Aloha heja – von feiernden Dorf-Honks in den nächtlichen Selfie-Wahn getrieben…

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Ich bin ja ins ländliche Exil gezogen, um weitgehend meine Ruhe zu haben – mal abgesehen von krähenden Hähnen, Vogelgezwitscher und quakenden Fröschen. Aber die stören nicht – im Gegenteil: Es gibt wohl so etwas wie entspannungsfördernde Urgeräusche. Wenn ich Vogelgezwitscher, Bachgeplätscher oder Grillengezirpe höre, dann beruhigt mich das. Dabei kann ich in der Regel auch prima einschlafen…

Heute war aber Samstagnacht und damit irgendwo in der Nähe Partytime: Feiernde Dorf-Honks! In Open-Air-Konzert-Lautstärke knallte mir kurz nach der Abendessenszeit eine Mischung aus Charts der 90er Jahre (all die unsäglichen Boy-Bands, die man mittlerweile erfolgreich aus seinem Gedächtnis verdrängt hatte, kamen wieder hoch wie nach dem 20sten Bier aufsteigende Currywurst-Pommes) und deutschem Schlager um die Ohren. Helene Fischer verfolgte mich „atemlos durch die Nacht“, denn die begeistert mitgrölende Partygesellschaft gab erst um 4 Uhr morgens Ruhe! Westernhagen und die Toten Hosen „an Tagen wie diese“. Achim Reichels „Sansibar“ flutete gefühlt einmal pro Stunde an mein Ohr – wenn ich demnächst irgendwo nochmal „Aloha-heja-heja“ höre, krieg ich Zuckungen!

Nach Mitternacht kamen dann wenigstens auch mal Rammstein (natürlich nur „Engel“ – für das weitere Repertoire sind sie hier zu soft) und ein paar mainstreamige 90s-Techno-Nummern. Grund genug, für mich in den Garten zu gehen, um meine Gute-Nacht-Zigarre zu rauchen. Beim Schlager hatte ich mich  noch nicht raus getraut aus dem schützenden Gehäuse. So stapfte ich dann qualmend durch die Vegetation und eliminierte zu Rammsteins „Engel“ ein paar lästige Nacktschnecken, die gerade mein Kaukasus-Vergissmeinnicht schredderten. Da an Nachtschlaf noch lange nicht zu denken war (außer man heißt Philomena und kann sich elegant mit ein paar Tabletten in den Schlummer schießen), wählte ich bewusst einen derben Prügel von Zigarre und trieb mich deshalb stundenlang auf dem hauseigenen Gelände herum. Als nach dem Techno wieder Helene Fischer loslegte, verkrochen sich die Nacktschnecken freiwillig und ich hatte nichts mehr zum Eliminieren…

Was also tun? Schlafen war ja noch nicht. Also ein bisschen Herumgeknipse mit dem iPhone. Hypermental im Selfie-Wahn! Eindeutig zu viel Durchschnittsmenschenaura um die Ohren – Aloha-heja-heja-loha-heja-he

Früher hielt ich die ersten Selfie-Knipser, die ich auf irgendwelchen Feten der Nullerjahre sah, für verhaltensgestört. Jetzt drückte ich selber ab – bis mir „die Löcher aus dem Käse“ flogen (auf einer Dorf-Honk-Party steigt irgendwann so sicher wie das Amen in der Kirche ein Gottlieb Wendehals aus dem tiefsten Höllenschlund empor – lebt der eigentlich noch?). Posing vorm Garagenfenster. Eine Zigarre rauchende Abglanz-Karikatur meiner langzurückliegenden Lebemann- und Salonlöwen-Zeiten mit Asi-Kapuze statt Dinnerjacket. Fotos! Selfie… Abdrücken. Aloha-heja.

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Auf dem kleinen Bild unten links sehe ich herrlich fies aus – „mein Gott, watt ‘ne fiese Type!“, dachte ich mir… Das schrie ja glatt & gleich nach ‘ner erneuten Anwendung meiner KI-basierten Fotobearbeitungs-Apps. Schnell mal das Portrait künstlich „gealtert“ und mich glotzte vom Telefon-Display der folgende angeranzte Abwasserröhrenübernachter an:

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Echt schräg, was man mit ein paar Algorithmen so alles ausbrüten kann! Um kurz vor vier war die Zigarre aufgeraucht und die Garage zugequalmt. Zurück ins Haus. Und noch ein bisschen weiter mit der App experimentiert – ließ den fies blickenden Garagen-Hyper kurzerhand in eine Frau verwandeln (und war durchaus überrascht vom Ergebnis):

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Aloha! Kann man sich eigentlich selber heiraten? Offenbar ist der Welt so einiges entgangen, weil ich als Kerl auf die Welt kam… 😉

Inzwischen kräht draußen bereits der Hahn und nicht mehr Helene Fischer. Dem Achim reiche(l)ts mittlerweile wohl auch und er ist auf Sansibar endlich in der „Heja“. Ich pack mich jetzt auch aufs Ohr – gute Nacht!

16 Gedanken zu “Aloha heja – von feiernden Dorf-Honks in den nächtlichen Selfie-Wahn getrieben…

  1. Das bereitet aber bestimmt auch jede Menge Spaß, das Hantieren mit einer Bild-Bearbeitung an Dir selber. 😎 Echt cool! Im Header schaut Dein Kapuzenpulli aus wie ein WOW-Kostüm. Oder so. Also wegen der Schulterpartie. Grüß Dich nochmal. 🙂

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  2. Hast du dir das Programm gekauft bzw. ein Abo abgeschlossen? Oder ist das mit der Demo-Ausgabe gemacht? Als Mann sehe ich damit aus wie Roland Kaiser😂😂😂 Fies blickend finde ich den jüngeren so gar nicht…😂 in der älteren Version schon mehr. — Einmal im Jahr gibt es hier auf dem Marktplatz auch ein Fest mit bewährtem Programm. Die Gruppe bringt jeden Hit der letzten Jahrzehnte, zum Schluß singen sie IMMER eine schlechte Version von „The lion sleeps tonight“. Man kann nicht weghören, es ist überall…

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  3. Wenn du so „fies“ in den Supermarkt gehst, dann wird dein Einkaufswagen garantiert nie mehr angerempelt 🤣. Die App finde ich sehr interessant, mich auf Fotos allerdings immer grottig. Da müssten schon diverse Filter her, damit ich das Ergebnis akzeptiere 😂. Gleichwohl wäre doch neugierig, wie ich wohl als Mann aussähe 😱

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