4 Methoden eine Zigarre anzuschneiden

#0162[1072]

0002 Logo

Spätestens seit meinem Blogeintrag zum letzten „Weltnichtrauchertag“ dürfte den meisten meiner Leser mein Hauptlaster bekannt sein .😉 Einige Stammleser aus den über anderthalb Jahrzehnten, während derer ich vor meiner WordPress-Existenz auf der mittlerweile offline gegangenen Plattform „myTagebuch“ geschrieben habe, werden sich erinnern, dass das Zigarrenrauchen sich damals thematisch wie beständige Rauchschwaden durch meine Beiträge zog…

0184 cutter 1Nun, vor einigen Tagen habe ich mir seit längerem wieder einmal ein fabelhaftes Zigarren-Accessoire gegönnt: Den nebenstehend abgebildeten V-Schnitt-Zigarrenabschneider „Xikar VX2. Mit ihm lässt sich eine schöne Longfiller-Zigarre wie zu Großvaters Zeiten mit einem klassischen Kerbschnitt anschneiden. Der Marktanteil solcher V-Cutter ist heutzutage sehr gering – auch weil die meisten V-Schnittgeräte nur Zigarren mit einem eher kleinen Ringmaß meistern. Der Durchmesser von Zigarren wird in 1/64 Zoll angegeben, beispielsweise hat eine Zigarre im „Robusto“-Format ein „Ringmaß“ von exakt 50, d.h. der Durchmesser beträgt 50/64 Zoll (=19,84 mm). Mein neuer V-Cutter aus amerikanischer Produktion ist in Gegensatz zu den meisten V-Cuttern so konstruiert, dass er auch ziemlich dicke Prügel mit großen Ringmaßen packt, wie ich sie recht gern zu rauchen pflege.

Sogenannte Shortfiller“-Zigarren und Zigarillos bestehen im Inneren aus geschnittenem oder gerissenen Tabakblätter, sind in der Regel eher günstig – weil sie überwiegend maschinell gefertigt werden können – und werden in der Regel trocken gelagert. Ich bevorzuge hingegen Longfiller, bei denen das Innenleben aus ganzen Tabakblättern besteht. Um solche Zigarren zu fertigen, braucht es das besondere Geschick eines erfahrenen Zigarrenrollers – Longfiller sind also stets handgefertigt und daher etwas teurer. Auch, weil sie meistens aus hochwertigeren Tabaken bestehen. Außerdem müssen sie feucht in einem „Humidor“ gelagert werden, einem speziellen Behältnis, in dem sie bei idealerweise 18 bis 20 °C und circa 68 bis 75 % Luftfeuchtigkeit jahrelang aufbewahrt werden können und dabei durch Nachreifung („Aging“) oftmals auch an Geschmackstiefe gewinnen.

0185 cutter 2Während Shortfiller fast immer an beiden Enden bereits ab Werk angeschnitten sind, muss man eine Longfiller-Zigarre vor dem Rauchen am mundseitigen Kopfende öffnen, damit man den Rauch aus dem Inneren ziehen kann. Für diesen Anschnitt gibt es allerlei verschiedenartige Werkzeuge. Mit meinem neuen Kerbschnitt-Cutter besitze ich inzwischen Gerätschaften für vier verschiedene Öffnungsmethoden. Als ich als junger Student mit dem Zigarrenrauchen anfing, öffnete ich meine ersten Handgerollten zunächst – eine nahe liegende Idee – mit einer großen Schere. Doch sehr schnell merkte ich, dass dieses mit einer normalen Haushalts- oder Papierschere nicht allzu gut vonstatten geht. Nahe liegend wäre nun die Anschaffung einer speziellen „Zigarrenschere“ gewesen, bei der es sich um eine besonders scharfe und präzise Art von Schere handelt. Aber ich schaffte mir gleich einen sogenannten „Doppelklingencutter“ an – das wohl beliebteste und bekannteste Modell unter den Zigarrenschneidern. Prinzipiell gibt es auch Modelle mit nur einer Klinge, die auf ein festes Auflager trifft, die „Zigarren-Guillotine“.

Ein paar Jahre später legte ich mir dann zusätzlich noch einen Zigarrenbohrer zu, auch „Roundcutter“ genannt, ein Schneidwerkzeug, mit dem lediglich ein kleines Loch in das Ende der Zigarre gebohrt wird. Insbesondere für dicke Zigarren geeignet, da diese sich beim Rauchen meistens leichter ziehen lassen, als eng gewickelte schmale, und man daher keine große Öffnung braucht. Vorteil ist außerdem, dass der Bohrer stets ohne Krümel zu produzieren ein perfektes Loch schafft, und dass er konstruktionsbedingt ziemlich klein ausfällt – so trug ich meinen Zigarrenbohrer jahrelang als Anhänger am Schlüsselbund (bis ich lieber den Sender des neuen elektrischen Garagentors von Haus „Zweieichen“ als Schlüsselanhänger stets dabei haben wollte – beide Gerätschaften wären mir zu auftragend in der Hosentasche geworden). Vor ein paar Jahren besorgte ich mir dann noch einen recht ungewöhnlichen Cutter, nach den traditionellen japanischen Wurfkampfmessern oder Wurfsternen „Shuriken“ genannt. Dieser Zigarrenabschneider schneidet eigentlich nicht wirklich ab. Das Gerät ist zweiteilig und wird auseinandergeschraubt. Im Deckel sind dann sechs rasierklingenscharfe, äußerst dünne Messer die, wenn die Zigarre mit dem Kopf in diesen Deckel gesteckt wird, hauchfeine, fast unsichtbare Schlitze in den Kopf schneiden. Diese Methode hat mich aber nicht vollends überzeugt, man muss die Zigarre mindestens zweimal in den Deckel schieben – sonst zieht nicht genügend Rauch durch die feinen Risse. Funktioniert generell auch eher bei nicht allzu fest gewickelten Knüppeln.

0186 cutter 3

Auf dem obigen Bild habe ich die vier verschiedenen Zigarrenschneider zu Anschauungszwecken versammelt:

  1. Mein erster Anschneider, der Doppelklingencutter. Außer diesem handwerklich schön gemachten Modell besitze ich noch ein paar Billigvarianten davon, wie man sie oft in Zigarrenfachgeschäften geschenkt bekommt,
  2. Der Bohrer, auch Roundcutter genannt, den ich bis vor kurzem jahrelang immer als Schlüsselanhänger mit dabei hatte,
  3. Mein neuestes Zigarren-Accessoire, der Kerbschnitt- oder V-Cutter, den ich mir vor ein paar Tagen zugelegt habe,
  4. Der „Shuriken“. Funktioniert am wenigsten gut – auch wenn es einige Aficionados geben soll, die angeblich auf dieses Gerät schwören. Meins ist es nicht.

0187 cutter 4

Am besten gefällt mir momentan meine Neuanschaffung. Der Oldschool-Kerbschnitt scheint mir gute Eigenschaften vom geraden Anschnitt (mit Doppelklingencutter, Guillotine oder Zigarrenschere) und vom mit dem Roundcutter gebohrten Loch zu vereinen. Kaum Tabakkrümel im Mund, aber mehr Rauch-Output, als bei nur einem kleinen Löchlein. Ich finde das Resultat richtig klasse, als Formalästhet auch optisch ansprechend…

Obwohl natürlich dieses ganze affektiert zelebrierte Anschneide-Brimborium zu einem nicht unerheblichen Anteil auch reine „Show“ ist: Gerade mit teuren, aus hochwertigen Materialien formschön gefertigten Instrumenten etwas für Poser in schnöseliger Gesellschaft. „Colonel John Hannibal Smith“ vom „A-Team“ zeigte in der 80er-Jahre-Action-Fernsehserie, wie’s auch geht: Nach jeder erfolgreich abgeschlossenen Mission biss er, bevor er sich seine Sieges-Zigarre anzündete, einfach deren Kopfende ab und spukte es im hohen Bogen in die Gegend… 😉

Wenn ich mir abends auf Spaziergängen eine gute Longfiller-Zigarre mitnehme, öffne ich diese auch fast nie mit einem Cutter, sondern knibbele das Deck- und das darunterliegende Umblatt einfach mit zwei Fingernägeln ab. Funktioniert auch! Aber mit den Gerätschaften schaut’s einfach schöner aus. Beim V-Schnitt gefällt mir auch die Art und Weise, wie der Rauch horizontal orientiert aus der Öffnung in den Mund brandet – vielleicht ist das aber auch Einbildung.

9 Gedanken zu “4 Methoden eine Zigarre anzuschneiden

  1. Ich habe keine grosse Ahnung von Zigarren und mag den Geruch nicht- obwohl ich selber normale Zigaretten rauche. Kann ich wählen, bevorzuge ich Pfeifenrauchgeruch 🙂

    Unser Ex-Controller-Chef hat sogar einen Humidor im Kofferraum, ich bin einmal fast auf den Rücken gefallen, weil ich für blöd sagte: Du hast bestimmt einen Humidor dabei und tada – da war er *grins*

    Ich kannte bisher nur den V-Schnitt. Dafür kann ich mit einer Mutter eines Schwagers meiner Mutter aufwarten, die, als ich noch ein Kind war, Zigarren in Heimarbeit gerollt hat – für Villiger, falls die in D auch bekannt sind. Sowohl im Aargau als auch im Luzernischen wurde früher viel Tabak angebaut und ich erinnere mich an die grossen, hohen Scheunen, in denen er zum Trocknen aufgehängt wurde.

    Gefällt 1 Person

  2. Als ich in Brüssel noch Mitglied des Lions Club war, hat mir auf einer Art Gartenparty mal einer eine kubanische Zigarre angeboten. Ob und wie die angeschnitten war, weiss ich nicht mehr. Die ersten Züge habe ich – damals noch Zigarettenraucher – voll auf Lunge geraucht. Bis mir bissle schwindlig wurde. Ne zeitlang hab ich dann eher mal Cohiba Zigarillos geraucht. Seit 8 Jahren jetzt Nichtraucher. Von einem Tag auf den anderen aufgehört, ohne Pflaster oder Nikotinbonbons oder so’n Zeugs und ohne Rückfall. Jetzt gibt’s halt mehr Süsskram. Und mehr Bauch. Gruss in die Nacht!

    Gefällt 3 Personen

    • Hahaha, das kann ich mir bestens vorstellen! 😂 Peer war ein starker Zigarettenraucher und hat bei Viktor zu Besuch (in der studentischen Souterrain-Bude) auch beherzt eine kubanische Longfiller-Zigarre (der Marke „Punch“ – der Name war in seinem Fall Programm) auf Lunge zu ziehen begonnen – nach wenigen Minuten musste er das Kellerküchenfenster aufreißen und in den Kies kotzen… 🤮
      Die Cohiba-Zigarillos habe ich phasenweise auch öfters geraucht, als ich damals nach Berlin ging. Und die Zigarillos von Montecristo. Heute kaum noch Zigarillos, eher alle zwei, drei Tage ein bis zwei Longfiller-Robustos.
      Meine Ex Guilia rauchte immer filterlose Moods-Zigarillos mit Vanillearoma nahezu Kette auf Lunge. Ich habe die ihr damals sogar bis zu unserer finalen Trennung ein paar Monate lang als „Care-Pakete“ in die Emirate geschickt, weil es die dort nicht gab. 😉

      Gefällt mir

  3. Also Herr Hyper, der Junge und ich, wir bevorzugen auch den V-Cut für unsere brasilianischen Fehlfarben aber neuerdings pafft der Junge ja immerzu dieses billige, dünne Zigarillo-Zeugs weil er die Mädchen beeindrucken wil. Vielleicht könnten Sie mal mit ihm reden und ihn wieder auf Spur bringen.

    Gefällt 1 Person

    • Werte Frau Orbi-Mum, stecken sie den Bub doch einfach während der nächsten großen Ferien in ein Umerziehungslager auf Kuba – auf dass er beim stundenlangen Zigarrenrollen seine Liebe zum V-Cut wiederentdecke! 🥂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.