Kunstholz aus Recyclingkunststoff – ein interessantes Baumaterial

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An den letzten beiden Nachmittagen habe ich mich wieder einmal einem schildkrötenbezogenen Bauvorhaben gewidmet. Ich berichtete ja bereits in diesem Eintrag ausführlich über meine Bauten für unsere Griechische Landschildkröte. Eigentlich hatte ich vor, zunächst das Innengehege, das von unserem kleinen Kröterich nur bewohnt werden soll, wenn wir einmal einige Tage verreist sind und draußen nicht nach dem Rechten schauen können, oder vielleicht, wenn es in einem Frühjahr noch späte Fröste gibt, fertig zu bauen – aber da kam uns hier bekanntlich die Grippe dazwischen. Deshalb ist der Bauzustand seit diesem Eintrag eigentlich unverändert…

Aufgrund des warmen Wetters ist die Schildkröte eh tagsüber den ganzen Tag lang draußen im Freigehege und kommt nur noch zum Schlafen ins alte Terrarium, in dem sie in den Jahren bei meinem Bruder und meiner Schwägerin überwiegend alles andere als artgerecht gewohnt hatte. Damit die Landschildkröte demnächst auch nachts draußen bleiben kann, werden wir hier das Freigehege um ein Beckmann-Doppel-Frühbeet erweitern, eine Art Mini-Gewächshaus. Dort ist das Reptil dann in der Nacht vor allerlei Raubzeug sicher, das hier in der Gegend herumgeistert – vor Füchsen, Mardern, Iltissen, Wieseln und vor allem vor den Ratten, die es leider auch recht zahlreich gibt. Deshalb wird das Frühbeet wie eine Festung konstruiert – mit verriegelbarem Ausgang in einer stabilen, wärmegedämmten Unterkonstruktion, die gegenüber dem tieferen Erdreich noch mit einem feinmaschigen Gitter abgeschirmt werden wird – dann kann nicht einmal von unten Irgendetwas angebuddelt kommen und die Schildkröte während der dunklen Tageszeit anfressen.

An den letzten beiden Nachmittagen baute ich nun die Unterkonstruktion für das Gewächshaus aus schweren Recycling-Kunststoffplatten. Zunächst hatte ich vor, das Erd- bzw. Kellergeschoß des Krötenhäuschens zu mauern, aber ich traue diesbezüglich meinen Fähigkeiten nicht so ganz und außerdem ist der Standort etwas problematisch, da auf der Hangkante in Richtung Graben gelegen und teils auf verschiedenen Untergründen – Erdreich und Bauschutt, aus dem Teile der Böschung in Gartenzaunnähe bestehen. Da könnte mir ein Gemäuer absacken und Risse bekommen. Ideal wäre eher eine Holzkonstruktion gewesen – mit Holz komme ich inzwischen ziemlich gut zurecht. Aber Holz kann man nicht direkt ins Erdreich einbetonieren – es würde sehr schnell faulen und überstünde nur sehr wenige Jahre. Deshalb also die Entscheidung für das mindestens 50 Jahre bei allen Temperaturen von minus bis plus 50°C haltbare, wasser- und frostfeste „Plastik-Holz“. Ein Material, das man ähnlich wie Holz verarbeiten kann. Außerdem tut man noch was Gutes unter dem Aspekt von Nachhaltigkeit und Müllverwertung…

Hier ein paar Fotos (am besten nicht im Reader – sondern direkt im Blog ansehen) von gestern und heute vom Bau des Konstruktes in der Garage – auf dem letzten Foto sieht man auch die verriegelbare Klappe:

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Das Trumm wog locker 100 bis 120 Kilo (ich hatte beim Anbieter insgesamt 322 kg Bauteile aus Recycling-Kunststoff bestellt und schätzte das Gewicht Pi mal Daumen nach dem Materialverbrauch) und ließ sich entsprechend schwer aus der Garage nach draußen bugsieren – Philomena half mir dabei das Ganze mittels einer Art „Ruckeltechnik“ nach draußen zu befördern.

In den nächsten Tagen werde ich einen Graben ausheben, ein paar Betonpalisaden des bestehenden Freigeheges wegmeißeln und neu anordnen und die Kunststoffkiste dort einen halben Meter tief einbetonieren. Nach innen hin kommen noch eine 8-cm-Styropordämmung und davor eine zweite Schale von Wandplatten aus dem Kunststoffmaterial, die ich noch zusägen muss, hinzu. Im Prinzip sägt sich das Zeug tatsächlich so ähnlich wie echtes Holz – allerdings wie sehr schweres und festes, z.B. Eiche. Habe mir bisher drei Sägeblätter damit ruiniert… Außerdem schmilzt das Material und klebt dann ein bisschen, wenn die Säge sehr heiß läuft.

Von unten her werde ich noch ein Leerrohr für Stromkabel ins Bauwerk legen – dann kann ich (wenn wieder Zeit und Geld dafür da sind) im Herbst in einem weiteren Bauschritt noch Heizung und eine helle Beleuchtung im Glashäuschen einbauen. Dann kann „Kröt“ (so heißt er nun bei uns, nachdem er bei meiner Schwägerin und meinem Bruder „Kalliope“ hieß, die beiden wussten anfangs noch nicht, dass er ein Männchen ist – aber „Kalliope“ war, obwohl in der griechischen Mythologie ein weiblicher Name, auch nicht so ganz verkehrt, denn die gleichnamige Hauptperson, kurz  „Cal“ genannt, im Roman „Middlesex“ von Jeffrey Eugenides, ist ein Hermaphrodit; somit ließen die Beiden die eindeutige Geschlechtszuordnung bei der Tiernamenswahl auf elegante Art noch offen) demnächst im Prinzip das ganze Jahr lang – bis auf die Winterstarre im Kühlschrank, wo die Bedingungen besser zu kontrollieren sind, als outdoor – draußen bleiben.

Vermutlich wird sich der Umbau des Freigeheges eine Weile hinziehen – ich befürchte Schlimmstes, wenn es darum geht die bestehenden Palisaden an einigen Stellen aus dem Betonfundament zu meißeln. Hoffentlich kann ich ein paar der alten Elemente retten, ansonsten müsste ich ein paar neue bestellen, da ich nur noch 7 Stück in Reserve habe. Damit „Kröt“ während der Umbauphase nicht aus dem dann offenen Freigehege ausbüxen kann, haben wir hier bereits ein temporäres Übergangsquartier aus Schalbrettern gebastelt, in dem er dann für ein oder zwei Wochen tagsüber draußen wohnen kann:

0051 Gehege

Wenn man eine Landschildkröte halbwegs artgerecht halten will, dann wird man entweder arm, oder lebt auf einer Baustelle – oder beides… 😉

Hypermentale Grüße an alle Leser und heute auch speziell an die neue Abonnentin, die ebenfalls Landschildkröten in ihrem Garten hält!

 

2 Gedanken zu “Kunstholz aus Recyclingkunststoff – ein interessantes Baumaterial

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