Der große goldene Ladebalken

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laufend_0006Wenn man Pech hat, sitzt man in einer einzigen, elendigen Tretmühle beständiger Wiederholungen. Man schuftet und rackert und müht sich wie Sisyphos und kommt doch kaum ein paar Zentimeter vom Fleck, der eigentlich schon zu Lebzeiten den Leichenwasserfleck vom finalen Ende vorwegnimmt. Beziehungen und Bekannte – Leute kommen und gehen. Jobs und Ärgernisse ebenso.

Wenn man ein wenig mehr Glück hat, sitzt man nicht selbst in solch einer Tretmühle, sondern ist dieser zu seinen Lebzeiten ein wenig entrückt. Man hat ein paar soft skills wie „Selbstreflexionsvermögen“ entwickelt, weil es einem irgendwie doch gelungen ist, seinen Arsch auf die Metaebene zu verfrachten. Von hier aus starrt man dann wissend auf die Tretmühlen der anderen. Oder auf den großen goldenen Ladebalken der verrinnenden Lebenszeit. Vielleicht ist man etwas weiser als die anderen geworden, oder auch nur klug genug, den ganzen Irrsinn zu durchschauen. Aber die Zeit verrinnt dennoch unerbittlich. In der Tretmühle würde man wenigstens weniger davon bemerken.

Mit den Jahrzehnten wird alles sinnloser und gleichförmiger – nichts kann einen mehr schrecken. Aber auch nicht mehr erfreuen. Alles schon gehabt. Nur noch enteilende Zeit…

Ladebalken

Dann sitzt man dort entrückt auf seiner Wolke, mit der man die Metaebene abgepolstert hat, damit man keine Hämorriden kriegt, und starrt entfremdet in die Ferne auf sein sich kontinuierlich und unspektakulär abspulendes Leben: Vor dir tut sich ein riesiger Rahmen auf und du glotzt gebannt auf den großen goldenen Ladebalken deiner Lebenszeit. Glotzt passiv und wartest, dass etwas passiert. Doch nichts geschieht – wenn der Balken voll ist, ist einfach nur alles zu Ende. Ein sinnlos verschwendetes Leben vollständig geladen und damit abgeschlossen. Loading completed.

9 Gedanken zu “Der große goldene Ladebalken

  1. Ein packendes Thema! Ja, die Zeit rinnt. Manchmal rennt sie auch (aber daraus könnte man eine andere Geschichte machen). Die Zeit rinnt, unentrinnbar. Dumm nur, daß wir den ersten Teil des letztgenannten Satzes nicht beweisen können. Wir haben die Zeit erfunden, um das Durcheinander von Ereignissen irgendwie in eine chrono·logische Abfolge zu bringen. Aber das ist eine im Grunde unzulässige Ontologisierung – durchaus bequem, aber beliebig weit von der Realität (was immer das sein mag) entfernt.
    Wahrscheinlich ist der Mensch die einzige Spezies auf der Erde, die sich mit solchen Dingen beschäftigt. Doch scheint die Natur – Ironie des Schicksals! – gehässig genug zu sein, zwar das Potential zum Erkennen des Goldenen Ladebalkens großzügig anzulegen, nicht aber Energie, Wille noch Möglichkeit, dieser Naturgegebenheit entfliehen zu können. Sehnsüchtiges Bedauern obwaltet, wo selige Akzeptanz darüber angemessen wäre, daß alles so gut, nämlich der natürlichen Ordnung entsprechend, geregelt ist.

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    • „Erwischt“ werde ich auch werden,, aber seit 18 bin ich in keiner Tret- oder Art Tretmühle mehr gefangen, seit Abschluß des Gymnasiums und seit dem Auszug von „zuhause“ mit 18, exakt am 22.April, meinem Geburtstag. Was nicht heißt, daß, Tag um Tag, das Glück mich gegrüßt hat… Ich bin aber nicht eingeknickt. Was geht, wie es geht, beispielsweise, daß deine Friseurin, ich glaub‘, zwei Kinder bekommen hat… und mit ihrem Freund seit Jahren zusammenlebt…, und NICHT geheiratet hat, weder im clean-verpißten staatlichen Standesamt, noch in einer christlichen Großsekten- Kultbude. Gruß 🙂

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