Sturz

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Eigentlich wollte ich heute an dieser Stelle drei oder vier Einkaufsanekdoten aus der vergangenen Woche raushauen – aber es kommt bekanntlich immer alles anders, als gedacht…

Morgendlicher (bei mir, für die Allgemeinheit eigentlich vormittäglicher) Anruf von meiner Mutter: Vater ist gestürzt. Ich schnell hin – kam kurz nach den Rettungssanitätern dort an und noch vor den Notärzten (in jenen stadtrandnahen Vorort von „Graustadt“ brauche ich bei sehr zügiger Fahrt unter zehn Minuten). Vater liegt auf den Steinplatten im Eingangsflur, Kopf in einer Blutlache. Sanitäter legen Venenzugänge. Nur noch phasenweise bei Bewusstsein, er hat offensichtlich schwere Schmerzen. Abtransport in so einer aufblasbaren Liege, in der man fixiert wird…

Später dann Not-OP. Zum Glück scheinen die Kopfverletzungen nicht die Hauptbaustelle zu sein, lediglich eine Platzwunde und das meiste Blut stammt von der beim Sturz zerbissenen Zunge und Lippe. Aber der Oberschenkel ist gebrochen – nicht der Oberschenkelhals, wie so oft, wenn ältere Menschen stürzen, sondern weiter unten im geraden Beinknochen. Musste mit mehreren Nägeln in zweieinhalbstündiger OP geflickt werden.

War den ganzen Tag bei meiner Mutter und mit dieser über Mittag und dann noch mal abends, als die OP vorbei war, im Krankenhaus. Vor der OP war mein Vater nicht mehr ansprechbar, bekam auch starke Schmerzmittel und etwas zur Beruhigung, da im Schockzustand. Nach der OP hatte er am Abend vermutlich mitbekommen, dass wir da waren, war aber nur sehr begrenzt ansprechbar und immer nur sekundenweise halbwegs bei Bewusstsein…

Komischer Kontrast, als wir nachmittags vor der OP von der Klinik zurück zum Elternhaus fuhren: Überall Hochzeitspaare, weiße Bräute in Oldtimern und Kutschen. Eine Paar mit deutsch-niederländischem Autokorso im Gefolge im gleichen Typ Lincoln-Cabrio unterwegs, in dem John F. Kennedy erschossen wurde – in Unkenntnis dieses Omens? Vermutlich. Je aufwendiger die Hochzeitsfeier, desto schneller die Scheidung – beobachtete ich schon so oft. Jedenfalls Trauungsamok um uns herum, weil heute der 18.8.18 war – Frauen erhoffen sich von diesem Datum vermutlich später weniger nötige Nudelholzeinsätze…

Abends dann auf der Intensivstation: Mein Blick huschte in die Zimmer, an denen man vorbeischritt. Offene Türen überall und dahinter lebendes Gemüse an Schläuchen. Alt, uralt, quasimumifiziert. Sah neue, mir bis dato unbekannte Teintfarben, etwa Grauweiß und Wachsgelb… Hoffentlich kommt mein Vater bald wieder heraus aus dieser piependen Vorhölle, auf die geruhsame Privatstation. Hoffe, er erholt sich nochmal. Sprang ja schon einmal dem Tod von der Schippe vor ziemlich genau vier Jahren, als er den Krebs überwand und dazu zwei OPs durchstehen musste. Da war sein allgemeiner Gesundheitszustand unmittelbar vor den Eingriffen schlechter.

Mutter war innerlich fix und fertig, aber nach außen gefasst. Was nichts heißt. Sie macht sich Vorwürfe, wie immer wenn IHM etwas passiert. Ich war und bin erstaunlich ruhig. Vielleicht, weil wir vor vier Jahren schon einmal ähnliches erlebt und überstanden haben. Jetzt heißt es aber wieder Daumen drücken. Hoffe, die Schmerzen quälen ihn nicht zu sehr, wenn er wieder wacher und aufnahmefähiger sein wird.

Wir werden die nächste Zeit täglich in die Klinik fahren…

18 Gedanken zu “Sturz

  1. Willkommen in meiner Welt 🙄. Es ist gut, dass er nur eine Platzwunde am Kopf hatte und nichts Schlimmeres. Gleichwohl sind Frakturen bei älteren Menschen auch nicht zu bagatellisieren. Deinem Vater wünsche ich eine rasche und unkomplizierte Genesung. Sicher schließt sich an die Akutbehandlung eine Reha an. Sie werden ihn dort ganz gewiss wieder auf die Beine bringen. Euch als Familie für die nächste Zeit viel Kraft und gute Nerven 🍀

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  2. Danke an alle Gute-Genesung-Wünscher! Vielleicht hat Euer positives Kollektiv bereits geholfen – als ich heute dort war, ging es ihm den Umständen entsprechend bereits ganz gut. Gegen die Schmerzen wurde ein Nerv blockiert, ansonsten bekommt er Propofol, das Zeug, das Michael Jackson umgebracht hat… Vielleicht wirkte er deshalb so gelassen und eher positiv gestimmt. Morgen kommt er vielleicht schon von der Intensivstation runter ins normale Krankenzimmer. Grüße!

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