1000er-Jubiläum

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Im Headerbild steht etwas von „bisher insgesamt 1000 Blogeinträge“ – wie kann das sein? Dieses ist doch erst der neunzigste Blogeintrag meiner „Daily News from Absurdistan“? Die Tausend erklärt sich bei näherer Betrachtung dadurch, dass ich nicht erst am 31.12.2017 hier auf WordPress mit dem Blogging begonnen habe, sondern zuvor schon jahrelang auf der mittlerweile eingestellten Plattform myTagebuch unterwegs war und dort unter verschiedenen Identitäten im Laufe der Zeit insgesamt 910 Einträge verfasste. Zusammen mit meinen bisherigen WordPress-Postings reicht es also für ein tausendjähriges 1000-Blogeinträge-Jubiläum!

1000 hypermentale Blogeinträge

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, wusste schon Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“, und so war es auch ein kleiner magischer Moment, als ich am 26.Oktober des Jahres 2002 um 15:49 Uhr mit folgenden Sätzen meine Bloggerkarriere begann: „Hallo Ihr Leser – seid herzlich Willkommen! Hier entsteht mein neues Online-Tagebuch. Von heute an bekommt ihr vielleicht mehrmals täglich, vielleicht auch nur einmal wöchentlich („niemand weiß, was die Zukunft bringt“) „Daily News from Absurdistan“ geboten“

Kurz bevor ich mich erstmals bei myTagebuch.de anmeldete, las ich sporadisch das damals legendäre Tagebuch der Gentry Lane „Freuds Fave“ auf Diaryland.com. Man konnte es zumindest als „legendär“ bezeichnen, weil Harald Schmidt zu jener Zeit regelmäßig in seiner „Harald Schmidt Show“ auf Sat.1 daraus zitierte. Er (oder seine Redaktion) hatten es zufällig im Internet aufgestöbert. Eine junge, hochneurotisch-überkandidelte, dem Medikamentenmissbrauch nicht ganz abgeneigte Amerikanerin berichtete damals von ihrem lustig-frustigen Leben in der Modebranche von Paris. Für „Dirty Harry“ war das Guerilla-Hochliteratur und er lud die Dame nach einer Weile auch ein- oder zweimal erfolgreich live in seine Show ein…

Als treuer Zuschauer von Schmidt (ich hatte zuvor schon „Schmidteinander“ mit ihm und Herbert Feuerstein gesehen), verfolgte ich seine Show damals ziemlich regelmäßig und suchte inspiriert durch Gentry Lanes Tagebuch nach einer entsprechenden deutschsprachigen Seite für etwaige eigene Verbalergüsse. Ich stieß alsbald auf myTB und mit der damaligen Lieblingsautorin „Barfly“ (R.I.P. liebe Mimi 🌹 – Du bist viel zu früh von uns gegangen) auch auf eine Art Münchener Ausgabe jener Parisienne américain. Überhaupt war damals auf der nach eigenen Angaben „ersten Tagebuch-Community im Web“ (zumindest im deutschsprachigen Teil des WWW) wahnsinnig viel los: Einträge im Zehnminutentakt! Ich meldete mich umgehend an…

Schon damals nannte ich mich in der neuen Rolle des anonymen Schreibers „hypermental“. In der Hamburger Kunsthalle besuchte ich 2001 eine Ausstellung mit dem Titel „HYPERMENTAL – Wahnhafte Wirklichkeit 1950-2000. Von Salvador Dalí bis Jeff Koons“. Als ich im Jahre 2002 bei meiner Erstanmeldung auf myTagebuch.de einen geeigneten Nickname suchte, fiel mein in Gedanken schweifender Blick auf den entsprechenden Ausstellungskatalog im XXL-Format, der zuvorderst in meinem Bücherregal stand; durch die Chromstreben des Regalseitenteils leuchtete mich der Katalogtitel „hypermental“ neongelb von grau-schwarzem Grund regelrecht an. „Heureka! Das passt wie die Faust aufs Auge“, rief ich begeistert und meldete mich dann mit diesem Namen als Autor für meinen ersten Eintrag an.

Damals lebte ich ziemlich auf der Überholspur, kam nach einer eher graumausigen Jugend- und Studentenzeit allmählich aus meinem Schneckenhaus hervor, und wandelte meine Persönlichkeit aktiv – mit neuen Erkenntnissen aus einer von mir in Abendkursen absolvierten psychologischen Zusatzausbildung nachhelfend – von „introvertiert“ in Richtung „extrovertiert“ um (zumindest so weit, wie ich das irgendwie hinbekam – heutzutage bin ich eher wieder „intro“, kann aber auf Knopfdruck noch halbwegs auf „extro“ umschalten, falls erforderlich). „Hyper, hyper!“ Nachholbedarf – ich gab zu Beginn der Nullerjahre in vielen Lebensbereichen ziemlich Gas! „Mental“ passierte aber auch so einiges: Ich stürzte mich zwar ins Getümmel – begann aber gleich damit, dieses zu analysieren, zu bewerten und auch zunehmend (selbst)kritisch zu betrachten. Anders formuliert: Statt mein Glück zu suchen und dann vor allem auch festzuhalten, begann ich damals in meinen aktivsten Jahren sofort damit, alles zu zergrübeln… Vielleicht musste ich das „Erleben“ deshalb gleich auch wieder mit dem „Beschreiben“ erden… Oder warum fängt ein angehender Bonvivant innerhalb eines aufwärtsweisenden, ereignisreichen Lebensabschnittes mit dem Abfassen eines Online-Tagebuchs an?

Ich denke, ich wollte mich in der Rolle des (autobiografischen) Autors ausprobieren. Lange vor „optischen“ Austausch-Communities wie heutzutage YouTube, oder Instagram, gab es in jenen chatlastigen Netzjahren weitgehend nur „schriftliche“ Möglichkeiten zur Kommunikation im Internet. Ich wollte das einfach mal ausprobieren! Zum einen, ob ich interessant genug für ein Publikum schreiben könne (ein gewisses Feedback hatte ich bis dato lediglich durch hervorragende Deutschzensuren im Gymnasium erfahren), zum anderen, wie sich das anfühlt, wenn man im Schutze der Anonymität sein Innerstes nach außen stülpt und dort der Allgemeinheit zur Analyse preisgibt.

Weitere treibende Kraft war damals, dass ich mich anno 2002 mitten in der eben schon erwähnten Auf- und Umbruchphase befand (sowohl beruflich, weiterbildungsmäßig, als auch im Streben nach psychologischer Selbstreflektion & -erkenntnis) und ich auch durch die damit einhergehende Entwurzelung und Neueintopfung bedingt, einen heftigen Wechsel zwischen Stress- und Langeweilephasen erlebte, solange meine Tagesabläufe noch ein wenig aufgewühlt und zeitlich unkoordiniert abliefen. Das Schreiben war kontemplative Erholung vom Stress und ausfüllende Beschäftigung in den langweiligen Leerläufen zwischendurch. Außerdem konnte ich in längeren, introspektiv-selbstanalytischen Einträgen manche Dinge für mich selbst einordnen und verarbeiten.

Neben dem reinen Tagebuchschreiben wollte ich mich schon recht bald ebenfalls als Epiker ausprobieren und begriff solch eine Online-Community darüber hinaus ferner als Spielwiese für psychologisch-soziologische Feldstudien (zu meiner Erbauung und Zerstreuung). Daher erfand ich bereits nach etwas über einem Jahr auf myTagebuch.de mein fiktionales Zweitlabel „Nebelwarner“. Auf jener Plattform hatte ich im Laufe der Jahre 2003 bis 2006 gleich dreimal solche Quatsch-Accounts„Nebelwarner“ (64 Einträge), „Bonanza-Schorsch“ (38 Einträge) und „Panzerlurch“ (5 Blogeinträge) – mit denen ich ungestört die Sau rauslassen konnte, ohne den feingeistig-eleganten „hypermental“ zu beschädigen. Falls ich damals jemanden (der jetzt heute noch hier mein Weblog liest) dadurch zu heftig vor den Kopf gestoßen haben sollte, bitte ich das nachträglich zu entschuldigen – aber ich wollte damals „einfach mal sehen, was passiert, wenn man gegen den Elektrozaun pinkelt.“ Effekte beobachten. Reaktionsmuster in der Community verfolgen…

Im gleichen Maß, wie ich in jenen Zweitlabels deren Zielsetzung gemäß weitestgehend fiktional schrieb, versuchte ich bei „hypermental“ ehrlicher, d.h. autobiografisch-dokumentarisch, zu schreiben. Gerade weil ich damals unheimlich viel erlebte (die Ereignisdichte und die Zahl der Umbrüche waren mit meinem heutigen, zurückgezogenen Landleben überhaupt nicht zu vergleichen) und das Ganze noch den Beigeschmack eines neugierig suchenden (try & error) Selbsterfahrungstrips im Turbomodus hatte, versuchte ich bewusst alles möglichst genau festzuhalten.

Allein aus literarischen Gründen schummelte ich insofern ein wenig, dass ich manchmal mehrere Ereignisse zeitlich zusammenzog: Beispielsweise hatte ich mit meinem damaligen Alltagskumpel „Viktor“ an einem Abend ein sehr wesentliches Gespräch mit neuen Erkenntnissen für mich in dessen Wohnung gehabt, an einem anderen Abend der gleichen Woche traf ich mich mit ihm in einer Szenekneipe, wo wir bei einem vorzüglichen Islay-Whisky eine Zigarre rauchten und gelangweilt-belustigt den Snobs beim Balzen zuschauten. Im TB-Eintrag fand dann das vorangegangene Gespräch im Setting jener Kneipe statt, um die Story ein wenig aufzupeppen hinsichtlich Drive & Atmosphäre. Oder ich fügte ein paar interessante Randgedanken in eine beschriebene Handlung ein, die mir erst im Nachhinein eingefallen waren und nicht zeitgleich zu dieser. Zusätzlich gab ich allen Personen in meinem Tagebuch zur Anonymisierung Aliasnamen – vorzugsweise stilistisch „treffende“ (aus einem „Peter“ wird ein „Paul“, aus „Franz-Josef“ „Friedrich-Wilhelm“ und aus einer „Chiara-Marie“ eine „Charlene-Luise“)…

Innerhalb von insgesamt vier Autorenphasen als „hypermental“ kamen so auf myTagebuch in anderthalb Jahrzehnten 784 Folgen „Daily News from Absurdistan“ zustande. Zwischendurch löschte ich mich aus verschiedenen Gründen – oder probierte mich auch als autobiografischer Schreiber (nicht die erwähnten Quatsch-Accounts!) unter neuen Nicknames aus: 10 Einträge als „squire“ und 9 Einträge als „Trouper“. Auf Dauer kehrte ich aber immer wieder zur Schreiberidentität „hypermental“ zurück… 2006 bereitete ich dem ganzen Zweitlabel-Unwesen ein Ende und wandte mich bis 2010 komplett vom Blogschreiben ab. Allerdings begann ich innerhalb dieser vierjährigen Bloggingpause mit dem Hochladen selbstgedrehter Videos auf YouTube.

Für jene Bloggerkollegen aus längst vergangenen myTagebuch-Zeiten, die mich auch heute noch in der Diaspora auf WordPress regelmäßig lesen, habe ich anlässlich meines 1000-Einträge-Jubiläums eine kleine Zusammenstellung gebastelt, die Euch einen Überblick über sämtliche Labels und Identitäten ermöglichen soll, unter denen ich jemals auf myTagebuch unterwegs war. Vielleicht werden da noch die einen oder anderen nostalgischen Erinnerungen bei Euch wach… 😉 Schaut mal:

0080 hypermental myTB

0081 Nebelwarner

0082 Bonanza-Schorsch

0083 squire

0085 Panzerlurch

0084 Trooper

0086 hypermental WP

Im letzten Rahmen werden meine bereits 90 Blogeinträge erwähnt, mit denen ich nun auf WordPress die 1000 fett mache. Ob ich hier wohl auch auf 910 Beiträge kommen werde – so wie damals auf myTagebuch? Es wird sich zeigen… 😉

Seit Ende Oktober 2016 hatte ich auf myTagebuch keine neuen Einträge mehr geschrieben, trug aber nach etwa einem Jahr Abstinenz bereits wieder den Gedanken in mir, mich ein fünftes Mal als „hypermental“ dort mit „Daily news from Absurdistan“ zurückzumelden. In diese Erwägungen platzte durch meinen Bloggerkollegen Inorbit (der auf WordPress als „orbi64“ unterwegs ist) übermittelt die Horrornachricht, dass myTagebuch zum Jahresende 2017 seinen Betrieb einstellen würde. Durch ihn erfuhr ich auch, dass eine Diaspora dortiger Autoren sich hier auf WordPress neu beheimatet hätte… Es folgte meine Erstanmeldung hier und bisher 90 hypermentale Blogeinträge. Vielleicht nicht mehr so spektakuläre, wie damals auf myTagebuch – aber immerhin.

Die Community hier ist ebenfalls recht aktiv und allmählich verirren sich über die Ex-myTBler hinaus auch neue Gesichter auf mein WordPress-Blog. Sehr schön… 😊 Neue Leser und Abonnenten sind mir immer sehr willkommen! Zu besten MyTagebuch-Zeiten in den frühen Nullerjahren – als die Seite dort regelrecht brodelte – hatte ich dort mehrere hundert Abonnenten und meine Einträge wurden oft um die 1000 mal aufgerufen. Hier sind es nun immerhin schon 40 Follower und meine Beiträge werden auch immer häufiger gelesen – zwei haben sogar bereits die Hundertermarke überschritten. Langsam kommt wieder Leben in die Bude!

Meine fleißigsten WordPress-Kommentareschreiber seht Ihr übrigens hier:

0092 Sieger

Milou🥇 führt momentan mit 87 Kommentaren, auf den Plätzen 2 und 3 folgen Kätzerin🥈 und „Inorbit“ orbi64🥉, der aber im weiteren Verlauf vermutlich zurückfallen dürfte, weil er leider sein WP-Blog eingestellt hat und seitdem nur noch sehr selten hier kommentiert. 😦 Aber auf dem vierten Platz lauert mit bisher 34 Kommentaren bereits „Schreibman“ dieterkayser, um sich womöglich irgendwann Bronze zu holen… 🙂

Euch alle grüße ich ganz herzlich und hoffe, meine Leser und Abonnenten bleiben mir auch während der nächsten 1000 Blog-Beiträge gewogen. Bemerkenswert übrigens, dass einige von Euch tatsächlich bereits seit 2002 treue Leser sind – nicht zu fassen! :-)👍

13 Gedanken zu “1000er-Jubiläum

  1. Glückwunsch zur 1000! Ich werde über Tag mal nachsehen, wieviele Einträge ich bei WP und myTB geschrieben habe und seit wann. Keine Ahnung. 2002 ist es auf keinen Fall und 1000 mal etwas geblubbert auch nicht. Bin gespannt…Gute Nacht. 😴

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  2. Auch von mir herzlichen Glückwunsch 🙂. Ich habe meine „Runden“ selten beachtet. Die genaue Zahl der Beiträge bekomme ich auch nicht mehr hin, weil mir durch den Hackerangriff damals rund drei Monate fehlen. Es sind auf jeden Fall mehr als 3.000 in jetzt 17 Jahren.

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  3. Schöne Zusammenfassung deiner Blog-Aktivitäten. Ja, 2001 / 2002 / 2003 war bei myTB noch richtig viel los.
    Von deinen diversen Nicks kann ich mich nur noch an Nebelwarner und Bonanza-Schorsch erinnern (wusste aber nicht, dass Du das warst).
    Milou ist auch bei mir die Nummer Eins der Kommentatoren. Komischerweise bin ich erst im Oktober 2002 mit ihr in Kontakt gekommen (aufgrund unseres Adventskalender-Projektes), obwohl sie bereits ein halbes Jahr früher als ich bei myTB angefangen hatte.

    Im Laufe der Zeit wandelt sich vieles: Früher war ich auch „stolz“ auf hohe Leserzahlen, die bei mir aber bei weitem nicht so groß waren wie bei dir oder bei Milou). Jetzt habe ich ganz bewusst den Leserkreis durch PRIVAT-Schreiben eingeschränkt (die DSGVO war zwar der Auslöser, aber nicht der eigentliche Grund dafür). Irgendwann erschien mir das alles zu unkontrolliert – schon fast unheimlich.

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