Weil ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, muss der Eintrag über unsere Lieblingstassen ohne ein einziges Tassenfoto auskommen

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Eigentlich könnte ich heute über Ernsthaftes schreiben, wie etwa die am Montag mit dem Verschlucken einer radioaktiven Kapsel, die zuvor per Fernsteuerung ausgelöst aus einem Bleibehälter durch ein durchsichtiges Plastikrohr in einen Einwegbecher purzelte, begonnene Radiojodtherapie zur Schilddrüsenbestrahlung meiner Mutter auf einer Isolierstation in der Klinik (bisher lief dort zum Glück auch alles einwandfrei, die Borreliose-Diagnoseergebnisse aus der Kardiologie – zweite aktuelle Gesundheitsbaustelle meiner Mutter – kommen vermutlich erst morgen, und mein Vater ist allein zu Haus auch noch nicht unter die Räder gekommen) – aber Ihr kennt mich besser: Ich werde stattdessen wieder seitenweise über irgendwelchen belanglos-banalen Scheiß berichten – irgendetwas aus der Kategorie: Balla-Balla-Banane…

In meiner letzten Blogautorenphase auf der Webplattform „myTagebuch“ schrieb ich vor einer ganzen Weile einmal einen Eintrag über „Selfies“, in dem nicht ein einziges Selfie vorkam. Analog dazu folgt nun hier und heute auf WordPress ein Artikel über die persönlichen Lieblingstassen ohne ein einziges Tassenfoto… Seit kurzem geistern durch die hiesige myTagebuch-Diaspora auf WordPress diverse Fotoeinträge über Lieblingskaffeebecher, bzw. allgemein „Tassen“, die man „nicht mehr im Schrank hat“, dafür aber vor die Kameralinse gezerrt. Eigentlich wollte ich auf diesen Zug gar nicht mehr aufspringen, zumal ich ihn offenbar indirekt mit meinem Blogeintrag „Kalter Kaffee in blassen Tassen“ überhaupt erst angestoßen zu haben scheine, also quasi bereits zu diesem Thema bloggte… Doch dann knallte mir Philomena eben, als ich an nichts Böses denkend friedlich auf meinem Blähbauch im Bette liegend in einer bereits etwas veralteten SPIEGEL-Ausgabe blätterte, ungefragt zwei Tassen auf den Nachttisch und meinte: „Da, schreib!“

Es handelte sich um zwei ihrer Lieblingskaffeebecher, mit Schäfchen drauf – Tassen, die sie sogar so liebte, dass sie diese gar nicht erst benutzte, damit sie sich nicht unnötig abnützten. Ich entgegnete ihr, dass ich vom Verfassen eines Blogeintrags über unsere Tassen eigentlich Abstand genommen hatte, weil ich die Leser nicht mit Fotos von über 70 Tassen überfordern wollte. Philomena hielt diese Zahl für eine maßlose Übertreibung und mich für nicht ganz dicht (was im Prinzip nichts Neues war, aber im Rahmen dieser Tassengeschichte dann doch wieder)! Ich begann umgehend mit einer empirischen Beweisführung in Form einer hausweiten Tassenzählung – in Küche, Wohnzimmer und weiteren Räumen kam es dabei zum Definitionskrieg, was dabei „Tasse“ sei, oder eben nicht… Sie meinte eigentlich nur nicht zu Kaffeeservice (erst dachte ich die entsprechende Pluralform wäre Services, oder Servicen – scheint aber tatsächlich Service zu sein) gehörende, singuläre Kaffeebecher – ich hingegen meinte alle „Tassen“ – sonst käme ich ja auch nicht auf die 70!

„Da stehen schon mal drei, dazu dann die zwei Lieblingstassen von Dir, in der Spülmaschine“, ich riss die Luke auf, „stehen so und so viele…“ Ich zählte dann neben den diversen bedruckten Motivbechern im Küchenschrank auch zwei Sets Espressobecher mit und jene wenigen noch verbliebenen langweilig weißen Kaffeetassen aus meiner studentischen Erstausstattung, die noch nicht zerdeppert worden waren, u.a. auch eine ohne Henkel, in der man aber noch Gewürze vermischen konnte, oder ähnliches. Philomena rollte mit den Augen – ihrer Definition nach waren das keine (fotografierenswerten) Tassen! Meiner Definition nach waren es nun schon 32 Tassen, bevor ich ins Wohnzimmer ging… Dort waren in einem Geschirrschrank noch drei Tassensets, die man im Alltag niemals benutzte, u.a. die mokkabraunen Kaffeetassen aus der Kunstgalerie, die ich einst in „Shangri-La“ als exaltiertes Hobby nebenher betrieb, um somit ein „zweites Wohnzimmer“ für weinselige Gelage direkt in der dortigen Altstadt zu haben, und ein besonderer Bechersatz für „Rüdesheimer Kaffee“, in denen man gut mit Asbach flambieren konnte. Irgendwann einmal hatte ich im Internet einen Satz der originalen Tassen aus Rüdesheim am Rhein ersteigert, wie ich sie zu diesem Zwecke bereits aus meinem Elternhaus kannte. Ich bin bei so etwas Traditionalist. Nun also bereits 54 Tassen!

Shit. Keine 70, wie zuvor lauthals getönt! Das ist mein Problem – Philomena wirft mir immer vor, dass ich stets maßlos übertreiben würde. Nun, in diesem Fall zumindest um ein rundes Drittel. Aber wir haben doch noch diese großen doppelwandigen Gläser in der Küche, in die man Heißgetränke einfüllen konnte, ohne sich dann daran die Hände zu verbrennen – waren doch im (Funktions-)Grundsatz auch kaffeefähige Tassen, Becher, oder nicht? Wenn ich die bei einer Tassen-Doku fürs Internet auch mitfotografieren würde, käme ich den steif und fest (als Ausrede, um diese ganzen Kaffeegefäße eben nicht allesamt ablichten zu müssen) behaupteten 70 Stück wieder ein wenig näher! „…und dort, da, das Blaue auf der Fensterbank! Wenn man die Blumen rausnehmen würde, wäre das prinzipiell doch eine weitere Tasse!“

Philomena stöhnte empört auf: „Argh! Das sind keine Kaffeebecher!“ …obwohl sie nun selber ins Überlegen geriet; denn sie merkte nun an, dass unsere Müsli-Bowls im Prinzip doch „Kaffeebecher“ wären, weil sie während der Frankreichaufenthalte ihrer Jugend oftmals erlebt hatte, dass Leute dort den Kaffee aus solchartigen Schalen süffelten… Triumpf! Doch über 70 Tassen! (by the way: ich hätte auch noch allein 144 Sektgläser anzubieten, um noch eins draufzusetzen!) Aber würde diese wirklich jemand samt und sonders betrachten wollen? Vielleicht hatte Philomena doch recht und ich sollte nur ein paar spezielle, bedruckte Kaffeebecher knipsen und posten, etwa die trübe Tasse mit der verblassten Nürburgring-Karte aus meinem oben verlinkten Eintrag von neulich, oder meinen „NSA“-Kaffeebecher mit dem originalen „National Security Agency“-Siegelwappen, oder jenen Mocca-Becher mit dem Foto einer Theaterbühnensilhouette, den ich einst auf der Vernissage eines russischen Ballettfotografen kaufte…

Im Prinzip finde ich diese kupferfarbenen, doppelwandig nach dem Thermoskannenprinzip konstruierten Espressobecherchen aber auch ganz fotogen – bliebe dann freilich nicht nur bei den bedruckten Bechern („Tassen“ im philomenaschem Sinne)… Oder unsere dicke, schwarze Suppentasse mit dem Blümchenmuster! Wir nähern uns in großen Schritten wieder der 70! Aber wie soll ich die allesamt fotografieren – in unserer vollgestellten Hütte ist doch kaum ein genügend großer Fleck Fußboden frei, um dort alle  70 entsprechend aufzubauen… Und dann sind auch immer etliche Becher, Tassen, Whatever gerade in der Spülmaschine…

Vielleicht könnte ich dann auch noch einen tatsächlich 3800 Jahre alten Tiegel aus der Induskultur ebenfalls zur „Tasse“ erklären, damit ich ihn aus der Vitrine nehmen und ablichten kann – nur um damit hier vor dem Publikum anzugeben… Philomena meint ja, ich müsste immer übertreiben – dann am besten auch hier coram publico mit wirklich seltenen Antiquitäten herumstrunzen, mit Allem, was unser gepflegter Haushalt nur so hergibt! Oder dem Zeug aus unserer Garage, vom Dachboden… Vielleicht mal beiläufig Philomenas E-Gitarre in die Kamera halten, oder meine Mineraliensammlung? Sind zwar alles keine Tassen – auch meiner Definition nach nicht… Dann eher schon die beiden Kloschüsseln! Riesige Mokka-Bongos! Immer mit der Kamera feste druff und dann sofort hochladen den Shit! Andere machen auf Instagram „Food Porn“ – ich könnte hingegen täglich hochladen, was sich später am anderen Ende abseilen ließ… Hoch die Tassen! Hossa!

Da ich jetzt definitiv nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, beende ich diesen Blogeintrag nun abrupt – und tatsächlich ohne ein einziges Tassenfoto (bzw. Bedruckte-Kaffeebecher-die-nicht-zu-einem-Service-gehören-Foto) – bätsch!

3 Gedanken zu “Weil ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, muss der Eintrag über unsere Lieblingstassen ohne ein einziges Tassenfoto auskommen

  1. Haha – jaja, das passt. Und wieder ein Zitat allein aus dem Mund vom – pardon – Tom, meinen verst. kleinem Bruder, der lange Jahre „zum Kupferbolzen abseilen“ vor seiner Nase einen Zweit- oder Dritt-TV aufgebaut hatte … ;-). Damals gab es noch kein Netz.
    An das evtl im Keller verstaute Camping- oder Survival-Geschirr hast Du gedacht? Und auch nicht übergehen – etwaiges Mokkageschirr – winzig klein, so winzig, daß es nicht zu verdenken ist, wenn dieses leichthin unberücksichtigt bleiben könnte. 😈

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