Gott sprach zu mir aus dem Spamfilter

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Nun blogge ich bereits seit über zwei Monaten auf WordPress – habe inzwischen etliche Leser und Abonnenten. Zunehmend auch Menschen, die nicht nur aus der hiesigen myTagebuch-Diaspora stammen. …und ich kriege Spam!

Der WordPress-interne Spamfilter scheint ganz gut eingestellt zu sein, denn die bislang etwa sieben oder acht erschienenen Spam-Kommentare landeten sofort zielsicher in diesem Rückhaltebecken für missliebige Wortansammlungen. Darunter jüngst folgende zwei Spam-Nachrichten:

0036 God Spam

Was wollen mir diese Kommentare sagen? Es wird weder auf irgendeinen Schmarrn verlinkt, noch werden irgendwelche anderen Blogs oder Produkte angepriesen… Also keine Werbung? Oder doch Werbung: Für Gott! Für Jesus! Halleluja!

Und Gott der Herr sprach zu mir durch meinen Spam-Ordner!

Vermutlich will er meine schwarze Seele retten – weil ich bekennender Atheist bin. Agnostiker, Ungläubiger. Hätte mir längstens „Proud Infidel“ als Aufnäher an die Jacke gepappt, wenn dieser Slogan nicht so ausdrücklich von stumpfsinnig revisionistischen Rechtsradikalen gekapert worden wäre (und ich außerdem nicht dermaßen Schiss davor hätte, dann deswegen von irgendwelchen Religionsspinnern islamischer Prägung eins auf die Zwölf zu bekommen). Für mich wäre eine vom Joch der Religionen, und der aus deren unterschiedlichen Dogmen resultierenden Unvereinbarkeit miteinander resultierenden Kriege, befreite Welt ein besserer Planet. Humanismus, Aufklärung, Wissenschaft! Das ist das wahre Licht der Erkenntnis für mich und nicht der massenpsychotische Aberglaube an irgendeinen weißbärtigen Zottel-Opa, der da irgendwo oben in den Wolken thront und sich einen darauf abwichst, dass wir ihn anbeten…

Ja, ich lade hier Sünde auf mich in meinen Gedanken und Texten. Satan versucht mich zudem, in der er mir von einem meiner WordPress-Follower gerade erst eben die E-Mail zukommen ließ, die da lautet: „Schreib mal wieder was fieses. Menschenhass total. Einkaufsmeile in „Graustadt“. Abschaum, Fotteln, Islamisten“. Da spricht doch eindeutig der „orbi64“ Teufel zu mir, appelliert buhlend an meine niederen Instinkte! Ich soll was über fettwulstiges Geschmeiß schreiben und über schwarze Müllsäcke, die laufend neue Religionsspinner ausfotzen… Über Gezücht und menschliche Pestgeschwüre, die nach dem Ebenbild irgendeines himmlischen Schöpfers gestaltet worden sein sollen? Wenn ich in „Graustadt“ einkaufen gehe, komme ich lediglich zur Erkenntnis, dass Gott wie „Jabba the Hutt“ aussehen muss, wenn er diese Mastschweine nach seinem Ebenbild schuf…

Ich lande bestimmt in der tiefsten schwarzen Hölle. Deshalb sprach Gott heute aus meinem Spam-Ordner zu mir, indem er mir Spam offenbarte, bei der es sich weder um Werbung für Pornoseiten, noch für Schufa-freie Kredite handelt, sondern um rechtschreibfehlerstrotzende Fitzelchen von englischsprachigen Alltags-Jesusgeschichten… God & Jesus. Ob es da von irgendwelchen verblendeten US-Evangelikalen programmierte „God-Bots“ gibt, die permanent Jesus-Spam nach dem Gießkannenprinzip über der Gesamtgemeinde von WordPress-Accounts ausschütten? Bruchstückhafte Nachrichten, die permanent auf die ungläubigen Säue unter den Bloggern einrieseln wie heiliges Konfetti, nach dem Motto „steter Tropfen höhlt das Schwein“? Mit extra eingebauten Rechtschreibfehlern, damit sie nicht nach „Botgeflüster“ ausschauen, sondern so, als ob einem da tatsächlich jemand persönlich anschreibt, um einen zurück in den Schoß der heiligen Mutter Kirche zu bringen? Nein! Vermutlich ist es tatsächlich der weißbärtige Heiligenscheinträger im seidenen Kaftan, der da spricht – die Rechtschreibfehler erklären sich durch atmosphärisches Rauschen, Übertragungsfehler, die sich bei der langen Reise der Botschaften durchs halbe Universum einschleichen…

Ich soll gerettet werden. Eindeutig. Wenn ich mir ein bisschen Mühe gebe, lande ich vielleicht wenigstens nur noch in einem halbwegs erträglichen Teil der Hölle – einem mit WLAN und einem funktionierenden Kaffeevollautomaten. Wenn ich mir sogar noch mehr Mühe gebe (zu beten anfange und den ganzen Mist), dann möglicherweise sogar schon in einem etwas mieseren Teil des Himmels – einem ohne WLAN-Empfang und allenfalls mit entkoffeiniertem Löskaffee. Da dürfte ich dann den ganzen Tag lang auf der Wolke sitzen und Harfe zupfend frohlocken…

Dann lieber doch in die Hölle! Skat kloppen mit Saddam und Hitler. Amtlichen Death Metal aus den Boxen genießend und keine einschläfernden klassischen Choräle und immerwährenden Bach-Kantaten, wie sie ein paar Etagen weiter oben im Jenseitsgefüge aus den Boxen rieseln… Um mich für ein Ticket für den Höllenritt zu qualifizieren, werde ich demnächst wieder ordentlich über „Kuffnucken-Votteln“ und ähnlichen Abschaum schreiben, der mich auf meinen Einkaufstouren nach „Graustadt“ umspült. Amöboides Gelumpe. Degenerierte Pestknoten und fauliges Menschengezücht, das nicht die Munition zum Niederschießen wert ist… 😉

(Außerdem scheint die Jesus-Spam doch „Werbung“ zu sein: Wenn man den Absender anklickt, landet man auf ner Seite der Linux-Community.)

24 Gedanken zu “Gott sprach zu mir aus dem Spamfilter

  1. Hah hah. Die US – Evangelikalen sind mindestens genauso ein Abschaum wie die Islamisten. In dem Buch „Gott bewahre“ von John Niven muss olle Adolf in der Hölle Juden bedienen. Jesus besucht Satan in der Hölle und sieht das da. Und Ronald Reagan muss auch bedienen, er vergisst aber immer, was die Kunden bestellt haben, weil er ja dement ist.

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    • Ich weiß, dass ich hier manchmal leicht fahrlässig mit diversen polarisierenden Versatzstücken spiele – teils satirisch, teils auf literarische Knalleffekte setzend – insofern habe ich durchaus Verständnis für Deine Bedenken… 🙂 LG!

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  2. Ach – ich dachte, dasselbe wie ich, seit ich hier blogge: Soeben nur für heute 20-30 Spams gelöscht, Warnungen, Strafandrohungen, Blablabla, aber sowas noch nicht. Sorry, keine Zeit momentan, hab Deinen Beitrag nur eilends überflogen, mehr nicht. 👿

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