Biometrischer Offenbarungseid, Tennis-Training & ein stummes Sexobjekt

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Jetzt haben sie meine Fingerabdrücke! Die Obrigkeit besitzt direkten Zugriff auf meine biometrischen Daten…

◾ Ich bekam kürzlich Post vom Bürgermeister von „Klein-Arabien“ (zu dessen Amtsgebiet auch die beschauliche Ansiedlung „Niedergüllestunk“ gehört): Mein Personalausweis wäre bereits seit etlichen Wochen abgelaufen und ich würde mich daher strafbar machen, wenn ich diesen nicht umgehend verlängern lassen würde.

Gesagt getan, ich begab mich gestern am späten Vormittag in den Wartebereich des Bürgeramtes, das sich im Rathaus befindet, bei dem es sich um einen finsteren, beton-grauen Klotz im Brutalismus-Stil handelt. Der Bodenbelag des Vorplatzes setzt sich auch im Innenraum fort, der von groben Betonelementen und Kunststoffwänden in bauhausmäßigen Grundfarben geprägt wird – postgelb, feuerwehrrot, königsblau… Ein Panoptikum von Bürgerquerschnitt klumpte sich dort – missmutig und geistesabwesend dreinblickende Gestalten, oftmals fettleibig. Ebenso die in Zeitlupe durch die Gänge watschelnden städtischen Bediensteten, deren abstoßende Durchschnittlichkeit sich auch in ausdruckslosen Gesichtern mit langweiligen Fielmann-Brillen widerspiegelte…

Nach einer viel zu lange dauernden Weile wurde meine Wartenummer aufgerufen und ich fand mich einem mit stark osteuropäischem Akzent sprechenden Sachbearbeiter gegenüber wieder, dessen Gesicht herablassende Borniertheit ausstrahlte. Minutenlang glotzte er auf seinen Bildschirm und teilte mir dann mit, dass ich abermals kurz warten müsse, denn er hätte in meinem Fall noch etwas zu überprüfen. Als ich dann zurück war, mein Lichtbild abgegeben (das ich in einem Drogeriemarkt erstellen gelassen hatte – erstmals nicht mehr schnöselhaft-eitel in Krawatten-schicker Gewandung, sondern in T-Shirt und Kapuzenhoodie-Jacke) und eine Unterschrift für das neue Dokument hingekritzelt hatte, knallte er mir einen Fingerabdruck-Scanner auf den Tisch. Ich hatte mich zuvor informiert, dass die Abnahme der Fingerprints erst ab 2020 Pflicht sei und teilte ihm dieses auch mit. Er sagte mir, dass es Vorteile mit sich brächte, wenn ich dieses zusätzliche Identifikationsmerkmal schon jetzt in den neuen Personalausweis aufnehmen würde. „Aber das ist doch noch nicht verpflichtend, sondern freiwillig, oder?“ – „In ihrem Fall muss ich darauf bestehen!“ Hä? Wieso? Lag das an der zuvor erfolgten „Überprüfung“, während der er mich nochmals kurz vor die Tür geschickt hatte? „Und wenn ich mich weigere?“ – „Sie sind doch wohl kein Reichsbürger, oder sowas! Wenn sie sich weigern ihren Ausweis erneuern zu lassen, muss ich eine Strafgebühr erheben!“ Widerwillig ließ ich meine beiden Zeigefingerkuppen einscannen – ich hatte noch nicht gefrühstückt und war deshalb noch nicht auf Betriebstemperatur für einen ausufernden Disput mit Hinzubitten des Vorgesetzten und so weiter… Aber es kam mir falsch vor. Fühlte mich hinterher über den Tisch gezogen, regelrecht „benutzt“. Wieso musste er „in meinem Falle“ darauf bestehen? Werde ich womöglich bereits in irgendwelchen „Gefährder-Dateien“ vom Verfassungsschutz gelistet? Vielleicht zu oft mit Inorbit und Rudi telefoniert? Rätselhaft. Nun gut, muss ich demnächst Gummihandschuhe anziehen, wenn ich irgendwelche staatszersetzenden Aktionen planen sollte… 😉 Hoffentlich entsperrt jetzt niemand heimlich mein iPhone…


◾ Eben habe ich im nächtlichen Garten von Haus „Zweieichen“ noch einen Flor de Copan „Gordito“ geraucht, bevor ich mich zu diesem Blogeintrag aufraffte. Ich schrieb schon seit geraumer Zeit nicht mehr an dieser Stelle, weil ich dazu allenfalls spätabends oder nachts die Zeit gefunden hätte – und dann schlichtweg zu müde dazu war. Die letzten anderthalb Wochen über waren meine Tage ausgefüllter als sonst und ich daher zu später Blogging-Stunde oftmals hundemüde.

◾ Die Gefahr durch die Eichenprozessionsspinner-Raupenbrennhaare ist zwar immer noch nicht vollständig gebannt (so zog ich mir erst vor wenigen Tagen wieder einige juckende Raupendermatitis-Pusteln zu, als ich die Mülltonnen rausrollte, ohne dabei Handschuhe zu tragen), aber nach den starken Regenfällen, die hier niedergingen, deutlich reduziert. Deshalb traute ich mich auch endlich, die Laubfang-Abdeckungsgitter auf die Regenrinnen an der Gebäuderückseite zu montieren. Glücklicherweise kamen bei dieser nachmittagfüllenden Arbeit (es war ein ziemliches Gefummel unter Zuhilfenahme eines Häkelhakens vonnöten, um die störrischen Gittermodule so miteinander zu verbinden, wie laut Bedienungsanleitung vom Hersteller vorgesehen) keine weiteren Raupenhaar-Entzündungspusteln hinzu – größer war wohl eher das theoretische Risiko von der Leiter zu plumpsen, auf deren höchster Sprosse ich dazu balancieren musste…


Ein „Bewegungslegastheniker“ findet zum „Weißen Sport“

◾ Mittwochvormittag hatte ich meine erste Stunde Tennis-Training. Echtes Neuland für mich und für Philomena ein Wiedereinstieg nach fast 30-jähriger Abstinenz. Der Trainer war ein blutjunger Kerl, hatte gerade erst vor einem Jahr sein Abitur gemacht… Aber ein korrekter Typ. Freundlich, geduldig und für einen derartig jungen Mann äußerst abgeklärt und formgewandt, dadurch deutlich älter wirkend. Man merkte ihm an, dass er durch den Sport jahrelang viel mit Menschen zu tun hatte. Wenn alle Mitglieder seiner Altersgruppe so drauf wären, müsste man sich keine Sorgen um die „Generation Z“ machen… 🙂

Er machte Philomena und mir das Kompliment, dass er gerne mit Leuten wie uns trainierte, weil wir nicht so verbissen ehrgeizig und selbstüberzeugt wäre, wie manch andere Neulinge – er trainiert außer im kleinen, beschaulichen Tennis-Club von „Obergüllestunk“ auch Sportler in der nördlich gelegenen, mondän-überspannten Metropole „Shangri-La“, bei denen es sich oft um ziemlich elitär-arrogante Schnösel handeln muss: Selbst in der ersten Trainingsstunde insistierten diese offenbar, dass es „am Ball“, „am Schläger“, „an der miserablen Platzqualität“, „an der Sonne“ oder sonst was liegen müsse, wenn sie den Ball mal nicht trafen – aber keinesfalls an ihnen… 😉 Ich kenne diese Art von Volk selber noch allzu gut aus meinen langen Jahren in jener selbsternannten Weltstadt – die verzogenen Gören und „Söhne von XYZ“, denen Papas Taschengeld aus dem Porsche-Cabrio quoll… Unser junger Trainer fand uns angenehm selbstironisch und merkte schnell, dass wir keine ehrgeizigen Hitzköpfe, oder kapriziösen Großmäuler sind, sondern den neuen Sport des „Fun-Faktors“ wegen erlernen wollten. „Mein Ziel ist erreicht, wenn ich nach der ersten Stunde überhaupt mal den Ball treffe“, ließ ich ihn wissen…

Und das tat ich dann sogar besser, als gedacht. Ich hätte zuvor gar nicht erwartet, dass ich mit dem Racket gleich solch eine saftige Power entwickeln würde, und dann erwies sich auch noch meine Rückhand besser als meine Vorhand, was ich so auch niemals geahnt hätte. Jedenfalls machte das Training unerwartet viel Spaß und Philomena und ich werden den Schnupperkurs mit insgesamt 10 Trainerstunden buchen und bald schon einen Platzschlüssel bekommen, damit wir in „Obergüllestunk“ auch ohne Trainer auf die Anlage dürfen (die keine zwei Kilometer von unserem Haus entfernt gelegen ist). Da wir uns unsere Tagesverläufe weitgehend selbst einteilen können, werden wir dann hauptsächlich zu Zeiten auf den Tennisplatz gehen, wenn dort nicht so viel los ist. Dann blamiert man sich nicht allzu sehr und pfeffert den anderen Spielern auf dem Nachbarfeld nicht permanent Bälle in deren Spiel. 😉

◾ Nach der ersten Tennisstunde ging meine sportliche Betätigung gleich weiter – ich fuhr zum ersten Mal nach fast zwei Jahren Pause mal wieder mit dem Fahrrad: Philomena und ich machten einen Ausflug zum im Wald gelegenen Bio-Hofladen und deckten uns dort mit den neu ins Programm genommenen, selbstgekochten vegetarischen Brotaufstrichen ein. Unser Kommen wurde von der quirlig-netten Verkäuferin schon sehnsüchtig erwartet, denn wir waren quasi „Beta-Tester“ für diese Produkte und hatten bei unserem letzten Besuch davor die ersten, noch nicht einmal etikettierten Gläschen erhalten. Wir gaben dann auch gleich „grünes Licht“ für die Massenproduktion, denn die Brotaufstriche waren wirklich äußerst lecker und unterschieden sich deutlich von jenen, die man ansonsten als Fertigprodukte in diversen Biomärkten kaufen kann.

Auf dem Rückweg machte Philomena noch einen Schlenker über bergiges Gelände – was meine Sportmuffelpumpe (zumal kurz nach dem Tennis-Training) fast zum Bersten brachte. Irre, wie fit meine Hausgenossin mittlerweile wieder ist, seitdem ihre Schilddrüse wieder richtig funktioniert – von einer vor sich hinsiechenden Halbtoten zur Sportskanone in knapp zwei Jahren! 0305 alter SackIch hechelte auf meinem uralten Fahrrad ziemlich kurz vorm Herzinfarkt mühsam hinterher… 😉 Aber durch die sportliche Note, die sie in mein trantütig-bequemes Leben bringt, gewinne ich vielleicht sogar ein paar Lebensjahre hinzu. Wer weiß. Mein „biologisches Alter“ liegt ja eigentlich fast schon bei Anfang 70


Frauen, die sich nach dem Sex in eine behagliche Unterkunft verwandeln

◾ Zum Schluss gibt es noch Neues von „Kröt“. 🐢 Unser Griechisches Landschildkröten-Männchen hat den EPS-Raupenwahnsinn zum Glück bislang unbeeindruckt und unbeschadet überstanden. Er freut sich über jeden Tag, an dem er in das neue Futterpflanzen-Gehege darf, wo außer unendlich erscheinenden Weidegründen noch eine andere Sensation auf ihn wartet: Ein alter, halb eingegrabener Tontopf, den er zu seiner Frau“ erkoren hat. Wenn man ihn in das neue Gehege lässt, eilt er schnurstracks zu jenem halbkugeligen Fremdkörper und begrüßt ihn kopfnickend als Artgenossen. Dann umwirbt er ihn stundenlang und zwickt in imaginäre Beine, bevor er ihn ausgiebig und dabei mit einer Piepsstimme wie ein Quietsche-Entchen „stöhnend“ besteigt. Wir müssen uns um zu wenig natürliche Abnutzung von klein Krötis Schnabel und Krallen seitdem jedenfalls keine Sorgen mehr machen… 😉

Hach – das ist doch mal überaus praktisch: Ein Weib, dass sich stundenlang ohne zu murren bespringen lässt und dann nach getanem Werk in eine behagliche Wohnhöhle verwandelt! 😁 Wenn er seinem Trieb genug gefrönt hat, kriecht er nämlich einfach ins kopflose Vorderteil seiner „Frau“ und pennt dort ermattet eine Runde…

15 Gedanken zu “Biometrischer Offenbarungseid, Tennis-Training & ein stummes Sexobjekt

  1. Meinen Fingerabdruck habe ich seinerzeit auch gegeben, weiß aber schon nicht mehr, welchen Nutzen das hat 😄. Gebraucht habe ich ihn jedenfalls bisher nicht. Hätte der Typ dir nicht Auskunft geben müssen, warum der Abdruck gerade bei dir unerlässlich ist? Das ist doch seltsam 🤔

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  2. Ich habe diese scheiß App auch mal installiert und sofort wieder deinstalliert. Wenn ich wirklich mal so aussehe, wie diese App es anzeigt, kann ich mich jetzt schon erschießen.

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  3. „In Ihrem Fall muss ich darauf bestehen.“ Ich sehe einen armseligen System-Knecht der hinter seinem Schreibtisch sitzt und innerlich seinen kleiner Triumph auskostet.

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  4. Also da ich in dieser Woche auch meinen neuen Ausweis bekommen habe, kann ich definitiv sagen, dass die Fingerabdrücke definitiv freiwillig sind. Ich bin allerdings auch Staatsbedienstete (allerdings ohne Fielmann Brille und Übergewicht) und daher evtl. weniger im Verdacht systemzersetzender Aktivitäten 🙂

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    • Na, die Brillenmode und die Gewichtsklasse sind wahrscheinlich ein lokales Phänomen unserer Gegend hier – hoffe ich zumindest… Es muss doch auch noch Städte geben, in denen alles noch halbwegs okay ist – im Allgäu vielleicht, oder Nordfriesland… 😉

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  5. Auch ich habe bereits einen Pass mit Fingerabdruck, der jedoch nicht USA-tauglich ist – und in ca. 3 Jahren eh erneuert werden muss. Ich bräuchte gar keinen Pass, den leiste ich mir einfach so, weil ichs cool finde. In Europa kann ich mit der Identitätskarte in alle anständigen Länder reisen 😀

    Die App habe ich nun aus Neugier auch geladen und ich sehe genau so aus wie ich es erwartet habe – nämlich wie Mama.

    Brutalismus mag ich sehr! Im Wallis gibt es eine katholische Kirche in der Bauart, das ist doch sehr speziell. In meinem Herzen schlagen ja zwei Seelen – ich mag kühl, klar, weiss, chrom, schwarz, grau oder wilden, bunten Hippiemix was Häuser und Einrichtung angeht.

    Warum er in deinem Fall darauf bestehen musste, hätte ich an deiner Stelle ganz genau wissen wollen und auf Rumdrucksen seinerseits den Chef verlangt. Einfach weil ich ein neugieriges Weib bin und gerne weiss, was geht.

    Die Gittermodule sind also jetzt angehäkelt? *kicher*

    Tennis soll ja für fast den ganzen Körper gut sein, das ist doch toll. Ich hatte das mal ne Saison als Schulsport und fand es viel zu anstrengend. Ich war damals schon kein kräftiger Mensch.

    Die Kröt-Story finde ich ausgesprochen amüsant und putzig dazu.

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    • Ich finde auch, dass aktuell viel zu oft Brutalismus-Kram abgerissen wird. Einiges sollte man unter Denkmalschutz stellen, sonst wird die Baugeschichte der Nachkriegszeit völlig aus den Stadtbildern getilgt.

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