Neujahr und Schweigen im Walde

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0174 StatistikSeit etwas über einem Jahr bin ich nun schon hier auf WordPress mit meinem Blog „Daily News from Absurdistan“ vertreten. Der erste Eintrag ging am 31. Dezember 2017 um sechs Uhr morgens online – vermutlich kurz vorm Schlafengehen. WordPress sollte eine neue Schreib-Heimat für mich werden, nachdem ich als Blogger zuvor bereits seit 2002 auf der inzwischen abgeschalteten Plattform „myTagebuch“ unterwegs war. Zweimal Silvester – dazwischen 152 Beiträge und 16.542 Aufrufe. Inzwischen abonnieren mich sogar 57 Follower.

Diesen möchte ich an dieser Stelle ein frohes neues Jahr 2019 wünschen!

Im Prinzip habe ich 2018 hier einen beachtlichen Roman geschrieben – hinsichtlich der Wörterzahl zumindest. Ob ich 2019 ebenso wortreich und häufig bloggen werde? Ich bezweifle es. Gleich zu Beginn meiner WP-Autorenschaft fragte sich einer jener Leser, die mich bereits in den Jahren auf myTagebuch begleiteten, ob ich wohl länger bei der Stange bliebe:

0175 ginger

Auf der alten Schreibplattform schrieb ich nämlich auch nicht fortwährend über all die Jahre hinweg gleichmäßig durch, sondern agglomerierte meine Verbalergüsse in etlichen hochaktiven Schaffensphasen, die immer wieder durch teils bis zu mehrere Jahre andauernde Pausen unterbrochen waren. Oftmals schrieb ich besonders viele Einträge in Jahren, in denen es mir eher weniger gut ging – denn dann hatte ich mehr Zeit dazu und weniger andere Verpflichtungen, Aufgaben und Ablenkungen. Oft waren das auch Zeiten des persönlichen Umbruchs. Während eines routinehaften Kontinuums gab es weniger zu berichten oder zu bemerken.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, alles bereits gesagt zu haben. Die Gefahr, mich zu wiederholen, bzw. durch Wiederholungen zu langweilen. Deshalb ebbte der Schreibfluss in den letzten Monaten allmählich ab. Ich möchte nicht schwafeln, sondern unterhalten. Dafür bedarf es aber eines beachtlichen zeitlichen Aufwandes. Zeit hätte ich durchaus – ich kann mir bekanntlich meine Stunden erheblich freier einteilen, als das den meisten Normalbürgern möglich ist, die irgendwelchen festen Arbeitszeiten folgen müssen und darüber hinaus noch haufenweise Verpflichtungen um die Ohren haben. Vielmehr ist die Frage, ob ich dem Bloggen weiterhin eine hohe Priorität einräume. Ich gehe nämlich lieber in den Wald, als online. Sieht man sogar am Stromverbrauch, der über die Jahre allmählich sinkt. Weniger Lampenlicht und Computer – mehr Tageslicht und Garten oder „the great outdoors“. Da ich ein fauler, akut verfettungsgefährdeter Sack bin, der inzwischen ein Lebensalter erreicht hat, in welchem ein ungesunder Lebensstil an der verbleibenden Restlaufzeit nagt, mache ich seit etwa zwei Monaten abends (seit ehedem meine bevorzugte Bloggingzeit) lieber ausgedehnte Spaziergänge, als viele Worte. Angesichts einer immer irrer werdenden Welt, stärkt der Wald die geistige Gesundheit und die Stille der Nacht heilt die vom Zeitgeist gerissenen Wunden. Nachts schlafen die Ratten in ihren Löchern – oder glotzen TV. Unbestreitbar ist diese weniger dicht bevölkerte Gegend zu später Stunde ein erholsamerer Ort, als die zuvor bewohnten Großstädte. Mein selbstgewähltes Exil erfüllt seinen Zweck besonders vorzüglich in der nächtlichen Einsamkeit. Bauern schlafen, Handwerker ruhen und Bürokräfte pennen auf ihren Kaltschaummatratzen. Draußen ruft ein Käuzchen… Die Nacht ist die Zeit der Käuze. Meine Zeit. Draußen vor der Tür. Mit der Zigarre im Garten oder mit Laufschuhen auf dem Feldweg.

0177 WaldTagsüber geht man lieber in den Wald, als durch die Wiesen. Man sieht dank der Bäume weniger weit und weniger Zivilisation. Menschenleere Wälder. Früher ging ich auch schon gerne in den Wald, oder das Moor nahe meiner damaligen Heimat. Zum Nachdenken. Zum Gewinnen innerer Ruhe. Trotz der Abgelegenheit war es dort vor zwanzig Jahren noch merklich voller, als heute. Man sah oft ein paar alte Leute mit Hund, manchmal auch junge Paare. Heute trifft man eigentlich nur noch alte Leute mit Hund – die jungen Paare gucken lieber zuhause Netflix. Auch die alten Leute mit Hund scheinen inzwischen seltener in den Wald zu gehen – vielleicht haben die jüngeren Alten mittlerweile auch Netflix entdeckt und die älteren Alten liegen bereits im Pflegebett, oder unter der Erde. Der Wald wird leerer. Weniger Menschen und weniger Hunde. Die Wölfe kommen wieder zurück.

0178 WaldEgal ob Kauz, oder Wolf – man kann den Wald auch im Kopf haben, ohne im Wald zu sein. Die Sinne schärfen sich im Wald. Der Wald ist ein Exil für Käuze und für Wölfe. Bäume sind aus Holz – Bretterbuden ebenso. Rückzugsorte sind wohl eher hölzern, als blechern oder gläsern. Schöne Grüße aus dem selbstgewählten Exil! 2019 wird hier weniger geschwafelt. Gleich gehe ich noch mal vor die Tür. Die Gelegenheit ist günstig. Nachts schlafen die Ratten. Über allen Wipfeln ist Ruh. Bin ich eher Wolf, oder Kauz? Vielleicht auch ein Fuchs? Oder doch nur ein Maulwurf, dem die weite Welt nachts weniger unheimlich ist, wenn sie genau so düster erscheint, wie das unterirdische Loch, in dem er sich tagsüber vergräbt. In seinem Exil, seinem trautem Heim.

13 Gedanken zu “Neujahr und Schweigen im Walde

  1. Mittlerweile habe ich mich an mit dem ereignislosen Leben auf dem Land arrangiert, an Berlin denke ich kaum noch, zumal mir meine alten Nachbarn erzählen, dass der Kiez in den letzten drei Jahren noch weitaus schlimmer geworden ist. Aggression, Abschaum, Drogen, krasse Gestalten, Gewalt etc. Ich fahre immer mit dem Motorrad in den Wald. Es gibt hier sehr schöne, ruhige Ecken, wo es nur haufenweise Hummeln und andere Insekten gibt. Und mit dem Netz habe ich auch ein Fenstern zur Welt. Ich möchte mit dieser Gesellschaft nichts mehr zu tun haben. Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem ich keine Menschen sehen muss. Euch ein gesundes, glückliches neues Jahr!

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  2. Wow, über 121.000 Wörter. Du bist sicher der Wortkönig 😄. Ich habe nicht mal 100.000 bei über 100 Beiträgen mehr. Man hat halt immer mal Phasen der Schreibwut und dann wieder des Schweigens im Walde. Geht mir nicht anders. Deinen ersten Beitrag in 2019 finde ich übrigens wieder sehr gelungen. Den Wald liebe ich auch schon seit jeher. Leider wohne ich hier nicht annähernd so günstig zum nächsten Wald. Ich nehme gern den Friedhof als Ersatzwald 😉 Schöne Grüße und auf ein gutes neues Jahr für dich/euch 🥂

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  3. War er das von 56 auf 55? Folgt er Dir jetzt auch nicht mehr, uns Orbi? Isser wo gar beleidigt? Das wird wieder, von selbst. Hatte keine Zeit, nachzufragen, dachte aber, seine Betriebsfeuerwehr war mal wieder auf Löscheinsatz im Blog.
    Ansonsten: Der Wald ist nach wie vor hierzulande der gesündeste Aufenthaltsort für Geist wie Seele. Manchmal duftet es bei mir im Garten auch nach Wald. Liebe Grüße!

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