STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel X

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Wie das zentrale Schwarze Loch in unserer Milchstraße öffnet sich momentan das WordPress-Sommerloch. Um meinem interessierten Publikum dennoch etwas Lesestoff bieten zu können, startet heute einmal mehr der „Sternenkreuzer Pirmasens“ – es gibt eine neue Folge meiner selbst ausgedachten Weltraumabenteuer-Fortsetzungsgeschichte!

Für Neueinsteiger und alte Hasen gibt es unter diesem Link eine Episodenliste mit direkten Links zu allen bisher in meinem Blog veröffentlichten „Sternenkreuzer Pirmasens“-Kapiteln sowie ein illustriertes Glossar zur Erklärung der Fachbegriffe und als Personen-Übersicht.

animated-newspaper-image-0032 Viel Spaß beim Lesen!

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Kapitel X – Kapsel-Kaboom

Seit geraumer Zeit befand sich die „U.E.S.S. Pirmasens“ wieder im Anflug auf den zweitinnersten Planeten des sonnenähnlichen Sterns „Pirmasens 98“. Der Sternenkreuzer-Kommandant hatte in letzter Sekunde die Entscheidung getroffen, den durch Hayden Findley fast schon ausgeführten Warp-Sprung aus dem Planetensystem doch noch abzubrechen. Anschließend steuerte Captain Erno Santorius höchstpersönlich den schwere Weltraumkreuzer, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein Zehntel der Lichtgeschwindigkeit erreicht hatte, in einem spektakulären Swing-by-Manöver um den äußersten der drei Gasriesen des Planetensystems herum, zurück in Richtung der inneren Planetenbahnen. Nachdem der lebendige Berg die dort verschollene Landefähre wieder freigegeben hatte, bestand nun glücklicherweise wieder berechtigte Hoffnung, auf dem Planeten „Pirmasens 98c“ auf Überlebende zu treffen.

Auf dem Planeten selbst war jenes gewaltige, zwei Gigatonnen schwere Lebewesen, der violette Blob in Mittelgebirgszuggröße, weiterhin in Bewegung. Auf der Jagd. Eena und Benjamin Freitag waren nach etlichen Kilometern im Lauftempo immer noch auf der Flucht vor diesem Ungetüm und inzwischen am Ende ihrer Kräfte angelangt. Eine viertel Minute nach Eena stolperte Ben ebenfalls aus dem Wald auf die Lichtung. Die gleißend vom grünlichen Himmel brennende Sonne blendete ihn dermaßen, dass er kurz stehen blieb, um die Lichtempfindlichkeit seines bionischen Cyborg-Auges anzupassen. Mit dem linken natürlichen Auge konnte er nur noch rote Schlieren erkennen, weil ihm das Blut aus seiner Schläfenwunde in einem fortwährenden Rinnsal in die Augenhöhle lief. In den Armen hielt er das winselnde Hündchen Spot gegen den keuchend bebenden Brustkasten gepresst…

„Komm endlich hierher!“, rief Eena ihm von der Lichtungsmitte entgegen, als sie mit schreckensweiten Augen die hinter Ben bis hoch in den Himmel ragende Bergfront heranrasen sah.

„Ich bin völlig am Arsch! Ich kann nicht mehr!“

„Nur noch 50 Meter! Ich habe hier eine verfickte Überraschung für dich!“

Ben wunderte sich über diese Mitteilung, rief davon motiviert aber seine letzten Energiereserven ab, um mit dem Hund im Arm auf die Lichtung zu stolpern. Direkt hinter ihm verwandelte der heranrasende Berg den Waldrand in Konfetti.

Die kleine Landefähre lag wie ein am Strand angespülter Seevogelkadaver auf der Seite – umgeben vom zertrümmerten Treibholz, das der Berg vom umgebenden Wald übrig gelassen hatte. Im Inneren des ramponierten Raumfahrzeuges sah es ähnlich chaotisch aus. Stinkendes Toilettenabwasser und ölige Hydraulikflüssigkeit schwappte zwischen Bruchstücken aller Art herum, die Reste einiger elektrischer Einrichtungen spien immer noch beachtliche Funken. Ceyonne Ward und Sergeant Olsen hatten sich auf die nun logenähnlich in den Innenraum ragenden Seitenteile ihrer Cockpitsessel gerettet, während der außerirdische Schompad „unten“ im Sumpf saß. Zum Glück war Nappoke Gnobkocks dickes Hinterteil dermaßen gut gepolstert, dass es ihm nichts ausmachte auf allerlei scharfkantigen Trümmerteilen zu hocken.

„Wir müssen hier raus“, rief die dunkelhäutige Söldnerin, der die übelriechende Enge im Innenraum des trotz der vorangegangenen Marterungen hermetisch dicht gebliebenen Wracks weiterhin ziemlich zusetzte.

„Wie denn? Die Luken haben sich durch die hohen Außendruckwerte, die wir noch bis vor kurzem hatten, und durch die anschließenden Überschläge vollkommen verzogen. Ich habe eben versucht sie zu öffnen. Funktionierte absolut nicht.“

„Egal – ich muss hier dringend raus! Sonst randaliere ich hier. Lass Dir was einfallen, Soldat!“

„Vielleicht könnte ich eine der Luken mit etwas C4 aufsprengen?“

„Seid ihr verrückt?“, meldete sich nun der völlig besudelte Außerirdische von unten aus dem Dreckwasser-Morast zu Wort, „Plastiksprengstoff hier im engen, abgeschlossenen Fähreninnenraum? Ich glaube es hackt! Uns würden mindestens die Trommelfelle platzen, wenn nicht noch Schlimmeres…“

„Der Fettsack hat Recht – bei den massiven Scharnieren bräuchten wir eine ziemliche Menge davon. Lass Dir etwas Besseres einfallen, Soldat!“ Ceyonnes Blick irrte unter gerunzelten Augenbrauen wild durch das Landefährenwrack. Lange würde sie es nicht mehr in diesem Gefängnis aushalten.

„Wo ist eigentlich Dein Pommesschneider?“

„Bitte was? Rede nicht so abfällig über eine erstklassige Hochenergieplasma-Energieschildwaffe!“, tadelte die fast zwei Meter große Amazone den Außerirdischen, „fang lieber an, danach zu suchen! Mein Baby muss irgendwo da unten in dieser ekeligen Schmodderbrühe liegen…“

„Wieso ich? Komm doch selber runter, um hier danach zu fischen!“

„Dir macht es aber nichts aus, in der Scheiße zu paddeln! Ihr Schompads liebt den Dreck doch regelrecht!“

„Warte nur, bis wir wieder auf der Pirmasens sind, dann geh ich sofort zur Ethik-Beauftragten! Das ist eindeutig anthropozentrischer Rassismus!“, echauffierte Nappoke sich kopfschüttelnd, machte sich aber dennoch umgehend auf die Suche. Irgendwo musste diese rundschildartige Plasmawaffe ja gelandet sein, mit der man sich unbestritten durch die Raumfährenhülle schmelzschneiden können würde.

„Was ist das?“ Benjamin starrte auf die inmitten der kraterartigen Lichtung schief im Erdboden steckende Röhre, die etwa den Durchmesser einer altmodischen Litfaßsäule hatte, wie es sie tatsächlich immer noch in seiner Geburtsstadt gab, dem pfälzischen Pirmasens. Der Zylinder schien äußerlich grau-schwarz verkohlt zu sein und wies knapp oberhalb des Erdbodens eine äußerst dickwandige Luke auf, die wie die Cockpithaube eines Kampfjets offen stand. Eena schwang sich gerade über den Rand der Öffnung und fädelte sich in einer eleganten Bewegung in den Innenraum hinein, der deutlich beengter zu sein schien, als es von außen betrachtet den Anschein hatte.

„Ein Borrok-500-ZZ – komm rein du Idiot, oder willst Du zermalmt werden?“ Eena lag inzwischen rücklings in der Überlebenskapsel, mit der sie vor einer gefühlten Ewigkeit meteoritengleich eingeschlagen war. Das Raumschiff, das sie zu diesem Zeitpunkt umgeben hatte, war durch den Impakt samt Crew vollständig atomisiert worden. Eena zog Ben flehend am Arm: Hinter ihm füllte der violette Berg bereits das ganze Bild aus, das sie durch den Lukenausschnitt erspähen konnte! Ben ließ Spot ins gepolsterte Innere plumpsen, das mit feinstem schwarzem Büffel-Leder ausgeschlagen war – mit Ziernähten durchsteppt wie die Passagierkabine einer sündhaft teuren Weltraum-Yacht. Mühselig quetschte Ben sich schwitzend, fluchend und ächzend zu Eena in die enge Röhre, die kaum größer als das Innere einer Sonnenbank zu sein schien. Eena zog mit einer Hand die zwar schwere, aber erstaunlich leichtgängige Luke hinter dem gebürtigen Pirmasenser zu, die just in jenem Moment satt schmatzend einrastete, als die violette Gallerte des bergartigen Lebewesens mit Rasanz auf die Rettungskapsel prallte!

„Puh, das war knapp“, seufzte Eena erleichtert unter ihm, während ihr ein paar Tropfen von Benjamins Blut und Schweiß das Gesicht benetzten. Irgendwo halb zwischen ihnen eingeklemmt, schlängelte sich mit einem kläglichen Knurren Spot hervor. Nur ganz dumpf und leise gelangte das Tosen des sie rasch mit Urgewalten umfließenden Berges zu ihnen ins Kapselinnere. Der pochende Herzschlag und die Atemgeräusche schienen unmittelbar nach der überaus aufreibenden Flucht lauter zu sein. Millionen von Tonnen brandeten über die Zylinderröhre hinweg, die fest in der zu Glas geschmolzenen Kratermuldenfläche steckte, und ließen den Borrok-500-ZZ leicht vibrieren.

„Was ist das für ein Wunderwerk?“, fragte Ben immer noch keuchend und fuhr ungläubig staunend mit den Fingern über die edel gepolsterte Innenwand, in die auch zahlreiche Touchscreens eingebettet waren, auf denen allerlei Werte und Diagramme angezeigt wurden, die ihm wie böhmische Dörfer erschienen. Die Bluttropfen rannen jetzt nur noch spärlich in sein Gesicht, so dass er wieder etwas besser sehen konnte.

Eena erklärte ihm, worum es sich bei ihrem Schutz-Sarkophag eigentlich handelte: „Das hier ist so etwas wie der Rolls-Royce unter den Rettungskapseln. Nahezu unzerstörbar. Zum Glück halten die Akkus selbst nach einem Absturz noch ein paar Jahre lang – sonst könnten wir hier drinnen jetzt nicht überleben. Wir haben sogar eine eigene Sauerstoffaufbereitung an Bord.“ Der Hersteller „Borrok Industries“ fertigt nur ein paar Dutzend Exemplare vom Spitzenmodell „500-ZZ“ pro Jahr. In dieser aus den solidesten Substanzen, wie z.B. Carbon Nanotubes, Amorphmetallen und Metamaterialien, aufgebauten und darüber hinaus mit Antigravitations-Prallfeld-Generatoren an Kopf- und Fußende ausgestatteten Überlebenskapsel lässt sich sogar ein Aufschlag auf eine Planetenoberfläche mit der Geschwindigkeit eines Kometen überleben.

„Wahnsinn! Dann bist du wohl mit diesem Ding auf diesen abseitigen Planeten gekommen, oder?“

„Ja, wir sind auf unserer Flucht vor dem Berg zufällig zurück an den Ort gelangt, wo ich damals damit einschlug, nachdem unser verfluchtes Schiff außer Kontrolle geraten war.“

„Wo sind denn die anderen Mitglieder eurer Crew mit ihren Kapseln niedergegangen und was wurde aus ihnen?“

„Es gab keine anderen Kapseln, Ben. So ein Scheißteil kostet 20 Millionen Credits! Nur mein beschissener Boss hatte sich solch einen Wahnsinnskasten heimlich in seine Kabine einbauen lassen… Die anderen sind alle krepiert, als es hier gescheppert hat.“

„Oh, das tut mir leid“, murmelte Ben und versuchte vergeblich irgendwie in eine bequemere Position zu rutschen, „aber wieso bist du dann in die Kapsel deines Kommandanten geraten?“

„Ich hatte zufällig herausgefunden, was le Boss da in seiner Kabine unter ein paar alten wichsfleckigen Decken versteckt hatte, das dämliche Arschloch! Als unsere kaputte Mühle dann diesem Scheißepilz-Planeten entgegentrudelte, habe ich mir das Überlebens-Ticket gesichert und er schaute buchstäblich von außen in die Röhre – aber da wusste ich ja noch nicht, dass es unten nur Scheißepilze und Bergviecher gab, sonst hätte ich ihm womöglich doch noch den Vortritt gelassen… Na immerhin bist du dann irgendwann erschienen. Das ist die ganze Story.“

Benjamin grübelte kurz, weil es ihm doch arg dreist vorkam, dass Eena ihren Kapitän auf diese moralisch fragwürdige, aber dennoch – den Überlebenstrieb berücksichtigend – nachvollziehbare Art und Weise ausgebootet hatte. Seine Kapselgefährtin sah, dass er die Stirn runzelte und sagte: „Denk nicht darüber nach, Ben – le Boss war das größte Arschloch, das im Orion-Arm der Milchstraße herumfluktuierte…“ Danach küsste sie ihn auf den Mund. Ben stellte umgehend jegliche Grübelei ein und ließ sich in der letztendlich auch irgendwie behaglichen Enge der Kapsel Eena entgegen sinken. Mit einer Hand wählte die Schiffbrüchige hinter Benjamins Kopf auf einem Touchscreen eine adäquate Musik-Playlist aus…

Hayden, wann erreichen wir unseren Orbit um 98c?“, fragte Captain Erno Santorius seine Erste Offizierin, die sich endlich damit abgefunden zu haben schien, dass der Sternenkreuzer zurück flog und ihr mühsam ausgeklügelter Expeditionszeitplan somit komplett über den Haufen geworfen wurde.

„Wir schwenken in knapp zwei Stunden in eine stabile Umlaufbahn um unseren Zielplaneten ein. Genaugenommen in T minus 116 Minuten. Soll ich ein Rettungsteam zusammenstellen, Herr Kommandant?“

„Hayden, warum so förmlich, wir sind momentan ja allein auf der Brücke. Kannst du mir ein einigermaßen kompetentes Rettungsteam zusammenstellen?“ In diesem Moment betraten zwei weitere Offiziere die Kommandobrücke – „Erste, stellen sie mir einen Rettungstrupp zusammen!“

Hayden schmunzelte zum ersten Mal ganz leicht, seitdem der Sternenkreuzer vor etlichen Stunden das Swing-by-Manöver vollzogen hatte und dem Planeten „Pirmasens 98c“ entgegen strebte. Nach dem U-Turn um den Gasriesen, war der Sternenkreuzer mittels etlicher kleiner Lagekorrekturtriebwerke um seine Gierachse gedreht worden und flog nun mit dem Heck voran, um fortwährend mit den beiden Materie-Antimaterie-Haupttriebwerken feuernd zu bremsen.

„Befehl wird ausgeführt, Captain!“, salutierte die rothaarige Offizierin, die ihren Vorgesetzten stets reumütig an die vor mittlerweile fast schon vier Jahrzehnten seiner schändlichen Sabotage zum Opfer gefallene Flugschüler-Kameradin Mila denken ließ, und verließ stracks die Brücke.

Für Eena und Benjamin verging die Zeit in der kuscheligen Borrok-Überlebenskapsel wie im Fluge. Sie dachten überhaupt nicht eine Sekunde daran, sich über ihre Lage nähere Gedanken zu machen – bis Spot irgendwann unaufhörlich zu bellen begann. Ob es an der langen Zeit in der engen Röhre lag? Musste er womöglich dringend Gassi? Vielleicht hatte der kleine Hund auch einfach eine Oxytocin-Allergie…

Überhaupt nicht kuschelig ging es in der relativen Enge eines anderen Raumfahrzeugs zu, das nur wenige Kilometer weiter mit abgeknickten Tragflächen funktionsunfähig auf der Seite lag. Ceyonne war irgendwann trotz allen Ekels entnervt von ihrer Cockpitsessel-Kanzel in die unappetitliche Brühe gesprungen, um dem außerirdischen Fettwanst bei der Suche nach ihrer wikingerschildförmigen Hochenergieplasma-Waffe zu suchen. Fluchend und Tritte gegen allerlei Einrichtungsgegenstände ausführend, tastete sie gemeinsam mit dem Schompad in der undurchsichtigen Suppe herum, auf deren Oberfläche dicke Ölschlieren, zahlreiche kleine Plastikpartikel und Isoliermaterialflocken schwammen. Ored Olsen hatte sich währenddessen, oben auf dem Seitenteil seines Pilotensitzes thronend, eine Dank glücklicher Fügung trotz allen Durcheinanders intakt gebliebene Zigarre angezündet. Doch seine Freude darüber währte nur kurz: Sobald der inzwischen wirklich extrem zornigen Söldnerin die erste Rauchschwade in die Nase gelangt war, kletterte diese wie ein angriffslustiger Puma zum Sergeant hinauf und drückte ihm einen triefnassen Batzen undefinierbaren Materials ins Gesicht, den sie von unten mithinaufgenommen hatte! Die Nerven lagen mittlerweile wirklich blank…

Eena, der Berg hat uns offenbar nicht nur eingeschlossen – er scheint auch zur Ruhe gekommen zu sein… Was machen wir bloß, wenn er jetzt seinen Schönheitsschlaf nimmt und ein paar Wochen lang nicht weiterfließen mag? Wie kommen wir dann wieder aus der Kapsel raus?“

Obwohl es Eena momentan nicht sehr eilig hatte, die Überlebenskapsel wieder zu verlassen, schien ihr das eine berechtigte Frage zu sein. Zumal der kleine Hund immer noch nicht zu knurren und zu bellen aufgehört hatte. Sie streckte sich kurz und antwortete dann umgehend mit einem konkreten Plan: „Wir ärgern das Biest einfach ein bisschen! Vielleicht trollt es sich dann…“

„Wie denn? Was können wir schon machen, wenn wir hier drinnen eingesperrt sind?“

„Wir nicht – aber der Borrok. Es gibt ein paar Abschussvorrichtungen für Signalraketen, die in die Außenhülle integriert sind. Nach meinem Einschlag hatte ich die gar nicht benutzt. Am Fußende ist unsere Röhre in die Krateroberfläche eingeschmolzen, da sind die Schächte sicherlich verstopft. Aber unser hübsches Käpselchen hat auch mehrere Signalraketenrohre am Kopfende. Soll ich mal für gute Verdauung sorgen?“

Ben grinste breit: „Jau, drück ab!“ Eena tippte ein paarmal auf einem der Displays herum, dann zischte es unmittelbar über ihren Köpfen gewaltig. Spot bellte kurz erschrocken auf – ein verhältnismäßig leises Geräusch, bevor der Berg erheblich geräuschvoller „zurückbellte“…

Ein grellweißer Blitz strahlte mit schneidender Helligkeit durch die nunmehr obenliegenden Seitenfenster ins Innere der beschädigten Landefähre. Die drei Eingeschlossenen zuckten zusammen und zogen instinktiv ihre Köpfe ein. „Jesus! Was war denn das?“, brachte Sergeant Olsen gerade noch hervor, bevor eine unvorstellbare Druckwelle die Landefähre wie der Tritt eines fußballspielenden Riesen traf! Das eh schon ziemlich zertrümmerte Raumfahrzeug überschlug sich abermals mehrfach um seine Längsachse und blieb schließlich ohne Tragflächen und mit abgerissenen Hecktriebwerken auf dem Rücken liegen. Ored, Ceyonne und Nappoke lagen nun alle drei in der trümmergespickten Dreckbrühe. Es grenzte an ein Wunder, dass sich dabei abermals keiner von ihnen ernsthaft verletzt hatte. Aber die drei waren hart im Nehmen – der Sergeant dank einer rüstungsartigen Uniform, die Söldnerin kraft ihrer Physis und Geistesgegenwärtigkeit, der füllige Schompad weil er so gut gepolstert war.

Ceyonne war als erste wieder auf den Beinen und platschte durch die knapp wadenhoch geflutete Fähre zu den Seitenfenstern, die ihrem Namen nun wieder gerecht wurden, auch wenn sie jetzt auf dem Kopf standen. Die bullaugenartigen Panzerglasscheiben waren von etlichen Haarrissen durchzogen, hielten aber immer noch dicht. Gelborangener Flammenschein flackerte über Ceyonnes Gesicht, als sie nach draußen blickte. „Draußen ist die Hölle losgebrochen!“

„Was siehst du?“, rief Nappoke, der sich inzwischen mühsam wieder aufgesetzt hatte und sich seinen breiten Nacken rieb.

„Einer dieser Berge brennt lichterloh! Das reinste Inferno! Es kommen riesige brennende Fetzen vom Himmel gesegelt. Direkt hier vor unserer Fähre befinden sich auch schon ein paar brennende Pfützen…“

0111 KaboomOred Olsen war inzwischen auch an eines der Fenster gelangt und sah die äußerst hellen Flammenwände, innerhalb derer die Reste eines der riesigen violetten Bergwesen ausbrannten. Zum Glück war dieses Monstrum einige Kilometer von ihnen entfernt explodiert, sonst hätte die Beschleunigung durch die Schockwelle ihnen den Garaus gemacht. Fetter schwarzer Qualm stieg wie bei einem größeren Vulkanausbruch bis zur Stratosphärengrenze empor, wo er eine riesige, ambossförmige Pilzwolke ausbildete. „Absolut unheimlich!“

Die beiden menschlichen Besatzungsmitglieder konnten ihren Blick kaum von der höllischen Feuersbrunst lösen, die außerhalb der Kapsel wütete. Nappoke saß immer noch auf dem Boden, der einst das Dach der Fähre war und tastete in der trüben Flüssigkeit zu seinen Füßen herum: „Hey Leute! Immerhin habe ich gerade den Pommesschneider wiedergefunden! Er lag hier direkt neben mir unter Wasser…“

„Na endlich!“ Cayonne wandte sich von der lodernden Aussicht ab und wirkte erstmals seit dem der Berg sie eingeschlossen hatte wieder deutlich entspannter. Seufzend watete sie zum Außerirdischen, der ihr den runden Plasmawaffen-Schild entgegenstreckte. Jetzt schien ihre Rettung wieder eine reale Möglichkeit zu sein. Der Schompad fragte sich allerdings, ob sein Kumpel und Sternenkreuzer-Wohnbereichsnachbar Benjamin Freitag das atombombenexplosionsähnliche Hölleninferno dort draußen wohl überlebt haben könnte. Es schien ihm eher unwahrscheinlich zu sein. Traurig begann er auf einem triefenden Proviantriegel herumzukauen, den er kurz nach dem Pommesschneider ebenfalls aus der Brühe gefischt hatte.

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