37° im Schatten – Gestänge und Ärsche

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37°C – was kann man da machen?

Was mir einfallen würde:

  • Verhaltenes Planschen in einem Infinity Pool mit Meerblick über ein Palmenpanorama – am Beckenrand eisgekühlter Wassermelonensaft…
  • Nazi-Badespaß in Köln (siehe Milous Brunnen-Bilder-Eintrag und die zugehörigen Kommentare)
  • In einer Hängematte eine kubanische Zigarre rauchend vom Wind ans Ohr gewehten Fetzen südamerikanischer Rhythmen lauschen…

Was ich stattdessen tat:

  1. Kiloschwere Bauteile durchs Treppenhaus schleppen und sperrige Metallgestänge zusammenschrauben…
  2. Einkaufstaschenhaltend auf massive Ärsche starren…

Zu 1):

Philomena hat sich ein neues Trainingsgerät zugelegt, den Ellipsentrainer Nautilus E628… Das gute Stück – ziemlich cooles Gerät mit zig Programmen und elektrischen  Verstellmöglichkeiten, Trainingscomputer, Bluetooth-Lautsprechern und im Armaturenbrett eingebauter Lüftungsdüse, die einen beim Abstrampeln kühlt – wurde am Donnerstag in aller Herrgottsfrühe in einem 100-kg-Paket geliefert. Philomena war die letzten Tage bereits ziemlich pissed, weil ihr bisheriger Crosstrainer seinen Geist aufgegeben hatte. Ohne Training mutiert sie zur Wiedergeburt von Kali, der hinduistischen Göttin des Todes und der Zerstörung. Kommen noch 37°C hinzu – dann gute Nacht!

Bei der stundenlangen Montage gab sie sich entsprechend herrisch und wir gingen uns gegenseitig maximal auf den Zeiger – bis das stolze Gerät annähernd fertig montiert war – und stank! Philomena war richtig sauer, denn die Griffe des Gerätes waren mit einem ziemlich übelriechenden Weichkunststoff überzogen, der zwar bequem aussah und sich auch so anfasste; aber er löste bei ihr eine Kontaktallergie an den Handflächen aus und roch darüber hinaus besorgniserregend. Für das Spitzenmodell eines Fitnessgeräteherstellers eigentlich unmöglich – zumal Philomena in jenen Gemächern, in denen wir das Biest aufbauten, auch zu nächtigen pflegt…

0127 Elipsentrainer

Zurückgeben wollte sie das Gerät aber auch nicht – deshalb kam es freitags zu:

Zu 2):

Philomena hatte die Idee, die Stinkeschaum-gepolsterten Nautilus-Griffe mit Tennisschläger-Griffband zu umwickeln, um somit zum einen keinen direkten Hautkontakt mit dem ominösen Material mehr zu haben, und zum anderen dadurch auch dessen Ausgasung etwas einzudämmen…

Deshalb rollten wir heute bei 37°C durch die knochentrockene Agrarsteppe nach „Graustadt“, wo wir uns in eine riesige Shopping-Mall begaben. Ich chauffierte sie – wie eigentlich fast immer. Philomena hasst es, mit dem Riesenschiff zu fahren, das wir von ihrem Vater geerbt haben – sie mag lieber knackige Kleinwagen. Da aber mein Coupé fast genau so groß war und der Wagen wegen der dann nur ein Siebtel so teuren Versicherung auf mich anstatt auf sie zugelassen ist, fahre ich überwiegend damit…

In der Mall fanden wir das gummiartige Schlägerwickelband für die Gerätegriffe in einem Sportgeschäft und… …strandeten dann in diversen Modeläden, wo sich Philomena mit neuen Sommersachen eindeckte. Mein Job ist dann meistens der des geduldigen Tütenhalters, des treudoofen Packesels, der stundenlang brav hinterhertrotte(l)t. Am beliebtesten ist bei mir deshalb der alle Jahre wieder stattfindende Ausflug in ein flughafengroßes Outlet Center nahe der französischen Grenze, wenn wir ihr Mutter besuchen: Dort mutiert der Packesel zum Lastenkamel… Aushalten lässt sich das alles nur vermittels der Kraft, die ich aus den mitleidsvollen Blicken anderer Kunden schöpfe. 😉

Um sich zwischen den diversen Outfits zu entscheiden und den Einkauf halbwegs im Rahmen zu halten, begab sich Philomena heute in einem der aufgesuchten Läden in stundenlange Anproben-Klausur. Vor der Kabinenreihe sank der hypermentale Gepäckträger auf eine dort für solche bemitleidenswerten Kreaturen installierte Bank. Die Tüten fest im Griff stellte ich den Blick auf „unendlich“ fixiert ins Leere. Natürlich herrschte an jenem Ort um mich herum ein reges Kommen und Gehen: Flip-Flop-flatschend wackelte dort halb „Graustadt“ vorbei – den Outfits nach (eigene und zu kaufen beabsichtigte) bereits mit einem Bein im Urlaubsflieger. Natürlich glotze ich in solch einer Situation nicht. Ein diskreter Gentleman mit von Kindesbeinen an eingebläuten Höflichkeitsregeln tut das nicht. Ich stierte stur auf die Tür von Philomenas Umkleidekabine. Wie das Publikum bei der Papstwahl – wann kommt endlich der weiße Rauch? Der diskret ins Off geblendete Blick war nicht nur der Höflichkeit geschuldet, sondern auch der einsetzenden Dehydrierung… Aber ich konnte sie partout nicht ausblenden: Die kunterbunte Arschparade! Auf meiner Banksitzeraugenhöhe schwebte ein massiver Schinken nach dem anderen vorbei. Wogende Arschgebirge unter wallenden Sommerkleidern. Aber auch selbstbewusst in Familienzelt-große Hotpants gequetschte Doppel-Kürbisse, mühsam durch wochenlange Grillfleischgroßpackungs- und XXL-Eisbecher-Diät auf die Dimensionen kleinerer Jupitermonde aufgetrieben! Früher gab’s sowas nicht – allenfalls in Amerika sah man so viel geballte Korpulenz. Ganze Salven von Monsterhinterteilen segelten mir durch die Optik! Manche doppelt so breit wie Philomena, andere gar so massiv, dass Philomena glatt in eine einzige Arschbacke gepasst hätte… Ich kam mir mit meinen schockstarr umklammerten Einkäufen vor, als ob ich in den Asteroidengürtel geraten sei…

Nachdem die einzige normalgewichtige Mall-Besucherin die Qual der Wahl in ihrer Kabinenklausur beendet hatte, wirkte sie auf mich wie ein Reh in der Nilpferdherde. Ein paar schöne Sachen hatte sie sich ausgesucht, solche gerade fallenden, luftig leichten, gestreiften Sommerhosen unter anderem, die jetzt offenbar modern sind.

Was tun bei 37 Grad im Schatten? Schweres Gerät montieren (Donnerstag) bzw. schweres Gesäß anstieren (Freitag) – was kommt als nächstes? Es muss noch ein Zaun zum Vorgarten gezogen werden. Sicherlich eine prima Tätigkeit bei 37°C. Außerdem müsste ich noch dringend eine kleine Zusatzterrasse hinter der Garage pflastern… Was könnte man noch machen? Vielleicht eine Wintermodenschau auf einem asphaltierten Feldweg in der Mittagshitze? Oder ein Sonnenbad auf dem schwarzen Dach unseres Autos? Ein mittäglicher Hitzschlag-Solidaritätsaufenthalt in Kröts Frühbeet? Hmm… Bloß nichts mit Wassermelonensaft und Infinity Pools jedenfalls – das ist schon mal klar…

Wann kommt eigentlich endlich der Winter?

 

17 Gedanken zu “37° im Schatten – Gestänge und Ärsche

  1. Hab mich grad mit Infinity-Pools bekannt gemacht: Gottlob, meine beiden blauen Muschelschalen zählen nicht dazu. 😉 Du erinnerst Dich vielleicht: Der Tom beklagte sich über die Einkäufe genau wie Du, und daß er dazu künftig einen Klappstuhl mitnehmen würde … Ach, und Ärsche haben ihn eher weniger gejuckt. 🙂

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    • Mir fehlen die Spekulatius… 😉 Nö, haste schon richtig erkannt – der letzte Satz fungiert als Pointe. Aber meinetwegen könnte es ruhig zehn Grad kühler sein. Philomena blüht ab 30 Grad so richtig auf, ich hingegen verwelke dann schon eher. Bin nicht so der Hitzetyp – am 15 Grad bleiben meine Jacken zuhause auf der Garderobe hängen. Reise auch lieber nach Norden (Schottland, Skandinavien, etc.) als südwärts (Mittelmeerraum, Afrika, Tropen,etc.)…

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  2. auf solche ideen käme ich nicht…, aber ich bin ja auch unbeweibt. stattdessen havanna mit eis, blues-beschallung, ein ventilator an der decke…, – so stelle ich`s mir zumindest vor, und so weit weg davon bin ich gar nicht. wenn nur nicht diese räuberischen, versoffenen fruchtfliegen wären…!

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  3. Gut, dass es heute unter 30 Grad bleiben soll. Da geht noch was an handwerklichen Großprojekten 😉 Ich gehe mit W. selten shoppen. Zumindest, wenn es um meine Klamotten geht. Ich weiß, dass es nicht die Lieblingsbeschäftigung der Männer ist, als Kleiderständer, Tütenhalter oder Sachen-in-anderen-Größen-Bringer zu fungieren. Ich ziehe lieber allein los, das ist entspannter 🙂

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    • Der Bewegungsablauf bei einem Ellipsentrainer ist ein vollkommen anderer, als beim Fahrradfahren, eher wie ne Mischung aus Skilanglauf und Treppensteigen… Philomena braucht das, um ihr Herz zu kräftigen, zumal das Gerät herzfrequenzgesteuerte Trainingsmodi hat…

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        • Sie benutzt ihre jeweiligen Trainingsgeräte schon seit mindestens anderthalb Jahrzehnten nahezu täglich – Trainingsdauer immer so 45 bis 60 Minuten. Aufgrund der gesundheilichen Problematik, würde sie ansonsten vermutlich nicht mehr unter den Lebenden weilen… Philomena trainiert also nicht aus Spleen, Beautyaspekt, etc. heraus, sondern medizinisch absolut indiziert. Die gute Figur ist quasi nur das „Nebenprodukt“ davon… 😉

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