Wonnemonat Mai – jetzt wird wieder überall gebumst

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Wonnemonat Mai! Frühlingserwachen! „Veronika, der Lenz ist da / Die Mädchen singen tralala / Die ganze Welt ist wie verhext / Veronika, der Spargel wächst!“ Überall schießt der Saft in die Spitzen – auf allen öffentlichen Grünflächen wird fleißig Händchen gehalten. …und geturtelt. …und geschnäbelt. Wonnemonat Mai – Zeit für Zärtlichkeiten.

Man zieht sich jetzt deutlich weniger an – und deutlich schneller auch ganz aus: In all den ganzen aufgestapelten Karnickelställen der Stadtmenschen herrscht vor meinem geistigen Auge ein einziges reges Treiben: Überall werden jetzt allabendlich die Laken gestärkt. Ein ubiquitäres Bumsen-Ficken-Blasen Wand an Wand in jeder Wohnwabe! Wonnemonat Mai – Paarungszeit.

Wonnemonat Mai in einer Welt, die nur noch aus Pärchen zu bestehen scheint… Ich habe mal gelesen, dass Männer, die ihre Triebe nicht ausleben können, dann fast zwangsläufig entweder aggressiv oder depressiv werden. Bei mir überwiegt eindeutig das Depressive – was ich auf meine Sozialisation in einem humanistisch geprägten Bildungsbürgerhaushalt zurückführe, denn das Aggressive findet sich eher in der Bildungsferne. Ein belesener Feingeist wie ich deprimiert eher, bevor er randaliert.

Mit der Wonne habe ich‘s hier nicht so – mein Liebesleben fing spät an (mit Mitte 20) und hörte dann auch schnell wieder auf (mit Anfang 40). Aber erstens habe ich mich hier freiwillig ins ländliche Abklingbecken verräumt, und zweitens: Wer soll mich denn überhaupt noch wollen? Einen alternden Schrat, der vor der Gesellschaft flieht. Ich habe doch nichts zu bieten! Auch wenn die ganzen ach so emanzipierten Frauen von heute das (direkt darauf angesprochen) entschieden verneinen würden – was in unsere kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft bei einem Kerl alleine zählt, ist die Kohle! Zumindest eine Lebensstandardfortführungsgarantie. Moderne Mädchen mögen vielleicht wirklich nicht mehr den Macker wollen, der ihnen den Malediven-Urlaub spendiert, sie mögen damit einverstanden sein ihren Anteil der Reise aus eigener Tasche zu bezahlen – aber einem Habenichts dann den kompletten Urlaub sponsern, damit er überhaupt auf die Malediven mitkommen kann? Lieber schnell wieder aus dem Staub gemacht und weitergetindert… Um auch mit leeren Taschen scoren zu können – dazu fehlt mir die Jugend oder das Charisma.

So war es dann auch dieses Jahr nichts mit dem „Tanz in den Mai“ – in der Nacht auf den 01.05. habe ich meine Monatsabrechnung für den April gemacht. Tippen statt Tanzen. Für mich ist der Mai kein Wonnemonat, sondern gemeinhin der Monat, in dem man sich auf seinen Arsch setzten muss, um seine Steuerklärung fristgerecht fertig zu kriegen. 😉

Wonnemonat MaiBullshit! Zumal das mit dem „Wonnemonat“ auf einem großen Missverständnis beruht: Karl der Große führte im 8. Jahrhundert den Namen Wonnemond ein (eigentlich althochdeutsch „wunnimanot“ = Weidemonat), der darauf hinweist, dass man in diesem Monat das Vieh wieder auf die Weide treiben konnte. Mit „Wonne“ im heutigen Begriffszusammenhang hat der alte Monatsname also eigentlich nichts zu tun. Die ursprüngliche Bedeutung wurde aber nachweislich schon im 16. Jahrhundert verdreht – hin zum „Monat der Lieblichkeit“.

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So, eigentlich müsste dieser Eintrag nun ordentlich Quote erzeugen und auch einen Haufen von Kommentaren provozieren. Alles dabei gewesen, was hier bei den Lesern auf WordPress zieht: Sex/Alltagsgedöns/Lernaspekt. Wenn es um das Leben und die Liebe geht – genauer: das Liebesleben – dann ziehen die Leserzahlen steil nach oben. Überhaupt bei emotional aufgeladenen Blogeinträgen. Aber auch bei möglichst tiefen Einblickmöglichkeiten in fremde Alltage: Man kann dann wahlweise entweder mitträumen („Hach, wie schön! So etwas würde ich gerne auch einmal erleben…“), oder sich positionsbestimmend vergleichen („Siehste! Dem geht’s da auch nicht besser, als mir…“). Entweder eigener banaler Belanglosigkeit tagträumerisch entflieht, oder diese durch die beruhigende Erkenntnis relativieren, dass es wo anders auch nicht besser ist. Wenn man dann aus einem Blogeintrag auch noch eine kleine Weisheit mitnehmen kann, einen anekdotisch-feuilletonistischen Wissensschnipsel harmloser Klugscheißerei (s.o. „Karl der Große/Weidemonat“), dann hat sich das Lesen auch gelohnt, und der Abonnent bleibt hoffentlich gewogen…

Der Konsument schätzt hier keinerlei Experimente – das erklärt auch den Quotensinkflug meiner „Sternenkreuzer Pirmasens“-Serie: 33 Aufrufe, 26 Aufrufe, 19 Aufrufe… Aber ich werde mich davon nicht beirren lassen: So lange noch wenigstens Milou und Nell meine „space opera“ regelmäßig weiter lesen und liken, werden neue Fortsetzungen verfasst! Deshalb werde ich auch in meinem nächsten Eintrag den Sternenkreuzer wieder fliegen lassen! Ihr bekommt alsbald das vierte Kapitel serviert…

Bis dahin verbleibe ich mit hypermentalen Grüßen an meine Leser und Abonnenten, denen ich einen schönen Sonntag wünsche!

6 Gedanken zu “Wonnemonat Mai – jetzt wird wieder überall gebumst

  1. „ubiquitäres“ (noch nie gehört / hab es gegoogelt) = allgegenwärtig. Auch wenn im Zusammenhang mit Bumsen-Ficken-Blasen. Bei dir lernt man was…

    „… Männer, die ihre Triebe nicht ausleben können…“ – Die letzte Frage von Herrn Maurer (im Janaur 2016) für das NEON-Interview war: „Wie hält man(n) das aus?“ – und ich verwies auf die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln… (Nicht-Feingeiste holen sich, was sie brauchen)

    „Lebensstandardfortführungsgarantie“ (auch ein schönes Wort. Muss ich mir merken). Das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass ich gar nicht „nach oben“ wollte, weil dann das Risiko eines Rückschlags umso größer ist. Alles musste nach unten hin abgesichert sein. Wer z.B. nie ein Auto besessen hat, kann auch im Falle eines Job-Verlustes keines verlieren.

    „Tippen statt Tanzen“ – so ähnlich sehe ich das zwar auch, freue mich aber über die länger werdenden Tage im Mai und die milderen abendlichen Temperaturen

    Zu erinnyes „Besser bockig weiterschreiben als sich bei zu wenigen Lesern gleich löschen!“ – Sehe ich auch so: Qualität geht vor Quantität (Anzahl der Leser). Vielleicht sollte die „Anzahl der Kommentare“ das neue „Anzahl der Leser“ sein.

    Ich selbst bin zwar kein Leser von „space opera“, hatte im Alter von 15 Jahren aber mal einen Krimi exklusiv nur für meine Cousine geschrieben. Es hat Spaß gemacht – und das ist doch die Hauptsache.

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