„1000 Fragen an mich selbst“ (20 – 27)

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0244 ichPhilomena wird nun doch nicht mit nach England fliegen. Sie kommt wohl schon am Sonntag wieder mit der Bahn zurück. Nachdem mich ihre Abwesenheit (von der ich bis heute auch nicht wusste, wie lange sie anhalten wird) zunächst etwas beunruhigt hatte, weil ich diesen Zustand hier im Haus „Zweieichen“ gar nicht mehr gewöhnt war, irritiert mich das Alleinsein allmählich weniger. Ich wurstele hier so für mich allein herum, wie ich es noch aus den Lebensphasen totaler Isolation her kannte… Man gewöhnt sich mit der Zeit wahrscheinlich wirklich an alles, wie es immer so schön heißt. Aber sie fehlt mir schon. Zum Glück ist sie nicht allzu lange absent. 🙂

Deshalb nehme ich mir nun mal kurz ein bisschen Zeit, um für meine verehrten Leser acht weitere Fragen des Selbstbespiegelungs-Kolosses „1000 Fragen an mich selbst“ zu beantworten. Also ab auf die virtuelle Psychiater-Couch – Hosen runter zu einer Runde Befindlichkeits-Gesülze coram publico:

0️⃣0️⃣2️⃣0️⃣ „Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?“

▶ Als ob ich nur bei einer bestimmten Gelegenheit an mir selbst gezweifelt hätte… Mein Leben IST eine einzige Orgie der Verzweiflung, des Selbstzweifels, des Grundsätze-in-Frage-Stellens, des Bekrittelns und Überdenkens. So sehr wie etwa mein Kumpel Rudi ein „Gläubiger“ ist, einer der bereit ist Dinge blindlings zu glauben, so sehr bin ich „Skeptiker“. Biografische Brüche sammelte ich so, wie andere Leute Briefmarken oder Bierdeckel. Ich musste mich schon öfters sammeln und neu erfinden. Zuviel freie Hirnkapazität in Kombination mit genügend Zeit zum tiefgründigen Grübeln – daraus MUSS geradezu zwingend gehöriger (Selbst-)Zweifel entstehen!

0️⃣0️⃣2️⃣1️⃣ „Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?“

▶ Früher war mir das enorm wichtig – heute scheiße ich weitestgehend darauf. Früher war ich schüchtern, in meiner Kindheit und Jugend ein Außenseiter für den es fast schon überlebenswichtig war, welches Bild er nach außen abgab, um dadurch möglichst wenig aufzufallen und somit keine Kondensationskeime für Anfeindungen und Mobbing zu liefern. In jenen längst vergangenen Jahren erlernte ich meine „Chamäleon-Qualitäten“ (auf die harte Tour). Später schwamm ich mich davon frei. Je weiter ich etablierte Lebensentwürfe und -wege hinter mir ließ, je konsequenter ich aus hierarchischen und gesellschaftlichen Strukturen aussteigen konnte (ein Privileg!), desto weniger wichtig wurde mir, was Andere von mir dachten. Ganz davon habe ich mich aber noch nicht emanzipieren können. Ich achte zum Beispiel immer noch darauf, dass ich hier in der Nachbarschaft nicht allzu heftig auffalle oder anecke – man braucht keine Feinde direkt am Ort, an dem man lebt. Deshalb drehe ich auch nicht nachts die Musik auf Diskolautstärke auf, oder laufe nackt durch den Vorgarten.

0️⃣0️⃣2️⃣2️⃣ „Welche Tageszeit magst du am liebsten?“

▶ Egal – Hauptsache nicht der frühe Morgen. 😁

0️⃣0️⃣2️⃣3️⃣ „Kannst du gut kochen?“

▶ Das weiß ich gar nicht mal so genau, weil ich schon ewig nicht mehr aufwendigere Gerichte zubereitet habe. Früher haben Mitch und ich in unserer ersten Studenten-WG fast täglich gemeinsam eine Hauptmahlzeit zubereitet. Er war dabei mehr der Zulieferer (Schälen & Schnippeln) und ich der Koch. Geschmeckt hat‘s uns meistens – auch wenn wir am Anfang vor allem nach der Methode „Versuch und Irrtum“ vorgingen. Nach einem Kochbuch kann schließlich jeder kochen… 😉 In jener Zeit sind ein paar Eigenkreationen entwickelt worden, etwa die legendären Blätterteigtaschen mit Hackfleisch- & Gemüse-Füllung, die später sogar zwei meiner heutigen WordPress-Abonnentinnen einmal kosten durften… 😊

Später kochten dann Giulia und ich abwechselnd durchaus aufwendigere Sachen – besonders, wenn wir Gäste hatten. Eines Tages war Giulias Studienkollegin Ela zu Besuch und ich hatte die beiden Damen bekocht: Die Konsistenz des Tellergerichts war nicht ganz perfekt gelungen – aber selbst als absolut kritischer Testesser hätte ich meiner Speise noch die Schulnote „2 minus“ bis „3 plus“ gegeben. Giulia nörgelte dann auch sofort herum, dass das Essen „matschig“ sei. Gut, wenn sie es bei dieser einen Bemerkung (die ja nicht völlig aus der Luft gegriffen war) belassen hätte, dann wäre alles in Ordnung geblieben. Aber offenbar hatte meine damalige Verlobte, die eh schon außergewöhnlich temperamentvoll und mitunter cholerisch (das hatte sie von ihrem Vater geerbt) war, an jenem Mittag irgendein Teufel geritten, denn sie begann nun (nicht ironisch oder im Spaß!) völlig echauffiert mit einer endlosen Hasstirade gegen das servierte Essen, die schon nach wenigen Halbsätzen der nebendran sitzenden Ela die Schamesröte ins Gesicht trieb! Ich war selber erschrocken. Es fielen Sätze wie „den Dreck sollte man gleich an die Wand klatschen“, oder „solch einen Saufraß schmeißt man in Indien nicht mal den Hunden vor“… Ela versuchte noch Giulia zu bremsen, aber es nutzte nichts. Ich drohte ihr nach ein paar weiteren, ähnlich impertinenten Bemerkungen an, niemals mehr für sie oder unsere Gäste zu kochen, falls sie nicht sofort mit ihrem Wutanfall aufhören würde! 😠 Mir war das nämlich auch vor Ela unangenehm, bzw. peinlich für Giulia – zum Fremdschämen! Aber Giulia machte trotzdem weiter… Nach dieser Episode blieb ich konsequent und kochte bis zu unserer Trennung, die anderthalb Jahre später in Dubai erfolgte, ausnahmslos niemals mehr.

0245 ichAls ich dann später wieder allein lebte, lohnte sich das Kochen kaum noch für mich. Nachdem ich dann auch noch nach Berlin gezogen war, war es endgültig rum – dort gab es einfach viel zu viele sensationell gute und dabei auch noch günstige Essengehmöglichkeiten und Bringdienste, als dass ich dort wieder mit dem umfangreichen Selberkochen begonnen hätte. Heute koche ich nur noch alle Jubeljahre „aufwendig“ – allerdings bereite ich mir dennoch nahezu täglich irgendeine warme Mahlzeit selber zu. Das ist dann aber nichts Besonderes, mal eine Schüssel Instant-Couscous mit Oliven und einer Fertigsauce aus dem Glas, mal ein Tiefkühl-Fertiggericht. Diese einfachen Sachen bekomme ich gut genug hin, dass es mir mundet. Ob ich deshalb aber wirklich „gut kochen kann“ – dass müssen andere entscheiden. 😉

0️⃣0️⃣2️⃣4️⃣ „Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten?“

▶ Blöde Frage. Aufgrund der Selbst-Klischees, die ich Euch immer in meinen Blogeinträgen serviere, vermutlich am ehesten „Herbst“ und „Winter“…

0️⃣0️⃣2️⃣5️⃣ „Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht?“

▶ Dauernd und niemals. Philomena bemängelt zwar regelmäßig, dass ich viel zu oft faul herumliege und lese – aber Lesen ist doch nicht „überhaupt nichts“… 😉 Jedenfalls habe ich so gut wie nie Langeweile – ich weiß gar nicht, wie sich das anfühlt. Ich glaube, dass sich nur dumme oder unselbständige Menschen langweilen können. Solange man noch über einen wachen Geist verfügt, braucht man doch keine Berieselung und Zerstreuung von außen, oder? 🤔

0️⃣0️⃣2️⃣6️⃣ „Warst du ein glückliches Kind?“

▶ Ich war ein äußerst unglückliches Kind. Bis ich in den Kindergarten kam, war ich behütet und umsorgt. Meine Mutter kümmerte sich durchaus recht intensiv um mich (meinen Vater hingegen sah ich damals kaum – er arbeitete einfach zu viel) und versuchte alles richtig zu machen. Aber ich hatte, außer ab und zu mal kurz auf einem Spielplatz, so gut wie keinen Kontakt zu anderen Kindern. Man ging mit mir viel zu sehr wie mit einem Erwachsenen um. Als ich dann in den Kindergarten kam, wirkte ich dort altklug. Wenn ich mich so ausdrückte, wie ich es von zu Hause aus gewohnt war, verstanden mich die anderen Kinder nicht. Ich war ihnen in puncto intellektueller Reife um Jahre voraus. Sie warfen mir dann Bauklötze an den Kopf.

Ich wurde sehr schnell zum gemobbten Außenseiter, den alle verachteten – dieser Zustand zog sich (weil mir die Rädelsführer des Mobbings und der Prügeleien auch über den Wechsel zur Grundschule und später aufs Gymnasium erhalten blieben) über fast anderthalb Jahrzehnt lang hin (bis nach der Mittelstufe der Klassenverband aufgelöst wurde). Meine Kindheit und Jugend war deshalb ein einziger Haufen Scheiße. Leider fand ich keine Ansprechpersonen, um mich mit meinem Kummer zu offenbaren. Während meiner Schulzeit hatten meine Eltern kaum Zeit für mich. Mir wäre es auch peinlich gewesen, vor ihnen meine Probleme offenzulegen, denn in meiner Vorstellung hatte ich sie zu sehr auf einen unerreichbar überhöhten Sockel gestellt. Ich wollte es ihnen nicht antun, sie mit meinen, von mir fälschlicherweise als „lächerlich“ empfundenen, „Lappalien“ zu belästigen. Lediglich der Großmutter mütterlicherseits erzählte ich in geschönter Form ein paar der üblen Begebenheiten – doch auch sie erkannte deshalb den Ernst der Lage nicht und erteilte mir nur sehr allgemeine, wenig hilfreiche Ratschläge…

0243 ichErschüttertes Vertrauen, Misanthropie, Zynismus, Schärfe – diese Dinge stammen bei mir resultierend aus der Kindheit und Jugend. Bis heute bin ich immer noch eher ein Einzelgänger (auch wenn mir meine Philomena hier im Alltag gut tut, die aber auf gewisse Weise genauso eine eigensinnige Einsiedlerin ist). Geselligkeit halte ich immer nur episodenhaft aus. Auch während meiner „goldenen Jahre“ als Partylöwe, Kultur-Schnösel und Jet-Set-Novize brauchte ich regelmäßig meine längeren Auszeiten vom nun plötzlich in meinem Leben herrschenden Trubel.

0️⃣0️⃣2️⃣7️⃣ „Kaufst du oft Blumen?“

▶ Gartenpflanzen ja – Schnittblumen nein. Mir tut es immer leid, die verwelkten Sträuße wegzuwerfen. Eigentlich eine Verschwendung. Früher, als ich noch nicht so sehr gesellschaftlich entflochten war, wie mittlerweile wieder, kaufte ich öfters Blumensträuße aus sozialen Traditionen heraus als Mitbringsel oder Gastgeschenk. Auch die Beziehung mit Giulia benötigte damals ein ganzes Gewächshaus voll von Versöhnungs-Rosensträußen und Beschwichtigungs-Topfpflanzen – was für ein kompliziertes Gemache! Heute kommt mir das alles reichlich absurd vor… 😉

Adieu bis zur nächsten Folge – hypermentale Grüße an alle, die sich diesen ganzen Shit hier immer freiwillig reinziehen…

6 Gedanken zu “„1000 Fragen an mich selbst“ (20 – 27)

  1. Langeweile kenne ich auch nicht – noch nie – lesen ist immer super – egal was – wenn ich dabei nur nicht immer einschlafen würde.

    Die Selfies sind toll.

    Ein Hoch auf Philomenas Rückkehr – ich kam noch nicht mal dazu, was zum Allein-Post zu sagen. Werde ich aber vermutlich noch…

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  2. Ich bin inzwischen derartig von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen, dass ich es auch nur noch alleine aushalten kann. Selbst wenn ich mal bei meinen Kumpels in Berlin bin, bin ich nach 2 Stunden bedient und will wieder nachhause in meinen Käfig. Philomena, komm bald wieder, bald wieder nach Haus.

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