Idylle oder Hölle? Der frühe Vogel tankt Heizöl… ⛽🐦

#0187[1097]

0002 Logo

8:00 Uhr. In Worten „acht“. Morgens! 🕗 Das ist definitiv nicht meine Zeit. Frühe Vögel können meinethalben im Nest verfaulen – scheiß auf die Würmer, ich bin ‘ne „Eule“ und keine „Lerche“… Sehe doch schon aus, wie so‘n alter Uhu… 😉

Um acht Uhr morgens hatte meine Hausgenossin einen Arzttermin – ich fuhr sie hin. Fuhr während sie drinnen warten musste (immer nur warten – das halbe Leben ist irgendwie Wartezeit, nicht?) um die Wartezeit zu überbrücken zu einer Bäckerei in der Nähe, die recht anständiges Gebäck produziert. Holte eine Tüte dies & das. Fuhr wieder auf den Praxis-Parkplatz und wartete. Und wartete…

Jeder unter 40 hätte nun sein Smartphone gezückt (der spleenige Rudi nennt die Dinger immer „Dildo“ und ist davon überzeugt, dass sie einen nicht nur indirekt durch permanenten Gebrauch verdummen, sondern auch direkt und aktiv von bösen Mächten so gewollt – deshalb besitzt er auch keins). Ich sehe sie immer überall – Smombies („Smartphone-Zombies“) – gebückte Haltung, schleppender Gang. The Walking Dead. Totgefahrene Fußgänger nehmen global betrachtet wieder zu. Oder solche, die in irgendwelche Löcher fallen… Mir war nicht nach Nachrichten – nicht auf nüchternen Magen. Um nicht noch früher aus den Federn zu müssen hatte ich noch nicht gefrühstückt. iPhone also in der Tasche gelassen.

Warten – analoges Warten. Analog in die Gegend gucken. Was ist das da vorne? Garten. Eine Kinderrutsche, deren buntes Plastik in der Sonne zu Pastelltönen gebraten wurde. Kinder bestimmt schon älter heute – Gerümpel reichert sich am Grundstücksende an. Begrenzter Einblick aufs Grundstück. Warten und hinsehen. Nur eine Amsel rührt sich. Komische Beeteinfassung – sieht eher nach Betontrümmern aus. Sind vielleicht Betontrümmer, die als Beeteinfassung dienen. Keine Ästheten offenbar. Pragmatiker. Kleine Leute. Die rote Blechameise ist niedlich. Niedliche Tiere. Philomena mag niedliche Tiere – die beruhigen. Ich mache ihr zu Weihnachten immer einen Wandkalender mit niedlichen Tieren. Die rote Riesenameise schaut nach links (seht Ihr sie auf dem Bild?) – dort ist was, was ich nicht sehe. Nicht von meinem Standpunkt aus. Ich habe oft einen anderen Standpunkt. Sehe die Dinge anders, oder gar nicht. Die rote Blechameise hat große, weiße, ovale Disneyaugen mit schwarzen Pupillen. Keine Facettenaugen. Ich sehe weitere Facetten durch den Guckkasten Gartentorausschnitt. Töpfe, Dekorationen, Gestrüpp und Schuppen mit unterschiedlichen Dachneigungen. Materialien – Holz, Metall, Klinker. Eine Menschenwelt aus Baustoffen.

0223 Warten

Man kann recht lange hinschauen – auch auf prinzipiell Uninteressantes. Geraffel kleiner Leute. Eine echte Idylle. Ohne Scheiß jetzt, das ist doch eine Art von „Idylle“, oder? Jemand findet das schön – lebt damit. Hat sich das aufgebaut. Kinder haben das alles benutzt. Ich zücke nun doch das iPhone – muss es fotografisch festhalten. Ist das nun eher eine „Idylle“, oder eine „Hölle“? Ich bin mir nicht sicher. Mich würde interessieren, was mein Leser „Wolfgang Zettka“ dazu meint – Idylle oder Hölle, oder beides?

0222 Idylle.jpg

Irgendwann kenne ich das Bild. Gucke nun in den Rückspiegel. Ein Krimi. Mehr als eine Amsel lebt dort: Ein alter Kerl mit fleckiger Glatze und längerem Haarkranz. Sieht aus wie ein Tattergreis. Was macht er? Ich warte und gucke abwechselnd in die drei vorhandenen Rückspiegel. Er hat da zwei Garagentore offen, der olle Fleckenkopp. Hinter einem liegen Mengen von Natursteinen. Offenbar hat er noch viel vor auf die alten Tage. Oder er will Granit- und Grauwacke-Quader vererben… Was macht er nun? Fährt zünftig einen mächtigen Geländewagen in die steinlose Hälfte der Doppelgarage. Der kahlköpfige Typ scheint mindestens dreißig Jahre älter als ich zu sein und ist morgens quietschfidel wie ein munterer Springinsfeld! Ich fühle mich schon jetzt oftmals gesetzter, als der da. Springt aus dem Jeep heraus wie der junge Colt Seavers… Reißt mit links seitlich in der Garage ‘ne schwere Holzschiebetür auf wie Hulk Hogan… Moment, Schiebetür? Eben war die da doch noch nicht? Sah wie ein an die Wand gelehntes Brett aus… Krimi. Was macht er nun? Holt ‘ne Zapfpistole am Schlauch aus der Wandöffnung – als ob er Angus MacGyver wäre! Ob er Heizöl tankt? Bestimmt. Oder doch nicht? Manche Landwirte tanken heimlich Heizöl statt Diesel. Kostet einen Bruchteil und ist streng verboten. Der Opa kann sich bestimmt so eine mächtige Dieselkarre leisten, weil er ordentlich am Sprit spart, mit seiner illegalen Heizölzapfanlage da hinter der Schiebetüre… Oder doch nur ein imaginierter Krimi?

Ich warte schon zu lange. Hätte ich mein Smartphone gezückt, um die immer gleichen Brexit-Nachrichten zu lesen oder Gretas bezopftem Mondgesicht zu begegnen, hätte ich dafür den Heimtanker-Opi verpasst und auch nicht die Idylle/Hölle gesehen… Hätte ich was verpasst? Wohl kaum – würden viele sagen. Aber ich beobachte manchmal lieber, als mich berieseln zu lassen. Warte und sehe Dinge. 😶

Irgendwann kam Philomena wieder… Ansonsten war der Tag weitestgehend im Arsch. Ich war latent zu müde. Bin nicht so ein beherzter Greis, der zur frühen Morgenstunde schon in seinem Quaderlager umherspringt. Oder diese ganzen Büromenschen – die müssen jeden Tag so früh aufstehen, damit sie sich dann den Arsch plattsitzen dürfen für ein bisschen Spielgeld zum Verprassen im Mediamarkt oder der Dekoartikel-Abteilung von Ikea… Dafür bin ich nicht gemacht. Mein ganzer Organismus revoltiert gegen solche Unbill. Jeden Tag acht Stunden knechten und auch noch zwei Stunden pendeln? Ich würde mich lieber erschießen… 😬

10 Gedanken zu “Idylle oder Hölle? Der frühe Vogel tankt Heizöl… ⛽🐦

  1. Du verfügst über soziale Kompetenz, lebst selbstgenügend mit Hartz4 und nimmst einem Vater mit mehreren Kindern nicht den Arbeitsplatz weg. Das nenne ich Aufopferung für die Allgemeinheit. Ich mein das völlig ernst. Du verzichtest auf vieles, um dem Staat zu dienen. Ist nur blöd, dass die Sadisten von der Arge das nicht anerkennen. Lasst doch die endlich zu Hause, die nicht arbeiten wollen und schickt die in Arbeit, die Arbeit suchen: Dann sind doch alle glücklich. Mein Credo. LG Sven 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Gut meine Meinung war ja nicht gefragt aber ich geb trotzdem meinen Senf dazu 😜..
    Das ist weder Idylle noch Hölle sondern halt einfach langweiliges Reihenhausleben mit ungepflegten und hässlichen Gartenzaun -Tor….aber vielleicht sind die Menschen die da wohnen zufrieden und glücklich damit 😜

    Gefällt 2 Personen

  3. Ich seh‘ die kleinen Teile nicht gut genug. Hinzu kommt, daß mich, von vornherein, die Einschränkung auf Idylle oder Hölle oder beides schon etwas stört… („Hölle“ wäre eher der Raum in dem dein Chefsessel steht, nicht nur des Chefsessels wegen…, „Hölle“ für m i c h, wenn ich in dem leben müßte…, da kann ich aber später mal noch was schreiben, warum.) Und hier in Freiburg hab‘ ich noch nie derartige Gestaltungen gesehen. Ich denk‘ mir, die müßte es doch auch geben, kenne aber keine. Vom Aufwachsen her sind mir auch keine bekannt aus Straßburg und v. der badischen Kleinstadt, in der ich auch aufgewachsen bin, von dem Stadtteil, nur einer : auf den Betonpfosten oben Würfel, bunte, aus Zement u. im kleinen Garten vor dem Haus große Frösche und Rehe und Gartenzwerge. Hat mir aber gefallen als Stöpsel. Ausnahme, sonst Blumen, Sträucher, Bäume, sehr alte auch, Linde, Kastanienbäume, Birken, Tannen. Was auch sehr wichtig ist, ist die Stimmung: würde ich beispielsweise das Spielzeug oben deutlicher sehen, könnte das gerade – tröstend, entspannend sein jetzt, weil es eben auf Kinder hinweist, also anfängliches Leben. Mir setzt zur Zeit ziemlich zu, daß ein wichtiger Schweizer Sammler, der mich sehr gelobt hat – „begnadeter Zeichner“, das hab‘ ich zeitlebends nie gehört…, todkrank ist und bald stirbt…, er sagt das so. Und ein weiterer, der mir nahesteht, in möglicherweise einigen Monaten schon, mich nicht mehr erkennen wird. Er ist mein Freund. Ich werd‘ also seinen Zerfall mitbekommen. Und der ist nun wirklich intelligent und wirklich gebildet. War mit Cy Twombly befreundet ,schon als der sich extrem isoliert hat in Rom oder mit dem manchmal sehr schrulligen Elias Canetti „und so“. I’m really not amused verdammte Scheiße.

    Gefällt 1 Person

    • Vielleicht habe ich mich auch deshalb so weitestgehend isoliert, weil ich dann den „Zerfall“ jener für mich oft über eine Dekade lang bedeutsamen Zeitgenossen nicht mitbekommen muss… Das Verblühen beginnt oftmals nicht erst in der Vergreisung, sondern schon beim Etablierungsprozess.

      Gefällt mir

  4. Auf die beiden Personen, die ich kurz erwähnt habe, das – zu beziehen, ist etwas schwierig für mich, weil ich den Schweizer Sammler erst seit kurzem kenne, den anderen (wieder) seit immerhin 9 Jahren und das sehr nahe, viele Gespräche, Ausstellungsbesuche.Verglichen mit noch viel früher, ist er nicht zunehmend verblüht, aber seit etwa 2einhalb Jahren schon immer mehr, fortschreitend, wohl unaufhaltsam, wird immer vergesslicher etwa. / Sonst sehe ich das wie du. Mir ist das auch „sogar“ bei MyTagebuch aufgefallen, Namen lasse ich weg. Interessant ist gelegentlich, bis es einfach nur noch nervt und ich den Kopf wegdrehe, geht das – wie selbstverständlich das sein soll, „normal“ oder schlicht abgestritten wird, vehement oft. Ist ein Massenphänomen. Zudem wird das allen Ernstes auch – man sei „vernünftig geworden“ geworden geheißen oder man sei „reif(er)“ geworden. Der zunehmende Zerfall – der ideale oder ein Fortschrittszustand mithin…, der persönlichen Entwicklung, ja-ja-ja.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.