Der Mönch hat eine tiefsitzende Tonsur und das Kloster weist Risse auf

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Ich habe eben bereits die erste postoperative Zigarre im Garten geraucht. Ihr seht also, werte Leser, dass es dem Betreiber dieses Blogs bereits wieder ganz gut zu gehen scheint – nach der heute überstandenen Tumor-OP am Hinterkopf.

Schnibbeln und Brutzeln

Der Eingriff ging recht kurz und schmerzlos über die Bühne: Nachdem mir der Hinterkopf geschoren wurde – ich sehe jetzt aus wie ein koordinationsgestörter Mittelalter-Mönch, der sich die Tonsur ein bisschen zu tief gesetzt hat – jagte die Ärztin neun bis zehn Spritzen zur lokalen Betäubung in meine Kopfschwarte. Zum Glück ist man da relativ wenig schmerzempfindlich – von den zwei oder drei Spritzen in den Rücken (wo mir in der gleichen Operation auch noch ein Muttermal entfernt wurde) merkte ich deutlich mehr. Es folgten ein paar Minuten Schaben und Kratzen mit dem Skalpell, bei dem die Medizinerin feststellte, dass der Haut- und Gewebetumor doch um einiges größer war, als von außen zunächst angenommen. Ich selbst hatte ihn durch Abtasten für etwa haselnussgroß gehalten, aber er ersteckte sich in tieferen Schichten noch etwas weiter und muss etwa so groß wie eine Walnusshälfte gewesen sein. Danach erfolgte die Verödung der Wundfläche mit einem gepulsten Erbium-YAG-Laser – tack-tack-tack-tack klickte es etwa im Viertelsekundentakt. Im Raum bereitete sich dabei ein Geruch wie beim Hufschmied aus, oder nach gesengter Sau, bzw. Grillunfall. Nach drei Minuten tack-tack wurde die Wunde desinfiziert und zugepflastert. Morgen muss ich damit nachmittags zum Verbandwechsel – sobald der Krater verkrustet ist, kann die Wunde offen bleiben. Bis man nichts mehr davon sehen wird, können allerdings noch ein paar Monate vergehen, da die Wunde aus der Tiefe heilen muss…

Nach der Operation wurde in der Praxis zusätzlich noch ein Allergietest durchgeführt – den letzten hatte ich vor etlichen Jahren machen lassen und war daher sehr neugierig, ob sich etwas verändert hätte. Nun, es war alles beim Alten, nur die Katzenhaarallergie ist inzwischen völlig weg. Ich hatte vor vielen Jahren eine mittelschwere Katzenhaarallergie. Später hielt ich zusammen mit Giulia selber zwei Katzen und meine Allergie schien sich durch die alltägliche Gegenwart dieser Tiere von alleine zu legen: Nachdem Giulia und die Katzen wieder aus meinem Leben verschwunden waren, hatte ich statt der mittelschweren Katzenhaarallergie nur noch eine leichte. Wieder ein paar Jahre später scheint diese Allergie nun völlig weg zu sein. Schwere Allergien habe ich aber weiterhin gegen diverse Gräser- und Getreide-Pollen. Mittelschwere gegen Frühblüher-Pollen und eine leichte gegen Hausstaubmilben. An diesen Allergien und ihrer graduellen Ausprägung hatte sich seit dem letzten Test nichts geändert.

Zum Glück war Philomena mitgefahren und während meiner etwa zweieinhalbstündigen Warte- und Behandlungszeit in „Graustadt“ einkaufen. Sie gruselte sich ein bisschen, wie abgefuckt und verkommen dieses Shithole von Großstadt ist, als sie es mal ein wenig länger durchwandeln konnte: Prollige Vollasis, grölende Trinker in der Fußgängerzone, geschmacklos gekleidete Bildungsferne und eine flächendeckende Islamisierung – jede achte bis zehnte Frau mit Kopftuch oder gar Niqab unterwegs… Meine aus einer ziemlichen Heile-Welt-Gegend Deutschlands stammende Hausgenossin hat heute also so einiges zu sehen bekommen. Immerhin ist Philomena seit einigen Monaten wieder soweit gesund, dass ihre derlei mehrstündige Unternehmungen nichts mehr ausmachen. Die Zeiten, als sie manchmal tagelang kaum das Zimmer verlassen konnte, sind zum Glück vorüber. Nach dem Eingriff war ich aufgrund der Nachwirkung der Lokalanästhesie nicht wirklich fahrfähig, deshalb chauffierte sie mich nach Hause. Dass Philomena in den letzten acht Jahren nur ein halbes Dutzend Mal Auto gefahren ist, merkte man ihr gar nicht an: Gelernt ist gelernt. Im Auto schmierte mir zwei Mal kurz der Kreislauf ab, so dass ich sekundenschlafähnliche Symptome erlebte. Es war also wirklich gut, dass ich mich nicht selbst hinters Steuer gesetzt hatte.

Wieder daheim ging es mir dann schon bald wieder unerwartet besser. Dennoch muss ich mich die nächsten Tage lang etwas schonen und vor allem acht geben, dass sich die OP-Wunde nicht infiziert. Immer schön desinfizieren und mit Wundsalbe behandeln.

Da mein Hinterkopf-Pflasterverband ein wenig locker ist (er droht wahrscheinlich heute Nacht abzufallen) konnte Philomena dessen Rand hochklappen und ein paar Handyfotos davon schießen, so dass ich mir selber anschauen konnte, was dort los ist – nach kurzer Abwägung entschied ich mich aber eben dafür, diese Bilder hier nicht hochzuladen. Das wäre dann doch ein wenig zu abartig-geschmacklos, bzw. ekelig für Euch, wenn Ihr hier unvorbereitet auf einen nachsuppenden Krater stießet, der wie ein Einschussloch in einer nackten Mönchstonsur prangt…

Deutlich kaputter als ich nach der Tumor-OP, schien mir übrigens leider mein hiesiges Haus „Zweieichen“ zu sein: Ihm ist der lange, trockene Sommer nicht gut bekommen! Im Wohnzimmer haben sich ein paar neue Risse in den Wänden gebildet und außen sind an einigen Stellen die Backsteinziegel und deren Verfugung gerissen. Offenbar ist das ganze Gebäude in der Mitte um ein oder zwei Zentimeter durchgesackt und der Garagenanbau scheint minimal in Richtung Garten abgekippt zu sein. Mein Vater hatte mir berichtet, dass es in langen Trockenperioden zu solchen Effekten kommen könne, weil der Grundwasserspiegel sinkt und damit die entsprechenden Bodenschichten dichter zusammensacken können. In relativer Nähe zum Flusstal ist die grundwasserführende Schicht hier vermutlich recht mächtig, so dass die monatelange Dürre nicht ohne Wirkung blieb. Durch das Verwinden des Garagenanbaus hat sich die dortige Hinterausgang-Metalltür dermaßen verzogen, dass man sie regelrecht ins Schloss prügeln muss. Eventuell sollte ich demnächst mal einen Türen- und Fensterbaubetrieb kontaktieren, um das wieder in Ordnung zu bringen. Insgesamt mache ich mir aber keine allzu großen Sorgen um unser Häuschen hier, weil ich als echtes Kind des steinkohleabbaugeprägten Ruhrgebietes aus eigener Anschauung weiß, wie gravierende Bergbauschäden Häuser aufweisen, und dennoch jahrzehntgelang stabil bleiben können. Da gibt es noch ganz anders ausgeprägte Mauerrisse, ohne dass die Bauwerke deshalb gleich einstürzen würden!

13 Gedanken zu “Der Mönch hat eine tiefsitzende Tonsur und das Kloster weist Risse auf

  1. Schön zu hören, dass das so gut ging!

    Da mir heute eine Bekannte schon ungefragt ihr offenes Bein unter die Nase hielt (auch per Foto), hätte mich nun dein Loch wahrscheinlich nicht mehr erschreckt – ich gestehe jedoch, dass ich nicht sonderlich gerne Wunden sehe (und in Notsituationen sofort meine Reizblase anspringt und ich, falls ich jemanden verarzten muss, dies nur auf dem Klo sitzend tun kann).

    Mir wurde per Laser eine angesäbelte Ader verschlossen und trotz akuter Suizidalität fand ich das sehr spannend. Ich will immer alles genau wissen und stelle allerlei Fragen, wenn mir danach ist.

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  2. Meine Hütte hier hat drei Jahrzehnte aufm Buckel, da ließen sich ständig wo neue Setzrisse sehen. Am schlimmsten aber hat sie es getroffen, als vor paar Jahren nebenan mit der Abrissbirne ganze Gebäudekomplexe niedergemacht wurden …
    Und jetzt wünsch ich Dir noch gute Genesung, überdies freue mich, von Philomenas aktuellen Fortschritten erfahren zu haben. ☀️

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    • Hahaha… Meine war natürlich ein müder Witz im Vergleich zu so einer Operation, wie der des gebrochenen Oberschenkels meinest Vaters. Besonders heldenhaft brauchte ich daher nicht zu sein – ehrlich gesagt fand ich gestern sogar den Allergietest „belastender“ (wegen ruhig sitzen müssen und Arme nicht drehen können – blöd also, wenn’s an der Nase juckt), als die eigentliche OP… Komme ich denn in meiner Berichterstattung dermaßen „heroisch“ rüber? Sollte zumindest so nicht… Vielleicht liest sich meine akute Erleichterung darüber, dass alles halb so wild war, ein wenig zu pathetisch – das mag sein… 😉 LG!

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