STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel I

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„And Now for Something Completely Different…“ – Ihr seht es schon am Header, dass Euch heute etwas Neues erwartet. Um genauer zu sein: Das erste Kapitel einer selbsterdachten Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte. Ob das etwas für Euch ist, müsst Ihr nach dem Lesen der ersten Episode selbst entscheiden.

Unterhalb des Header-Bereiches meines Blogs seht Ihr im schwarzen Balken den Link „Storys & Serien“ (alternativ könnt ihr auch hier klicken, um dorthin zu gelangen). Wenn Ihr jenem Link folgt, kommt Ihr ab sofort auf eine feststehende Unterseite meines Blogs, auf der Ihr meine auf WordPress veröffentlichten Fortsetzungsgeschichten findet. Dort findet sich auch die heute mit diesem Eintrag startende Serie „STERNENKREUZER PIRMASENS – Wahnsinn im Weltraum“. Eine Kapitelübersicht kann aber auch als Unterlink oben im schwarzen Balken meines Blogs (alternativ bitte hier klicken) aufgerufen werden.

Viel Freude beim Verschlingen des ersten Sci-Fi-Kapitels, das nun unten folgt! Erwartet nur bitte nicht zu viel – ich bin schließlich kein professioneller Schriftsteller. Meine Schreibversuche hier betrachte ich eher als hobbymäßige geistige Fingerübungen. Wenn ich Euch damit leidlich unterhalten kann – umso besser!

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Kapitel I – Stairway to Heaven

Fünfeinhalb Quadratmeter sind nicht viel, er bevorzugte die Angabe von 13 Kubikmetern – das hörte sich schon etwas besser an. Aber um es sich gemütlich zu machen, brauchte er auch nicht wirklich viel Raum. Benjamin saß entspannt auf der Bettkante in seiner Standartkabine für einfache Crew-Mitglieder, die sich in einem 8-Kabinen-Habitationssegment auf einem der untersten Decks hinten rechts im Bauch der „U.E.S.S. Pirmasens“ befand. Auf seiner schon leicht verschrammten Akustikgitarre zupfte er das Solo aus dem Song „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin. Er bekam es leidlich hin. Benjamin mochte dieses uralte Zeug von der Erde. Kürzlich hatte er sich die Noten auf sein annähernd wandfüllendes Kabinendisplay geladen, nachdem er irgendwo gelesen hatte, dass der Song auf der Erde gerade sein 150-jähriges Jubiläum feierte und deshalb zum Weltkulturerbe erklärt worden war. „Spot“ lag bereits in seinem Körbchen zu Benjamins Füßen und schlummerte friedlich – der kleine Hund war das abendliche Geklampfe seines Herrchens schon seit dem Welpenalter gewohnt. Ebenso die relative Enge der Crewkabine Nummer 7 im Habitationssegment R4-8. Die Strich-Achter-Segmente waren die unbeliebtesten bei der Besatzung des Sternenkreuzers, weil sie ziemlich nahe am Heck des Schiffes lagen – das beständige hohe Sirren der Longitudinalwellen-Triebwerke nervte so ziemlich jeden, der eigentlich einen erholsamen Nachtschlaf suchte. Wie ein ekelhafter Tinnitus zirpte es so weit achtern gelegen während der Reise im Alcubierre-Modus. Wohl dem, der sich mit Gegenschallkopfhörern oder ganz altmodisch mit Ohropax dagegen wappnen konnte! Ja, auch im Jahre 2121 terranischer Zeitrechnung war „Ohropax“ immer noch ein bewährtes Mittel für solche Zwecke…

Benjamin Freitag beugte sich in sein Solo vertieft über die Gitarre, seine langen braunen Haare fielen ihm ins Gesicht und verdeckten fast sein künstliches rechtes Auge. Vor knapp drei Jahren hatte er sich auf einem unerwartet gefährlich verlaufendem Außeneinsatz auf dem waldreichen Planeten „Finaxa“ befunden, der in einem weitgehend unbedeutenden Planetensystem um eine orangefarbene Sonne der Spektralklasse K kreist. Der Expeditionstrupp musste dort mehrere Todesopfer zurücklassend sehr bitterlich feststellen, dass der Top-Prädator der lokalen Fauna offenbar bis zu jener Begebenheit nicht hinreichend bekannt gewesen war. Ben hatte noch Glück im Unglück gehabt, weil ihm der „Dreikieferige Klebstachler“, wie man dieses unerfreuliche Geschöpf nach der fehlgeschlagenen Expedition wissenschaftlich taufte, ein fast neun Meter hohes Monstrum, mit seiner stahlharten Chitin-Stachelharpune nur den rechten Gesichtsschädel zerfetzte, ohne dass er an dieser enormen Körperwaffe kleben blieb. Anderenfalls hätte das Biest ihn mit seinem Harpunierarm ebenso in den garagentorgroßen Schlund abgestreift, wie drei seiner Expeditionstrupp-Kollegen. Da selbst die sehr fortschrittliche Nanochirurgie auf der „U.E.S.S. Pirmasens“ den zerstörten Schädel nicht zufriedenstellend wiederherstellen konnte und für eine partielle Stammzellenklonung eines neuen Auges nicht die nötige Zeit vorhanden war, bekam Benjamin ein ziemlich fesches Cyborg-Teilschädelimplantat verpasst, dessen silbrige Metallflächen vorzüglich mit seinem milchkaffeefarbenen Teint harmonierten.

Vermutlich hatte die für die gescheiterte Planetenerkundungs-Expedition verantwortliche Erste Offizierin der Pirmasens, Hayden Findley, ein überaus schlechtes Gewissen gehabt. Sie war damals noch recht neu auf dieser verantwortungsvollen Führungsposition. Jedenfalls trug Benjamin nun als einfaches Crewmitglied ein wahres High-Tech-Sehimplantat mit fantastischen Zoom- und Farbspektren-Funktionen, wie es eigentlich nur Elitesoldaten zustand. Hätte die rothaarige und mit Anfang Dreißig noch ziemlich junge Erste Offizierin, die auf der Brücke der Pirmasens gleich die Nummer zwei nach Captain Erno Santorius war, gewusst, dass dieses besondere Implantat mit der grün schimmernden Linse auch über eine radarähnliche Körperscanner-Funktion verfügte, hätte sie sich vermutlich gegen das Einpflanzen einer solchen High-Tech-Kostbarkeit bei Benjamin Freitag ausgesprochen. Zumal dieser nach seiner erfolgreichen OP regen Gebrauch von der Körperscanner-Sonderfunktion machte, wenn er der jungen Offizierin irgendwo in den endlosen Gedärmen des Sternenkreuzers über den Weg lief. Aber Benjamin war ein stiller Genießer…

Er legte sich generell besser nicht mit den oberen Mannschaftsrängen an. Eigentlich war es ein kleines Wunder, dass Ben mit seiner bescheidenen Ausbildung an Bord eines Sternenkreuzers sein durfte. Von diesen Schiffen, die zur absoluten Speerspitze der irdischen Weltraumarmada gehörten, gab es nicht sonderlich viele. Der erdnahe Interstellarverkehr bedurfte keiner außerordentlich schwer bewaffneten Raumschiffe – von gelegentlichen, eher polizeilichen als militärischen Anti-Piraterie-Einsätzen abgesehen, gab es dort keinen Bedarf für solche fliegenden Festungen. Bei den Sternenkreuzern handelte es sich im Prinzip um so etwas wie die „Schlachtschiffe des 22sten Jahrhunderts“. Sie wurden oft als Expeditionsschiffe in die unbekannten Bereiche des Orion-Arms der Milchstraße vorgeschickt, in dem sich auch die Erde befindet. Bis auf sehr wenige Ausnahmen war man über den Orion-Arm noch nicht hinausgekommen. Zwar hatte man seit jenen Entdeckungen in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts den Alcubierre-Antrieb – damaligen Zeitgenossen besser als „Warp-Antrieb“ bekannt – mittels dessen die Lichtgeschwindigkeit ihre Rolle als limitierende Barriere verloren hatte, aber wieso sollte man bei der weiteren Erkundung der Galaxie unsystematisch vorgehen? Sternenkreuzer wie die „U.E.S.S. (= „United Earth Space-Ship“) Pirmasens“ verschoben in ihren unermüdlichen Expeditionseinsätzen wöchentlich die Grenze der bekannten Raumsektoren in erdabgewandtere Regionen des Orionarms. Und Benjamin Freitag – der sich selber durchaus für ein relativ kleines Licht innerhalb der menschlichen Raumfahrergemeinde hielt – war mit dabei! Mit seiner Gitarre und seinem Hundchen „Spot“!

0101 Benjamin Freitag

Natürlich hatte der spitzbärtige Enddreißiger mit den langen Haaren und dem milchkaffeefarbenen Teint eine halbwegs standesgemäße Raumfahrerausbildung aufzuweisen – eine abgeschlossene Technikerausbildung, ein paar Semester an der Uni in so unterschiedlichen und natürlich keine erbetene Gradlinigkeit im Lebenslauf erzeugenden Fachbereichen wie Ingenieurswissenschaften, Astronomie, Comiczeichnen und Sonderpädagogik, ein Astronautentraining, ein paar lästige Psychokurse… Das Übliche. Jedes dahergelaufene Frachtschiffbesatzungsmitglied kann da locker mithalten. Dank der immer günstiger werdenden Memlock-Technologien konnte sich inzwischen jeder Depp auf Karten gespeichertes Fachwissen direkt ins Hirn kloppen wie ein marsianischer Minenarbeiter seine Happy-Pillen. Standardprogramm. Wie kam also einer wie Benjamin Freitag, jemand, der erst mit Mitte Zwanzig erstmals den Erdorbit verlassen hatte und unter beklagenswerten Bedingungen bei einer als Stripperin arbeitenden alleinerziehenden Mutter in einem Zwei-Zimmer-Loch außerhalb jeglicher Gated Communities aufgewachsen ist, als Crewman an Bord eines hochgerüsteten Sternenkreuzers, der dank Alcubierre-Antrieb mit besonders modernen, in gleich vier Parallel-Schächten angeordneten Hochleistungs-Longitudinalwellen-Triebwerken fast fünf Parsec (= über sechzehn Lichtjahre) pro Reisetag zurücklegen kann? Ein waffenstarrendes Expeditionsschiff – so groß wie ein irdischer Flugzeugträger des frühen 21sten Jahrhunderts – das folglich die Reise von der guten alten Erde zum dieser am nächsten gelegenen Stern „Proxima Centauri“ innerhalb eines guten Vormittags zurücklegen kann? Nun, Benjamin hatte den Job in einer Lotterie gewonnen!

Als man die Pirmasens auf Kiel gelegt hatte (dieses war tatsächlich in einer Werft auf der Erde geschehen – normalerweise werden so große Raumschiffe in einem Mondorbit zusammengebaut, aber die leistungsstarke, äußerst robust konstruierte Pirmasens kann trotz ihrer Größe und ihrer Masse ganz klassisch auf einem Planeten landen und auch wieder starten), entschied man sich dafür, diesen Kreuzer nicht nach einer terranischen Metropole wie Jakarta, Shenzhen oder New York zu benennen, sondern nach der vergleichsweise unbedeutend erscheinenden kreisfreien Stadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz. Schließlich hatten in diesem damals absolut heruntergewirtschaftetem Städtchen mit kaum noch 40.000 Einwohnern kurz nach der Mitte des 21. Jahrhunderts jene Ereignisse stattgefunden, die dazu führten, dass die Menschheit gute 60 Jahre später zu jenen Spezies gehört, die die interstellare Raumfahrt beherrschen und auf hunderten von Planeten Stützpunkte und Kolonien errichtet haben! Hätte die Straßenbaukolonne in jenem Jahr 2058 nicht zufälligerweise den sprichwörtlichen „Startknopf“ im Pirmasenser Untergrund entdeckt, dann wäre Benjamin heute wahrscheinlich ein namenloser Junkie in den Straßen dieses betongrau-hässlichen Provinzdrecksloches, in dem die Menschen damals die geringste Lebenserwartung Deutschlands hatten… Pirmasens war Mitte des 21. Jahrhunderts quasi ein Endlager für hoffnungslosen Menschenmüll. Gut, einige Stadtteile – unter anderem jener, in dem Benjamin aufwuchs – sind das prinzipiell auch noch  heute im Jahr 2121, aber Pirmasens ist nach dem Initialschuss von 2058 inzwischen auch „Erbe der Menschheit“, globales Zentrum der Wissenschaft und Sehnsuchtspilgerort etlicher Raumfahrt-Nerds. Teils sogar nicht-menschlicher Raumfahrt-Nerds!

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Kurzum – man hatte anlässlich der Kiellegung des Sternenkreuzers „U.E.S.S. Pirmasens“ vor einigen Jahren eine Art Lotterie für jene gebürtigen Einwohnern von Pirmasens, die über eine halbwegs akzeptable Raumfahrerausbildung verfügten – sehr viele waren das übrigens nicht gewesen – abgehalten, bei der als Hauptgewinn ein Crew-Ticket für den neuen Sternenkreuzer winkte. Unter den 178 teilnehmenden raumfahrtqualifizierten Pirmasensern war Benjamin Freitag der Glückspilz, der diesen Hauptgewinn an Land zog und deshalb heute an Bord des nach seiner Heimatstadt benannten Weltraum-Schlachtschiffes ist. Vermutlich mit einem der un-elitärsten Werdegänge der ganzen Sternenkreuzer-Crew. Da er aber auch eines der Crewmitglieder ist, das am stärksten auf Konventionen scheißt, ist ihm dieser Sachverhalt herzlich egal. Ben liebte das Un-Elitäre! Milde lächelnd zupfte er um 23:45 Uhr Bordzeit auf seiner Gitarre das Solo von „Stairway to Heaven“, während der schwere Sternenkreuzer innerhalb seiner Warp-Blase durch die mittels des Alcubierre-Antriebs gekrümmte Raumzeit raste. Die in vier parallelen Schächten am Heck angeordneten Longitudinalwellen-Triebwerke, mit denen die Pirmasens innerhalb ihrer Warp-Blase Schub erzeugte, sirrten schrill vor sich hin. Nach dem Gitarre-Üben würde Benjamin sich dagegen sein „Ohropax“ reinstecken. Hundchen „Spot“ hatte bereits seine beiden Stöpsel in den haarigen Lauschern und schnarchte zufrieden im Körbchen auf dem antirutsch-gummierten Kabinenboden.

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Damit möchte ich für heute das erste Kapitel meiner Weltraumsaga schließen – ich hoffe ich konnte Euch damit ein bisschen unterhalten… Über ein kleines Feedback würde ich mich freuen. Möchtet Ihr weitere Kapitel lesen? Oder finden meine Leser, dass es sich beim obenstehenden Werk um den letzten Mist handelt? Vermutlich werde ich bei einer halbwegs positiven Aufnahme durch meine Leser die Abenteuer der Pirmasens-Crew in ziemlich lockerer Folge innerhalb meiner sonstigen Blogeinträge fortsetzen…

Ich wünsche meinen Lesern und Abonnenten jedenfalls einen guten Start in die neue Woche und verbleibe mit hypermentalen Grüßen!

2 Gedanken zu “STERNENKREUZER PIRMASENS – Kapitel I

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