Nachdem kein Mediziner meiner Mutter Glauben schenken wollte, behandelt sie ihre Borreliose-Infektion nun selbst

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Meine Mutter hat ihren Aufenthalt in der Klinik zur Radiojodtherapie ganz gut überstanden. Zu schaffen macht ihr aber weiterhin die Borreliose. Sie war nach der Klinikentlassung deshalb bereits auf der Neurologie, dort waren die Ergebnisse der Lumbalpunktion negativ – das heißt einerseits glücklicherweise, dass sie (noch) keine Neuroborreliose hat, bei der die Borrelien die Blut-Hirn-Schranke überwunden haben, andererseits aber auch eher – und das war nicht so erfreulich – dass im Grunde genommen nur ein Borreliose-Verdacht besteht. Die Klinikärzte glaubten (bis auf meine dort arbeitende ehemalige Klassenkameradin, die aber leider weder Chef- noch Oberärztin ist) meiner Mutter ebenso wenig, dass sie eine akute Borreliose hat, wie die Internistin, bei der sie zuerst war (in diesem Eintrag berichtete ich davon). Dabei hatte meine Mutter den bisherigen Verlauf ihrer Beschwerden und Symptome genauestens dokumentiert! Trotzdem wurde sie nur als etwas wunderlich belächelt, als sie mit ihren umfangreichen Unterlagen und Aufzeichnungen hantierte…

Viele Indizien machen die Borreliose, dem Verhalten der in jener Klinik zuständigen Experten ungeachtet, zu 95 bis 98 Prozent wahrscheinlich! Meine Mutter hatte zwar anfangs nicht die typische Wanderröte, dafür aber nach einigen Monaten eine gürtel- oder wundrosenartige Hautveränderung, die bei einer Lyme-Borreliose oft auftreten kann. Außerdem beobachtete mein Vater bei ihr nach einer Antibiotikagabe eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion, die auftreten kann, wenn die vom Antibiotikum abgetöteten Borrelien toxisch auf den Organismus wirken…

Zum Glück sind meine Eltern Mediziner der alten Schule, sehr gute Beobachter und Diagnostiker, die sich in ihre Fälle verbeißen wie Bullterrier. Nicht solche Waschlappen-Ärzte wie etliche der heutigen 1er-Abitur-Karrieredocs, die stur auf irgendwelche Laborwerte starren und sonst kaum noch echte Praxiserfahrung haben. Meiner Mutter reicht es jetzt mit dem Klinkenputzen bei irgendwelchen selbstgerechten Bedenkenträgern unter den Kollegen, die sie für eine spinnerte alte Oma halten! Inzwischen kann ich es gut verstehen, wie es vielen Borreliosekranken ergeht, die aufgrund eines oft nicht richtig erkannten Sammelsuriums unspezifischer Symptome und auch weil bei vielen Borrelioseverläufen die Erreger nur indirekt oder unzureichend nachweisbar sind, teils jahrelang unbehandelt unter der Krankheit leiden und vergeblich von einem Mediziner zum nächsten ziehen, bis es endlich die richtige Diagnose und Therapie gibt. Oftmals sind sie dann chronisch krank, ihren Job los, arbeitsunfähig und teils durch bleibende Schäden im Prinzip schwerstbehindert! (man muss allerdings auch die Zurückhaltung der meisten Ärzte verstehen, denn viele Patienten lesen heutzutage irgendetwas im Internet und rennen dann sofort mit Borrelioseverdacht in Praxen und Notaufnahmen – auf viele Dutzend solcher Verdachtsfälle kommt etwa ein tatsächlicher Borreliosefall) 

Meiner Mutter bleibt als Medizinerin solch ein Schicksal, wie es diese unzureichend behandelten, oder nicht ernst genommenen Patienten als medizinische Laien erdulden müssen, nun hoffentlich erspart: Nach langem hin und her, ausgiebigem Studium der Fachliteratur und langen Gesprächen, haben sich mein Vater und meine Mutter nun dazu entschlossen, die Borreliose eigenhändig zu behandeln. Seit gestern läuft die Therapie mit einem spezifischen, sehr starken Antibiotikum, das die Borrelien ausmerzen soll. Ein zusätzliches Medikament soll ein erneutes Auftreten einer Herxheimer-Reaktion verhindern. Blutdruckkrisen und sonstige Reaktionen eines amoklaufenden vegetativen Nervensystems werden durch weitere enstsprechende Arzneimittel abgemildert bzw. ganz verhindert. Ich hoffe nun, meine Eltern haben sich diesbezüglich richtig entschieden, trotz oder gerade aufgrund ihres Alters genügend medizinische Erfahrung um die Sachlage wirklich korrekt einzuschätzen, und diese Therapie wird nun ohne zu gravierende Nebenwirkungen erfolgreich sein! Ich drücke meiner Mutter die Daumen und bin ganz zuversichtlich, denn zu ihrer aktiven Berufszeit haben meine Eltern als Ärzte schon allerlei verzwickte, kniffelige Fälle untersuchen und teils auch mit unkonventionellen Therapieansätzen kurieren können.

9 Gedanken zu “Nachdem kein Mediziner meiner Mutter Glauben schenken wollte, behandelt sie ihre Borreliose-Infektion nun selbst

      • 3 Wochen Antibiotika-Behandlung, möglicherweise nur mit einem einzigen Präparat, sind bei der Dauer der Erkrankung Deiner Mutter sicher nicht ausreichend. Es kann gut sein, dass diese Behandlung mit einem weiteren Antibiotikum oder auch Kombinationen (z.B. Minocyclin + zeitweise Metronidazol) fortgesetzt werden muss. Ich selbst hatte nach 10 Jahren Dauer der Erkrankung erst mit einer 3-monatigen Behandlung mit verschiednen Kombinationen von Antibiotika Erfolg. Wenn sonst nach 3 Wochen aufgehört wird, die Beschwerden aber – teilweise – immer noch da sind oder nach kurzer Zeit wieder kommen, heißt es oft: Das kann keine Borreliose sein. Dann beginnt oft ein Irrlauf zu vielen Ärzten, die alle dem Irrtum aufsitzen, dass Antibiotika nicht mehr angezeigt wären. Dabei wäre eine – gut überwachte – Fortsetzung das einzig Hilfreiche.

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      • Astrid, danke für den Hinweis. Im Entlassungsbericht schließt die Klinik inzwischen Boreliose zu 100 Prozent aus – meine Mutter ist aber aufgrund der Indizienkette weiterhin absolut sicher, die Borreliose zu haben. Einige befreundete Mediziner sehen das genauso. Nach rund anderthalb Wochen Antibiotikagabe, bessert sich die Symptomatik bereits erkennbar. Meine Mutter möchte die Antibiotikabehandlung insgesamt 4 Wochen lang durchführen und gegebenenfalls mit weiteren Antibiotikakombinationen darüberhinaus fortsetzen. Ich denke, sie ist auf einem guten Weg. Schöne Grüße!

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  1. Wie sehr aber selbst ‚Mediziner der alten Schule‘ auf dem Holzweg sind, sieht man daran, DASS Deine Mutter Probleme hat.
    Und ich kann Dir heute schon versichern, dass sie mit diesem ’sehr starken Antibiotikum‘ bloß vom Regen unter die Traufe kommen wird.
    Der Angelpunkt ist ein intaktes Immunsystem – nicht ein ‚Bekämpfen‘! – mit dem man von der Borriliose gar nix merkt, obwohl sie labormäßig nachweisbar ist …

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    • So kann man das natürlich auch sehen, aber ich weise darauf hin, dass meine Mutter – die auf die 80 zugeht – in diesem Alter nicht mehr unbedingt über das stärkste Immunsystem verfügt. Es gibt leider einige Erkrankungen, bzw. besonders starke Ausprägungen bestimmter Erkrankungen, bei denen man rein mit Alternativ- oder Naturmedizinischen Methoden leider nicht wirklich weiterkommt. Wenn eine schwere Borreliose das vegetative Nervensystem dermaßen durcheinander bringt, dass unbehandelt der Blutdruck mehrmals täglich über 200 schießt, reicht eine unkonventionelle Behandlungsweise alleine nicht mehr aus. Ansonsten droht unweigerlich der Tod. Eine Tante von mir hat sich bei ihrer Magenkrebserkrankung gegen konventionelle Krankenhausmedizin entschieden und wollte stattdessen den Krebs alleine mit Edelsteinheilverfahren kurieren – sie starb nach wenigen Monaten im Alter von 60 Jahren. Grüße!

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      • Weder NaturMEDIZIN noch Edelstein- Therapie haben auch nur irgendetwas mit ‚artgerechter, naturrichtiger‘ Lebensweise wie ich sie meinte zu tun. Aber ich stimme mit Dir überein, dass das hochwahrscheinlich nicht das Optimum für eine 80jährige und schon gar nicht Ärztin ist; aber nicht physiologisch, sondern mental!

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