Dreieinhalb Jahrzehnte Haarschnitt beim immer gleichen Meister – eine der wenigen Konstanten in meinem Leben

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Ich schrieb vor etlichen Wochen irgendwo in meinem Blog, dass ich mir eine Rippe angeknackst hatte. Inzwischen muss das bereits vier oder fünf Monate her sein – ich vermute, ich habe mir die Rippe beim Schleppen eines rund 80 kg schweren Betonbrockens angebrochen. Mir wurde direkt nach dem Tragen des Klotzes leicht übel – aber die Rippenschmerzen kamen erst später. Da ich in meinem Leben bereits ein paar Rippenbrüche und -prellungen hatte, dachte ich mir, dass das schon irgendwie von alleine heilen wird. Zumal es dieses Mal nicht wirklich schlimm war – vermutlich nur leicht angeknackst. Normalerweise hat man sechs bis acht Wochen „Spaß“ damit – dann geht es auch wieder…

Doch dieses Mal ist es anders. Die Rippe schmerzt nun schon monatelang. Und es wird seit ein paar Tagen stetig schlimmer! Inzwischen kann ich mich kaum noch rühren. Am besten nur liegen oder stehen – sitzen ist schmerzhaft. Ich vermute mal, dass das schlechte Verheilen an einem anderen medizinischen Zipperlein liegt, dass mich schon seit Langem plagt: Ich schrieb ja bereits ebenfalls irgendwann in diesem Blog, dass ich seltsame Verdauungsbeschwerden habe, die dazu führen, dass sich mein Bauchumfang um rund 20 cm unterscheiden kann – innerhalb weniger Stunden! Mal sehe ich kugeldick aus, wie ein CDU-Ratsherr, dann habe ich wieder einen Bauch wie Brad Pitt – gut: nicht wie der junge Brad Pitt, sondern der späte, d.h. aktuelle… Ein Medizinprofessor ultraschallte mal meinen Bauchraum und meinte dabei, dass er noch nie so viel Luft im Gedärm eines Patienten gesehen hätte. Ich vermute, dass die unterschiedlichen „Füllstände“ meines Geschlinges Schuld an meiner schlechten Rippenheilung sind: Alle paar Stunden (meist kurz nach einer Mahlzeit) dehnt sich mein Bauch unter meiner untersten linken Rippe hervor prall aus wie ein Gasometer – dabei wird die angeknackste Knochenstruktur immer ein wenig verlagert und kann dadurch nicht richtig abheilen. Mit der Zeit kann sich eine Art „Pseudogelenk“ dadurch entwickeln, der Bruch kann vermutlich nicht richtig ausheilen und wird permanent gereizt. Mit der Zeit kann sich das möglicherweise auch böse entzünden. Ich bin aber als medizinischer Laie nicht wirklich sicher, ob und wie das genau ablaufen mag…

Da es langsam „unaushaltbar“ wird, gehe ich Donnerstag ins Krankenhaus zum Röntgen. Sicher ist sicher – zumal ich Arztbesuche in der Regel endlos verschleppe, weil ich immer alles selbst bezahlen muss: Meine PKV zahlt erst jenseits von 1260 Euro Selbstbeteiligung aufwärts…

Durch die schmerzhaften Einschränkungen bedingt, konnte ich in den letzten zwei, drei Tagen nicht so wirklich viel Spannendes erledigen, über das man hier schreiben könnte. Beim Frisör war ich heute – das könnte ich noch kurz berichten. Auf den Tag genau fünf Monate nach meinem letzten dortigen Besuch. Inzwischen verkomme ich diesbezüglich ein wenig… Die „Verschratung“ schreitet voran. Zu Zeiten, in denen ich auch noch nicht mit Vollbart herumlief, sondern der täglichen Nassrasur frönte, ging ich auch spätestens alle 6 bis 8 Wochen regelmäßig zum Frisör. Ich fand das damals schon vergleichsweise „selten“, denn mein Vater ging phasenweise sogar alle zwei Wochen zum Haareschneiden… Inzwischen muss bei mir zwei bis dreimal pro Jahr reichen. Aber da ich nächste Woche nach längerer Zeit eventuell mal wieder vor eine TV-Kamera geraten werde, bin ich dann heute lieber hingefahren…

…zum gleichen Frisör übrigens, zu dem ich ohne eine einzige Ausnahme regelmäßig seit mindestens 35 Jahren gehe! Eventuell sogar seit 36 oder 37 Jahren – ich kann das heute nicht mehr so gut nachvollziehen. Ich fragte den immer in derselben Weise fröhlichen, wie angenehm zurückhaltenden Coiffeur dann heute direkt, ob das sein könne – seit 35 Jahren? Er sagte mir daraufhin, dass er sich als junger, frisch gebackener Frisörmeister vor 37 Jahren selbstständig gemacht hatte und dass ich seiner Erinnerung nach bereits sehr kurz danach Kunde bei ihm wurde. Damals hatte der Friseur meiner Kindheit seinen Laden dicht gemacht und ich brauchte einen Ersatz – meine Mutter meinte damals: „Da gibt es jetzt einen neuen Laden ganz in der Nähe“.

Seitdem bin ich dort Kunde. Ohne Ausnahme. Bin nicht ein einziges Mal „fremdgegangen“. Selbst als ich in „Shangri-La“ oder Berlin wohnte, nutzte ich Besuchsaufenthalte bei meinen Eltern oft, um auch zu meinem altgewohnten Herrenfriseur in jenem östlichen Vorort von „Graustadt“ zu gehen – im Erdgeschoss eines der letzten Häuser einer durchgehenden Bebauungszeile direkt vor der Kanalbrücke kurz vorm Ortsausgang. Anfangs las ich dort immer „Spiderman“-Hefte, wenn ich warten musste, später den „Stern“. Heute lese ich dort nichts, denn ich muss dank fester Termine niemals warten. Zweimal wurde der Laden in den ganzen Jahren renoviert: Erst war der Friseursalon eine düstere Höhle mit viel dunklem Holz und beigebraunem Wandputz, dann wurde alles Anfang der 90er Jahre stylish in Weiß und Lila eingerichtet, nun ist das Haarstudio seit längerem wieder mit dunklem Holz eingerichtet, aber nicht mehr als düstere Höhle, sondern mit weißen Wänden und großen Spiegelflächen…

Früher war ich eher der schweigsame Kunde, seit knapp zwanzig Jahren unterhalten wir uns miteinander. Immer recht ausgiebig. Über dieses und jenes. Als Jugendlicher wurde ich geduzt und siezte ihn – dabei ist es bis heute geblieben. Vor etwa 5 Jahren hatten wir einmal das „Du“ beidseitig vereinbart, dann aber beim nächsten Termin wieder vergessen. Früher redeten wir meist über Reisen, Autos und das Wetter. Heute eher über Gartenarbeit, Politik und das Wetter. Ich gebe immer zwei Euro Trinkgeld. Etwa alle drei bis vier Jahre wird der Haarschnitt ein bisschen teurer. Alle paar Jahre kaufte ich im Laden auch mal ein Spezial-Shampoo.

Es gibt nur sehr wenige Konstanten in meinem Leben. Ich war schüchtern, dann extrovertiert und später wieder eher eigenbrötlerisch. Freundschaften und Partnerschaften kamen und gingen. Ich studierte unterschiedliche Fachrichtungen und wechselte ein paar Mal beruflich die Branche. Saß mal in einem Aufsichtsrat und mal fast pleite auf der Straße. Fuhr zunächst mit dem Fahrrad zum Frisör und später mit diversen Autos. Ich war Nichtraucher, dauerqualmender Zigarren-Junkie, dann wieder Wenigraucher. Zog alle paar Jahre um. Ergraute über die Jahre allmählich und färbte zweimal jeweils eine gewisse Zeit lang dagegen an. Eine der wenigen Konstanten blieben meine Frisörbesuche. Seit mindestens 35 – wenn nicht fast 37 – Jahren immer im gleichen Laden und bis auf sehr wenige Ausnahmen immer beim Meister persönlich. Nur ein paar Mal schnitt mir vor etlichen Jahren eine der Angestellten die Haare, aber der Chef konnte das einfach besser. Über einen längeren Zeitraum wusch mir auch immer eine der Angestellten die Haare, bevor der Meister dann persönlich zur Schere oder zum Messer, bzw. zur Schneidemaschine (je nach von mir präferierter Frisur) griff. Heute wäscht er wieder selber, denn die Angestellte (meistens eine, nur kurz hatte er zwei) bearbeitet immer zeitgleich einen anderen Kunden, seitdem der Frisörsalon nur noch feste Termine vergibt.

Schon irre – seit dreieinhalb Jahrzehnten gehe ich dort immer hin. Ausnahmslos. Bis er irgendwann altersbedingt den Laden dicht machen wird…

20 Gedanken zu “Dreieinhalb Jahrzehnte Haarschnitt beim immer gleichen Meister – eine der wenigen Konstanten in meinem Leben

  1. Der Hausherr wird heute siebzig. Beim Bund u. a. den Motorrad-FS gemacht, hat’s ihn dort gleich damit ins Feld geworfen. Paar Rippen angeknackst. Seither seine Achillessehne. Kürzlich erst wieder. Hat halt anders als ich, nie mit Blähbauch zu tun. Könnt also stimmen, Deine hypothetische Diagnose, und folglich müßten auch hierfür Therapiewege existieren. Auch von mir alles Gute.
    Was ich auch nimmer vergessen kann: Deine geradezu übermenschlichen Leistungen einmal vor Deinem Elternhaus einen riesen Blumenkübel oder was das war, ausm Weg geräumt. Dann noch in Deiner letzten Mietwohnung so gewaltige Raumtrenn-Türen mit Glas drin allein eingebaut. Was ist eigentlich aus ihnen geworden? Glaub, waren weiß gestrichen. 😈

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    • Den Raumteiler (war nur einer, dass andere was Du meinst, und vermutlich damals in meinen Videos gesehen hast, waren festeingebaute Doppelflügeltüren mit Glasfenstern in meiner damaligen Altbaubude) hatte ich damals schon in Berlin von einem Tischler anfertigen lassen. Als ich in die nächste Wohnung umzog, ließ ich mir blöderweise von Carlos helfen, was zur Rissbildung im Glas führte, weil wir das schwere Teil nicht synchron anhoben. Landete deshalb in der letzten Wohnung nur als Raumteiler in meiner Werkstatt – als bessere Spritzschutzwand, wenn ich malte, lackierte oder fräste. Hier im Haus „Zweieichen“ steht das Teil nun nach einem weiteren Umzug in der Garage, wo es den Gartengeräteraum vom Autoparkplatz abteilt. Praktischerweise fällt durch die Glasscheiben dann das Licht vom einzigen Garagenfenster auch bis zum Autostellplatz.

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      • Das ist es zwar bestimmt, hab das allerdings nur aus Deinen Beschreibungen. War so schwer beeindruckt, wie ich mir das sperrige Meisterwerk auch vorstellte. In dieser neueren Wohnung – nicht mehr Berlin – dort wo die Kinder im Haus lärmten, dort wähnte ich es. Hast aber mal dort vom Balkon aus über den Dächern den Sonnenuntergang und imposante Wolkenformationen für uns festgehalten. 😈

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  2. Spontan dachte ich eher an einen Leistenbruch. So oder so – am Donnerstag hast du Gewissheit. Toi toi toi. Schön, dass du deinem Friseur schon so lang die Treue hältst 🙂. Ich begleite meine Friseurin auch schon mehr als 15 Jahre.

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  3. Mal abwarten , was dabei herauskommen wird – das mit dem Bauch müsste ich auch irgendwann mal genauer untersuchen lassen. Liegt womöglich daran, dass ich mir meine Darmflora ruiniert habe, weil ich seit rund anderthalb Jahrzehnten Pantoprazol gegen Sodbrennen einnehmen muss. Bevor jetzt irgendwer zu Bullrichsalz, etc. als Lösung rät: Geht leider nicht – das Problem ist nicht generell zu viel Säure, sondern, dass der Mageneingang nicht dicht abschließt. Dafür gäbe es zwar noch eine andere Medikamentengruppe, aber von der werde ich als Nebenwirkung derartig müde, dass ich dann 18 Stunden am Tag schlafe. Pantoprazol ist also das einzige was funktioniert. Vermutlich überstehen nun aber schädliche Bakterien die Magenpassage und führen zum bekannten Darm-Dilemma… Grüße!

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  4. Zum Frisör gehe ich etwa alle 9 Wochen. Genauer gesagt dann, wenn die Haare im Nacken anfangen zu jucken. Dann lasse ich sie mir immer radikal kürzen – je kürzer desto besser, so dass aus den 9 Wochen ruhig mal 10 oder 11 werden können. Das spart Zeit und Geld.
    Das einzige Mal, wo sich meine Haare bereits nach 4 Wochen einem Radikalschnitt unterziehen mussten, das war beim Fitting für die „Banklady“ (in den 1960er Jahren trug man(n) streichholzkurz, wenn man nicht als „Beatle“ gelten wollte).

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  5. am besten rippe rausnehmen lassen und eine frau daraus basteln… es gibt hierfür anleitungen im internet.
    das mit der friseur-treue kann ich sehr gut nachvollziehen, weil ich nicht gern zum friseur gehe. ebenso gilt das für zahnärzte und alle anderen ärzte… ich bin also froh, wenn man meine rübe kennt und kein großes auflesens darum macht, mir die haare zu schneiden. mir fällt gerade ein: diese auslese gilt auch für kneipen. also, kneipen, friseure und ärzte wechsele ich höchst ungern. steuerberater brauche ich gott sei dank keinen.
    deine 30+ jahre kann ich leider frisörmägßig nicht toppen. da hätte ich meinen frisör gegebenenfalls mitnehmen müssen. es wäre mir einfach zu aufwendig, hunderte kilometer zu meinem angestammten friseur zu fahren. auch gab es leider friseure, die ihren laden schlossen… das ist dann höhere gewalt.
    also, du hast verdammt viel glück gehabt. darf ich fragen, wie alt dein friseur inzwischen ist?

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      • da seid ihr ja fast gleichalt. er machte eine frisörlehre, und du gingst ins internet. moment, vor dreißig jahren… ich werde jetzt mal poirot-mäßig schlussfolgerungen ziehen: das war ende der achtziger. man roch noch den atem der neuen deutschen welle inclusive grönemeyer und bap. mein gott, das waren zeiten. ein wunder, dass ich sie überlebte… und kohl regierte! fuck! beinahe hätte ich mich damals umgebracht. und dieser friseur lebt noch? wow! ist er schwul? entschuldige. darauf wollte ich gar nicht hinaus. friseure sind ja nicht per se schwul oder türken.
        was machst du eigentlich, wenn er in rente geht?

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        • Ich denke, ich bin knapp 20 Jahre jünger als mein Frisör – auch wenn ich alt aussehe… 😉
          Ob er schwul ist? Er ist zumindest verheiratet mit einer Frau und hat einen Sohn (der ist auch Frisör und arbeitet als solcher in einem Hochsicherheitsknast) – vermutlich nicht schwul, aber schon eher ein weicher, ganz leicht feminin wirkender Typ. Wenn er aufhört, schneide ich mir ne Glatze… 😉🤣

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