Hühnerfrikassee eines alten weißen Mannes – mein 250ster Blogeintrag

#0250[1160]

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So, dies hier ist mein 250ster Eintrag als WordPress-Blogger (eigentlich ist es sogar schon mein 1160ster Blogeintrag, wenn ich meine Niederschriften auf der mittlerweile geschlossenen Plattform myTagebuch mitrechne). „250“ ist doch auch so eine übliche Jubiläumszahl – worüber also zur Feier des Tages schreiben?

Ich könnte dem Wunsch meiner Leser nachkommen, die hier (laut meiner großen Leserbefragung) am liebsten „Homestories – Anekdoten aus meinem Alltag“ lesen möchten, und sofort damit loslegen:

▶️ Drecksscheiße, verdammte! Schlimm genug, dass wir wegen der immer noch nicht beseitigten Eichenprozessionsspinner-Raupennester in den Nachbarbaumkronen unseren Garten nicht mehr richtig nutzen können, uns unsere Sommersonne auf dem Tennisplatz holen mussten statt auf der Terrasse, und langsam alles vertrocknet und verkommt, weil man aus Angst vor neuer Raupendermatitis gar nicht mehr wässern und jäten gehen mag – nein es kommt noch mehr Ungemach aus der nachbarlichen Umgebung: Hühner-Terrorismus! Inzwischen haben es schon mehrere der Hühner von nebenan herausgefunden, wie man hier über den Zaun gelangt. Permanent scharren sie alles durcheinander – Laub und Erde aus den Beeten auf den Weg. Schlimmer noch: Sie scharren meine bepflanzten Böschungen auseinander (die ich in mühevoller Kleinarbeit mit hunderten von kleinen Steinen befestigt hatte, die nun jeden Tag aufs Neue überall verstreut herumliegen). Was mich sogar noch mehr ärgert: Die Hühner reißen beim Scharren unsere in beschwerlicher Fleißarbeit binnen etlicher Jahre angelegte Bepflanzung aus! Sie haben innerhalb weniger Tage schon Grünzeug im Wert von fast 100 Euro vernichtet! 😠 Unser Grund und Boden beherbergt eine ausgeklügelte Mischung aus Natur- und Ziergarten, ein kleinteilig angelegtes, blühendes Insektenrefugium und ist keinesfalls Freilandsteppe zur extensiven Massentierhaltung! Entweder der Typ erhöht seinen Zaun auf zwei Meter fünfzig, oder ich mache hier demnächst ein großes Chicken-Barbecue! Aber hallo! 🍗🍗🍗

⏸️ Oh, jetzt höre ich mich in meiner begonnenen „Homestory“ schon wie ein „wütender weißer alter Mann“ an – vielleicht sollte ich zur Feier meines 250sten WordPress-Blogeintrags doch etwas anderes schreiben. Nun gut – ich widme diesen Jubiläumsbeitrag dem „wütenden weißen alten Mann“ – also mir… 😉

250ster Blogeintrag zum Gedenken an den „weißen alten Mann

▶️ Akut vom Aussterben bedroht: Der weiße alte Mann (bald nur noch im Museum?) – kein Wunder, dass er oftmals „wütend“ zu sein scheint… Er ist das Hassobjekt Nr. 2 des aktuellen Zeitgeistes, nur noch übertroffen vom angeblich allerorts sein Unwesen treibendem „Nazi“ mit dem er von der ökoliberalen Großstadtelite oftmals gleichgesetzt wird. Diese in der Regel sehr selbstgefällig-hypermoralische und entgegen ihrer Eigenwahrnehmung eigentlich alles andere als tolerante Elite von Spitzenverdienern, Akademikern, Medien- & Kulturleuten besitzt momentan die gesamtgesellschaftliche Meinungsführerschaft. Seit der Schule indoktriniert, später zum Selberdenken dann oftmals zu abgelenkt durch Karriere und/oder Kinder, sich absolut in der Rolle einer vermeintlichen moralischen Überlegenheit gefallend und gegenseitig auf die Schultern klopfend. Ihre spezielle Filterblase ist auch unsere aufoktroyierte Leitkultur.

„Weißer, alter Mann“ – du wirst gehasst. Hast ausgedient. Dienst als Kinderschreck für Erwachsene. In meinen Kindheitstagen war das noch anders – da gab es keine „weißen alten Männer“, sondern in den Bilderbüchern und Märchengeschichten „weise alte Männer“. Der zerstreute Professor, der Zauberer im Turm, der gütige König – alles weise, weiß(bärtig)e alte Männer… Gott hatte ich mir damals so vorgestellt! Zumindest die (Groß-)Vatergötter, wie sie bei den alten Griechen/Römern/Germanen/usw. vorkamen… Heute darf selbst der Weihnachtsmann nicht mehr so aussehen…

0330 alter Mann Buch

Gleich drei Feindbilder verschiedener Ideologien deckt der „weiße alte Mann“ ab:

  1. Zunächst einmal ist er ein Mann – was im Zeitalter der 27.385 verschiedenen Geschlechter schon mal sehr verdächtig ist. Als Mann fungiert er als Feindbild im Ultrafeminismus – versteht mich bitte nicht falsch, ich bin sehr für die Gleichberechtigung der Geschlechter, sehe mich gar als eher feministisch denkenden Mann – aber [ja, bei diesen wütenden weißen alten Männern kommt unweigerlich immer das große „Aber“!] ich unterscheide zwischen einem gesunden „Feminismus“ und einem dogmenhaft fanatischen „Ultrafeminismus“: Der/die Feminist/in denkt so: „Frauen wurden in der Vergangenheit oft benachteiligt (diskriminiert). Das ist nicht richtig, dass jemand wegen seines Geschlechtes besser oder schlechter gestellt wird. Solche systematischen Benachteiligungen und sachfremden Erwägungen sollten überall abgeschafft und alle gleich, alle fair behandelt werden. Alle sollten, völlig unabhängig vom Geschlecht, die gleichen Rechte haben (Gleichberechtigung)“. Der/die Ultrafeminist/in denkt hingegen so: „Frauen wurden in der Vergangenheit oft benachteiligt (diskriminiert). Das war eine Schweinerei. Um das frühere Unrecht wieder auszugleichen sollen Frauen jetzt bevorzugt, sprich Männer benachteiligt werden. So wird das frühere Unrecht am weiblichen Geschlecht gesühnt (Sühnegedanke).“ Es verwundert nicht, dass es inzwischen unter großstädtisch-modernen Akademikerinnen en vogue ist, auf Männer komplett zu verzichten – bei Kinderwunsch wird in einer Samenbank einfach das Sperma eines genetisch möglichst gut ausgestatteten Spenders ausgewählt – künstliche Befruchtung, dann alleinerziehend (bzw. wohl der Karriere wegen eher mit Hilfe einer Nanny – außerdem gibt’s zum Glück Kitas). Der Mann hat ausgedient. Als Vater wie als Rollenbild. Fiese Chefs, die auf ihren Posten kleben sind Männer. Ebenso Räuber und Einbrecher. Oder auch subalterne Handlanger, die in der Werkstatt die Reifen vom Mini Cooper abmontieren, oder irgendwelche komischen Tiefbausachen machen.
  2. Dann ist er alt – damit bedient er ein traditionelles Feindbild der maoistisch geprägten Linken. Der ebenso radikale wie oberflächliche Slogan „Trau keinem über 30!“ war unter den 68ern populär. Alte galten als verdächtig, erschienen sie doch dem progressiven Fortschritt gegenüber unaufgeschlossen und damit dem politischen Weg bis zum Sieg des Sozialismus entgegen zu stehen! Linke und radikal-linke Denkweisen sind bei den Enkeln der alten 68er wieder auf dem Vormarsch. Auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit und dem Schutz des Weltklimas darf es ruhig auch wieder Opfer geben. „Soll der dämliche Dorfhandwerker doch tausende Euro Ökosteuer für die drei (von seiner ÖPNV-fern wohnenden) Familie genutzten Autos zahlen – ich fahre in meiner Berlin/Hamburg/Münchener Filterblase eh nur mit dem E-Scooter herum!“
  3. Zu guter Letzt ist er dann auch noch weiß! „Weiße“ haben jahrhundertelang alle Andersgefärbten unterdrückt – sie sind deshalb die schlimmsten Imperialisten und Rassisten! Man sollte sie („Sühnegedanke“ – ähnlich wie im Ultrafeminismus, s.o.) am besten abschaffen. Oder mit „Buntheit“ (über)fluten… „Weiß“ ist nämlich auch das Hauptfeindbild der Multikulturalisten. Der weiße Rassist. Warum müssen Rassisten eigentlich immer „Weiße“ sein? Gibt es nicht auch „gelbe/rote/braune/schwarze“ Rassisten? Nun, eigentlich sollte man „Schwarze“ oder „Rothäute“ gar nicht mehr sagen – das ist bekanntermaßen rassistisch. Warum darf man dann aber überhaupt noch von „Weißen“ sprechen – ist das denn dann nicht genauso rassistisch? Ich wittere hier ebenfalls den „Sühnegedanken“

Spannung, Spiel und Schokolade. Gleich drei Ideologien des linken Spektrums bedienen sich des „weißen alten Mannes“ als Feindbild: Multikulturalismus, Neo-Maoismus (dem ich auch den „Enteignungs-Kevin“ von der SPD zuordne) und Ultrafeminismus.

Früher waren es stets „wütende junge Männer“, die die Flagge der Rebellion schwenkten. Zorn aufs Überkommene, auf politischen Stillstand und gesellschaftlichen Starrsinn… Heute braucht’s „wütende alte Männer“, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Im saturierten links-grünen Mainstream, der aktuellen Leitkultur, keimt bei der Jugend kein rebellischer Gedanke mehr (wenn sie doch mal etwas aufmucken und sich hinter „Skolstrejk för Klimatet“-Greta scharen – dann wird das von den älteren Generationen gleich wohlwollend beklatsch). Sie sind stromlinienförmig-überangepasst, eine gleichgeschaltet weichgespülte Generation von nachplappernden Ja-Sagern und kleinen Funktionsfunzeln. Rebellisch sind heute eher jene Älteren, die noch klare und reflektierte Gedanken fassen können, weil sie noch nicht in Smartphone-verblödeten Zeiten aufwuchsen und noch wissen wie man debattiert und abwägt. „Alte weiße Männer“ sind die wahren Mavericks! Knorrige Einzelgänger und Außenseiter, die dennoch wissen, wie der Hase läuft – bzw. wo der Hund in der Pfanne verrückt wird!

⏹️ Unsere Zeit mag zwar abgelaufen sein – zum alten Eisen gehören wir aber noch lange nicht. Wir „wütenden, weißen alten Männer“. Solange wir Dinge noch bei ihrem eigentlichen Namen benennen können, schütten wir Euch unseren gerontischen Schmirgelsand ins Getriebe! 😁


Stimme aus dem off: „Hyper, jetzt komma wieder runter, du kleiner Möchtegern-Rebell – soooo alt biste nämlich noch gar nicht… Mit diesen lächerlich-weißeingefärbten Weihnachtsmannbart-Selfies lockste eh keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor. Man merkt, dass dir allein zuhause ziemlich langweilig zu sein scheint – mach mal was Verrücktes! Friss Mehlwürmer, oder sowatt… Glaub mir, datt is spannender…“

11 Gedanken zu “Hühnerfrikassee eines alten weißen Mannes – mein 250ster Blogeintrag

  1. Lass uns eine neue Partei gründen, die Mitte mit Menschenverstand. Kurzform „MM“, du bist der intellektuelle Kopf, ich die graue Eminenz und Kätzerin die Pressesprecherin. Rabi macht die Finanzen, Orbi mischt den Gegner in Talkshows auf und ein hübsches Gesicht für die jungen männlichen Wähler lässt sich garantiert noch finden. 😁

    Gefällt 4 Personen

  2. Frei laufende Hühner. Gehört zu deren Hühnerglück nicht auch der Fuchs? Oder der freundliche Nachbar, der sich ein Zubrot verdienen könnte, indem er als Logopäde in Erscheinung tritt, der dem einen oder anderen krächzenden Federbüscchel beibringt, wie man „Jörg” sagt?

    Ach, weise weiße alte Männer haben es wohl auch nicht leicht? Trotzdem wünsche ich Dir anläßlich Deines Jumbiläums (oder wie das heißt) alles Gute auf Deinem Weg!

    Gefällt 1 Person

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