Steak aus dem 800°-Ofen đŸ”„

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„Ich hasse die Wirklichkeit, aber es ist der einzige Ort, an dem man ein gutes Steak bekommt.“ (Woody Allen)

Mein Uralt-Kumpel Mitch, den ich schon aus Schultagen kenne – ich saß einst im Religionsunterricht neben ihm und beschĂ€ftigte mich ĂŒber Monate damit, mit dem Zirkel ein Loch in die Wand zum Flur zu bohren, bin aber nie wirklich bis zur anderen Wandseite gekommen – ist mittlerweile so etwas wie mein persönlicher Restaurant-Scout: Zwischen Köln und „Graustadt“ kennt der LokfĂŒhrer inzwischen nahezu jedes Restaurant und jeden Imbiss. Auf sein Urteil als Gastronomie-Tester ist Verlass – wo‘s ihm schmeckt, mundet‘s zumeist auch mir


Mitch ist Single und kommt beruflich sehr viel herum. Wenn er frei hat, hat er meistens keine Lust zu kochen. Ich glaube, er hat seinen KĂŒchenherd noch nie benutzt – allenfalls vielleicht den Backofen zum TiefkĂŒhlpizza aufbacken, falls ĂŒberhaupt. Gute Gastronomie kann er auf fast allen Preisebenen empfehlen, von der Currywurst-Bude bis zum Gourmet-Tempel. Philomena und ich holen uns zum Beispiel recht oft eine Mahlzeit von einem griechischen Imbiss in „Graustadt“, den er uns vor etwa zwei Jahren empfohlen hat. Selbst als Philomenas Mutter diesen Sommer hier zu Besuch weilte, holte ich ein gĂŒnstiges Abendessen von „unserem“ Griechen, das ihr vorzĂŒglich mundete – was sehr fĂŒr den Imbiss spricht, denn in ihrer sĂŒddeutschen Heimat geht die Mutter meiner Mitbewohnerin ab und an auch mal in diverse im Guide Michelin gelistete Sterne-Restaurants.

⚠ (Warnhinweis fĂŒr Vegetarier und Veganer – jetzt hier besser nicht mehr weiterlesen!)

Vorgestern am Mittwochabend stand wieder einmal eine neue Empfehlung vom kulinarisch bewanderten LokfĂŒhrer auf dem Programm – Mitch war hier bei uns zu Besuch und ich ging mit ihm in eine Art Restaurant essen, das ich bisher noch nicht ausprobiert hatte, obwohl ich schon seit einigen Jahren ziemlich neugierig auf diese spezielle Zubereitungsart war: Ein Steakrestaurant mit einem 800°-Ofen! Ab und an las ich in der Presse von solchen ultraheißen Öfen, die man soweit ich weiß auch „Beefer“ nennt (zumindest heißt ein Fabrikat wohl so) in denen Steaks bei 800° Celsius in nur einer Minute perfekt gegrillt werden. In solch einem Hochtemperatur-Grillofen ziehen sich die Fleischfasern sofort zusammen und das Fleisch bleibt unter der knusprigen Kruste sehr zart und saftig. Außerdem las ich, dass solcherlei erhitzte Steaks sich zu wahren „Geschmacksbomben“ entwickeln wĂŒrden, weil in der Kruste eine besonders heftige Maillard-Reaktion ablĂ€uft, die Ă€ußerst ausgeprĂ€gte Aromen entstehen ließe.

In „Graustadt“ gab es eine Zeit lang solch ein 800°-Restaurant, das ich eine Weile lang „umschlich“, ohne dann wirklich einmal dort essen zu gehen. Die hohen Preise schreckten mich jedes Mal ab, denn dort kostete solch ein Steak ohne Beilagen satte 200 Euro. Obwohl ich schon ein paar Gourmet-ZĂŒge aufweise, war mir das dann doch zu heftig fĂŒr einen simplen Batzen Fleisch. FrĂŒher, als ich phasenweise finanziell deutlich besser aufgestellt war, hĂ€tte ich mich das vielleicht getraut. Aber die Abendessen, bei denen man pro Kopf mehrere hundert Euro auf den Tisch legen muss, kann ich rĂŒckblickend dennoch an zwei HĂ€nden und den FĂŒĂŸen abzĂ€hlen. Ich glaube mein teuerstes selbst bezahltes Essen kostete um die 300 bis 400 Euro pro Person – einmal war ich auch zu einem 1000-Euro-pro-Kopf-MenĂŒ eingeladen worden – aber das ist alles mindestens zehn bis fĂŒnfzehn Jahre her. 😉

Mitch hatte nun ein Hotel entdeckt, dessen Restaurant ebenfalls ĂŒber solch einen legendĂ€r gehypten Grill verfĂŒgt – aber die Steaks kosten dort nur etwa ein Viertel von dem, was man in „Graustadt“ dafĂŒr hinlegen gemusst hĂ€tte (einmal ganz davon abgesehen, dass es den Nobelladen in „Graustadt“ mittlerweile auch gar nicht mehr gibt – in jener degenerierten Ortschaft mit hoher Arbeitslosigkeit und einer ĂŒberwiegend eher bildungsfernen Bevölkerung lohnte sich vermutlich auch kein 200-Euro-Steakhouse, die Leute gehen dort lieber in 20-Euro-all-you-can-eat-Buffetrestaurants). In Mitchs Volvo dĂŒsten wir zum Hotelrestaurant, das direkt an einer Autobahnauffahrt lag und von außen mit bunter Beleuchtung und den weitlĂ€ufig umliegenden perfekt getrimmten RasenflĂ€chen ziemlich amerikanisch aussah und von innen eher auf trutschig-leichtverwohnt-gemĂŒtliche Art urdeutsch: Ähnliches Interior-Design kennt man aus LokalitĂ€ten, die beispielsweise „Ratskeller“ oder „zum weißen Hirschen“ heißen. Leichter RenovierungsrĂŒckstand


Aber dann das Essen! Fabelhaft
 Ich bestellte mir ein 350-Gramm-Tenderloin-Filetsteak von einem freilaufenden US-Rind aus dem 800°-Grillofen. Der absolute Fleischporno war das! Dazu alibihaft ein paar Steak-Fries und ein bisschen hingeklatschtes GrĂŒnzeug vom Salatbuffet
 Als GetrĂ€nke lediglich klares kaltes Wasser – auf jegliche Untermalung durch einen Wein oder Ă€hnliches konnte man getrost verzichten: Bloß nicht diesen genial-köstlichen Geschmack verfremden… Und die Konsistenz! Außen kross-knusperig, fast leicht glasiert-karamellig – innen saftig wie sonst nix! Mitch bestellte sich ein australisches „dry aged“ 350-Gramm-Rib Eye (EntrecĂŽte)-Steak und war ebenfalls hoch zufrieden damit – auch wenn es nicht ganz exakt bis zu jenem Punkt durchgebraten war, wie er es eigentlich bestellt hatte…

Ab und an kann und sollte man sich solch eine Gourmet-Orgie durchaus einmal gönnen – auch wenn das Steak in diesem Jahr mein teuerstes Restaurant-Essen war. Aber es hat sich absolut gelohnt. Ich glaube ich habe in meinem gesamten Leben womöglich nur zweimal noch ausgezeichneter schmeckendes Fleisch gegessen:

1ïžâƒŁÂ Platz 1 wird wohl fĂŒr alle Zeiten ein Ă€ußerst gut abgehangenes WasserbĂŒffel-Filetsteak bleiben, das mein damaliger Schwiegervater in spe, der Papa meiner Ex-Verlobten Giulia, vor etlichen Jahren anlĂ€sslich einer großen Abendgesellschaft im Garten seiner indischen Villa im Diplomatenviertel von Delhi gegrillt hatte – er benutzte dabei eine besondere Marinade nach einem Geheimrezept der Familie, in der das Filet ĂŒber Nacht gelegen hatte und spritzte eine zweite Marinade mittels einer Pferdespritze vor dem Grillen direkt in das BĂŒffelsteak. UnĂŒbertrefflich!

2ïžâƒŁÂ Platz 2 war ein Steak vom japanischen WagyĆ«-Rind, das der Mann meiner australischen Cousine vor ein paar Jahren im Garten meines Bruders mit einer speziellen, original australischen WĂŒrzmischung auf dem Gasgrill zubereitet hatte – die „Aussies“ sind einfach die Barbecue-Weltmeister – sagenhaft!

3ïžâƒŁÂ Platz 3 ist also seit vorgestern Abend das Steak aus dem 800-Grad-Ofen. Ihr mĂŒsst das unbedingt auch einmal ausprobieren, werte Leser – viellleicht habt Ihr in Eurer Stadt ja auch ein Steakhouse, das ĂŒber solch einen fabelhaften Hochtemperatur-Grillofen verfĂŒgt. Es lohnt sich!

 

18 Gedanken zu “Steak aus dem 800°-Ofen đŸ”„

  1. Bei uns im StĂ€dtle gibts das garantiert nicht. Höchstens vielleicht in Freiburg. – Hab grad nachgeschaut. TatsĂ€chlich gibts sowas Ă€hnliches 50 km von hier. Gutes Fleisch und 800-Grad-Ofen. Eine sehr schöne Idee, hab mir gleich ein Lesezeichen gesetzt. Das machen wir auch mal!

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