Sind Hosen so eng, dass es krächt, ist’s schlecht für’s Gemächt!

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Gestern ließ ich an dieser Stelle den „Sternenkreuzer Pirmasens“ aufs Weltall los – da zumindest Nell und Milou möchten, dass er dort weiter umherkreuzt, werde ich die Sci-Fi-Geschichtenreihe wohl fortsetzen… 😉

Was gibt’s Neues? Nichts Gravierendes eigentlich… War heute bisschen Einkaufen und Leergut wegbringen. Aus meinem präferierten innerstädtischen Supermarkt nahe des FH-Campus von „Graustadt“ habe ich mir mal wieder Sushi zum Mittagessen mitgenommen. Sehr schade, dass dieser Markt recht bald schließen wird, weil sich die Betreiberkette aus unserem Bundesland komplett zurückzieht. Mir wird das dortige – von den meisten hiesigen Supermärkten teils recht deutlich abweichende – Sortiment fehlen. Vielleicht war ich zum letzten Mal dort einkaufen, bevor der Betreiber wechseln wird. Vor allem die fabelhafte Fischtheke wird mir fehlen und Philomena die für norddeutsche Verhältnisse recht ordentlich mit diversen französischen Spezialitäten bestückte Käsetheke… Schade. Ich kaufte dort stets auch ganz gerne ein, weil man dort nicht nur die verwachsenen Kafutteln sieht, die hier in den meisten Supermärkten das Bild dominieren, sondern dank Campus-Nähe auch mal ein paar schöne Menschen! Fast wie früher in meiner gepriesenen einstigen Wahlheimat „Shangri-La“, wo ich für 17 Jahre residierte und ein völlig anderes Klientel das Stadtbild bestimmt, wie in den hiesigen Notstandsgebieten „Graustadt“ und „Klein-Arabien“… Heute hatte sich allerdings zwischen die dortigen Regalreihen ein eiterpusteliges Subjekt verirrt, das bestialisch stank! Der junge Typ sah grausam vernachlässigt aus und roch wie eine indische Leprakolonie im Hochsommer – allerhand! Habe beim Einkaufen schon länger nicht mehr jemand dermaßen verwahrlostes gesehen und – noch schlimmer – gerochen… Grob.

Wo wir gerade vom Einkaufen reden – Ende letzter Woche habe ich mir nach ziemlich langer Pause mal wieder ein paar Klamotten gegönnt. Prinzipiell übe ich diesbezüglich ja eher Askese und kaufe Anziehsachen eher selten und dafür hochwertig. Durchschnittsdeutsche kaufen bekanntlich mittlerweile fast 60 Teile Oberbekleidung pro Jahr – eine groteske Verschwendung, bei der ich nicht mitmache! Schwachsinnige Konsumdeppen, denen es am gebleachten Anus vorbei geht, dass der Planet unter anderem deswegen zum Teufel geht! Menschenunwürdige Ausbeutung in Billigfabriken; ein Neokolonialismus, der dazu führt, dass Heerscharen von kaputtgeknechteten Billigarbeitern irgendwo zwischen giftiger Farbjauche und übelsten Legebatterie-Arbeitsplätzen in einsturzgefährdeten Industrieruinen in 7-Tage-die-Woche-16-Stunden-Schichten ihrem unweigerlichen Frühableben entgegenleiden. Dazu werden die letzten Ressourcen vernichtet und ein immenser Müllberg auf die Umwelt losgelassen. Wenn ich so eine von ihren „Influencern“ auf Instagram aufgehetzte junge Konsum-Hohlbirne im Kaufrausch sehe, die ihren täglichen „Haul“ an Billigklamotten tütenweise mit sich schleppt – Kalaschnikow und aus!

Meine eher hochwertigen Klamotten halten oft jahrzehntelang – man darf dann nur nicht allzu modisch kaufen, sondern eher klassisch. Weil ich nur sehr ungerne etwas wegwerfe, hatte ich im Herbst 2016 ein Sortiment von rund einem Dutzend Hosen, zwischen denen ich wechseln konnte, einige davon bereits anderthalb Jahrzehnte alt, zwei jedoch erst in jenem Jahr neu gekauft. Doch dann kam der G.A.U.! Ich trug eine meiner eher eng geschnittenen Jeans, als ich im Herbst 2016 nach Berlin fuhr, wo ich unter anderem auch meinen Kumpel Rudi und den Internet-Kollegen Inorbit traf. Auf dem Hinweg geriet ich mit meinem Coupé, das ich damals fuhr, in einen 7-stündigen Mega-Stau – die ganze Tour dauerte über 12 Stunden… Da ich im Stau nicht aussteigen konnte, weil es alle zwei oder drei Minuten ein paar Dutzend Meter weiter ging, quetschte ich mir beengt sitzend in der Jeans wichtige Teile und handelte mir eine überaus schmerzhafte Venenentzündung ein, die mich 11 Wochen lang beschäftigte! 11 Wochen, während derer ich darauf aufpassen musste, dass sich nichts ereignete, das einem „das Blut in die Lenden schießen“ ließ. 11 Wochen, während derer ich nur weite Jogginghosen tragen konnte und mir sogar eine orientalische Pluderhose zulegte, um darunter unterhosenlos-optimierte Heilbedingungen zu schaffen… Nie wieder knallenge Jeans oder Slim-fit-Chinos! …da fällt mit glatt eine Songzeile von Udo Lindenberg ein:

0056 Hoden lose

Ich kaufte mir dann nach den 11 Wochen Schonzeit zwei neue Hosen in einer Korpulenten-Größe, die mir zwar ein kleines bisschen zu kurz waren, aber dafür obenrum extrem geräumig. Mit diesen beiden Hosen und einer uralten Jeans, die ebenfalls recht bollerig geschnitten war, bestritt ich dann die letzten anderthalb Jahre. Ich hatte nun sommers wie winters nur noch drei passende Hosen. Eine graue Flanellhose, die ich mit Sakkos kombinieren konnte, eine dunkelbraune Opa-Cordhose und die alte, weitgeschnittene Jeans. Alle anderen Beinkleider traute ich mich nicht mehr anzuziehen, denn der Schwengel-Schmerz war hinreichend abschreckend gewesen…

Um auch wieder ein paar passende Sommerhosen zu besitzen, begab ich mich also Ende letzter Woche zum „Peek & Cloppenburg“ in einer innerstädtischen Shopping-Mall von Graustadt und streifte dort zunehmend zerknirschter werdend durch die Klamottenreihen: Nur Scheiße dort! Nur Schrott… Entweder alles zu eng, oder zu modisch, oder nicht in der benötigten Größe da. Der ganze Laden hatte sich offenbar verkleinert – nicht nur die Verkaufsfläche, sondern auch das Sortiment. Übel.

Ich verließ die Mall und fuhr zu meinem über Jahrzehnte bevorzugten Herrenausstatter, einem der letzten in Graustadt verbliebenen Bekleidungs-Einzelhändler. Früher hatte ich regelmäßig dort eingekauft – ja, schon meine Kinderklamotten hatte Mutter teils dort erworben. In den letzten Jahren war ich nicht mehr dort gewesen, weil mich die Preise zunehmend abschreckten, als es mit mir wirtschaftlich eher bergab ging. Dort erhielt ich umfangreiche und sehr sinnvolle Beratung, denn der kompetente Verkäufer (ja, solche gibt’s dort tatsächlich noch!) machte mich mit einem neuen Hosenmaterial vertraut: Er zeigte mir eine Herrenjeans von Replay aus sogenanntem „Hyperflex“. Philomena hat ein paar supergeile, eng sitzende Damenjeans, die aus einem ähnlichen Textil sind – ich hatte mich immer leicht neidisch gefragt, wieso es eigentlich keine Herrenhosen aus so einem dehnbar-bequemen Material zu geben schien… Sehr elastisch, man kann sich darin bequem bewegen und dennoch quetscht es trotz Slim-fit nirgends. Nun, inzwischen gibt es so etwas offenbar auch für Herren und ich kaufte die Replay-Jeans nach nur halbminütiger Bedenkzeit trotz ihres recht saftigen Preises.

Zusätzlich erstand ich dort noch eine goldbeige Sommerhose. Chinos, die gerade obenrum eher recht weit und bequem geschnitten waren und deshalb hoffentlich auch nichts bis zur Venenentzündung einschnüren werden, falls ich mal wieder stundenlang auf einem Sitz festgeschnallt reglos herumsitzen muss.

Ansonsten absolvierte ich nachmittags noch allerlei Gartenarbeiten. Im Garten trage ich übrigens noch alte Jeanshosen aus den Neunziger-Jahren auf, bei denen es egal ist, ob sie betonstaubig, erddreckig oder farbbekleckst werden. Zum Glück sind meine Gartenhosen allesamt recht bequem, denn sie stammen noch aus Zeiten, als die Herren-Jeans generell eher weit und bollerig geschnitten waren…

16 Gedanken zu “Sind Hosen so eng, dass es krächt, ist’s schlecht für’s Gemächt!

  1. Ich habe keine Ahnung, welcher Betrag einem Hartz4-Empfänger monatlich für Kleidung zugestanden wird. Aber aufgrund meiner buchhalterisch-pingeligen Aufzeichungen weiß ich, dass ich während meiner der Zeit meiner Banktätigkeit zwischen 1% und 2% meiner Gesamteinnahmen für „Kleidung“ ausgegeben hatte. (Zum Vergleich: für „Bücher“ lag der Anteil bei etwa 2,5%, fürs Lottospielen bei etwa 3% und fürs Essen bei etwa 8% meiner Gesamteinnahmen (Nettogehalt plus Zins-Erträge).
    Wie gesagt: Kleidung war bei mir der geringste Posten

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    • Ich vermute mal, dass Dein Konsumverhalten zum ressourcenschonendsten, nachhaltigsten und zurückhaltendsten unter den hiesigen Autoren und Lesern gehören dürfte. Wenn jeder so wäre, müssten ganze Industriezweige dicht machen… Manch einer könnte sich bei Dir ne Scheibe davon abschneiden… Schöne Grüße nach Bremen!

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      • Stimmt: Wenn alles so wären wie ich, gäbe es sicherlich weniger Umweltverschmutzung, dafür aber auch mehr Arbeitslosigkeit. Es sei denn, die Arbeit würde schön gleichmäßig auf alle verteilt: die 10 Stunden-Woche für jeden

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  2. 60 Teile Oberbekleidung pro Jahr – da frage ich mich, wenn ich so wenig kaufe, wie ich kaufe, wieviel kaufen dann andere und vor allem WOZU? Irgendjemand muss ja die bestimmt 40 bis 45 Teile, die ich nicht kaufe, zusätzlich kaufen. Gottohgott…

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    • Ich denke, dass die meisten ehemaligen „myTB“-Autoren, zu denen wir beide auch gehören, sich grundsätzlich in vielen Belangen nicht so verhalten, wie typische „Durchschnittsdeutsche“ – Menschen die ein Online-Tagebuch schreiben, sind vermutlich allgemein reflektierter (und damit auch kritischer), intellektueller und informierter als diese. Umweltbewusstsein, Konsumkritik, Menschenkenntnis – dürfte hier entwickelter sein, als beim Durchschnitt… Guck Dir mal hier auf WordPress die Blogs von Influencern und Fashion-Bloggerinnen an – da findest Du Menschen, die jede Woche mindestens 5 bis 10 neue Teile kaufen und somit dafür sorgen, das trotz uns (relativen) Konsumverweigerern der Durchschnitt bei 60 liegt… 😉 Grüße!

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    • Außerdem habe ich mal gelesen, dass in Deutschland jedes gekaufte Teil Oberbekleidung im Durchschnitt nur 4 oder 5 mal getragen wird, bevor es in den Müll oder in die Altkleidersammlung kommt. Dass liegt auch daran, dass die Hälfte aller gekauften Teile nach dem Kauf niemals getragen wird und nur im Schrank hängt.

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  3. alles habe ich jetzt nicht durchgelesen, entschuldige… aber „selten, dafür hochwertig“ blieb hängen – da liege ich völlig auf deiner linie. hier in berlin gibt`s einen laden, der kettenhemden anbietet – absolut hochwertig verarbeitet, quasi für die ewigkeit gemacht.

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