Von dĂŒmmlich grinsenden Plastik-Koboldkindern, Rauschgoldschlampen und dem “big fat old red one“ đŸŽ…

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0023 Weihnachten

Die Adventszeit lĂ€uft bereits seit einigen Tagen und ich bekomme wieder kaum etwas davon mit. Als einzige Weihnachtsdeko haben Philomena und ich ein paar uralte Pappsterne an die Fenster gehĂ€ngt – die Nachbarn hingegen fahren schwere GeschĂŒtze auf: Es wird ordentlich beleuchtet – u.a. flirren nebenan seit kurzem ein paar Weihnachtsmanngesichter-Gobos ĂŒber die Hauswand
 Die Mittelschicht lĂ€sst sich nicht lumpen und bestrahlt fleißig die Umgebung. Ein richtiggehendes Weihnachts-WettrĂŒsten mitunter


Auch in Einkaufszentren, SupermĂ€rkte und KaufhĂ€user kann man langsam nicht mehr gehen – außer man möchte sich den Weg mit einem Klappspaten freidreschen. Kaufrausch allerseits.

Tja – womit wir beim Thema wĂ€ren: Zeit fĂŒr eine alte hypermentale Adventstradition, der ich schon in all den Blogging-Jahren auf der inzwischen geschlossenen Plattform myTagebuch frönte! Meine geschĂ€tzte Leserin und Abonnentin „KĂ€tzerin“, die mir nun auch hier auf WordPress folgt, bat mich dort zur Vorweihnachtszeit immer darum, einen alten, recht zynischen Satire-Essay erneut hochzuladen, den ich dort unter meinem Autorenpseudonym „Nebelwarner“ erstmalig am 8.12. 2003 veröffentlicht hatte


Alle Jahre wieder erfolgte die „weihnachtliche Einkotung im Einkaufszentrum“ – ich möchte der KĂ€tzerin deshalb nun auch hier am neuen Ort Ihren alljĂ€hrlichen Wunsch erfĂŒllen, zumal der Text auch nach 15 Jahren prinzipiell nichts von seiner damaligen Brisanz bzw. Relevanz verloren hat – es folgt also „feinster Scheiß von einst“:

Jetzt kommt Nebelwarner

🎄🎁⛄Von dĂŒmmlich grinsenden Plastik-Koboldkindern, Rauschgoldschlampen und dem “big fat old red one“ (WeihnachtseinkĂ€ufe in faschistoider AtmosphĂ€re) đŸŽ…đŸ›·đŸŠŒ

 

Heute Nachmittag ging ich in einem der beiden großen innerstĂ€dtischen Einkaufszentren, die es hier in der Stadt gibt, Besorgungen machen. Es handelt sich um eine steril-glitzernde zweistöckige Passage mit bald hundert LĂ€den, einem großen Real-Markt und zwei Parkdecks ĂŒber dem ganzen Kladderadatsch. Oben stellte ich den Wagen zwischen Dutzenden von Parkdeck-VerzierungsweihnachtsbĂ€umen ab und fuhr dann auf so einem endloslangen Menschenförderband in die christenfestliche (ja, Weihnachten hatte mal was mit Christentum zu tun – was genau, habe ich vergessen) Jauchegrube.
Rentiere, fette alte MĂ€nner in roten Kapuzen-BademĂ€nteln und debil lĂ€chelnde goldhaarige Engelskinderchen hingen aus Plastik gefertigt an Seilen von der großen Lichtkuppel in der Mitte des Einkaufszentrums herab. đŸŽ¶„Ihr Kinderlein kommet“đŸŽ¶ dudelte aus gut versteckten Lautsprechern – glaubte fast, es kĂ€me direkt aus meinem Kopf. UnertrĂ€gliche Kopfschmerzen.

Plötzlich versperrte mir ein leibhaftiger RotbemĂŒtzter den Weg – einer aus lebender Materie und nicht aus Plastik. „Hohoholen sie sich den neuesten Weihnachtssch…“, konnte er noch zwischen seinen Wurstlippen hervorstoßen, bevor ich ihm meinen Ellenbogen in den Magen rammte, um mir den Weg freizumachen. Er klappte zusammen wie ein Schweizer Offiziersmesser, mit dem er Ă€ußerlich auch die Farbe gemeinsam hatte.
Zum GlĂŒck hatte keiner der Security-Men etwas davon gesehen. Die schreiten ansonsten nĂ€mlich sehr schnell ein – bereits wenn einer mit Parka und verfilzten Haaren ĂŒber den polierten Granitfliesenboden schlurft, reicht das aus, die Sicherheitsleute einschreiten und ihn entfernen zu lassen. Ich trug zwar Parka, aber unverfilztes Haar. Mein GlĂŒck.
Nach einiger Zeit kam ich dann auch just am Desk vorbei, hinter dem die Security-Men immer herumstehen, wenn sie nicht patrouillieren. Die SicherheitsmÀnner haben nur zwei Betriebsmodi: Mit dicken Eiern in zu engen Uniformhosen und davor verschrÀnkten HÀnden herumstehen oder patrouillieren. Oft patrouillieren sie im Zweierpack.
đŸŽ¶“Jingle Bells, jingle Bells“đŸŽ¶ dröhnte es nun aus den Lautsprechern und vor mir erstreckten sich mit Kordeln von potentiell „damit spielen wollen“-wĂŒtigen Kindern geschĂŒtzt riesige Felder, auf denen mit pervers-dement glotzenden Kinderschaufensterpuppen Weihnachtsszenen aufgebaut waren. Ihre Plastikleiber mit den glubschen RotbĂ€ckchenvisagen steckten in glitternden, funkel-funzel-flickelnden Filzfetzen, die sie als ElfenkoboldperversmichelwichtelmĂ€nchen und -weibchen ausgaben, die dem Weihnachtmann beim Geschenke einpacken, auspacken, wegpacken, reinpacken und hinten in den Arsch packen halfen. Auch Christkinder, Rauschgoldengel (die aussahen wie Achtziger-Jahre-Nutten – zumindest frisurtechnisch, aber eigentlich auch in allen sonstigen Aspekten), Rentiere, sibirische Bauern mit Fellkappen und Ă€hnliches Gesocks bevölkerte die Installationen. Einiges von dem Adventsdreck war sogar animiert. Wenn nicht so unsĂ€glich lautes đŸŽ¶„Stihille Nacht, haheilige Nacht“đŸŽ¶ ertönen wĂŒrde, wĂŒrde man die Elektromotoren summen hören, die der versammelten Plastikkitschscheußlichkeit ihre pummeligen Glieder bewegen.
Überall schoben sich Menschen mit gehetzten Blicken durch die GĂ€nge. Sie guckten so unfreundlich, dass ein Bewohner der Christmas Islands (gibt’s wirklich in den Tropen) oder Papua-Neuguineas allein von ihren Blicken zu Tode geschockt werden wĂŒrde, wenn ihn Aliens, Gott oder die Nazis plötzlich von seiner Pudersand-Palmen-Palette runter in dieses Shoppingparadies beamen wĂŒrden!

Ich fĂŒhlte mich den Tannen ausgeliefert und von rotierenden Plastikteilen bedroht. Rote, fĂŒnfzackige Sterne funkelten ĂŒberall: „Scheiß UdSSR!“, rief ich laut. Ein paar fettarschige, geschenktĂŒtenĂŒberladene Vetteln schauten böse zu mir herĂŒber, die ZĂ€hne in ihren schlechtgeschminkten Bulldoggenfressen gefletscht.
Kamen da die patrouillierenden Doppelpack-Security-Men direkt auf mich zu? Waren es KPdSU-Veteranen? Ex-Sowjetkillerowskis? Ehre dem roten Stern!
Ich flĂŒchtete mit einem gewagten Zwei-Meter-Hechtsprung in die artifiziell schneebepuderte Tannenschonung zu meiner Linken.
Dort starrte mich eines dieser White-Christmas-Wullewutz-Perversmichelkinder an, das man mit spitzen Koboldohren und einem grĂŒnen FilzmĂ€ntelchen mit flaumig weißem Pelzbesatz zum Hilfskobold des „big fat ol‘ red one“ gestylt hatte. Seine Silikonschaumschnute klaffte rundlich-stupide wie die Fresse einer billigen Aufblas-Sexpuppe.
Ich rammte meine Faust hinein und riss ihm den Kopf ab. Aus der Tannendeckung heraus warf ich ihn soweit, dass er noch an Douglas vorbeirollte und erst bei Hussel im Eingang liegen blieb!
Irritiert huschte die Center-Gestapo dorthin, um den Kopp zu bergen. Inzwischen brach ich ein paar Tannen ab und schlug einem pickeligen Teenager mit zu großen Rapper-Jeans und seitenausrasierter Gel-Igelfrisur die gebrannten Mandeln aus der Hand.
Nun hastete das Zweimanneingreifkommando der Shoppingcenter-SS von Hussel kommend zu mir herĂŒber – doch ich konnte mich ihnen entwinden und zwischen den Tannen fliehen. Sie hatten nur meine Parka in ihren krallenartigen HĂ€nden und stolperten zudem ĂŒber das elektrisch winkende Christkind, das einem der beiden mechanisch mit der Patschhand auf den uniformierten Sack klatschte…
Ab durch die Mitte – rein ins nĂ€chste Diarama! Diesmal eine Szene mit Rentierschlitten, dem „big fat ol‘ red one“ und gleich zwei Rauschgoldnutten in weißen Fummeln mit RĂŒckenbeflĂŒgelung. Hier riss ich mir die Jeans runter und urinierte herzhaft in den Schlitten. Als die Menge buhte, seihte ich sie auch gleich noch mit ein! Schwenk, schwenk… Pinkel.

Gerade, als ich dem einen der Goldrauschengel die Dessous vom Leib reißen wollte, kamen die bösen HĂ€scher in ihren dunklen Uniformen wieder angerannt! Leider konnte ich nicht fliehen, da ich ĂŒber meine heruntergelassene Hose in den Kunstschnee stĂŒrzte. Sie griffen nach mir, wĂ€hrend ohrenbetĂ€ubend đŸŽ¶„Morgen kommt der Nikolaus“đŸŽ¶ aus den Boxen wummerte. Ich tat das einzige, um mich vor ihrem Zugriff zu schĂŒtzen und kotete mich ein. Teerte und federte mich in DĂŒnnschiss und Plastikschnee…
Die beiden UniformtrĂ€ger von der Sankt-Leckmich-Brigade des Shoppingcenters waren feine Pinkel und ließen von mir ab. Ich rutschte durch den Kot und fiel hilflos von der AusstellungsbĂŒhne mit dem Schlittenfahrertrio herunter in den Gang. Kreischend wich die Menge zurĂŒck. Ich sah nicht mehr, wo ich war, weil ich Kot und Kunststoffflocken in den Augen hatte. Meine Augen brannten, mein Pimmel pendelte kotverschmiert zwischen meinen Beinen, als ich mich ziellos im Kreis drehte…

Das letzte was ich noch hörte, nachdem mich der HartgummiknĂŒppel auf das SchĂ€deldach getroffen hatte, war đŸŽ¶„Heitschi bum Beitschi bum bum“đŸŽ¶.

 

3 Gedanken zu “Von dĂŒmmlich grinsenden Plastik-Koboldkindern, Rauschgoldschlampen und dem “big fat old red one“ đŸŽ…

  1. Endlich mit Verzug: Ich bin da! đŸ˜č Muaahhh! Zu meiner Schande muß ich gestehen: Als wĂ€r’s zum ersten Mal, daß ich Deine facettenreiche VorweihnachtsmĂ€r lese. 😳 Hab inzwischen mal wieder ĂŒber die HĂ€lfte davon völlig vergessen. Aber dafĂŒr lohnt sich ja dann wenigstens die traditionelle Wiederholung. Zumindest fĂŒr mich, und wenn’s nicht so traurig wĂ€r … Nochmals aufrichtigen Dank an Dich. 🙂

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