STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel VIII

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Milou, Nell, Erinnye! „Fasten your seatbelts“ – der Sternenkreuzer fliegt wieder! 🚀

Hoffentlich wird es nicht nur diese drei erwiesenen Fans meiner selbsterdachten Space Opera erfreuen, dass ich die „U.E.S.S. Pirmasens“ nach einem Dreivierteljahr Pause wieder auf die Leserschaft loslasse…

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Einige meiner erst kürzlich hinzugekommenen Leser und Abonnenten wissen vielleicht noch nicht, was es mit dieser Fortsetzungsgeschichte auf sich hat… Nun, ich hatte voriges Frühjahr damit begonnen, mir zur Unterhaltung meiner Leser eine Art Science-Fiction-Story auszudenken, in der es um die galaktischen Abenteuer der Besatzung des Sternenkreuzers „U.E.S.S. Pirmasens“ geht. In loser Folge band ich immer mal wieder eine weitere Episode davon in den Verlauf meiner Blogbeiträge ein. Bis ich im Sommer leider kaum noch Zeit dafür hatte. Vielleicht war ich auch ein bisschen angesäuert, weil die „Pirmasens“-Kapitel als ausgemachtes „Quotengift“ unter all meinen Blogeinträgen die wenigsten Leser fanden… 📉🧐 

Da ich momentan als „Strohwitwer“ etwas Zeit für Quatsch aller Art habe, las ich mir gestern Abend nochmals alle sieben bisher von mir ersonnenen Episoden durch und dachte: „Hey, besonders das letzte recht umfangreiche Kapitel vor der Pause ist dir doch eigentlich ganz gut gelungen! Warum also nicht doch wieder einmal mit der Fortsetzungsgeschichte weitermachen?“ Ich bin natürlich kein professioneller Schriftsteller. Meine Schreibversuche betrachte ich eher als hobbymäßige geistige Fingerübungen. Ihr solltet daher keine Erzählung auf Bestseller-Niveau erwarten… Aber vielleicht gewinne ich doch ein paar weitere Sternenkreuzer-Freunde unter meinen neuen Lesern hinzu… 😉

Falls Ihr Euch als Neueinsteiger mit meiner Weltraum-Saga beschäftigen wollt, findet Ihr unter diesem Link eine Episodenliste mit direkten Links zu allen bisher in meinem Blog veröffentlichten „Sternenkreuzer Pirmasens“-Kapiteln und ein illustriertes Glossar zur Erklärung der Fachbegriffe und als Personen-Übersicht.

animated-newspaper-image-0032 Viel Spaß beim Lesen!

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Kapitel VIII – Weiße Kapitänsweste mit schwarzem Fleck

„Ich bin da durchaus altmodisch – nach der ersten gemeinsamen Nacht, muss ich meine Freundinnen gleich der Familie vorstellen“, sagte Benjamin Freitag sehr breit grinsend zu seiner neuen Intima, die erst vor wenigen Stunden unerwartet aus dem Wald erschienen, gleich zu ihm in den Quelltümpel gestiegen war. „Wer sind die, die du als deine Familie bezeichnest, Ben?“, fragte Eena den lediglich mit dem Unterteil seiner Missionsuniform bekleideten Raumfahrer. Sie wusste annähernd nichts über den fremden Menschen, dem sie nach monatelangem Herumirren auf diesem einsamen Planeten gegen jegliche Erwartung begegnet war, hatte aber spontan entschieden, ihn zu mögen. Ben schien ein cooler Typ zu sein, wenn er mit einer Gitarre und seinem kleinen Hundchen auf einem unbesiedelten Exoplaneten nachts zum Planschen in den Wald ging… Benjamins Grinsen wurde abermals breiter, der rechte Mundwinkel wanderte fast bis zum unteren Rand des metallischen Cyborg-Teilschädelimplantats mit dem grün funkelnden Kunstauge: „Nun, Mama ist eine fast zwei Meter große Kampfmaschine, Papa raucht nonstop Zigarre und das Brüderchen ist ein feistes, dreckiges Alien mit obszönen Phantasien…“ „Na, das klingt doch nach einer sympathischen Sippe“, meinte Eena, die sich schon auf die erste nicht aus diesen beschissenen Pilzknollen bestehende Mahlzeit seit ihrem Absturz in der Borrok-Rettungskapsel freute. Spot rannte ein paar Meter vor Eena und Benjamin freudig bellend in Richtung der nur noch ein paar dutzend Meter entfernten Waldlichtung auf dem Planeten Pirmasens 98c, die man „Camp Corax“ getauft hatte.

Erno Santorius war nach dem Beschluss, keine weiteren Rettungsaktionen mehr für die in dieser gebirgsgroßen, fliederfarbenen Monsterqualle eingeschlossene Landefähre und deren Besatzung zu unternehmen, wortlos von der Brücke in seine Kapitänssuite geeilt. Der Kommandant der „U.E.S.S. Pirmasens“ saß nun in seinem rostbraunen Ledersessel gedankenversunken zurückgelehnt an einem hölzernen Schreibtisch, der eher in ein englisches Landhaus als in ein Raumschiff des 22. Jahrhunderts gepasst hätte. War es richtig gewesen, die vierköpfige Expeditions-Crew so schnell aufzugeben? Hayden hatte ihn zu dieser Entscheidung gedrängt. In ihrem übereifrigen Ehrgeiz schien die junge Erste Offizierin des Sternenkreuzers mehr darauf bedacht zu sein, den Zeitplan der Expeditionsmission einzuhalten, als wirklich restlos alles nur Erdenkliche zur Rettung der Verschollenen zu versuchen. Hätte er auch so entschieden? Moment, er war doch der Kommandant – warum hatte er diese überaus ernste Entscheidung größtenteils seiner „Ersten“ überlassen? Er sah ein, dass er Hayden Findley gegenüber befangen war. Ein wohlwollender Mentor, der manchmal bewusst in den Hintergrund trat. Er fühlte sich in solchen Momenten wie ein stolzer Vater, der den Familienbetrieb vorzeitig der Tochter mit dem summa-cum-laude-Masterabschluss übergab. Er bekam es durchaus mit, wenn die Schiffsmannschaft über sein Verhältnis zu ihr zu munkeln begann.

Santorius betrachte die kleinen Flugzeugmodelle, die auf der massiven Tischplatte vor ihm über filigranen Ständern schwebten. Auf der Erde besaß er drei Oldtimer-Jagdflugzeuge aus dem 20. Jahrhundert, die er eigenhändig flog, wenn er überhaupt noch einmal auf Terra zu Besuch weilte. Ein Spleen, den er sich deshalb leisten konnte, weil er sein üppiges Kapitänssalär an Bord der Pirmasens nur schlecht auszugeben wusste… Die historischen Jäger erinnerten ihn mit ihrer spartanischen Ausstattung und den zickigen Flugeigenschaften an die Schulmaschinen, auf denen er als junger Soldat seine Ausbildung absolviert hatte. Ein halbes Leben war das nun schon her. Sie hatten sich damals in der Fighter-Pilotenausbildung untereinander einen erbarmungslosen Wettkampf um den besten Abschluss geliefert. Damals hatte er große Schuld auf sich geladen. Erno Santorius besaß ein dunkles biografisches Geheimnis, das außer ihm niemand auf der „U.E.S.S. Pirmasens“ kannte. Seine ärgste Konkurrentin war damals eine überaus ehrgeizige, rothaarige Flugschülerin. Im Grunde genommen war er ihrer Reaktionsschnelle und ihrem Wagemut damals sogar deutlich unterlegen gewesen – der junge Erno Santorius war lediglich die Nummer Zwei unter den Pilotenanwärtern. Nur der Absolvent mit dem besten Zeugnis würde den Sprung an die Elite-Militärakademie schaffen, aus der unter anderem zukünftige Sternenkreuzer-Kommandanten entsprangen… Mila hieß seine tollkühne Konkurrentin vor fast 40 Jahren – er hatte in der Nacht vor der Abschlussprüfung Schmieröl in den Treibstofftank ihrer Maschine gekippt. Er hatte angenommen, dass diese heimliche Beimischung das Triebwerk beim Prüfungsflug lediglich verlangsamen würde – und nicht zur Explosion brächte. Das hatte er nicht gewollt. Milas automatischer Rettungsfallschirm setzte mit einer Toten an den Seilen auf. Sie war bereits Minuten zuvor bei der Detonation gestorben, die ihre leichte Übungsmaschine regelrecht in der Luft zerrissen hatte…

Erno Santorius hatte sich seine heimtückische Sabotage, die niemals aufgeflogen war, nie verzeihen können – bis heute nicht: Er träumte noch immer jede dritte oder vierte Nacht davon und wachte dann schweißgebadet in der Kapitänssuite auf. Er hatte die Fighter-Pilotenausbildung schlussendlich als Bester abgeschlossen und Mila lag im Grab. Die ehrgeizige, taffe Mila mit den langen roten Haaren. Genau wie Hayden. Vermutlich protegierte er seine junge Erste Offizierin so gründlich, weil er die irrige Hoffnung hegte, auf diese Weise etwas gut machen zu können. Sich ein Stück weit reinzuwaschen. Ja, er war eindeutig befangen! Deshalb hatte er sich auch Hayden Findleys Entscheidung gefügt, die vier unter diesem violetten Berg – der eigentlich ein riesiges Lebewesen war – eingeschlossenen Astronauten auf dem Planeten zurückzulassen und um 14:00 Bordzeit das System mit einem Sprung in den Alcubierre-Modus zu verlassen. Die Pirmasens hatte ihre planetare Umlaufbahn bereits aufgegeben und beschleunigte langsam in Richtung des angestrebten Warp-Sprungpunktes am Rande des Planetensystems. Am Vormittag wollte man zuvor noch im Vorbeiflug einen kurzen Blick auf einen der drei Gasriesen werfen, die weiter draußen ihre Bahnen zogen. Santorius erhob sich mit einem Ruck aus dem schweren Schreibtischsessel und begann den kurzen Rest der Bordzeit-Nacht über rastlos in seiner Suite im Kreis zu laufen.

„Ach du heilige Scheiße, was ist denn das?“, rief Benjamin ungläubig, als er mit Eena aus dem dichten Wald bläulich-grüner Gewächse heraus auf die Lichtung trat. Die Landefähre war weg! An ihrer Stelle erhob sich an die hundert Meter hoch die rundlich gewölbte Flanke eines dieser makellos glatten, violetten Berge, die er beim Landeanflug bereits von oben gesehen hatte. Wie war diese kolossale Landschaftsstruktur dermaßen plötzlich auf die Lichtung geraten? Vermutlich war die Umwälzung dieses Monolithen für das ferne Rascheln und Rumoren verantwortlich gewesen, das Hund und Herrchen eingangs der letzten Nacht vor ein Rätsel gestellt hatte. „Sie leben“, flüsterte Eena, als sie näher an das amethystfarbene Objekt heran traten, „es sind riesige Wesen. Sie schlagen kilometerweite Schneisen in den Wald. Man muss verdammt auf der Hut sein, dass man nicht zu nahe in ihrer Zugrichtung übernachtet. Sonst ist man am nächsten Morgen einfach futsch…“ Futsch? Sofort begann Benjamin Freitag, sich wahnsinnig um das  Schicksal seiner Crew-Gefährten und der Landefähre zu sorgen – waren sie noch rechtzeitig weggeflogen, oder steckten sie jetzt womöglich tief im Inneren dieses riesigen Dings? Dummerweise hatte er seinen Kommunikator in der Fähre zurückgelassen, als er spontan zu seinem abendlichen Badeausflug aufgebrochen war. Eine Kontaktaufnahme war deshalb unmöglich.

Seine Gefährten lebten noch – obwohl sie nur einige Dutzend Meter von Bens Standort entfernt waren, herrschte um die Landefähre, in der sie eingesperrt festsaßen, herum eine völlig andere Physik: Druckzustände, wie am Grunde eines Ozeans! Auf Dauer war das kleine Raumfahrzeug nicht für solcherlei Belastungen gemacht. Unter dem Gewicht des Berges ächzten nach wenigen Stunden die ersten Spannten. Es hörte sich fast wie Hammerschläge an, als die strukturelle Integrität des Fährenrumpfes durch die endlosen, aufliegenden Massen fleischiger, violetter Gallerte in Frage gestellt wurde. Die Insassen standen nach dem ersten Knall senkrecht in ihren Kojen – nun ja, bis auf den dicken Schompad, der die Ruhe weg hatte und sich ganz mit Verdauungsprozessen ausgelastet im Schlaf umherwälzte.

Bis an die Oberfläche des violetten Riesenwesens drangen die metallischen Knalllaute nicht vor. Benjamin und Eena standen vor einer völlig ruhig wirkenden Masse, die sich so unverrückbar erscheinend vertikal vor ihnen erhob, als ob sie dort bereits seit Jahrtausenden in der Landschaft läge.

„Piek, piek“, versuchte Ben seinen Zeigefinger in die solide Substanz vor sich zu stoßen, „komisches Zeug, gibt kaum nach – fest wie der Hinterschinken einer gondulanischen Tempeltänzerin!“

„Lass das lieber“, riet ihm Eena umgehend. Ihr war es nicht Recht, wenn man eines dieser riesigen Wesen foppte, auch wenn das für den violetten Berg lediglich wirken musste, wie für einen Menschen eine auf diesem herumkriechende Hausstaubmilbe. Spot stand kläffend vor dem riesigen Gebilde – dem kleinen Hund war inzwischen auch aufgegangen, dass diese neue Wand etwas mit dem Verschwinden der anderen Leute zu tun haben musste.

„Ob er wohl Angst vor Hitze hat?“ Ben zückte sein Feuerzeug und wollte es an die Oberfläche halten. Eena nahm es ihm geschwind aus der Hand: „Nein! Lass es lieber. Wir sollten es wirklich nicht provozieren und besser abhauen. Diese Drecksdinger können mitunter ziemlich schnell werden!“ Zum Glück hatte der langhaarige Pirmasenser die Flamme nicht mit der hochexplosiven Sülze in Berührung gebracht – anders als die beiden Fighter-Piloten Norton und Lamula besaß er nicht die geringste Ahnung, was er ansonsten für eine Höllenapokalypse ausgelöst hätte…

Spot hatte genug gekläfft, nun war es an der Zeit die neue Landmarke seines Revieres zu markieren – beherzt hob er das Beinchen: Als der gelbliche Strahl plätschernd auf den Berg traf, wich dieser in Sekundenschnelle zurück – er bildete dabei dermaßen abrupt eine bungalowgroße Einstülpung aus, dass der Luftzug den kleinen Hund von den drei Beinen holte, mit denen er beim Markieren noch Bodenkontakt hatte! Doch der Berg verharrte nur einen Wimpernschlag lag in seiner erschrockenen eingedellten Form – wütend warf er sich nun mit seiner ganzen Front der chemischen Provokation entgegen! Er war nun ein riesiges, erzürntes Wesen in Angriffslaune! Eena sah fassungslos die blickfeldfüllende Wand auf sie zurasen: „Lauf!“

Stundenlang war es an Bord der eingeschlossenen Landefähre mucksmäuschenstill gewesen. Lediglich das Ächzen und Stöhnen des durch den Druck der umgebenden Masse gemarterten Materials ließ die drei Eingeschlossenen alle paar Minuten erschrocken zusammenfahren, weil sie dachten, ihr letztes Stündlein sei nun unwiderruflich gekommen… Doch plötzlich setzten sich die Dinge in Bewegung: Ein blubberndes Rauschen ertönte von außen und die komplette Fähre wurde jäh auf den Rücken gedreht! Waffen und Einrichtungsgegenstände schepperten durch den Innenraum und der korpulente Außerirdische Nappoke Gnobkock fiel metertief aus seiner unerwartet kopfstehenden Koje. Zu seinem Glück war er gut gepolstert. Die Söldnerin und der Sergeant konnten sich gerade noch rechtzeitig an irgendwelchen Innenraumverstrebungen festklammern, als das kleine Raumfahrzeug gleich noch weitere Rollbewegungen anstellte. Nappoke kullerte ungebremst durch das sich klirrend in eine chaotische Müllhalde verwandelnde Interieur und quiekte: „Hoffentlich hält unsere alte Mühle das überhaupt noch aus! Das müssen wahnsinnige Belastungen sein!“ Haarscharf neben seinem wulstlippigen Gesicht schlug eines der beiden Katana-Schwerter von Ceyonne in der gepolsterten Rückenlehne eines Cockpitsessels ein.

Eena, Ben und der kleine Spot rannten um ihr Leben! Wie eine wütend gewordene Riesenamöbe floss der gewaltige lilafarbene Berg fortwährend neue Ausstülpungen bildend hinter ihnen her. Er war mindestens genauso schnell, wie die vor ihm Fliehenden. Lediglich die vielen Haken, die sie schlugen, hielten die violette Front auf Abstand, weil das amöboide Wesen stets etwas zeitverzögert darauf reagierte. Als sie am Rande der Lichtung im Wald verschwanden, hielten die Bäume die fließenden Massen leider nicht im Geringsten auf: Der Wald verschwand einfach krachend und splitternd zu Kleinholz gewalzt unter dem rasenden Koloss. „Schneller! Sonst holt er uns gleich noch ein!“

Pavlína Dvořáková saß alleine in einem an den Labortrakt der „U.E.S.S. Pirmasens“ angrenzenden Büroraum, der eigentlich für den Wissenschaftsoffizier des Sternenkreuzers reserviert war. Da der alte Mann den Großteil seiner Tage zwischen Unmengen von Büchern und Datenträgern zurückgezogen vor sich hin kränkelnd in seiner relativ geräumigen 2-Raum-Offizierskabine verbrachte, hielt sie sich als dessen Stellvertreterin oft in diesem weitgehend verwaisten Büro auf. Es war so etwas wie ihr Rückzugsort geworden, den sie auch aufsuchte, wenn es ihr mal nicht gut ging und sie ihre Ruhe brauchte. Die Wissenschaftlerin mit der pink gefärbten Haarpracht hatte die ganze Nacht lang nicht geschlafen. Hinter der extravaganten Sonnenbrille, die sie auch an Bord ständig aufhatte, liefen ihr immer noch ein paar einzelne Tränen über die Wangen. Sie trauerte um ihre verschollenen Freunde – besonders um Ben, dessen vehemente Anbaggerungsversuche sie zwar bisher stoisch gekontert hatte, den sie aber trotzdem tief ins Herz geschlossen hatte. Er war ja auch auf diese stets fröhliche Sonnyboy-Art sehr charmant. Vielleicht hätte sie sich auf ihn einlassen sollen. Nun war es wohl eh zu spät dazu… Warum konnten sie mit dem Verlassen des Planetensystems nicht noch ein paar Tage warten? Man übersieht schnell irgendwelche unkonventionellen Methoden und Wege, die vielleicht doch noch zu einer Rettung führen könnten, oder? Andererseits hatte Captain Santorius wohl leider doch Recht, wenn er meinte, dass die Überlebenschancen an Bord der im Berg eingeschlossenen Landefähre gegen Null tendierten. Sie hatte den alten Graubart, der augenscheinlich nachts auch nicht geschlafen hatte, ein letztes Mal kurz nach der Frühstückszeit bekniet. Aber er ließ sich nicht erweichen. Obwohl er selber etwas zögerlich und auf eine für ihn eher untypische Art geistesabwesend wirkte, blieb Santorius bei jenem Standpunkt, den auch die Erste Offizierin vehement vertrat. Diese drängte in ihrer unterkühlten Art zu einem raschen Aufbruch, um einen weiteren unbekannten Raumsektor des galaktischen Orion-Arms erkunden zu können. Um 14:00 Bordzeit würden sie planmäßig in den Alcubierre-Modus wechseln und das System somit endgültig verlassen.

Bis dahin war noch eine knappe Stunde Zeit. Eigentlich sollte sich Pavlína als stellvertretende Chefwissenschaftlerin um den riesigen Gasplaneten kümmern, den sie gerade in recht geringer Distanz passierten. Aber ihr war nicht danach: „Scheiß auf den langweiligen Gasriesen, die sind eh alle gleich – kennst du einen, kennst du alle!“ Sie erhob sich von ihrem Stuhl und lief aus dem Büro – sie hatte eine bessere Idee, wenn auch eine ziemlich sentimentale, die sie sicherlich mit noch tieferer Traurigkeit erfüllen würde. Pavlína wollte sich von ihren zurückbleibenden Freunden verabschieden, indem sie durch das Bordteleskop noch einen letzten Blick zurück auf den kleiner und kleiner werdenden Planeten Pirmasens 98c warf.

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Und? Mutmaßlich war meine erste Fortsetzung nach langer Pause noch ein bisschen holperig. Vielleicht hat sie Euch dennoch gefallen. Nun bin ich jedenfalls sogar selbst ein bisschen gespannt, wie es wohl weitergehen mag. 😁 Muss ich mir dann demnächst noch ausdenken…

Hypermentale Grüße an alle Leser und die drei neuen Abonnenten!

8 Gedanken zu “STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel VIII

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