Hühner-Update

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Manchmal habe ich die Unsitte hier thematische Fässer aufzumachen, aber irgendwann aus der laufenden Berichterstattung über die weitere Entwicklung der jeweiligen Geschichten auszusteigen… Das ist keine böse Absicht, sondern schlichtweg dem Zeitmangel, meiner anderwärtigen Fokussierung oder spezifischer Bocklosigkeit geschuldet.

Damit das bei der Hühner-Angelegenheit nicht auch wieder passiert, gibt’s heute ein Update in Kurzform:

  • Direkt nach der Aufstellung des improvisierten Anti-Hühner-Zaunes durch die Nachbarin räumte ich stundenlang das von den Hühnern im Garten angerichtete Chaos auf und holte mir dabei reichlich neue Raupendermatitis-Pusteln.
  • Keine 24 Stunden dauerte es dann, bis zumindest das eine, besonders intelligente und in der Hackordnung am höchsten stehende Huhn wieder einen Weg über dieses Hindernis fand.
  • Am nächsten Tag konnte ich das Tier alle paar Stunden verjagen – aber da ich tagsüber durchaus noch andere Verpflichtungen habe, entstand in den „ungestörten“ Stunden erneut erhebliches Chaos. Außerdem musste ich einmal das Huhn sogar aus dem Schildkrötengehe verjagen und stelle am Abend dann fest, dass „Kröt“ eine (zum Glück nicht sehr schlimme, aber offensichtliche) Kopfverletzung aufwies, die eventuell von einem Hühnerschnabel verursacht worden sein könnte! 😠
  • Deshalb stellte ich den Nachbarn am Zaun zur Rede und zeigte ihm ein Handyfoto von der Verletzung. Außerdem erzählte ich ihm, dass unsere Gartenarbeit von zig Stunden (Futterpflanzenanbau für die Schildkröte, Beetgestaltung, etc.) für den Arsch sei und der Sachschaden die Grenze zum Dreistelligen überschritten habe! Wenn damit in der nächsten Woche nicht endlich Schluss sei, würde ich Rechnungen ausstellen, oder das Geflügel als Frikassee über den Zaun zurückschicken…
  • Der Nachbar meinte, dass eine weitere Erhöhung des Zaunes sicherlich keine Abhilfe bringen würde, weil das eine braune Huhn bei ihm sogar schon mal bis in die Dachrinne hochgeflattert sei und die Hühner außerdem auch außen herum in zwei Schritten aufs Grundstück gelangen könnten, wenn der eigentliche Grenzzaun zu hoch für sie sei. Er schlug deshalb vor, die beiden besonders intelligenten braunen Hühner (die Rädelsführer bei den Demolierausflügen in unseren Garten) abzugeben. Sie wären eh sehr aggressiv und würden bei ihm vor allem die kleinen Seidenhühner, die sich kaum wehren können, regelrecht zerhacken. Zwei echte Problemfälle also. Er wüsste nur noch nicht, wohin man die Tiere geben könne und dann dennoch sicher sein, dass sie dort nicht geschlachtet würden. Ich empfahl ihm daraufhin einen sehr schönen, liebevoll bewirtschafteten, überregional bekannten Tier-Gnadenhof in unserer Nähe, von dem ich schon öfters in der Presse gelesen hatte. Dort nehmen sie neben alten und kranken Bauernhoftieren, ausgesetzten oder verwahrlosten Haustieren und ehemaligen oder geretteten Versuchstieren auch Hühner auf. Der Nachbar war froh über diesen Tipp und will die beiden „Problemhühner“ dort unterbringen. 🙂
  • Am nächsten Tag kamen die beiden braunen Hühner noch achtmal über den Zaun. (Ich erwog die Anschaffung eines Luftgewehrs…)
  • Gestern kamen dafür plötzlich gar keine Hühner mehr – als ich über den Zaun sah, konnte ich das ganze Dutzend nicht mehr entdecken… Abends sprach ich die Nachbarin darauf an. Sie hatten kurzerhand die Hühnerschar in den anderen Gartenteil umgezogen, in dem sie keine Hühner halten, damit bei mir endlich Ruhe sei. Sehr gut. Der Gnadenhof hatte inzwischen um eine schriftliche Schilderung des Falles gebeten und würde sich nächste Woche melden. Solange blieben alle Hühner im anderen Bereich.

Nun, ich denke demnächst ist dann also endlich Ruhe und unser Garten wird nicht weiter durch Hacken, Scharren, Graben, Umschichtung und aggressiven Hühner-Guano zerstört. Zum Glück war Kröts Verletzung nur harmlos, nach drei Tagen der Heilung sieht er heute wieder fast normal aus. Ich kann eh nicht genau sagen, ob das Huhn daran schuld war, welches in sein Gehege geflattert kam. Allerdings drohen für Hühner und Schildkröten auch wechselseitig Gefahren, die von deren Hinterlassenschaften ausgehen: Fast alle Landschildkröten haben Salmonellen (ist bei denen normal) – schlecht für die Hühner, wen sie den Reptilienkot mitaufpicken. Andersherum können Schildkröten auch diverse Hühnerkrankheiten bekommen, die bei ihnen nicht so harmlos verlaufen.

Hoffentlich klappt das mit dem Gnadenhof. Dort hätten es die beiden Krawallhühner sicherlich sogar erheblich besser, als in Nachbars Garten. Ohne diese beiden „Vorbilder“ werden die anderen Hühner dann auch hoffentlich freiwillig drüben bleiben (auch wenn sie wieder in ihrem normalen Bereich bleiben). Bisher kamen nämlich nur zwei weitere Hühner jeweils einmal über den Zaun – die beiden braunen Hühner hingegen sicherlich zehn- bzw. sogar sechzigmal.

So, jetzt begebe ich mich wieder an anderwärtige Arbeiten – die aktuelle Monatsabrechnung steht heute auf dem Programm. Außerdem ist momentan alles leider mit einer gewissen Bocklosigkeit glasiert – Philomena ist inzwischen einfach schon zu lange fort. Mir fehlt jemand, der mich über den Tennisplatz scheucht. Seitdem sie weg ist, habe ich schon fast ein Kilogramm zugenommen!

19 Gedanken zu “Hühner-Update

    • Wenn man…
      a) ruhig auf dem Land lebt – nicht einmal in einem Dorfkern,
      b) weitgehend von zuhause aus arbeitet und ansonsten auch keine Kollegen hat, nur alle paar Wochen bis Monate mal Kundengespräche,
      c) seit einigen Wochen alleine zu Hause ist,
      d) vor Ort nahezu keine Freunde oder Bekannten hat (außer Mitch, der selber eher ruhig und ereignisarm lebt), bzw. die meisten Freunde ein paar hundert km weit entfernt leben,
      e) man eher ein Einzelgänger ist (zumindest in den letzten zehn Jahren),
      …dann sind solche Hühner-Schoten regelrecht spannend und fordernd – ja. 😉

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        • Weil…
          a) ich mir die teure Großstadt bei meinem enormen Platzbedarf nicht mehr leisten kann,
          b) Philomena eine ruhige, weitläufige und naturnahe Umgebung braucht,
          c) ich solch eine Umgebung auch eher brauche – bin physisch und psychisch nicht mehr voll belastbar,
          d) ich nach meinen Stalking- und Mobbing-Erfahrungen lieber nicht dort lebe, wo man mich schnell und einfach besuchen/aufsuchen/heimsuchen kommen kann,
          e) mich Lärm, Enge, Gedrängel, Menschenmassen, schlechte Luft, Abgase, verbaute Aussicht, etc. inzwischen auch eher krank machen, und vor allem
          f) ich inzwischen dermaßen die Schnauze voll habe vom ganzen Gemache und Gewese der menschlichen Spezies, von der bornierten Dummheit, der Arroganz, der Verblödung, dem Rattenrennen, den Hierarchien, dem Konsumwahn, den Werten und Ansichten, usw.! Außerdem
          g) brauche ich einen Garten am Haus – nur Balkon bzw. gar balkonlos fände ich zum Kotzen, und
          h) kann man hier besser eine Schildkröte halten, als mitten in der Großstadt in einer Mietshauswohnung.
          — —– —
          …früher war ich übrigens anders: Ich war ein Teil davon. So ein richtiger Schnösel, der in Kultur- und Medienkreisen pseudo-hochgeistig hirnwichste, auf Vernissagen und Lesungen rannte, mit seinen Bekannten über Gourmetmenüs, Zigarren, Whiskys und Weine fachsimpelte und sich über seine Schuhe und Anzüge definierte. Furchtbar! Bin in diese Kreise beruflich- und partnerinnenbedingt hineingeschliddert und fand es dort zunächst ganz toll, weil ich als Schüler und Student eher zurückhaltend und schüchtern war und nun hier brillieren konnte. Rotary Club, Verein der Kaufleute der Innenstadt, Galeriebesitzer, Gastgeber, Schirmherr, Vorstandsmitglied, „Mann an der Seite von …“, usw.. Habe diese Phase inzwischen abgeschlossen… Glücklicherweise.

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        • Ich kann dich so gut verstehen. Obwohl ich nie Teil dieser Spezies war, wollte ich das auch mal ganz dringend. Zum Glück war ich nicht gut genug und habs nie geschafft und schnell begriffen, was das für welche sind.

          Mit den meisten restlichen Ausführungen bin ich ebenfalls einverstanden – es ist widerlich.

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    • Ja, sogar eher, als bei den Raupen.
      Sie haben die Hühner sogar wegen unserer Schildkröte in den anderen Gartenteil getan – das mit der möglicherweise vom Huhn verursachten Verletzung ist ihnen nahe gegangen. Im Prinzip ist diese Nachbarsfamilie äußerst tierlieb. Sonst hätten sie ja auch nicht Hühner, Enten, Hunde, Meerschweinchen, Mäuse, Ratten, Kaninchen, Wellensittiche und Kanarienvögel. 😉
      Allerdings sind sie nicht sehr schnell oder entscheidungs- und veränderungsfreundlich und vieles ist ihnen schnell erheblich zu teuer. Deshalb, aus all diesen Gründen, tut sich wohl auch bei den Raupen nichts…

      Liken

      • Die Tierfreundlichkeit steht ihnen wahrscheinlich auch noch im Weg bei der Entfernung der Raupen 😉

        Hier ist es auch endlich kühl und regnet etwas – der Kater findet das gar nicht lässig *lach*

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  1. Sind ja wirklich ganz schön auf Krawall gebürstet, die Problemhühner 😁 (ich weiß, es ist dir nicht zum Lachen, aber es liest sich amüsant). Gut, dass die Nachbarn jetzt diese Lösung gefunden haben. Solange Philomena noch weg ist, könntest du ja wieder deine langen Spaziergänge aufnehmen, das verbraucht auch Kalorien 🙂

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    • Ich freue mich ja auch, wenn sich meine Einträge amüsant lesen (das sollen sie teilweise auch durchaus)… 🙂 Für meine abendlichen Läufe war es mir während der vergangenen Hitzewelle einfach zu heiß, bzw. ich hätte dermaßen spät los gemusst, dass ich dann schon zu müde war… 😉 Immerhin ist es hier seit heute erheblich kühler. LG!

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  2. Ein Hund wäre eine Lösung. Meine Schäferhündin bewirkt allein durch ihre Anwesenheit, dass die Enten meines Nachbarn respektvoll Abstand halten. Der einzige Nachteil eines Hundes ist, dass er einen Garten, wie es bei meinem Hund und bei meinem Garten der Fall ist, noch übler zurichten kann als ein Huhn.

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    • Gute Idee. Angeblich sind in einem Hundegarten sogar weniger Mäuse, Wühlmäuse und Maulwürfe unterwegs, weil sie die Präsenz des Hundes riechen können. Zumindest wurde mir solches berichtet. Müsste nur ein Hund sein, der die Schildkröte nicht als Kauknochen ansieht…

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      • Die Maulwürfe sind tatsächlich verschwunden. Wühlmäuse aber motivieren meinen Hund zum Graben, wobei in kürzester Zeit große Abschnitte von Fundamenten freigelegt werden können. Bei der Schildkröte kommt es tatsächlich auf den Hund an.

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