Glassplitter & Giftkekse

#0255[1165]

0002 Logo

Gerade habe ich gelesen, dass die Abiturientenabschlussfahrt eines Frankfurter Gymnasiums an Bord eines Kreuzfahrtschiffes stattfinden soll – die Gymnasiasten hatten vor den Sommerferien übrigens noch an „Fridays For Future“-Demonstrationen für den Klimaschutz teilgenommen… Vermutlich werden sie dann später – sobald sie nach dem Studium ihre Lohnsklavenposten bezogen haben – mit dem SUV zum veganen Biomarkt fahren. Bigottes Gutmenschengezücht, smartphonverblödet und rückgratlos. Progradiente Massenverblödung. Und dann auch noch dieses langweilige „rechts“ gegen „links“! Divide et impera. Wenn zwei sich streiten bzw. völlig blockieren freut sich der Dritte. Im konkreten Falle sind das wahrscheinlich die globalen Großkonzerne und Industrielobbys. Auf unsere Alltagswelt runtergebrochen ist das dann der T-Shirt-Bedrucker, der gleichermaßen „refugees welcome“, wie „proud infidel“ Shirts im Sortiment hat – egal ob Antifa oder völkische Patrioten, Hauptsache die Kohle kommt rein… Gibt’s überhaupt noch wirkliches „Rechts“ und „Links“, wenn man mal nüchternen Kopfes genauer hinschaut? Ich sehe die Front eher zwischen „gesundem Menschenverstand“ und „Hirn aus“, bzw. Mitläufern & Nachbetern. Gibt ja inzwischen auch diverse Querfrontler. Ich picke mir rechts und links die themenspezifischen Rosinen raus und knete mir daraus ’ne neue Mitte… 😁

Als ich den Artikel über die kreuzfahrenden Klimaschüler las, wollte ich parallel dazu eigentlich zu Abend essen – bei der Nahrungsaufnahme pflege ich solcherlei Multitasking schon seit Ewigkeiten. Am letzten verkaufsoffenen Sonntag hatte ich mit Philomena auf einem innerstädtischen Krammarkt in „Klein-Arabien“ bei einem Gewürzhändler etliche Beutelchen mit besonderen Würzmischungen und Spezereien gekauft – ich freute mich daher schon auf einen speziellen mit Rum und Honig aromatisierten Pfeffer, den ich mir unters Bio-Kartoffelpüree gejubelt hatte, welches ich zusammen mit Teriyaki-Pulled Pork zu mir zu nehmen gedachte. Knirschend zerbiss ich nach wenigen Löffeln davon einen dicken Glassplitter! Fast hätte es mir meine Plomben zerlegt. Ärgerlicherweise fand ich noch etliche bis etwa erbsengroße Glasstücke im Essen, so dass ich meinen Topf gleich ins Klo schütten konnte. Morgen werde ich den Gewürzgroßhändler mal anrufen (die Splitter stammten eindeutig aus seinem diesbezüglich gehörig kontaminierten Honig-Rum-Pfeffer) und ihm eine Rückrufaktion ans Herz legen – immerhin macht er mit dem Motto „Gewürzkauf ist Vertrauenssache“ Reklame… Mein Vertrauen bezüglich warmen Abendessens war jedenfalls gerade gehörig gestört, so dass ich stattdessen einige Scheiben Schwarzwälder Kirsch-Eis zum Trost aß.

0294 Brain in a JarWenn man nicht mal mehr gescheit fressen kann – was bleibt dann überhaupt noch übrig? Philomena meinte heute Morgen, ich müsse aufpassen, dass meine Existenz irgendwann nicht nur noch „aus Essen und Kacken“ bestünde. Momentan baue ich nämlich ziemlich ab und rutsche bereits im Frühherbst in jene antriebslos-lethargische Depression der dunklen Jahreszeit, die mich normalerweise erst zum Winterende erwischt. Etwa vier Tage vor Philomenas Rückkehr nach „Zweieichen“ setzte diese Niedergestimmtheit bei mir ein – deshalb schrieb ich diesen Monat auch nur knapp alle zehn Tage einen Blogeintrag. Auch der Wetterumschwung zieht mich runter – draußen schifft es momentan, oder es stürmt. Statt zu laufen, oder Tennis zu spielen, liege ich lieber drinnen lesend auf meiner Plauze herum. Philomena ist jedenfalls deutlich ehrgeiziger und fährt fast jeden Tag 25 Kilometer Fahrrad und/oder läuft 10 Kilometer. Wahrscheinlich kann sie mit ihrem Hintern demnächst Nägel in die Wand treiben, wenn sie ihn anspannt… 😉

Irgendwie hat mich diese Sommersaison auch diese Eichenprozessionsspinner-Scheiße fertig gemacht: Ich habe ’ne richtige Garten-Aversion entwickelt – mich kaum länger rausgewagt. Am Samstag mähte ich zum ersten Mal nach über drei Monaten Pause wieder den Rasen – ich hatte mich vorher einfach nicht getraut. Dabei bekam ich trotz langer Ärmel abermals Raupendermatitis, da der Rasenmäher auf dem (trotz etlicher Regentage nach dem vergangenen Dürre-Sommer immer noch) knochentrocknen Boden wie ein Taliban-Pickup in der afghanischen Wüste Staub aufwirbelte. Zum Glück scheinen die Brennhaare aber inzwischen deutlich an Wirkung verloren zu haben, die Hautpusteln blieben diesmal recht unscheinbar. Wie auch immer – dieser Sommer war irgendwie nix. Und nun hat mich die Niedergeschlagenheit in ihrem Griff. Ich bin ja eh eher faul… Obwohl: Das stimmt eigentlich so nicht! Ich bin eigentlich sogar sehr penibel und perfektionistisch! Es frustriert mich, wenn ich nicht 120-prozentige Endergebnisse abliefere – wahrscheinlich bin ich deshalb (pseudo-)faul: Wenn ich etwas nicht perfekt kann, lasse ich es lieber ganz bleiben. Im Laufe der Jahre ließ ich dann immer mehr bleiben, bzw. war froh, wenn sich jemand anderes fand, der es lieber machte oder scheinbar besser konnte. Gerade präzises und hochkonzentriertes Arbeiten liegt mir immer weniger, je älter ich werde. Ich werde immer grobmotorischer und dazu auch noch ungeduldiger. Oft zittern meine Hände – mein vegetatives Nervensystem scheint ziemlich im Arsch zu sein. Als ich vor einigen Jahren bei Inorbit zu Besuch war, überreichte ich ihm ein Tütchen mit von Philomena selbstgebackenen Cantuccini – leider hatte ich dabei wieder einmal den Pfoten-Tremor: Inorbit glaubte deshalb, dass ich „vor Aufregung zittern“ würde, weil ich „die Kekse zuvor vergiftet“ hätte! 😱 Vermutlich führt er seitdem jedes seiner Leiden und Zipperlein auf die vermeintlichen Gift-Kekse zurück – radioaktives Polonium, oder sowas in der Art. Kennt man ja von Alexander Litwinenko und Jassir Arafat…

Vielleicht finde ich in acht Tagen wieder ein bisschen aus der Depri-Stimmung heraus, weil ich dann verreisen werde: Mit Berlin als Sprungbrett (ich werde am Anfang und Ende der Tour bei Rudi in Kreuzberg pennen) nach Osteuropa. Bislang führten mich nur kurze Tagesausflüge dorthin (Slowenien, Ungarn, Polen), sowie ein einwöchiger Winterurlaub in ein winziges tschechisches Dorf nahe der bayrischen Grenze (fuck – wann sagt man eigentlich „bairisch“, „bayerisch“ oder „bayrisch“?). Jetzt werde ich mich mal ein wenig länger als nur auf einem Tagesausflug in Polen umsehen. Rudi meinte kürzlich, dort wäre die Welt noch in Ordnung und mir würde die Mentalität sicherlich zusagen. Ich weiß ja nicht. Vielleicht ist’s ja auch arg langweilig, spießig und brutal katholisch dort… Vor meinem geistigen Auge reduzierte sich unser östliches Nachbarland bisher auf Kartoffeln, Autodiebstahl, schnauzbärtige Billighandwerker und Johannes Paul den Zweiten. Ich sollte ihm also eine Chance geben. 🙂

11 Gedanken zu “Glassplitter & Giftkekse

  1. Das mit dem Glasstücken hätte übel ausgehen können. 😱 Ich hatte mal eine Glasnadel im Rachen stecken, weil ich Erbsensuppe in einer angeblich bruchsicheren Schüssel aufgewärmt habe. Nichts war bruchsicher, es war eine Ecke abgesplittert und in die Suppe gefallen.

    Gefällt 1 Person

  2. Oha, Glas im Essen ist nicht gesund 😉 Dem Händler würde ich auf jeden Fall schnell Bescheid geben, wer weiß, wie groß der „Glasschaden“ tatsächlich ist. Was ich so von Bekannten/Kollegen höre, soll Polen landschaftlich schön sein. Kommt natürlich darauf an, wohin es dich verschlägt. War nicht auch Bonanzamargot kürzlich in Polen? Haha, der Orbi…der hat Ideen 😂

    Gefällt 1 Person

  3. Ich nehme auch nicht die Ware von vorne, weil ich immer Angst habe, dass die vergiftet ist. Ich würde mich gerne nach Bali absetzen, wenn meine Mutter nicht mehr lebt, , aber selbst da wird es mit der kleinen Rente knapp. Oder in eine Höhle auf Gomera. fest steht, in der BRD kann man es nicht mehr aushalten.

    Gefällt 2 Personen

    • Mein Mann nimmt auch nie das von vorne, weil er nicht will, dass die Packung (!) schon von 100 Leuten angetascht wurde.

      Wir liebäugeln mit Italien nach der Pension. Kommst du auch?
      Mit einigen Leuten, die ich seit bald 20 Jahren durchs Bloggen kennen gelernt habe, haben wir mal darüber diskutiert, ob wir uns nicht einfach auf der Aida einquartieren sollen, wenn wir Rentner sind.

      Gefällt 2 Personen

  4. Ich habe natürlich sofort auf absichtliches Beimischen von Glassplittern getippt, weil du geschrieben hast, dass du es in „Klein-Arabien“ bei einem Gewürzhändler gekauft hast. Ich hoffe natürlich nicht, dass das der Fall war – weder vom Endverkäufer noch von einem Zwischenhändler/Hersteller.

    Mit dieser Lethargie wurde ich geboren. Ich bin auch latent depressiv, kanns meistens nur gut überspielen, wenn alles einigermassen läuft.

    Ich habe einen guten Bekannten, der hat schon seit er ca. 30 ist einen Termor. Ich dachte erst, der sei ein Ex-Junkie, doch da war kein Entzug. Bisschen koksen und kiffen gehört in dem Kreis scheinbar einfach dazu. Kiffen verträgt meine Psyche nicht, Koks zeigt bei mir keine Wirkung. Ich bin jedoch auch nüchtern schon so abgedreht wie die anderen auf Drogen oder mit etwas Alk *GG*

    Die Abiturienten sind das Paradebeispiel der Lüge: Erst zur Klima-Demo rennen und dann aufm Kreuzfahrtschiff Abschluss feiern – da kann ich nur noch lachen. Warte nur bis sie alle zu gehirngewaschenen BWL-Zombies mutiert sind, dann zählt nur noch mein Haus, mein Ferienhaus, meine x Luxusurlaube etc.

    Bin schon gespannt, was du über Polen erzählen wirst. Ich war da noch nie. Doch mein Vater hat Ende 80er im Irak mit polnischen Arbeitern zusammen gearbeitet und der Studenten-Sohn des einen kam dann ein paar Wochen zu uns zu Besuch – er war fassungslos, weil mir Schule scheissegal war. An mehr kann ich mich auch nicht mehr erinnern.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, BWL-Zombies mit Krawatten, Kostümchen und Zahnschmelzaufhellungen… 🤮
      Der Großhändler war in „Klein-Arabien“ nur zu Besuch – mit einem Verkaufswagen auf dem Kram- & Bauernmarkt (bevor sich die Araber breit machten, war die Stadt eher ländlich geprägt mit viel Brauchtum und Traditionen) – sonst sind die 120 km weiter westlich ansässig mit ihrem Gewürzhandel, urdeutsche Inhaber zudem… Die Story ging übrigens heute noch weiter – mein nächster Blogeintrag wird davon handeln. 😉

      Gefällt 1 Person

      • Mich würgst schon bei der Beschreibung.

        Ah verstehe, da habe ich natürlich den falschen Schluss gezogen. Dann bin ich jetzt auch dafür, dass du den anrufst und ihm das mitteilst.

        Na, da kann ich ja gespannt sein. Ich mag deine bildliche Beschreibung aller möglichen Vorkommnisse übrigens sehr und denke immer: Warum ist mir das nicht eingefallen? 😀

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.