Flauschige Zaungäste

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Im Garten blüht inzwischen der Rhododendron – in den letzten Tagen mit fast 30°C ist alles regelrecht explodiert, hellgrünes Laub sprießt, viele Blüten gehen auf, das Tränende Herz wächst gefühlte 20 Zentimeter pro Tag. Hier ein paar Gartenfotos von heute mit dem blühenden Rhododendron:

0052 Garten

Obwohl ich nach der Influenza noch lange nicht wieder richtig fit bin – der trockene Reizhusten bleibt mir wie so oft vermutlich wochenlang über die eigentliche Grippe hinaus erhalten – war ich heute am Samstag stundenlang im Garten, wo sich die notwendige, noch vor mir liegende Arbeit wie stets zu dieser Jahreszeit ins Unermessliche zu türmen scheint. Ich räumte Blätter von etlichen Beeten und mähte dieses Jahr erstmals den Rasen. Philomena war ebenfalls den ganzen Nachmittag über draußen aktiv.

Etwas verleidet wurde mir die Gartenarbeit allerdings von einer gehörigen Pollenallergie, die mich einige hundert Male niesen ließ und dafür sorgte, dass mir die brennenden Augen zu schmalen Schlitzen zuschwollen.

Als Kleinkind bekam ich einst eine Allergie gegen blühende Gräser. Der Heuschnupfen nahm mit den Jahren bedrohliche Ausmaße an. Dass ich als Schulkind der sommers oft drinnen sitzende Bücherwurm wurde, der nicht mit den anderen Kindern draußen spielte, lag u.a. auch an dieser Allergie. Erst während meiner Studentenzeit wurde es allmählich wieder besser – einige Allergien verschwinden glücklicherweise irgendwann von alleine. Mit Ende 20 konnte ich mich erstmals nach Ewigkeiten wieder mitten in eine blühende Sommerwiese setzen. Doch irgendetwas ist ja immer! Ich muss schließlich meinem Ruf als gesundheitliches Wrack gerecht werden: Seit wenigen Jahren habe ich zunehmend mit einer neuen, anderen Pollenallergie zu kämpfen! Kein Heuschnupfen im Sommer, sondern gegen irgendetwas anderes, das draußen eher im Spätfrühling blüht. Irgendwann sollte ich das mal abchecken – wie so vieles. Aber ich gehe bekanntlich fast nie zum Arzt, weil ich meine Gesundheitskosten zu einem hohen Anteil selbst zahlen muss und nicht erstattet bekomme.

Als ich am Grundstücksrand im Schatten der beiden alten Eichen auf dem Boden sitzend die im Winter mit Beeterde überspülten Rasenkantensteine freilegte, bekam ich dabei neugierigen Besuch am Zaun:

0053 Hühner

Seit etwa ein oder zwei Wochen hält mein Nachbar Hühner. Die Tiere zeigten überhaupt keine Scheu und äugten – wenn sie nicht mit Scharren im Laub beschäftigt waren – munter durch den Zaun. Vielleicht dachten sie: „Oh, das riesige Tier dort scharrt auch beständig in der Erde – ob es dort etwas Leckeres findet?“ Auch mein dröhnend lautes, allergiebedingtes Dauerniesen schien sie nicht im Geringsten zu ängstigen oder zu stören. Die Hühner am Zaun blieben absolut cool. Schwarzbraune, rostrote und weiße Hühner tauchten hinterm Zaun auf, um zu beobachten, was ich auf der anderen Seite mache.

Nach einer Weile näherten sich auch ein paar weitere, etwas kleinere Hühnchen (ein schwarzes und ein weißes) – aber was für welche:

0054 Hühner

Ich war etwas perplex, denn die Viecher sahen echt lustig aus. Zwergseidenhühner hielten die Nachbarn also auch… Tiere, die aussehen wie eine Mischung aus Huhn und Alpaka! Philomena – die ein Faible für alle flauschigen und niedlichen Lebewesen des Planeten hat – brach spontan in Ahs! und Ohs! aus, als ich sie darauf hinwies, was dort hinterm Zaun unterwegs ist… 😉

Wenn man bedenkt, dass sämtliche gegenwärtige Vögel im Prinzip die einzigen Dinosaurier sind, die bis heute überlebt haben und dann auch noch weiß, dass neueren Forschungsergebnissen nach offenbar fast alle kleinen und mittelgroßen Raubsaurier der späten Kreidezeit (nicht nur die flugfähigen Vogel-Dinos) gefiedert waren und das in vielen Fällen nicht mit den heute üblichen glatten Vogelfedern, die ineinander haken können, sondern eher mit wuscheligen Isolierdaunen – dann bilden sich vor meinem geistigen Auge ähnlich puschelige Tiere ab, wie diese Zwergseidenhühner… Vermutlich haben wir uns Jahrzehnte lang völlig falsche Vorstellung von diesen kleineren Raubdinosaurierarten gemacht: Es waren bestimmt überaus niedliche, flauschig-weiche Kuscheltiere!

13 Gedanken zu “Flauschige Zaungäste

  1. Pass mal gut auf, dass die Hühner nicht in Deinem Garten scharren. Ich hab da ganz böse Erinnerungen an meine Gemüsebeete damals, als diese Viecher immer mal wieder vorbeischauten und scharrten bis ich sie bemerkte und verscheuchte und irgendwann entsprechendes Zaunzeug installierte.

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    • Ich bin mir 99% sicher, dass die Nachbarshühner nicht im Kochtopf landen werden! Die Nachbarn und ihre sechs Kinder sind absolute Ökos und Tierfreunde, die Kinder sind teils Vegetarier. Die Familie hat auch zwei Hunde, etliche Meerschweinchen, Farbratten, Vögel, Aquarien, usw.. Denke mal, die wollen einfach genügend Frühstückseier für ihre Großfamilie (die Oma lebt übrigens auch noch im Haus und die Kinder bringen andauernd Freunde und Partner mit nach Hause).
      Speziell das Fleisch der Seidenhühner (und auch der Zwergseidenhühner, die im Prinzip das Gleiche sind, nur halb so schwer) ist auch nicht unbedingt für jeden etwas, denn es gibt bei diesem Geflügel eine höchst ungewöhnliche Besonderheit: Die Haut und das Fleisch und sogar alle Organe und die Knochen sind pechschwarz! Gibt soweit ich weiß keine anderen Tiere, bei denen der Melanismus dermaßen „komplett“ ist… In einigen asiatischen Ländern gilt das schwarze Hühnerfleisch als Delikatesse.
      Aber vermutlich werden Nachbars Hühner an Altersschwäche sterben, wenn sie 4 oder 5 Jahre alt sind. Das praktische an den Seidenhühnern ist übrigens, dass sie absolut nicht fliegen können. Das heißt, es reicht ein niedriger Zaun von Kniehöhe aus, um sie dort zu behalten, wo man sie haben möchte… Bei den anderen Nachbarshühnern sieht das schon anders aus: Bin mal gespannt, ob irgendwann vielleicht eines übern Zaun geflattert kommt… Noch sind sie aber lieber nebenan – da können sie in einem kleinen Eichenhain (ähnlich alte Bäume wie meine beiden hier, die im Prinzip mit denen auf der anderen Zaunseite einen Verbund bilden) besonders gut im laubbedeckten Waldboden scharren)…
      Grüße und schönen Sonntag! 🙂

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  2. Super – das gibt Hoffnung – wenigstens diese nicht. 🙂 Da war doch mal wieder vor paar Jahren der Höhepunkt in einer Anti-Legebatterie-Hühnerzucht-Kampagne im TV erreicht: Eine mehrköpfige Familie, züchten, streicheln, Kinder klein, Hühner trotzdem Suppentopf. 😦 Auch an Dich einen schönen Sonntag mit sehr lieben Grüßen noch. 😺

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  3. Schöne Fotos! Tolle Eindrücke! Schreibman niest manchmal auch dauernd am Stück derzeit. Ich find das immer lustig. Haben jetzt extra unsere 2 Alexas miteinander vernetzt, damit ich, wenn ich im Schlafzimmer im Bett liege, und Schreibman im Wohnzimmer niest, ihm einfach über die Alexa „Gesundheit“ wünschen kann!

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  4. Ihr scheint einen wunderschönen Garten zu haben. Ich bin neidisch. Die Hühner wissen sicherlich, dass der Mensch an und für sich Futter in Form von Körnern bei sich hat. Deswegen kommen die immer angerannt. Schöne Bilder. Ich hätte auch gern Hühner. 🙂 Die Seiden-Flausch-Hühner gibt es bestimmt nicht in der Suppe, muß wohl reine Liebhaberei vom Nachbarn sein. 🙂

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