STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel III

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Kapitel III – Technobabble

Benjamin Freitag hatte sich statt eines regulären Abendessens eine Portion Speiseeis aus dem erst vor wenigen Wochen auf dem vorderen Freizeitdeck neu aufgestellten Food-Dispenser mit der leckersten Menüauswahl des ganzen Schiffes geholt. Statt des schon seit Wochen in den Flurgesprächen der Mannschaft als „legendär gut“ gehypten Walnusseises mit Ahornsirup, hatte er sich ein ebenfalls sehr ausgezeichnetes Pistazieneis gezogen. Beim neuen Gerät bemerkte man wirklich keinen Unterschied mehr zu „echten“ Speisen, wie sie teils noch auf der guten alten Erde zubereitet wurden. Dabei bestand das Dispenser-Essen im Wesentlichen aus allerlei in molekularer Form kartuschierten Grundzutaten wie Algenprotein, Zucker, Salz, Hefeextrakt, Grundaromen, Koffein, Capsaicin (= „Chili-Schärfe“), Stärkepulver oder Farbstoffen, aus denen im Gerät die jeweils angeforderte Kost binnen kürzester Zeit nach genauesten molekularen Bauplänen zusammengedruckt wurde. Auf vielen Raumschiffen war diese Art von Bordverpflegung jahrzehntelang ein gefürchteter Saufraß gewesen – aber das neue Ding vom Freizeitdeck war im Vergleich zu diesen alten Brechmittelschleudern eindeutig eine gelungene Weiterentwicklung!

Gerade als der langhaarige Pirmasenser mit der abendlichen Gitarrenspiel-Entspannung beginnen wollte, tönte aus seinem Kabinenlautsprecher – unmittelbar nach einer zum Generieren von Aufmerksamkeit erklingenden kurzen Gongmelodie – Hayden Findleys energische Stimme: Die Erste Offizierin verkündete, dass die „U.E.S.S. (= „United Earth Space-Ship“) Pirmasens“ in zwei Minuten auf die Initialgeschwindigkeit beschleunigen würde, die zum Erzeugen einer Warp-Blase mittels des Alcubierre-Antriebes notwendig ist. Die Crew solle nun gefährliche Arbeiten unterbrechen und sich gegebenenfalls auf ihre jeweils erforderlichen Sicherheitspositionen begeben! „In meiner Heia bin ich eh am sichersten“, grinste Ben und begann sich mit ein paar Gitarrenakkorden auf den Sprung in die Warp-Metrik einzustimmen. Zuvor hatte er immerhin seinen kleinen Hund „Spot“ pro forma ins Körbchen geschickt…

So ein Alcubierre-Antrieb ist ein wahres technologisches Wunder und eigentlich eine unglaubliche Erfindung – zumal Benjamins Eltern während ihrer Schulzeit noch gelernt haben dürften, dass gemäß der klassischen Physik nichts schneller unterwegs sein kann, als das Licht. Die Lichtgeschwindigkeit ist das kosmische Speed-Limit. Könnte ein menschgemachtes Objekt auf irgendeine Art und Weise so schnell werden, wie das Licht, so wäre es von der Erde bis zu deren nächstem Nachbarstern „Proxima Centauri“ dennoch viereinhalb Jahre lang unterwegs. Mit seinem Alcubierre-Antrieb schaffte der Sternenkreuzer Pirmasens diese Reise innerhalb eines Vormittages – wie konnte das möglich sein?

Nun, der Antrieb der Pirmasens erzeugt zu diesem Zwecke mittels „Exotischer Materie“ (die man ähnlich wie Antimaterie-Kapseln im zivilisierten Teil des galaktischen Orion-Armes an nahezu jeder Großtankstelle kaufen kann) einen bestimmten Energie-Impuls-Tensor, der das Raumzeitgebiet um das Raumschiff herum derart verändert, dass die Entfernung zwischen Start- und Zielpunkt verringert wird. Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Raumzeit vor dem Schiff kontrahiert und hinter ihm wieder expandiert. Da sich die Raumzeit selbst (gemäß Albert Einsteins Relativitätstheorie) auch überlichtschnell ausbreiten darf, kann ein Objekt dann innerhalb einer solchen Warp-Blase mitreisen. Die erste funktionierende Warp-Metrik wurde 1994 von Miguel Alcubierre aufgestellt – nach ihm wurde dieses Antriebssystem dann später benannt.

Keine der Kabinen – auch jene der Offiziere nicht – besaß ein Außenfenster. Im 22. Jahrhundert war dieses zum einen technisch nicht mehr erforderlich – es gab Kamera- und Bildschirmsysteme, die über eine bessere Auflösung als die schärfsten Adleraugen verfügten – zum anderen wurde bei der Konstruktion des Sternenkreuzer aus Stabilitätsgründen ein weitgehend fensterloses Design gewählt. Oben auf der Brückenaußenhaut gab es zwar ein paar Strukturen, die oberflächlich aus der Ferne betrachtet wie riesige Fensterflächen wirkten, aber in Wirklichkeit waren deren „Rahmen“ Segmentfugen von Rettungskapseln – im alleräußersten Notfall konnte man die komplette Crew auf der Kommandobrücke zusammenziehen und die Schiffsbrücke dann in Form von sechs unabhängig voneinander steuerbaren etwa Reisebus-großen Rettungsraumschiffen auseinanderkoppeln. Benjamin war bei seiner allerersten Begegnung mit der auf einem irdischen Raumfahrthafen gelandeten Pirmasens auch der geschilderten Fehlinterpretation erlegen und hatte deshalb damals das in Wirklichkeit annähernd 400 Meter lange Schiff von weitem betrachtet zunächst für deutlich kleiner gehalten. Bis die Taxidrohne schließlich direkt vor dem riesigen, mattgrauen Koloss aufsetzte.

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Statt Außenfenstern gab es in jeder Kabine riesige Bildschirme, die gleichsam einen Teil der Wände ausmachten. Auf diese konnte man sich ein Bild diverser Außenkameras holen – Benjamin tat dieses und setzte sein Gitarrenspiel fort. Ein paarmal vergriff er sich am Gitarrenhals, wenn ein leichtes Zittern durch das enorm schnell beschleunigende Schiff ging. Dank künstlicher Gegenschwere-Felder, die während dieser Flugphase von etlichen Generatoren erzeugt wurden, klebte Ben nicht samt Gitarre als Pfannkuchen an der achtern gelegenen Kabinenwand, sondern saß weiterhin komfortabel auf der Matratze seiner Koje. Das tiefe Grollen der Materie-Antimaterie-Triebwerke wurde nun immer lauter, bis Hayden Findleys aus dem Lautsprecher schrillende Stimme kaum noch dagegen ankam, als sie verkündete: „Achtung! Übertritt in den Alcubierre-Modus in zehn Sekunden!“ Oberhalb der vier parallel am Heck angeordneten Longitudinalwellen-Triebwerke, die während der Reise in der Warp-Blase in ihren rechteckigen Schächten mit einem unangenehmen Sirren für Vortrieb sorgten, lagen die beiden riesigen Materie-Antimaterie-Triebwerke. Kegelförmig nach hinten zulaufende Konstrukte, groß wie zwei Kirchturmdachspitzen einer Kathedrale, nur horizontal statt vertikal. Extrem starke Magnetfelder wurden mittels darin verborgen kompliziert angeordneter Spulen erzeugt, die dann wie zwei immaterielle Röhren oder Stachel hunderte Kilometer tief in den hinter dem Schiff gelegenen Weltraum ragten. Innerhalb dieser Magnetfeldlinien-Röhren annihilierten – unter einem unvorstellbar grellweißen, plasmatischen Leuchten – aus den Triebwerken ausgestoßene Antimaterie-Pellets mit der Umgebungsmaterie des Weltraums und gegebenenfalls zusätzlich ausgestoßenen Normal-Materie-Pellets, zu purer Energie, die das Schiff bis auf die zur Bildung der Warp-Blase notwendige Mindestgeschwindigkeit beschleunigte – etwa 6 bis 10 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Abhängig vom Schiffstyp konnte dieser Wert variieren. Die schwere Pirmasens sprang in der Regel bereits bei knapp unter 8 Prozent Lichtschnelle in den durch die Warp-Metrik definierten Raum.

Wenn ein riesiges Trumm wie der Sternenkreuzer mit solch einem Tempo unterwegs ist, darf ihm nichts Größeres in die Quere kommen – ausgeklügelte Navigationsalgorithmen sorgen dann dafür, dass nichts, das größer als ein paar Splittsteinchen ist, den direkten Kurs kreuzt. „Mikro-Asteroiden“ dieser geringen Größe zerstrahlen beim Aufprall auf ein am Bug projiziertes Schutz-Energiefeld noch, ohne Schäden anzurichten. Dennoch sind die letzten zwei Minuten vor dem Übertritt die prinzipiell gefährlichste Flugphase, in der das Raumschiff überhaupt unterwegs sein konnte – wenn man einmal von einem Flug unter Positronenkanonen-Beschuss durch Weltraumpiraten absah…

Auf dem virtuellen Kabinenfenster seines Wanddisplays konnte Ben diese hohe Geschwindigkeit kaum eigenen Auges nachvollziehen, lediglich der rostrote, knapp erdgroße Planet, in dessen Orbit die Pirmasens bei den Horkos aufgetankt worden war, schrumpfte am Bildrand recht schnell von Fußball- auf Golfball-Größe… Der eigentliche Übergang in den Alcubierre-Raum erfolgte wie immer ziemlich abrupt: Wie etliche der anderen Crewmitglieder auch, bemerkte Ben in diesem Moment einen kurzen, stechenden Kopfschmerz! Außerdem hatte er kurz den Eindruck, dass sich sowohl seine Kabine, als auch die eigenen Beine und der Gitarrenhals zu schier endloser Länge verzerrten. Inwiefern es sich bei dieser leicht psychedelisch wirkenden Wahrnehmung lediglich eine sekundenkurze optische Illusion handelte, oder ob durch die einsetzende Krümmung des Raumzeitgefüges bedingt, tatsächlich eine Zerrungs- oder Stauchungswelle (je nachdem in welche Richtung man gerade sah, wenn es einen erwischte) durchs Innere des Sternenkreuzers lief, die dafür sorgte dass Bens Füße einen Wimpernschlag lang an über dreißig Meter langen Beinen baumelten und die eigentlich ziemlich beengte Kabine die Dimension eines Kanalisationsstollens annahm… Das hatte ihm bislang noch niemand so wirklich ganz genau erklären können! Zumindest war Benjamin auch dieses Mal wieder in einem Stück geblieben. Glücklicherweise Spot, der in seinem Körbchen beim Sprung laut gekläfft hatte, ebenfalls. Und auch die Gitarre wies keine erkennbaren Beschädigungen auf, obwohl sie gerade erst einen Hals so lang wie der eines Diplodocus gehabt hatte. Dafür war nun in der relativen Stille nach dem Abschalten der grollenden Materie-Antimaterie-Triebwerke wieder das leicht unangenehme hohe Sirren zu hören, dass von den Longitudinalwellen-Triebwerken ausging, mit denen die Pirmasens innerhalb ihrer nun aufgebauten Warp-Blase Schub erzeugte.

Die künstliche Raumzeitkrümmung entstand vor dem Bug der Pirmasens durch Zerstrahlungswellen weniger Atome „Exotischer Materie“, die kontinuierlich mit mächtigen Linearbeschleunigern dorthin „gepumpt“ wurden, und umfloss den Schiffskörper samt seiner außerhalb jedes Raumzeitgefüges stehenden Warp-Blase, um ein paar Schiffslängen hinter dem Heck wieder zusammenzustürzen. Die sirrenden Longitudinalwellen-Triebwerke schoben die Pirmasens vor der chaotischen Geometrie, die sich an diesem Zusammensturzpunkt als eine Art multidimensionale Brandungsgischt ergab, her wie einen Sektkorken, der auf einer Champagnerfontäne in die Luft steigt… Auf dem riesigen Kabinenwanddisplay herrschte nun ein zwar unruhiges, aber gleichförmiges olive-goldenes Flackern vor. Ansonsten konnte man keine weiteren Strukturen erkennen. Das Geflackere begann Benjamin nach kurzem gehörig auf den Keks zu gehen, so dass er die Außenbildübertragung schnell wieder abschaltete. Während der Reise im Alcubierre-Modus gab es dort draußen nichts Interessantes mehr zu sehen.

Glücklicherweise ist übrigens der Sturz aus der Alcubierre-Metrik in den Normalraum, also das Ende der überlichtschnellen Reise, während derer das Schiff  fast fünf Parsec (= über sechzehn Lichtjahre) am Tag zurücklegen kann, weniger dramatisch, als der Eintritt in diesen Modus. Kaum Lärm und auch kein Kopfschmerz. Viele Crewmitglieder bekamen diesen Übertritt gar nicht so genau mit und Benjamin hatte ihn auch schon so manches Mal in seiner Koje verschlafen…

Vielleicht würde es ihm auch dieses Mal so ergehen, denn die Pirmasens würde nach Plan nur wenige Stunden im Warp-Modus bleiben und bereits in den frühen Morgenstunden der bordeigenen Zeitrechnung am Außenrand eines bislang unkartierten Planetensystems in den Normalraum fallen. Damit würde die aktuelle Expeditionsmission offiziell beginnen.

Zunächst aber versuchte Ben vergeblich in den Schlaf zu finden. Er grübelte eine ganze Weile über die Funktion des Alcubierre-Antriebes und über die Geometrie innerhalb einer mehrdimensional gestauchten Raumzeitblase nach, bis ihm der Schädel rauchte… War es nicht unglaublich, dass die Menschheit mittlerweile solche Raumschiffe fabrizieren konnte? Immerhin schrieb man „erst“ das Jahr 2121. Niemand hatte ahnen können, dass alles irgendwann so schnell gehen würde. Die technische Entwicklung hin zur interstellaren Raumfahrt… Die Einigung der Menschheit zu einer mono-nationalen, halbwegs friedlichen Gesellschaft – der „United Earth“… Die Kooperation mit intelligenten Außerirdischen unterschiedlicher Gattungen… Ohne die überraschenden Ereignisse damals im Pirmasens des Jahres 2058 wäre es lange nicht so schnell soweit gekommen!

Manchmal kommt es innerhalb der Menschheitsgeschichte zu solchen Wild-Card-Ereignissen. Als „Wild Cards“ werden in der Zukunftsforschung unerwartete Ereignisse bezeichnet, die eine geringe Wahrscheinlichkeit haben, deren Eintreten jedoch starke Veränderungen nach sich zieht – „seltene und überraschende Ereignisse mit massiven Auswirkungen“, wie jener Fund in der rheinland-pfälzischen Provinzstadt Pirmasens, nachdem nichts mehr so war, wie zuvor. Vielleicht wurde im Jahre 2058 n.Chr. sogar diejenige Wild Card gezogen, die die Menschheit innerhalb ihrer gesamten Historie bislang am gehörigsten durcheinanderwirbelte!

Zunächst hatte das 21. Jahrhundert recht unerfreulich begonnen, Terror und kriegerische Konflikte, die manchmal bis an die Grenze eines atomaren Schlagabtausches führten, dazu ein Reigen von Spinnern an den Schaltstellen der Macht – zunehmend sogar hochkarätige Psychopathen im Amt von Regierungschefs bislang halbwegs gut funktionierender Demokratien. Außerdem Umweltzerstörung und Ressourcenverschwendung. Nein, es sah damals wirklich nicht gut aus… Immerhin hatte sich allmählich der technologische Fortschritt beschleunigt. Elon Musk hatte ab 2028 ein paar Dutzend Desperados in mit der heißen Nadel gestrickten One-Way-Raumschiffen zum Mars geschickt – das Ganze war bekanntlich gehörig in die Hose gegangen und endete dann in einem riesigen PR-Desaster. Bereits wenige Jahre später bekamen die Chinesen das Thema „Marskolonie“ dann schon entscheidend besser hin, während Musk nicht mehr im Kreis der Milliardäre weilte. Dafür schob sich ein Anderer an die Spitze der Superreichen – ein indischstämmiger US-Amerikaner, dessen Start-Up im Bereich des Weltraumbergbaus (prinzipiell das fachgerechte Zerlegen edelmetallhaltiger Asteroiden) ihn ums Jahr 2040 herum sehr schnell zum ersten Billionär der Welt machte.

Somit klaffte die Schere zwischen Oben und Unten global gesehen wieder etwas weiter. Denn auch dem Teil der Menschheit, der finanziell auf der anderen, der rückwärtigen Seite der Medaille beheimatet war, ging es nach einigen positiven Entwicklungsfortschritten spätestens zur Jahrhundertmitte wieder erheblich schlechter: Überbevölkerung, Klimawandel und Massenmigration forderten ihren Tribut! In vielen Gebieten tobten Unruhen, es kam zu Aufständen und deren blutiger Niederschlagung. Das Model des autoritären Polizeistaates machte global gesehen Schule. Von der Europäischen Union war zu diesem Zeitpunkt nur noch ein kläglicher Rumpf übrig geblieben, der aus Frankreich, Deutschland, Luxemburg und dem wallonischen Teil Belgiens bestand. Diesem schwächelnden Rest-EU-Gebilde gegenüber standen im Chaos versinkende europäische Nationalstaaten, die sich untereinander zunehmend feindlich gesonnen waren. England hatte sich nach der Abspaltung der Schotten den Amerikanern an den Hals geschmissen und war recht schnell ein weiterer U.S.-Bundesstaat geworden. Überhaupt waren die Amerikaner nun gehörig im Aufwind, denn um dem immer schneller erstarkenden China, das sich zudem mit Russland verbündet hatte, wirtschaftlich etwas entgegen zu setzen, hatten sich die USA, Kanada, Mexiko, Brasilien, Argentinien, sowie Portugal und Australien immer enger zusammengeschlossen. 2053 gründeten sie einen gemeinsamen Staatenverbund, schlicht und dennoch pathetisch „Atlantis“ genannt!

Wenn man von unbedeutenden Chaosländern (wie etwa dem an seiner hohen Staatsverschuldung und der Überalterung der Gesellschaft gescheiterten und seitdem wirtschaftlich komplett ins Aus geratenem Japan) und zusammengefallenen Krisenregionen, in denen sich Terroristen verschiedener ideologischer Strömungen gegenseitig die Köpfe einschlugen, einmal absah, dann gab es im Jahre 2058 nur noch fünf bedeutende, voneinander abgrenzbare und oft miteinander gehörig im Clinch liegende Macht-Blöcke auf dem Planeten Erde: Erstens „Atlantis“, zweitens Russland/China, drittens die Inder, viertens ein aus etlichen teilweise durchaus reformwilligen, aber dennoch äußerst strenggläubigen muslimischen Ländern hervorgegangenes „Kalifat“, dass sich von Südspanien aus ums Mittelmeer herum durch den Nahen und Mittleren Osten und den Großteil Afrikas über einen Teil Südostasiens bis nach Indonesien herunter zog, und fünftens die kleine Rest-EU, die man als globale Großmacht aber so gut wie vergessen konnte. In China und Atlantis wurden zunehmend technologische Fortschritte gemacht – der Abstand dieser beiden Blöcke zum Rest der im Vergleich zurückbleibenden Welt wuchs rasant – auch befeuert durch die hitzige Konkurrenz der beiden äußerst konträren Weltgegenden untereinander, die sie mehrfach bis an den Rand atomwaffenbefeuerter Scharmützel führte. Inzwischen beherrschte man die Kernfusion als Energiequelle in Kraftwerken und ersten Raumfahrzeugen. Chinesische Großraumschiffe mit dieser neuen Antriebstechnik brachten die Besiedelung von Mond und Mars auf den Weg, nachdem Elon Musk wenige Jahre zuvor noch grandios daran gescheitert war. In den 2050er Jahren betrug die Reisezeit zum Mars nur noch drei Wochen. Ernsthafte Pläne, das eigene Sonnensystem zu verlassen und zu anderen Sternen aufzubrechen, hatte aber noch niemand geschmiedet. Im großen chinesischen Teilchenbeschleuniger, dessen Ring einen viermal so großen Durchmesser hatte, wie der des CERN in Genf, erzeugten sie erstmals Antimaterie in größeren Mengen und entwickelten sogar Verfahren, um diese sicher zu speichern. Irgendwann einmal würde man damit vermutlich sogar Raumschiffe antreiben können – aber die Grundlagenforschung dazu steckte noch in den Kinderschuhen…

Immerhin entwickelten sich durch die innige Konkurrenz zwischen Atlantis-Amerikanern und ihren Chinesischen Opponenten auch ein paar umweltschonende Technologien weiter: Man verzichtete weitgehend auf fossile Energieträger, begann die vermüllten Meere zu filtern und machte erste Geo-Engineering-Schritte, um die Globale Erwärmung vielleicht doch noch anhalten zu können…

Das also war die globale Entwicklung bis zum Jahre 2058. Dem Jahr, das Alles ändern und die Menschheit auf einen neuen, vermutlich besseren Weg bringen sollte! Was damals genau geschah, welche „Wild Card“ das Schicksal unerwartet aus seinem Ärmel schüttelte, soll im folgenden Kapitel „Wild Card – Pirmasens 2058 n.Chr.“ betrachtet werden.

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Vielleicht enthielt dieses die Modalitäten überlichtschnellen Reisens erklärende Kapitel ein bisschen zu viel „Technobabble“ – aber in den nächsten Kapiteln wird die Story vom „Sternenkreuzer Pirmasens“ vermutlich wieder mehr „Space Opera“ als „Hard Science-Fiction“. Habe ich mir zumindest gerade vorgenommen… 😉

(eine Übersichtsliste mit direkten Links zu allen bisher in meinem Blog veröffentlichten „Sternenkreuzer Pirmasens“-Kapiteln findet Ihr unter diesem Link)

4 Gedanken zu “STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel III

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