„1000 Fragen an mich selbst“ (1 – 5)

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„1000 Fragen an mich selbst – der hat sie doch nicht mehr alle! Ich glaub, es hackt“, wird nun so mancher meiner Leser ausrufen, wenn er die LektĂŒre dieses Blogeintrags beginnt. Nun, zumindest werde ich nicht alle gleich auf einmal beantworten, sei zur Beruhigung jener Leser gesagt, die solcherlei Protestbekundungen nicht gĂ€nzlich zu Unrecht proklamieren
 Denn Recht haben sie – was fĂ€llt dem Blogger bloß dabei ein! …bzw. woher kommt diese Idee fĂŒr eine völlig breitgewalzte, monothematische Durststrecke ĂŒberhaupt? đŸ€”

Wie so viele Unerfreulichkeiten der spĂ€ten Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts aus der „Achtsamkeits“-Ecke
 😆 Ich muss aber zuvor noch weiter ausholen: Erstmals kamen mir die „1000 Fragen an mich“ bei der LektĂŒre der helvetischen Blogger-Kollegin „The One“ unter, die mittlerweile eine sehr geschĂ€tzte Kommentatorin meiner Irrsinnskolumne aus Absurdistan geworden ist. Kurze Zeit spĂ€ter stieg auch die ebenfalls geschĂ€tzte WordPress-Nachbarin „Erinnye“ auf diesen Zug mit auf – bei Ihr heißt das begonnene Mammutprojekt der grĂŒndlichen Selbstbespiegelung „ASK – 1000 Fragen an dich selbst“. Innerhalb der weitverzweigten deutschsprachigen WordPress-Community geistert eine PDF-Datei herum, der man diese eintausend(!) vorformulierten Fragen entnehmen kann – dankenswerterweise zum Download zusammengestellt von einer dem Foto nach recht attraktiven Bloggerin namens „Beyhan“, die nach Selbstauskunft „Foodie, Coach & Managerin“ ist. Allerdings hat auch diese Lady jene Fragen nur auf einem weiteren Weblog gefunden. UrsprĂŒnglich stammen sie wohl aus einer Art Extraheft, welches einer Ausgabe des Magazins „flow“ beigelegt war. Bei der Flow handelt es sich offenbar um sowas, wie eine Art „bento“ fĂŒr nach der Menopause
 😉

Selbstbeschreibung: „FLOW – Das Magazin fĂŒr Frauen, die das Leben anders sehen wollen. Flow bietet kreative Ideen, spannende DenkanstĂ¶ĂŸe, positive Inspirationen und steht fĂŒr bewusstes Leben mit Aufmerksamkeit fĂŒr den Moment.“ Da höre ich gleichsam die Chakren rasseln. Pastellfarben illustrierte Wellness-Seiten, die schier vor „Achtsamkeit“ triefen
 Was will also der Hypermentale damit? Nun, wenn irgendwo die holde Weiblichkeit zur achtsamen Besinnlichkeit versammelt Platz genommen, und es sich zwischen vergilbter Feminismus-Literatur, Ringelblumensalbe, Menstruationstassen und in der Toskana handgepflĂŒckten Lavendel-TrockenstrĂ€ußen behaglich bequem gemacht hat – dann ist‘s einfach Zeit, dass ein „angry white old man“ wie ich dazwischenfĂ€hrt; wie ein Habicht in die HĂŒhnerschar! 😁 Der Troll in der PlĂŒschdeckenabteilung


Nun, ich eigene mir grundsĂ€tzlich allerlei „FundstĂŒcke“ an, picke mir hier und da was raus (ob’s sich dabei um Rosinen handelt, sei der Interpretation ĂŒberlassen). Warum soll ein hypermentaler „Elefant im Porzellanladen“ einen 1000-Fragen-Katalog nicht aus der New-Age-Selbstfindungs-Ecke von Wallekleid-TrĂ€gerinnen befreien und in der ihm eigenen zynisch-misanthropischen Art mit einer poltrigen Prise rabenschwarzem Selbstkritik-Humor ausfĂŒllen? Ach, genau das hĂ€ttet Ihr sogar recht gerne? Nun – könnta haben!

Los geht’s, auf zur fröhlichen Nabelschau – es folgen die ersten Fragen, die ich aus der PDF-Datei extrahiert habe, und deren hypermentale Beantwortung:

0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ1ïžâƒŁÂ â€žWann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?“

▶ Gerade heute – ich bin zum ersten Mal irgendwohin gefahren, wo ich etwas nach Erhalt bezahlen musste, ohne jedoch zuvor mein Portemonnaie mitzunehmen. Im speziellen Fall war das eine Dienstleistung: Ich war nach 5-monatiger Pause beim Friseur, um der progredienten „Verschratung“ entgegenzuwirken (in meinem Blogeintrag „Dreieinhalb Jahrzehnte Haarschnitt beim immer gleichen Meister“ schrieb ich ausfĂŒhrlich ĂŒber jenen Coiffeur). Bargeld und Geldkarten blieben daheim auf meinem Schreibtisch in jener vielfach mit verschiedenfarbigem Gewebeband geflickten „Porsche Design“-Geldbörse aus schwarzem Leder zurĂŒck, die ich seit mindestens einem Vierteljahrhundert mit mir tagtĂ€glich herumzuschleppen pflege. Bisher habe ich es nicht ĂŒbers Herz gebracht, dieses alte SchĂ€tzchen zu ersetzen, da es ĂŒber eine fĂŒr meine Zwecke nahezu perfekte Gliederung verfĂŒgt. Genau die richtige Anzahl von KartenfĂ€chern und dabei die material- und verarbeitungstechnisch minimalst möglichen Abmessungen


Meinen SchlĂŒsselbund einzustecken hatte ich bereits zu Studienzeiten erstmals vergessen – aber bis heute noch nie (unbeabsichtigt) die Geldbörse! Seitdem ich abends öfters noch eine Runde durch die Gegend laufe, nehme ich das Portemonnaie nicht zwingend mit aus dem Haus, wenn ich dieses verlasse. Wahrscheinlich sitzt deshalb der Reflex, es automatisch einzustecken, nicht mehr so fest. Ich fuhr schnell heim, um die Monetenmappe zu holen, nachdem ich beim Haarschneider mit leeren HĂ€nden an der Kassentheke stand. Wie peinlich!

0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ2ïžâƒŁÂ â€žMit wem verstehst du dich am besten?“

▶ Als bekennender Misanthrop ist die Zahl jener Individuen, mit denen ich mich gut verstehe, naturgemĂ€ĂŸ ziemlich begrenzt. Auch wenn das nicht alle Betroffenen gleich bemerken – ich bin schließlich auch außerordentlich diplomatisch. 😉

Als Kind verstand ich mich von beiden Elternteilen mit meiner Mutter besser, als mit meinem Vater – aber nochmals besser mit der Großmutter mĂŒtterlicherseits, einer sehr modern denkenden alten Ostpreußin, die gleichermaßen alltagsklug, temperamentvoll und nicht auf den Mund gefallen war. SpĂ€ter pflegte ich die innigste Freundschaft mit meinem Kumpel Rudi, den ich mit Anfang Zwanzig kennen lernte – er war damals noch nicht so hochgradig am Spinnen, wie seit den letzten zehn Jahren, wo ihm die UFOs durchs Hirn rauschen. Heutzutage verstehe ich mich mit meiner Hausgenossin Philomena am besten – auch wenn wir öfters mal streiten, uns gegenseitig vollnörgeln, oder sonst wie auf den Keks gehen.

0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ3ïžâƒŁÂ â€žWorauf verwendest du viel Zeit?“

▶ Aufs Kacken! đŸ’©Â Echt jetzt: Ich hocke jeden Tag stundenlang auf Gullivers großer weißen Mokkatasse und zĂŒchte mir Schwielen am Hintern. Das mache ich natĂŒrlich nicht, weil das ein Fetisch von mir ist, sondern als Resultat meines defekten GedĂ€rms: Fettstoffwechselstörung, Reizdarm, diverse NahrungsmittelunvertrĂ€glichkeiten (ich bin zu faul, diese genauer heraus zu testen – Gluten und Lactose sind’s Ă€rztlichen Untersuchungen im Krankenhaus nach jedenfalls schon mal nicht), falsche Darmflora, angeschlagenes Vegetatives Nervensystem, Fettleber, generelle erbliche Vorbelastung, usw., usf., etc..

Außerdem lese ich jeden Tag mehrere Stunden lang und bilde mich im Selbststudium auf allen Gebieten fort, die mich brennend interessieren – das sind empörend viele: Inzwischen stecke ich den Großteil meiner Mitmenschen in puncto Allgemeinbildung und Belesenheit in die Tasche. WĂ€hne mich jedenfalls im obersten Perzentil der Bevölkerung
 🧐

GlĂŒcklicherweise kann man Kacken und Wissenserwerb raumzeitlich verquicken. Manchmal – aber das bleibt jetzt absolut unter uns(!) – reicht mir Philomena sogar Kaffee oder ofenfrische Pizza durch den TĂŒrspalt aufs Örtchen


0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ4ïžâƒŁÂ â€žĂœber welche Witze kannst du richtig laut lachen?“

▶ Die meisten Witze sind zu dĂ€mlich oder harmlos, als dass man darĂŒber lachen könnte. Falls ich aber mal besonders gut drauf bin (oder besonders schlecht – dann funktioniert es komischerweise auch), muss ich ĂŒber abgrundtief zynische, menschenverachtend schwarzhumorige Witze zumindest signifikant schmunzeln. Wenn die Pointe irgendwo zwischen Sexismus und Volksverhetzung zĂŒndet und dabei dennoch nicht platt, sondern etwas um die Ecke gedacht funktioniert, dann höre ich mir eventuell noch einen zweiten Joke jenes ErzĂ€hlers an. Absolut trockene SprĂŒche, die unerwartet aus dem Nichts herausgehauen in Echtzeit das umgebende Geschehen kommentieren, sind auch dazu geeignet, mich zu erheitern. FrĂŒher pflegte ich mit meinem Bruder diese Art von Humor. Heute noch sporadisch mit Rudi, wenn er mal nicht gerade auf den Plejaden weilt.

0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ0ïžâƒŁ5ïžâƒŁÂ â€žMacht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst?“

▶ Oh Mann! Man merkt, dass dieser Fragenkatalog fĂŒr Trullen konstruiert wurde (oder fĂŒr wollmĂŒtzentragende Millennial-Bubis)
 Ich halte mich fĂŒr affektbeherrscht genug, nicht unkontrolliert vor anderen loszuheulen. Auch heimlich und unbeobachtet fĂŒr mich allein, heulte ich nur ganz selten einmal – am ehesten noch, wenn ich einmal wochenlange Phasen völligen sozialen RĂŒckzugs praktizierte, um mich von SchicksalsschlĂ€gen (wie etwa der Entlobung mit Giulia) zu erholen.

Alle paar Monate spĂŒre ich in den letzten Jahren ĂŒberhaupt noch, wie sich eine einzelne TrĂ€ne im Augenwinkel bildet: Wenn dieses geschieht, dann am ehesten aus RĂŒhrung. Nicht aus Angst, Wut, Freude, Verzweiflung, pathetischer Ergriffenheit – bin inzwischen eher so der „Nullliniensurfer“, der emotional erstarrte Typ. Vielleicht lebe ich seit einigen Jahren aber einfach ein so beschauliches Leben, dass es keine stark genug auf mich einwirkenden, emotionalen Auslösereize mehr gibt.

So – „Schicht im Schacht“: FĂŒnf Fragen und Antworten mĂŒssen zum Auftakt dieser Serie erst einmal ausrechen! Ich will mir schließlich nicht die halbe Nacht damit um die Ohren schlagen
 Halbwegs positives Feedback auf dieses „Experiment“ vorausgesetzt, werde ich in loser Folge die restlichen 995 nachlegen…

Hypermentale GrĂŒĂŸe an die geduldigen Leser!

14 Gedanken zu “„1000 Fragen an mich selbst“ (1 – 5)

  1. Huch – erstaunt bemerke ich, dass du diese Fragen in Angriff nimmst – und freue mich, da wir uns noch nicht so lange „kennen“.

    Und schon muss ich wieder lachen, denn auch ich habe vor einigen Monaten die Flow entdeckt und obwohl ich bisher nur 2 Exemplare gesichtet habe, diese als erfrischend angenehme Zeitschrift befunden – wie konnte ich mir nur hier einfinden, so als Wallekleid-tragende, Halb-Esoterikerin???

    Beim Stammfriseur ohne Geld aufzutauchen, wĂ€re mir ĂŒberhaupt nicht peinlich.
    Beim Lesen kam ich ebenfalls sofort zum Schluss, dass man wĂ€hrend der Keramik-Sitzungen VIEL Lesen kann. Und ich wĂŒrde mir umgehend irgendeine gepolsterte Klobrille, falls es das gibt, zulegen.
    Bei uns ist die KlotĂŒre fast immer offen und wir quatschen auch oft, wenn einer von uns auf dem Klo sitzt, also ist dein Kaffee durch den TĂŒrspalt reichen hier kein Schocker.

    Last but not least möchte ich mich fĂŒr das GeschĂ€tzt bedanken, deine Art zu denken, regt mein Hirn an und das mag ich, mehrheitlich bin ich mit dir einig und einen angry old man muss man doch einfach mögen *kicher* – und jetzt muss ich schnell ins Bett, da ich morgen einigermassen zeitig (um 12) aufstehen muss, um meinen CD-sĂŒchtigen Kumpel aufzusuchen und zu sehen, was er mir verkaufen möchte 😛

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    • Zur „flow“: …ich muss doch alles madig machen! 😉 TatsĂ€chlich habe ich sogar schon mal in einer Ausgabe gelesen (sie lag passender Weise auf einer GĂ€stetoilette aus). Im gleichen Haushalt fand sich auch eine gepolsterte Klobrille. Im hiesigen Baumarkt erhĂ€lt man sowas leider nicht… Ich habe hier auf den SchĂ€chten Holzbrillen.
      Mein Traum wĂ€re so eine mit lauter Elektronik, Sensorik und Hygiene-Gimmicks regelrecht ĂŒberfrachtete, japanische Super-Toilette… â˜ș LG!

      GefÀllt mir

  2. Flow wollte ich mir schon öfter besorgen, nur bin ich wohl immer zu spĂ€t und bekomme sie nicht mehr. Bin gespannt. – – – In diesem unserem Haushalt wird das GeschĂ€ft auf einer angeblich antibakteriellen Bambusklobrille erledigt. Das liest sich sehr ökologisch bedacht, in Wahrheit habe ich keine Ahnung, wie ich daran gekommen bin. – – – – GlĂŒckwunsch, fĂŒnf Fragen sind geschafft.

    GefÀllt 1 Person

  3. Ich habe noch nie verstanden, warum man sich lĂ€nger als unbedingt nötig auf dem Lokus aufhalten möchte. Der Arsch wird kalt, die Beine sterben ab und man ist eingenebelt vom eigenen Mief 😝. Es gibt doch weitaus bequemere Orte, um sich Bildung anzutun, finde ich 😉.
    Unser Bloggerkollege „Ed“ war ĂŒbrigens der erste, der die 1.000 Fragen beantwortet hat 😉

    GefÀllt 1 Person

  4. „Kreative Ideen, spannende DenkanstĂ¶ĂŸe, positive Inspirationen“ – daraus ergibt sich oftmals, dass ich etwas zum ersten Mal mache. Wann das das letzte Mal bei mir war, kann ich nicht genau sagen. Aber im letzten Jahr war das zum Beispiel unser Kurzfilm oder auch das Scratchen. Beides kam plötzlich, spontan, unverhofft. Dadurch entstanden dann kreative Ideen, spannende DenkanstĂ¶ĂŸe und positive Inspirationen. (Nun wiederhole ich mich ganz unkreativ)

    GefÀllt 1 Person

  5. „Der Troll in der PlĂŒschdeckenabteilung“

    Danke, jetzt lĂ€uft das Kopfkino 😂

    Hyoer, wie er waldschratig im Kaufhaus zwischen Decken liegt und wartet, bis er menobepauste Flow-Leserinnen erschreckt

    GefÀllt 2 Personen

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