Wandelnde Beulenpest dank Raupendermatitis

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Mittlerweile haben Philomena und ich eine ausgeprägte Raupendermatitis – wir sehen aus wie ein Streuselkuchen. Stellt Euch das optisch so ähnlich vor wie Wespenstiche – nur, dass ich momentan mindestens 80 bis 90 Stück davon habe, allein knapp 60 an den beiden Armen…

Zunächst hielt ich den weißen Pelz der Eichenprozessionsspinner-Raupen für die Brennhaare und wunderte mich, dass davon dermaßen viele aus nur einem Nest bei uns und zwei Nestern beim Nachbarn rieseln können. Aber die weißen Haare der Raupen (nach genauerer Betrachtung eines vom Baum gefallenen Tieres schätze ich Pi mal Daumen, dass es pro Raupe nur wenige hundert sein mögen) sind nicht die gefährlichen Nesselhaare mit dem Gift Thaumetopoein. Die eigentlichen Brennhaare sind nämlich mikroskopisch klein – deshalb können sie auch sehr weit mit dem Wind verteilt werden – und jede ausgewachsene Raupe hat rund 630.000 Stück davon! 😱

Philomena hat sich vor einigen Tagen nach dem Aufenthalt im Garten gründlich die Haare ausgebürstet – dabei fielen offenbar etliche Brennhärchen auf ihren Oberkörper, denn sie hat die Raupendermatitis auch im Brustbereich und auf der Flanke. Ich hingegen habe die meisten feuerroten, brennenden Pusteln hauptsächlich auf den Unterarmen. Um die Gefahr selber besser einschätzen zu können, eventuell eine bessere Argumentationsbasis mit offensichtlichen Beweisen für die Debatte mit dem Nachbarn zu haben, und auch einfach nur aus experimenteller Neugierde, hatte ich mich zweimal bewusst länger unter den Bäumen im Garten aufgehalten, um zu sehen was dann passieren würde: Vorgestern wandelte ich während eines anderthalbstündigen Telefongesprächs mit Rudi spätabends im Garten umher – das brachte mir v.a. auf der Unterseite des linken Unterarmes (mein „Telefonarm“) etliche juckende Pusteln ein, gestern hielt ich mich zum Rasenmähen im Garten auf und hatte hinterher vor allem am rechten Unterarm (mit dem ich den Auffangkorb leerte, die Hände waren durch Handschuhe geschützt) flächendeckend die schmerzhaften Geschwüre.

Gestern stellte ich deshalb abends den Nachbarn zur Rede – dieser äußerte zunächst die Ansicht, dass das alles lediglich normale Mückenstiche seien, er hätte das im Sommer auch. Als ich ihm von unseren rundum verbauten Mückenschutzfenstergittern berichtete und referierte, dass die Raupenquaddeln im Gegensatz zu Mückenstichen nicht gleich anschwellen, sondern erst (Raupendermatitis-typisch) allmählich über ein bis zwei Tage immer schlimmer und augenfälliger würden, meinte er dann lediglich (in seiner typischen Öko-Manier), dass die Raupen „auch zur Natur gehören“ würden und man eh schon genug mit Glyphosat und Co. wegspritze. Man dürfe nicht alles „Natürliche“ in „typischer Städter-Manier hysterisch sehen“… 😠 Nun, die Nachbarn haben gut reden, bei ihnen lebt unter den Bäumen lediglich das Federvieh und der eigentliche Aufenthaltsgarten liegt nicht in der Hauptwindrichtung hinter, sondern vor den zahlreichen Eichen, die bei denen lediglich in der eher ungenutzten Grundstückshälfte stehen. Unter den Bäumen hält sich dort niemand länger als ein oder zwei Minuten lang auf und das noch nicht mal täglich. Abschließend stellte der Nachbar lediglich fest, dass er kein Geld für irgendwelche Bekämpfungsmaßnahmen hätte und de facto nahezu pleite wäre, weil die Abzahlung des Hauses die 9-köpfige Großfamilie (innerhalb der er der Alleinverdiener ist) nahezu überfordern würde… Eigentlich ist der Nachbar ein sehr umgänglicher, angenehmer Typ und seine Familie gehört hier im direkten Umfeld von Haus „Zweieichen“ zu meinen Lieblingsnachbarn – eher ruhige, entspannte Leute, die keine Ansprüche an ihre Nachbarn stellen, uns mit einer eher großstädtisch anmutender Desinteressiertheit in Frieden lassen, und dazu weiß Gott nicht so schlichtgestrickt bildungsfern wie unsere anderen Anlieger hier in „Niedergüllestunk“ sind… Soll man diese eigentlich netten Leute verklagen? Wegen Körperverletzung anzeigen? Ich tue mich damit schwer und könnte es wahrscheinlich nicht. Sind eigentlich arm dran und haben es schon schwer genug mit ihren eigenen Sorgen und Nöten… Wenn ich erheblich reicher wäre, würde ich den Leuten vermutlich die Bekämpfungskosten schenken. 🤔

Aber wenigstens sind wir ab heute unser eigenes Raupennest los!

Gestern fand ich nach längerer Recherche endlich mal einen Baumkletterer, der die Gift-Raupen bekämpft und auch noch kurzfristig einen freien Termin hatte! Meistens hatten wir nämlich Pech und stießen entweder auf Schädlingsbekämpfer, die nicht klettern können (sie kämen mit einem Hubsteiger – der kann aber nicht auf unser Grundstück fahren), oder auf Kletterer, die keine Eichenprozessionsspinner bekämpfen mochten, oder aber monatelange Wartelisten hatten. Als der Baumpflegebetrieb am Telefon erfuhr, dass wir lediglich ein einzelnes Nest hätten, sicherte er uns telefonisch umgehend zu, dass gleich am nächsten Tag (heute) jemand zwischen zwei Terminen vorbeikommen könne, um sich das mal anzuschauen. 🙂

So war es dann auch: Heute um halb neun am Morgen standen zwei nette, recht gechillte und gutgelaunte Jungs bei uns auf der Matte, die eher wie Extremsportler statt wie typische Gärtner wirkten. Drahtige, schlanke, sicherlich beide 1,95 große Burschen, die schon so aussahen, als ob sie im Blätterdach kletternd zuhause wären. Aber unser Nest war auch ihnen zu exponiert hoch an einem eher dünnen Ast gelegen. Deshalb entschieden sie sich spontan für eine andere Bekämpfungsmethode und holten das Nest mittels einer am Ende mit einem Bleisäckchen beschwerten Wurfleine vom Baum. Das abgestürzte Nest sicherten sie dann mit Sprühkleber und entsorgten es in einem Spezialmüllsack. Problem gelöst! 😄

Hätte nicht gedacht, dass es so einfach und schnell gehen würde. Aber unser Nest hing im Gegensatz zu den meisten anderen Raupennestern bereits „am seidenen Faden“ (und hieß deshalb bei Philomena und mir auch „Meisenknödel des Todes“).

Ich bin ab heute Abend für drei Tage verreist – wenn ich wiederkomme, dürften sich die Brennhaare des abgestürzten Nestes bereits ein wenig gesetzt haben (zumal ich gleich nach dem Tippen noch großflächig mit dem Brauseaufsatz auf dem Schlauch gießen werde) – ich bin gespannt ob, und wenn ja in welchem Maße, es hinterher besser wird, wenn man sich im Freien aufhält. Die zwei Nester beim Nachbarn hängen ja noch und der Wind treibt die mikroskopisch kleinen Horror-Haare in unseren Garten. Vielleicht habe ich dann ja statt 60 neuen Quaddeln nach anderthalb Stunden im Garten nur noch 40 neue Pusteln… Wespenstichähnliche, schmerzhaft brennende Hautgeschwüre, an denen man angeblich bis zu zwei Wochen lang Spaß haben wird… Toll. 😠 Solange der Nachbar bei seinen Bäumen nichts macht, werden wir den Garten wohl kaum noch nutzen können, oder aber hinterher herumlaufen wie die personifizierte Beulenpest. Vielleicht macht mich der ekelhaft juckende Brennhaar-Schmerz dann aber auch dermaßen wahnsinnig und rasend, dass ich kurzerhand einen Waldbrand in unserem Eichenhain lege und die Nachbarsbude gleich mit in Schutt und Asche… 😈

19 Gedanken zu “Wandelnde Beulenpest dank Raupendermatitis

  1. Vielleicht kannst du denen ja die Baumkletterer an Herz legen. Kannst denen ja nen Brief schreiben.

    Ich hab im nachbargarten einen der immer nackt Iner Tonne Laub verbrennt…🤣

    Letztes Jahr musste nen Baum gefällt werden. Das waren Jungs von der Feuerwehr die das nebenberuflich machen. Die waren auch gut drauf.

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    • Habe denen die Baumkletterer auch empfohlen (ist meinen Nachbarn mit dreistelligen Kosten aber zu hoch, der will keine 5 Euro zahlen, weil es so knapp bei denen ist). Feuerwehr könnte bei ihm aber gehen, weil er keinen kleinteiligen Ziergarten angelegt hat, der dabei zu Bruch gehen würde, so wie bei uns)… Die Feuerwehr kann aber erst im Herbst/Winter kommen, weil zuvor das Feld, dass sie befahren müssten noch nicht abgeerntet ist.

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  2. Könnte man ev. die Nester beim Nachbarn auch so „einfach“ entfernen?
    Mit dem Verklagen hätte ich in dem Fall auch Mühe, trotzdem macht er es sich schon sehr einfach mit seiner Haltung, nur weil die Haare nicht bei ihm selber landen.

    Gute Reise!

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    • Danke, bin nach vier Stunden Autobahn angekommen und kann nun vor Schmerzen nicht schlafen. Insgesamt wohl an die 100 bis 120 Pusteln, die Arme brennen und fühlen sich an, als ob sie im Feuer wären… Wenn ich zurück bin, organisiere ich einen Gutachter. 😠 (sowohl medizinisch, als auch, was die Unbenutzbarkeit des Gartens angeht)

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  3. Ach herrje, das ist ja heftig 😱. Hoffentlich verschwinden die Beulen schnell wieder 💊 ⛑Zwickmühle, das mit dem Nachbarn. Kann ihn einerseits verstehen, andererseits ist das ja kein Zustand, zumal zu befürchten ist, dass es in den nächsten Jahren immer wieder zu einer solchen Situation kommen wird 🐛😟

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  4. Gut, die 2, daß es geklappt hat, sonst : grauenvoll. Spring‘ über deinen Schatten und bitte deinen Vater um die Kohle, die, für die Nachbarn. Es geht ja nicht um den Garten allein, du hast doch kürzlich geschrieben, daß selbst das Lüften der Zimmer verunmöglicht sein wird, sein könnte,, Windrichtung, oder. Oder, bzw. : wie lange… müßtest du das aushalten? Wann sind die Raupen – Falter geworden? Ist das ab dann – erledigt…? Oder kommen weitere Vermehrungsschübe und Nester als Folge zusätzlich? Hat dieses Biodreckspack „natürliche Feinde“ ?

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    • Manchmal vermehren sich die Biester mehrmals im Jahr zeitversetzt und befallen den eigenen Baum mehrfach. Wenn die Raupen geschlüpft sind, streuen die leeren Nester bis in den Spätherbst Brennhaare, die aus den leeren Puppenhüllen stammen. Natürliche Feinde wären Pirol und Kuckuck. Kuckucke haben leider riesige Reviere, der nächste ist irgendwo unten am Fluss. Pirole gibts bei uns gar nicht… Allerdings fressen andere Vögel die Raupen, solange sie frisch aus dem Ei geschlüpft noch keine Brennhaare entwickelt haben. Vielleicht haben wir deshalb eher kleinere, bzw. wenige Nester pro Baum, weil es hier sehr viele Feldsperlinge gibt, welche die Jungraupen ohne Brennhaare fressen… Aushalten müsste ich das alles wohl jedes Jahr erneut von Juli bis November. Gartenarbeit ginge ohne Schutzkleidung wohl auf Jahre nicht mehr. Finanziell müsste man schon recht viel generieren, um den Nachbarn wirklich helfen zu können… wie auch immer. Ratlos und wütend. Gesundheit momentan schon ziemlich im Arsch…

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  5. Vielleicht wäre es schon mal, j e t z t, gut, die beiden Nester beim Nachbarn werden, würden vernichtet. Und man hilft ihm einmal „dreistellig“. Aber was weiß ich. / Gartenarbeit in Schutzkleidung – nicht als kurze Angelegenheit – sondern über eine längere Strecke : niemals. Überhaupt sich aufhalten im Garten, wäre ja auch angegriffen von diesen Drecksviechern. Das auch noch ! / Gibt es, i m Haus, eine Seite, Räume, die nicht so attackiert wären, also dahin? Es ginge also um allererste Maßnahmen sich zu schützen, besser. / Würden Nistkästen, Perspektive: nächstes Jahr, zu den Spatzen hinzu, wenigstens etwas bringen…, Hecken da und da als Brutplatz… / Wer ist zuständig für die Bekämpfung, a u ß e r h a l b privater Grundstücke… in der Umgebung… / Such‘ Kontakt, Austausch zu Leuten, die das schon länger erlebt haben, früher : wie das bei ihnen gelaufen ist, wie lange, ob endlos oder nicht, verschwinden die immer nur durch direkte Bekämpfung oder strenge Winter…, schon selbst was tun, klar, machst du ja, aber auch Profis anzapfen…, ortsnahe Naturschutzverbände, Stadtverwaltung, Presse… Notfalls, Atombombe, also die Eichen fällen. Aber dann eben müßte der Nachbar auch mitziehen… / Schuldlos bestraft von unschuldigen kleinen Drecksviechern.

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  6. Zum Thema, anderer Beitrag: Meistens hast Du Recht, höchstwahrscheinlich jedenfalls: Nicht der Eichenprozessionsspinner, sondern Schwammspinner bzw dessen Raupen können es im angedeuteten Fall doch gewesen sein.
    Kaum zu glauben, irgendwie wie katastrophale Meteoriteneinschläge, die fortan alljährlich zuschlagen können. An sich wie Krieg, bloß daß wir den bisher nur aus der Distanz mitzuerleben brauchten. So unter dem Motto: „Bei uns wird schon nix geschehen. Mich trifft das nicht.“
    Nicht daß mich das jetzt beruhigt (wir fühlen mit Dir), aber Du hast Dir jede Menge Wissen verschafft, Du weißt Dir zu helfen, und so hoffe ich ganz fest, daß Du gegen den bösen Spuk (untertrieben ausgedrückt) doch noch nachhaltige Abhilfe finden wirst. Liebe Grüße, und, tja – gute Besserung. Komm wohlbehalten zurück.

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