Goldene Eier im Keller

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Bereits mein 50ster Eintrag hier als WordPress-Blogger – Donnerwetter!

„Donnerwetter“ schrieb als Kommentar auch mein Blogger-Kumpel „orbi64“ unter meinen letzten Eintrag: „Hyper war bekannt mit Stahlmagnat-Witwen, philosophierte mit Konsuln und Milliardären, die Liz Hurley gewammsert haben. Donnertwetter“

Ich gebe zu, dass sich das für Leute, die mich überwiegend nur virtuell kennen, alles oft ein bisschen dick aufgetragen anhören muss. Aber ich geriet immer wieder in die sogenannten „besseren Kreise“ – auch wenn es objektiv betrachtet dort genau so viel Elend, Hinterfotzigkeit und niedere Instinkte geben mag, wie in etwas bodenständigeren Umfeldern. Wenn nicht sogar mehr! Denn vielen Protagonisten aus solchen Bevölkerungsschichten steigen Macht, Geld, Rang und Namen zu Kopfe, so dass man dort besonders viele arrogante Menschen antrifft, die oft eine narzisstische Überheblichkeit an den Tag legen. Bestes Beispiel dafür ist mein unerträglicher „Lieblingskunde“ (mit dem ich beruflich immer wieder einmal zu tun habe), ein gnadenlos unverschämter, anmaßender, selbstgerechter, teils fast schon sadistisch auftretender Topanwalt, der deutschlandweit einen regelrechten Kanzleikonzern betreibt. Oder auch mein ehemaliger Mitschüler Claude, der bereits in jungen Jahren eine millionenschwere Firmengruppe aufbaute, über den eigenen Erfolg immer risikofreudiger und größenwahnsinniger wurde und schließlich Anleger um 47 Millionen Euro prellte, als er sich bei einem Immobiliendeal völlig verzockt hatte und nicht wahr haben wollte, dass dem so war. Heute wird er per Haftbefehl gesucht und hat sich irgendwohin ins Ausland abgesetzt, habe seit 2008 keinen Kontakt mehr zu ihm. Solche Leute sind nicht gerade ein Musterbeispiel für Humanismus, Nächstenliebe und bescheiden demutsvolles Auftreten.

Wenn ich so an Giulia zurückdenke – die junge Dame, die ich einst fast geheiratet hätte, und mit der ich die Indienreise unternahm, aus der ich die Schilderung eines herausgepickten Tages in meinem letzten Blogeintrag vornahm – fällt mir allerdings auch gerade auf, dass meine Ex-Freundinnen bis auf wenige Ausnahmen wie der unsäglichen Mandy (ich hatte damals wohl gerade meine sozialdemokratischen 5 Minuten, als ich mich mit dieser verhaltensgestörten Hartzerin aus Berlin-Hellersdorf näher einließ, mein Studienfreund Viktor sprach abfällig von meinem „Ausflug ins Prekariat“) und ein oder zwei weitere Ladies durch die Bank weg entweder Millionärs- oder Professoren-Töchter waren. Auch der Vater meiner aktuellen Mitbewohnerin Philomena war zu seinen Lebzeiten ein recht bedeutender Medizinprofessor, eine republikweit bekannte Koryphäe auf seinem Gebiet. Ich schien das irgendwie immer anzuziehen. Vermutlich lag es an meinem entsprechenden „Stallgeruch“, meinem distinguierten Auftreten. Schließlich war ich selbst in einem humanistisch geprägten Bildungsbürgerhaushalt aufgewachsen. Einer alteingesessenen Akademikerfamilie – zwar nicht übermäßig reich, eher gehobene Mittelklasse – aber (was einen in bestimmten Kreisen durchaus „interessant“ machte) dafür dem deutschen Uradel entstammend. Ich kann meinen Stammbaum bis ins Jahr 962 zurückverfolgen – natürlich gerade zu Beginn nicht vollständig und lückenlos, aber mein Urgroßvater hat sich damit als Pensionär jahrzehntelang befasst und alten Klosterarchiven so einiges an interessanten familiengeschichtlichen Fakten entreißen können…

Natürlich blieb ich mit diesen „höheren Töchtern“ in der Regel nie länger zusammen. Stallgeruch hin oder her – vielen konnte ich materiell nicht so ganz genügen. Oder ich verstörte sie mit meiner zynisch-depressiven Art. Ich war halt nie nur der fröhliche Salonlöwe – ich hinterfragte diesen ganzen materiellen Wohlstandswahnsinn stets. Auch wenn ich davon profitierte, dass man auf die Dienste des Hauspersonals zurückgreifen konnte, wenn ich bei Giulias Eltern wohnte. Oder wenn wir auf Firmenkosten reisen konnten. Einen Chauffeur gestellt bekamen. Teils auch mal bündelweise Taschengeld, das wir „armen Studenten“ dann verprassen sollten. Ich konnte mich in einer solchen Welt zwar recht gewandt bewegen – aber es wurde nie meine eigene Welt. Ich haderte teils damit. Dachte politisch viel zu „links“, um mich in solchen Hierarchiegefällen auf den oberen Treppenstufen wohlfühlen zu können. Besonders ekelerregend fand ich die Wohlstandskids von „Shangri-La“ – in jener Stadt war Giulia Mitglied im Studentenclub von „Rotary“. Ich begleitete sie regelmäßig zu den „Rotaract“-Treffen. Dort machten junge Zahnmedizinstudenten auf dicke Hose und perlenkettchenbehängte Töchter aus der lokalen High Society fuhren mit dem zum 18. Geburtstag von den Eltern geschenkt bekommenem Porsche Cabrio vor. Widerlich! Wurde da nie so richtig heimisch.

Beruflich waren solche Kontakte für mich damals aber recht wertvoll. Schließlich machte ich mich während meiner Liaison mit Giulia gerade beruflich selbständig und brauchte händeringend solvente Kundschaft.

Neben meinen jeweiligen Gefährtinnen gab es aber auch noch andere Connections in die Jetset-Kreise. Irgendwie flog mir das wie bereits geschrieben immer zu – zog ich solche Leutchen fortwährend wie ein Magnet an. In meinem Zweitstudium hätte ich mich ja auch mit der Kifferfraktion anfreunden können oder mit den bierseligen Kneipen-Fußballguckern. Aber wer wurde dort mein Spezi? Viktor – dessen Vater Multimillionär war und dessen Mutter aus dem Haus „Sachsen-Coburg und Gotha“ stammte – genauso wie die englischen Windsors samt der Queen. Ich hing immer mit diesen Elite-Internats-Schnöseln ab. Vermutlich weil diese mir als kulturaffinem, äußerst gebildetem Außenseiter näher waren, als irgendwelche 08/15-Typen. Stallgeruch. War mit Opernbesuchen und 5-Sterne-Hotel-Aufenthalten aufgewachsen. Wusste, was man zu welchen gesellschaftlichen Anlässen jeweils anzuziehen hat. Kannte die internen „Codes“ der entsprechenden Gesellschaftssphären.

Dabei war ich nie wirklich selbst dieser vollkommen versnobte Schnösel – immer eher „teilnehmender Beobachter“. Mit ironischer Distanz. Ich blickte auf diese Oberflächlichkeiten zynisch herab. Machte mich allenfalls nur äußerlich damit gemein. Falls überhaupt. Wenn ich mir einen abwichste, dann eher nicht auf materiellen Wohlstand oder Herkunft, sondern eher auf meine Bildung und mein Wissen. Dieses hatte ich schließlich eigenständig erworben. Mühsam anklamüsert – während man für das andere lediglich aus der richtigen Fotze gekrochen sein musste. Hinein in den goldenen Käfig. Dazu bedarf es nicht unbedingt vieler Hirnzellen, wie man es so trefflich bei manchen degenerierten Erben, Berufssöhnen, Milliardärstöchterchen, etc. sieht, die durch die Boulevardmedien geistern.

Meine ironische Distanz zu diesen Gefilden wuchs mit den Jahren bis hin zur offenen Ablehnung. Irgendwann waren mir diese hohl-oberflächlich auf einer rein materiellen Ebene agierenden Gesellschaftskreise ziemlich zuwider. Ich hätte sicherlich einiges aus meinen entsprechenden Kontakten machen können. Geld daraus ziehen. Aber ich bin nicht so. Bin lieber faul, konsum- und gesellschaftskritisch, umweltbewusst und inzwischen mit einem gesunden Elitenhass gesegnet. Inzwischen sitze ich lieber arm und einsam auf dem Lande hinter meinem Gartenzaun, als mich in immer gleiche Plastic-People-Partyreigen zu begeben, um davon zu profitieren wie ein Blutsauger oder Aasgeier. 2011 kam ich fast mit einer Finanzmanagerin aus der Schiffsbaubranche zusammen – aber wir wurden sicherlich auch deshalb kein Paar, weil ich meine Verachtung für etliche Aspekte ihres Lebensstils nicht mehr so ganz gründlich verheimlichen konnte. Zuviel grantelte und auf die „Bankster“ fluchte… Als im Vergleich zu ihr materieller Habenichts konnte ich mir den Lebensstil dieser Dame auch nicht langfristig leisten. Außerdem hatte sie einen verstörend fetten Hintern – vielleicht war das auch der tatsächliche Hauptgrund, warum das mit uns nichts wurde. Bin bekanntlich Formalästhet und stehe eher auf die kleineren Kleidergrößen bei der Damenwelt. 😉

Jedenfalls mag es manch einem meiner Leser oftmals ein wenig dick aufgetragen erscheinen, wenn ich über meine länger zurückliegenden High Society-Erlebnisse berichte – aber ich führte damals tatsächlich ein ziemliches Jetset-Leben. Oftmals sicherlich durch Netzwerke, Kontakte und Verbindungen ermöglicht, wie jener zu meiner Ex-Verlobten Giulia und vor allem deren wirtschaftlich äußerst erfolgreichen, international operierenden Eltern – aber teils auch nur deshalb, weil ich Protagonisten aus solchen Gesellschaftskreisen damals irgendwie anzog. Genau kann ich mir das heute nicht mehr so ganz erklären. Bin dazu auch zu sehr raus aus allem. Lehne vieles entschieden ab, das ich damals noch zumindest teilweise „irgendwie cool“ fand. Und heute eigentlich „überwiegend scheiße“. Bin diesbezüglich wohl geistig ein bisschen gereift. Materieller Wohlstand mag ja ganz schön sein, aber ich ziehe geistigen Wohlstand vor und vor allem die Möglichkeit ein freies, selbstbestimmtes Leben ohne allzu viele Verpflichtungen leben zu können. Stinkendfaul auf alles pissen zu können, das dem Mainstream heilig ist. Ich brauche kein goldenes Kalb mehr. Allenfalls noch ein paar goldene Eier im Keller, falls mich mal ein paar schnöselige Phantomschmerzen quälen sollten…

8 Gedanken zu “Goldene Eier im Keller

  1. Keine Ahnung, wie weit der Stammbaum meiner Familie zurückreicht, wahrscheinlich nicht sehr weit 😄. Mag schon sein, dass man eine bestimmte (unbewusste) Ausstrahlung hat, die wiederum ganz bestimmte Menschen(gruppen) anzieht. Aber alles kann sich ändern, auch der „Stallgeruch“ 😉

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  2. Sehr interessanter Eintrag. // Es gibt eben viele unterschiedliche Welten. Im Fernsehen wird meistens nur über die „extremen“ berichtet: die ganz Armen (Hartz4 und darunter) und die Milliardäre (Herr Trump soll zurzeit erst an Nummer siebenhundert-und-nochwas der Weltrangliste stehen, ist vermögensmäßig also eher ärmlich).
    Wie gesagt: völlig unterschiedliche Welten, nicht nur in Bezug auf das Materielle, sondern auch im Hinblick aufs Denken (die eigene Sicht auf Gott und die Welt). Wobei ich mir auch hier wieder die Henne-Ei-Frage stelle: Was war zuerst? Wie würde ein-und-derselbe Mensch denken, wenn seine Vermögensverhältnisse genau reziprok zu dem wären, wie sie sind?

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