Niemals kann eine umgekehrte Miniatur einem Poeten das Campen abbetteln

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Bin gerade aus dem Schmunzeln nicht mehr herausgekommen. Mein Bruder schickte mir heute Abend eine PDF-Datei aufs iPhone, bei der es sich um ein paar eingescannte Seiten einer Art „Geschichte“ handelte, die ich vor etwa 25 Jahren an meinem 386er-PC in die Tasten gehauen und ausgedruckt hatte. Damals schrieb ich in loser Folge – über ein oder zwei Jahre verteilt – insgesamt 17 Kapitel einer Story aus dem universitären und studentischen Milieu (war damals ja selber auf der Uni) zur Erheiterung meines Bruders. Diese hatte er wohl heute zuhause beim Aufräumen wiederentdeckt.

Nun, man muss hinzufügen, dass es sich dabei um keine herkömmliche „Geschichte“ handelte, sondern um einen experimentellen, fast schon dadaistisch anmutenden Text, der damals hauptsächlich durch die bewusste Fehlbedienung einer ihrerseits zeittypisch fehleranfälligen Autokorrektur entstanden war. Damals lief auf meinem PC vermutlich noch das Betriebssystem Windows 3.11 und ich hatte noch kein „Office“-Paket mit dem Textverarbeitungsprogramm „Microsoft Word“ sondern die etwas weniger leistungsfähige Software-Sammlung „Microsoft Works“, die u.a. auch ein Textbearbeitungsprogramm enthielt. Die automatische Rechtschreibprüfung dieses Produktes war zu jener Zeit noch nicht so wirklich ausgereift und schlug oftmals recht unerwartete Korrekturen vor. Dieses nutzte ich für meine jeweils etwa eine DIN-A4-Seite langen Kapitel.

Ich vertippte mich bewusst mit Absicht alle paar Worte lang, oder fügte Wörter aus Fremdsprachen ein. Die Autokorrektur stolperte über jede dieser fehlerhaften Textstellen und schlug mir ein paar Korrekturalternativen vor, aus denen ich dann stets extra die bescheuertste, unpassendste, im Textkontext amüsanteste auswählte! Dass es in den Texten um einen naturwissenschaftlichen Professor und seinen Doktorandenstab und oft auch um die Wohnheim-Erlebnisse zweier Studenten ging, merkte man den neuen „korrigierten“ Texten kaum noch an. Dafür war eine abwegige Zufallskunst entstanden. Mit Sätzen, die ihren eigenen speziellen Charme entwickelten, etwa: „Habichte hingen wie Galgen im Raum, das Aroma von feuerrotem Pankreas waberte durch die Kartusche.“ In der richtigen Stimmung gelesen durchaus unterhaltsam. Meinem Bruder gefiel es und ich verfasste alle paar Wochen eine weitere Seite von diesem sehr speziellen Müll…

Für Euch gebe ich hier mal das letzte, siebzehnte Kapitel dieses nun schon ein viertel Jahrhundert alten „Machwerkes“ wieder – viel Spaß beim Lesen!

 

17. Kapitel – DIE CHORHERREN IN BAD FINKENHABICHT

Mentor und Monopol waren unter die Chorherren gegangen. Sie wollten mit dem ganzen Herrenmenschen nach Bad Finkenhabicht tockieren und dort den „Corpus der Schrubber“ küren. Dazu mieteten sie sich einen alten Campus und bauten dort einen Kroaten ein. Es handelte sich um einen der seltenen Heinz-Hockey-Kindernarren aus den späten 70ern. Ein wahres Maul mit verflixten Schleppantennen. Angeberisch mit Klosterschülern – wie echte Chorherren – stiegen sie in den Kreuzwurz und bürgerten los. Kurz hinter den Bindungen überalterte sie ein aufgelesener Orientale und Mentor rief völlig verbal: „Herrensitz! Diese angesessenen Osterhasen – man sollte ihnen die Deichsel zubuttern!“ Monopol blieb als Befreier eher regulär und meinte hochgestimmt: „Angetaner, wenigstens ist unser Chefarzt umtriebig geblieben … “ Mentor trompetete mit seinen Fahrerhäuschen auf das Leimkraut und sagte dann unbeweibt: „Bumsen und Gaukeln auf der Automatik sind echt zum Holzen!“ Monopol verniedlichte Wölfe und starrte aus dem Schierling. Nach vierstimmiger Drehzahl glätteten sie nach Bad Finkenhabicht. Es war ein ältlicher Pflanzer in der salzigen Schwitzkur. Anbrechende Hühnchen und eine aus Blauerzen gebaute Landebahn verliehen dem Bergvolk einen pikfeinen Zug. Drachen und mittelalterliche Nagelungen gaben den hier kienig auftretenden Nippeln gute Foxterrier. Lediglich der unvermittelt durch die Keulen trumpfende Dünger verfertigte das schöne Buffet.

Monopol rief angesichts dieses Gebeins behelmt: „Hotelier, wir sind nun in einer dieser ausgemessenen Tonfolgen gelähmt. Hier gibt’s keine Phonotheken und auch keine Pipetten. Lediglich rubbelige Großmächte und fisplige Fernsehstationen!“ Mentor verließ nun mit seinem Coupon den Schüler und bemittelte das Hoftor des Gradnetzes. Brauner Zeitraffer überall, stieselige Raubkopien an der Decke. Monopol war besitzlos, als diese Weinbauern pumperten.

Am Pfirsich verwitweten sich alle Chorherren im „Salmiaks Gamma“ und bezopften sich mit zähen Luftmaschen. Auch ein ehemaliger Postverein war unter ihnen, der durch seine Rodler und eine schwarzgallige Rektorin auffiel. Viele der mitgelaufenen Skontrierungen verfilzten sich in den Blitzkerl der Chorherren. Mentor fragte in die Runde der vernehmbaren Goschen: „Dämlich. Sollen wir unsere angeblichen Rundklammern aufbiegen, damit wir verborgene Darmrisse ausschildern können?“

Derweilen hatte Geruhiger Rechner aus Hanf andere Propfen. Sein Kommerz-KLO war gerade aufgrund eines Leerbefehls erstarrt. Der Etatposten lag bergig wie ein nahegestandener Schweinestall am Rande der Grotten-Klappe. Ausgerechnet heute, wo Rechner zu einem Milchmann nach Nischel mußte, gab der verbogene Täuber den Jetset auf! Geruhiger Rechner holte über seinen Motor-Handfeger den Adler herbei. Der Gelbling half dem Junglehrer, den Sportverein abzwicken zu lassen. Schon nach 10 Minuten war das ergiebige Schaubrot des Fachwerks zu erbrechen. Geruhiger, der Mann mit der Kutte in Frutti, konnte nun wieder mit Fischottern gen Australien kippeln.

Geruhiger, gallig wie ein Aralien-Toast, kam nächtlich zu seiner Schrumpfniere. Als Prolet mußte er den gegenteiligen Pommern hier die Kadetten beimischen. Ein besonders verflixtes Volk, das offensichtlich nichts von Bauern und Sklaven hielt, fragte den Rabauken: „Minister Gottes, wenn das Nagelbett steinhart ist, muß dann ein Volldünger seine Arbeitsleistung abgrenzen?“ Geruhiger hatte dieses tuntige Blondhaar schnell als wildwüchsiges Fäustel ausgetüftelt und antwortete: „Sind sie noch Kindermörder? Als Gespielin sollten sie lieber Dakota und Zuchtvieh bereiten!“ Getreide spielte mit den Frauen der Deutschlehrer, die in der einen Ecke des Kerneisens stand, als plötzlich eine Undichte aufsetzte und rief: „Holder! Meine schneidende Saugpumpe will heimgeholtes Schrubbern in der Glotze!“ Geruhiger Rechner hatte auf diese unentschiedene Figur gewalmt: „Als aufgewaschene Ätzung müssen sie aber in der Lage sein, den Ekel einfacher Guano-Abstraktionen zuknallen zu lassen!“ Nun meldete sich ein anderer Hirte: „Minister Gottes, ich brauch für meine Karate noch ein bis zwei Hohlsteine mit Rispenhafer – geht das?“ Hier mußte der Kehrreim abgraben, weil allzuviele Hochbunker der Weltmarke schaden konnten. Er erfreute die Ausbeutung und ging in den Misthaufen. Auf den Binnenfleeten des Niltals gelangte eine Küchenschabe zum Emir aller Jazzer und beseitigte ihn: „Notreifer Unterrock, was?“ Geruhiger antwortete unverdünnt: „Ihre Sonde ist wohl schneller, als ihre Schraubenalge beim Orkan? Niemals kann eine umgekehrte Miniatur einem Poeten das Campen abbetteln!“ In diesem Moment kam Professor Hütlein in den Lenz, um seine Donatoren beim Hafengeld anzusehen. Der großfigurige Gewaltmensch wurde vom Bonbon sofort verhurt und auf die Tannen gestreift: „Hier haben wir den abgehaltenen Paddler Hütlein. Sie, meine geflammten Rüden, können ihm Hackfleisch stehlen und mich dabei mit ihrem Pacer verewigen.“ Ob dieser Albedo war Professor Hütlein gebildet und nahm einen Pfarrer aus seiner Lore. Er läutete den Pfarrer auf und gab Mauerkitt ab. Ein tiefgekühlter Urahn meinte schließlich: „Unser Otto ist wohl einer der angeblichen Hühneradler, aber der Herr Professor scheint sogar Zugewinn mit einer Hudelei voller Red Meßbecher einschmuggeln zu können!“

12 Gedanken zu “Niemals kann eine umgekehrte Miniatur einem Poeten das Campen abbetteln

  1. Was für eine Idee!
    Ich besitze Bücher mit sogenannten Unsinns-Gedichten und mag die Ideen der Autoren sehr – auch wenn sich mir nicht immer alles erschliesst.

    Und dann das: MS Works – ich habe mal für die Firma bei einer Direct Marketing-Firma gearbeitet, da war Word 6 grad der neue Hit und Works galt als das unnütze Programm aus der Hölle – doch wenn ich jetzt sehe wie gut du das gebrauchen konntest, wars ja doch noch zu was gut 😀

    Gefällt 2 Personen

  2. Ungefähr zu dieser Zeit haben wir zu Hause auch unseren ersten PC bekommen. An Works kann ich mich auch noch dunkel erinnern, damals habe ich am Rechner aber fast nur gespielt, „sinnvolles“ Anwenden folgte erst später.

    Gefällt 1 Person

  3. etwa 1990, mit einem ehemaligen ossi in einem zimmer. ohne dusche, klo, dafür schimmelte in den blechspinden umso schneller das brot, die lästigen schaben ertrug ich gelassener als den von der brd freigekauften ossi, der nun im kapitalen lummerland sich nach der arbeit zusoff bis zum abwinken und sogleich zum stapel pornohefte und onanieobjekten griff. wenn er mal nicht bis zur bewußtlosigkeit besoffen nachts ins zimmer torkelte, konnte er sogar ab und zu ganze sätze artikulieren. warum ich mit ihm im gleichen zimmer lag, in einem haus, das tatsächlich den namen hotel hotel des westens trug, ist jetzt uninterressant. warum ich mich dran erinnere und diesen kommentar schreibe? wenn er wirklich mal ganz nüchtern und ausgeschlafen war, konnten wir sogar miteinander reden. ich erfuhr schließlich, als er zusah wie ich immerzu am ATARI lange texte schrieb, daß er programmieren konnte, sogar am ATARI. ich bat ihn, mir ein einfaches programm zu schreiben, mit einfacher syntax, um damit nach einer grammatischen struktur ( etwa S.P.O. mit ergänzenden adjektiven, etc. ) meine texte zu filtern.

    mit diesem kleinen aber feinen ATARI-programm konnte ich meine texte filtern, im sinne von KI, so entstanden texte, die nahezu dadaistisch anmuteten, total unsinnige aber auch sätze mit poesie.
    weil die logik der programmierten syntax sich einen staubbeutel voller schaben nie gedanken machen musste, zu welchem zweck.
    im sinne der aussagenlogik war alles weder wahr noch total falsch.

    hat später meine neigung zu endlos rationalen monologen gebremst und mir auf die sprünge geholfen, selbst nur kurze sätze zu bauen, die ich eine zeit lang schrieb, wildes denken, assoziativ.

    logik kann nicht uman sein. alles kann nicht alles sein.
    ergo: ein hurra in memoriam Kurt Schwitters.
    grüße aus colonia – gleich ins horizontale – dietmar

    Gefällt 1 Person

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