche Testosteron-Viecher aus dem Morgenland gibt. Alle Jubeljahre sehe ich mal ein Kopftuch. Und ab und an irgendeinen Eritreer mit krimineller Hackfresse. Als ich hierher gezogen bin, gab es ziemlich viele Neger-Flüchtlinge, aber die sind jetzt alle weg.

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    • Mir fallen noch heute jedes Mal fast die Augen aus dem Kopf, wenn ich ein Kopftuch sehe, das ein Auto lenkt *lach*

      Vor ein paar Jahren wurde ich mal in London in einem Clark’s (anständige Schuhe) von einer jungen Muslima bedient, die nur das Gesicht frei hatte, das kam mir auch sehr seltsam vor, dabei war die total nett und vor allem kompetent und das hat halt wirklich damit zu tun, dass man sich das nicht gewohnt ist.

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    • Gefühlter Anteil im öffentlichen Innenstadt-Raum, unter Passanten und Einkaufenden, hier in den nächsten beiden größeren Städten: 50 bis 70% Orientalen. In Wirklichkeit sind es wohl „nur“ 30 bis 40% – das liegt daran, dass die Mitglieder der Ursprungsbevölkerung meistens am Arbeitsplatz, im Auto oder in ihren Wohnungen sind. Die Orientalen hängen mehr draußen ab.

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  2. Ich muss grad etwas kichern, so treffend sind die Beschreibungen und vor meinem Augen erscheint…
    DJ Khaled

    Es gibt jedoch durchaus ansehliche junge Araber, Anatolen und Balkanesen.

    (Dank deines Beitrags ist mir jetzt grad eingefallen, worüber ich bloggen kann und erst noch aktuell.)

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  3. (zu schnell abgeschickt) – ich frage mich allerdings auch oft, wie die Jüngelchen sich die Autos leisten können bzw. welche kriminellen Machenschaften dahinterstecken. Aber, ach, ich will’s gar nicht wissen 🥴. Es nervt jedenfalls, wenn man sich vor Begehen der Straße bei „grün“ oder des Zebrastreifens (besonders dem) immer nochmal vergewissern muss, ob da nicht gerade ein Spacko angerast kommt, der meint, er schafft es noch, ohne mir über die Füße zu fahren 🙄. Wäre ich stur auf meinem Kurs geblieben, wäre ich wohl schon unzählige Male plattgefahren worden.

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    • Das ist ganz einfach – die haben eine solche Karre für den ganzen Clan – die Kids müssen ihr Einkommen dem Vater abgeben und kriegen ein Taschengeld – so lange sie daheim wohnen – egal wie alt sie sind und so können sie sich Häuser/Autos und vieles mehr leisten – clever wie ich finde.

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  4. man muss auch die dummen und fetten lieben oder die dummfetten. bleiben noch die fettdummen. schließlich sitzen wir alle in einem boot, was aussieht wie eine kugel, und aus dem wir schwer herausfallen können. krieg passiert meist dort, wo die dummen noch nicht fett sind, und die fetten regie führen. was soll man sonst noch sagen? ach ja: ich arbeite an meiner figur…, damit ich noch in den porsche passe und keinen suv brauche.

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