— Typischer Tagesablauf —

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Eine im Kreise ehemaliger myTagebuch-Autoren hier auf WordPress momentan trendende Gepflogenheit scheint es zu sein, seinen jeweiligen typischen Durchschnittstagesablauf zu schildern. Nachdem offenbar „Nell“ den diesbezüglichen Startschuss gab, zogen etliche Bloggerkollegen nach, „Fundsachen“, „Milou“, „Erinnye“, „Ginger“, uva. – bei den jeweiligen Lesern schienen diese Alltagsberichte erkennbar auf großes Interesse zu stoßen, ungeachtet der Tatsache, dass überwiegend wirklich nur ganz normale Bürotage geschildert wurden. Aber vermutlich ist genau das das Faszinosum – der intime Einblick in die täglichen Routinen anderer Mitmenschen, den man ansonsten niemals erhalten würde. Entweder wirkt das dann beruhigend, weil dem eigenen Tagesverlauf so angenehm vertraut ähnlich, oder aber ebenfalls beruhigend, weil man sich denkt „um Gottes Willen – da würde ich aber auf keinen Fall tauschen wollen! Gut, dass es bei mir anders ist…“

Ich erinnere mich dass die Autorin „Fundsachen“ schon einmal eine Welle solcher Alltags-Rapporte losgetreten hat, das war anno 2015 auf myTagebuch als sogenanntes „Advents-Stöckchen“. Schon damals nahm ich ebenfalls daran teil und musste gleich zu Eingang dieses Unterfangens einschränkend anmerken, dass dieses „zugegeben nicht ganz so einfach“ wird, „denn einen wirklich idealtypisch-durchschnittlichen Tagesablauf gibt es nicht – dazu ist mein Alltag zu unstrukturiert (allein Uhrzeit, Anzahl, Umfang & Einnahmeort der Mahlzeiten schwanken schon ständig), bzw. es gibt zu viele unvorhergesehene Abweichungen & jahreszeitliche Veränderungen (im Sommer ist man etwa öfters draußen oder im Garten, als im Winter). Manchmal bin ich auf Reisen und übernachte in einem Hotel, manchmal gehe ich den ganzen Tag nicht raus und liege stundenlang träge herum. Beides ist eher atypisch, kommt aber vor.“ Diese starken Schwankungen sind auch meiner selbstständigen und freien Berufstätigkeit geschuldet, die ich weitgehend zuhause ausüben kann. Einen typischen „Arbeitsalltag“ zu schildern fällt mir auch deshalb schwer, weil ich typischerweise gar nicht jeden Tag arbeite. Das ich bei der Ausübung meiner eigentlichen beruflichen „Kerntätigkeit“ auf einen üblichen Stundenlohn von 50 bis 500 Euro komme, hört sich erstmal traumhaft an – aber andererseits bin ich mit diesen Tätigkeiten leider alles andere als ausgelastet. Ich setzte beruflich auf ein sterbendes Pferd, meine Beschäftigung passt eigentlich nicht mehr ins 21ste Jahrhundert. Deshalb „arbeite“ ich streng genommen oftmals nur sehr wenige Stunden monatlich. An meiner eigentlichen, recht gerne ausgeübten Arbeitskerntätigkeit, die auch meine Berufsbezeichnung definiert (zum Schutz meiner Anonymität halte ich mich mit eindeutigeren Details hier in der Halböffentlichkeit aber hoffentlich nachvollziehbarerweise bedeckt – ich bin in meinem Bereich nämlich inzwischen einigermaßen prominent), hängt aber ein Rattenschwanz öder Nebentätigkeiten, die eher unbezahlte Verwaltungs- und Akquise-Arbeit sind. Diese unbezahlten Nebenaktivitäten senken den Stundenlohn dann wieder in allgemein vertrautere Gefilde, zumal ich auch dann immer noch auf nur sehr wenige Arbeitstage pro Monat komme, wenn ich diesen Teil meiner Arbeit mitzähle. Um bei monatlichen Fixkosten im niedrigen vierstelligen Bereich überhaupt irgendwie über die Runden zu kommen, beschäftige ich mich darüber hinaus auch mit Tätigkeiten, die streng genommen gar nichts mehr mit meinem eigentlichen Beruf zu tun haben und komme diese mitgezählt dann letztendlich doch noch auf eine entspannte 8- bis 15-Stunden-Woche (bei meinen vielen Interessensgebieten kommt mir das aber sehr zupass – ich sehe statt eines soliden Einkommens eher reichliche Freizeit als Privileg an – und, dass ich mein eigener Boss bin und keiner Sau Rechenschaft schuldig, warum ich was wann und wie tue). Ich muss mir folglich wahrlich kein Bein ausreißen, stehe aber oft kurz vor der Pleite. Mein Einkommen schwankt im Laufe der Monate und Jahre enorm – teils kommt bei laufend hohen Fixkosten über mehrere Monate in Folge sogar nahezu gar kein Geld rein. Dann wieder hatte ich vor einigen Jahren auch schon mal ein oder zwei Monate mit fünfstelligem Einkommen gehabt. Ich muss unter dem Strich folglich halbwegs gut rechnen können, sonst gerate ich schnell in katastrophale Schieflagen.

Bereits im 2015er Advents-Stöckchen schrieb ich aufgrund dieser Amplituden: „Ich werde deshalb einen realistischen, aber rein hypothetischen Tagesablauf komponieren, der eine Art Mittelwert darstellen soll, indem er vieles enthält, was öfters solchermaßen und zu solchen Uhrzeiten abläuft. Zudem ist der folgende hypothetische Tagesablauf stark vom Verlauf der vergangenen 10-20 Tage geprägt (da sie zeitlich näher liegen, stellen sie einen aktuelleren Normverlauf da, als etwa vergangene Hochsommertage, oder jene phasenweiser beruflicher Vollauslastung).“

Hypermental’s hypothetischer DURCHSCHNITTSTAGESABLAUF:

[10:30 Uhr] Nach 5 bis 7 Stunden Schlaf klingelt mein iPhone-Wecker je nach Gusto bzw. Aufstehdringlichkeitsgrad entweder mit dem Klang einer Warnsirene (akustisch irgendwo zwischen Werksunfall, U-Boot-Tauchalarm und Bond-Film-Erzschurken-Basis-Zerstörung angesiedelt), oder aber einer deutlich lieblicheren Klangfolge. In vielen Fällen brauche ich den Wecker aber überhaupt nicht zu stellen und penne dann auch schon mal bis 12 oder 13 Uhr aus, falls mich Philomena nicht vorher rabiat aus meinen Träumen reißen kommt, weil ihr gerade wieder die Decke auf den Kopf fällt. Falls ich frühe Termine haben sollte, kann der Handy-Wecker aber auch schon mal morgens um 6 oder 7 Uhr klingeln – dann bin meistens höllisch unausgeschlafen und pissed to the max und erhebe mich mit der schlechtesten Laune sämtlicher Bewohner von ganz „Niedergüllestunk“ aus den Kissen. „Ich habe äußerste Probleme gleich aufzustehen, weil ich morgens schwer in die Gänge komme, d.h. mir tut irgendetwas weh (Knochen, Gelenke, frische Mückenstiche, schmerzhafte „Gedanken“), mein Kreislauf verweigert die Zusammenarbeit mit dem Rest des Organismus, mein Hirn zweifelt daran, dass sich Aufstehen grundsätzlich lohnt – zumal es Kaffee erst eine Etage weiter unten gibt…“

[10:40 Uhr] Ich wanke nach „1 bis 2 vergeblichen Aufsetzversuchen mit umgehendem In-die-Kissen-zurück-Kippen“ und der Einnahme meiner täglich notwendigen Medikamente „zombihaft schwankend übellaunig mit bis zu den Kniekehlen nach unten hängenden Mundwinkeln treppabwärts, ziehe die Küchenrollläden hoch“, damit die Nachbarn nicht noch misstrauischer äugen, wann die faulen Säue da endlich aus den Federn kommen, „und frühstücke dann manchmal. Meistens pressiert es aber dermaßen, dass ich das Frühstück zunächst verschiebe und um diese Uhrzeit meinen täglichen Morgenschiss starte: Ich gehe dazu auf die Gästetoilette rechts neben dem Hauseingang, um das eigentliche Badezimmer nicht für Philomena zu blockieren & olfaktorisch zu kontaminieren. Ich gare nämlich“ mindestens eine Dreiviertelstunde „im eigenen Dunst, bevor ich in einer Wolke von versprühtem Raumbedufter wieder herauskomme. Diese Verweildauer erklärt sich mit meiner Gepflogenheit“ auf der Holzklobrille verweilend erst einmal in aller Seelenruhe auf meinem iPad die neuesten Tagesnachrichten zu sichten, ein bisschen herumzusurfen und oftmals auch nachzuschauen, was sich mittlerweile hier auf WordPress getan hat. An seltenen Glückstagen „klopft es während der Sitzung dezent an die Tür und Philomena platziert dort einen Becher Kaffee schwarz wie die Nacht (geschieht dieses eher zu Beginn der Sitzung verkürzt dieser Wachheitsbeschleuniger diese, geschieht es hingegen eher gegen Ende hin, verlängert sich die Session, weil ich erst austrinke, bevor ich mich erhebe).“

[11:30 Uhr] „Dem mit meiner Fettstoffwechselstörung oftmals einhergehendem „Schmierschiss“ geschuldet, traue ich dem Klopapier nicht so recht über den Weg und eile in Ermangelung eines Bidets im derzeitig bewohnten Haus im Laufschritt treppauf direkt unter die Dusche, wo ich mich ausgiebig pflege (Arsch mit Seife, Körper mit Duschgel, Kopf mit Shampoo – stets ist eine größere Auswahl Pflegeprodukte in Griffweite vorhanden). Im Bad trockene ich mich ab, kämme & parfümiere mich.“ Dazu hole ich mir einen der vielen Flakons aus einem Metallregal mit Schiebetüren aus Milchglas, das oben im Treppenflur steht. Aktuell greife ich mir dann besonders gerne „la fumée“ von Miller Harris (das einen annähernd akzeptablen Ersatz für meinen mir kürzlich leider ausgegangenen „Burning Barbershop“ von D.S. & Durga darstellt), „Duro“ von Nasomatto, oder das pfefferige „Bois d’Encens“ von Armani/Privé.

[11:55 Uhr] „Nach dem Badaufenthalt geh ich in mein Schlafzimmer zurück und entnehme dort entweder dem 3-türigen Spiegelschrank oder meiner weißen Schubladenkommode die Garderobe, in der ich den Tag beginnen möchte. Anziehsachen, die ich schon einmal getragen habe, liegen in leicht verknüllter Stapelung auf einem“ ausrangierten alten Röhrenfernseher (der dort steht, weil ich seit Ewigkeiten zu faul bin, ihn endlich als Elektroschrott auf die weitentfernte Mülldeponie zu transportieren) „oder meiner Reisetasche bereit.“ Falls ich nicht unmittelbar etwas Aushäusiges vorhabe, ziehe ich mir eher bequeme Klamotten wie Jogginghose, Fleecejacke, oder ein Flanellhemd an. Sämtliche Leibwäsche ist von der Firma Mey und entweder schwarz oder weiß – bunte Unterwäsche finde ich lächerlich. Jetzt im Winter ziehe ich an kalten Tagen, an denen ich vermutlich draußen sein werde, zusätzlich noch lange Unterhosen an. Als Hausschuhe trage ich fast immer meine Birkenstocks.

[12:00] Brunch! „Frühstück“ kann man meine erste Tagesmahlzeit um diese Uhrzeit schließlich nicht mehr guten Gewissens nennen… Meistens esse ich am Tag zwei Hauptmahlzeiten und ein paar kleinere Snacks zwischendurch – erste Hauptmahlzeit ist der Brunch, zweite ein spätes Abendessen. Heute aß ich zum Brunch eine Klappstulle aus im Toaster gerösteten Kartoffelbrotscheiben, die ich mit einem Zucchini-Curry-Aufstrich aus dem Bio-Hofladen, extrascharfer ungarischer Räuchersalami und Röstzwiebeln gefüllt hatte, ein bisschen Algensalat und ein paar Bio-Maiswaffeln, die ich teils auch mit dem vegetarischen Brotaufstrich, und teils mit süßem Ovomaltine-Brotaufstrich versehen hatte. Gerne esse ich zum mittäglichen Frühstück auch Hummus, Wildlachs, oder ein paar Nüsse. Manchmal gibt es auch Pfannkuchen mit Ahornsirup, oder eher selten auch mal Sushi zum Brunch. Falls ich meinen ersten schwarzen Kaffee nicht schon während der Klositzung zu mir genommen habe, trinke ich ihn nun beim Essen; weitere Getränke können zu dieser Uhrzeit ungesüßte Mandelmilch, stilles Wasser „Staatl. Fachingen“, diverse Säfte oder auch mal statt des Kaffees ein Energy-Drink sein. Meistens frühstücke ich alleine am kleinen Esstisch in der Küchen (überhaupt nehmen Philomena und ich meistens keine gemeinsamen Mahlzeiten ein, dazu sind unsere Essgewohnheiten und -zeiten zu unterschiedlich) und blättere dabei kurz in diversen Zeitschriften oder Katalogen herum, die dort immer ausliegen, oder ich gehe mit dem Frühstück gleich hoch ins Büro und speise vor dem Rechner.

[12:30] Meistens ist Philomena schon einige Stunden vor mir wach – je nachdem, welche Medikamente sie aufgrund ihrer Erkrankung aktuell benötigt, kann es aber auch vorkommen, dass sie erst mittags aufwacht. Um die Mittagszeit herum begegnen wir uns oft im Haus, mal oben im Bad oder in ihren Räumlichkeiten, falls ich sie wecke oder nachsehe wie es ihr geht, mal unten in der Küche, und unterhalten uns dann oftmals eine Weile – zwischen 5 Minuten und anderthalb Stunden lang…

[12:50] Ab nun variiert der Tagesablauf meistens erheblich – je nachdem, was gerade anliegt. Entweder beginne ich nun (oft mit dem aus der Küche mitgeschleppten Brunch-Teller) mit irgendwelchen Büroarbeiten am PC, checke dort Mails, erledige etwaige geschäftliche, oder private Korrespondenz, oder mache Onlinebanking & -brokerage. Oder ich gehe unten durch eine selbstkonstruierte Verbindungstür im Wohnzimmerbücherregal in den geschäftlich genutzten Teil von „Zweieichen“, wo ich auch mein Materiallager und eine kleine Werkstatt habe. Im Sommer ruft nun teils auch die Gartenarbeit. Oder ich verlasse das Haus ob eines Termins, eines Einkaufs, oder eines nachmittäglichen Besuches bei meinen Eltern, denen ich auch regelmäßig bei Einkäufen, Gartenarbeiten und Besorgungen helfe. Langfristig könnten daraus womöglich auch Pflegeaufgaben entstehen, denn mein Bruder wohnt weit ab in „Shangri-La“ und wird durch seinen Alltag als Arzt und Familienvater keine Zeit dafür haben. Da es nun sehr schwierig ist, einen wirklich typischen Durchschnittsalltag abzubilden, konstruiere ich einfach einen hypothetischen Tagesablauf, wie er so oder ähnlich gehäuft in den letzten Tagen vorkam:

[13:10] Nach kurzem Mail- und Finanzencheck am PC schnappe ich mir meine Winterjacke und ziehe mir Chelsea-Boots an. Während ich draußen vor der Haustür den Briefkasten kontrolliere, drücke ich schon mal auf den Funköffner, damit neben dem Haus das Garagentor aufgeht. Schnell lege ich die Post in die Küche, greife mir ein oder zwei leere Kofferraumkisten aus dem Eingangsflur, rufe „Ciao!“ nach oben zu Philomena und verlasse das Haus. Rückwärts rolle ich aus der Garage und fahre den kurzen Stichweg entlang auf das Sträßchen, das als besserer Feldweg an einer matschig getrampelten Pferdekoppel, der Tischlerei und einigen weiteren Betrieben vorbei auf die Hauptstraße führt. Nachdem ich kurze Zeit später die Dorfmitte von „Obergüllestunk“ durchquert habe, gelange ich eine Abkürzung über ein sehr kleines Sträßchen benutzend auf die andere Seite des Flusses. In den teilüberfluteten Auen sehe ich erstaunlich straßennah reglos einen Fischreiher stehen (manchmal auch einen Schwan, Fasan, oder Silberreiher) und sage in seine Richtung: „Na, du Reiher…“ Komischerweise spreche ich Tiere an denen ich vorbeigehe oder -fahre oft an, Schafe, Schottische Hochlandrinder, irgendwo angebundene Hundchen – egal was für Viecher. Liegt vielleicht an meinen mangelnden Sozialkontakten – oder daran, dass ich im fortschreitenden Alter langsam wunderlich werde.

[13:40] Ich fahre auf das obere Parkdeck eines riesigen Einkaufscenters in „Graustadt“. In der Mall gehe ich kurz durch den Saturn-Markt, kaufe mir bei Wolsdorff acht eher günstigere Longfiller-Zigarren und eine Schachtel toskanischer Zigarillos, schaue kurz in die Buchhandlung und haue mir bei der „Nordsee“ ein Fischbrötchen rein. Danach fahre ich dann wieder aus der Innenstadt heraus weiter zu einem Baumarkt, in dem ich irgendwelches Zubehör zum Bau des Landschildkröten-Innengeheges kaufe, dazu noch Vogelfutter und irgendein spezielles Reinigungsmittel, das ich meiner Mutter dort kaufen soll.

[16:00] Ich fahre bis zu jenem Vorort von „Graustadt“ weiter, in dem meine Eltern leben und liefere dort das gewünschte Reinigungsmittel für meine Mutter ab. Ich bleibe noch auf eine Tasse Kaffee und fahre nach einer kurzen Unterhaltung wieder zurück nach „Niedergüllestunk“.

[17:00] Zurück in Haus „Zweieichen“ unterhalte ich mich bei einer weiteren Tasse Kaffee kurz mit Philomena und verschwinde dann kurz in meiner Werkstatt.

[18:00] Ich setze mich oben im Schlafzimmer mit einem dicken Kissen im Rücken auf mein Bett und bilde mich mit aufs iPad geladenen Sachbüchern weiter. In jüngeren Jahren habe ich vermutlich an die 2000 Romane gelesen – heute interessieren mich eher Sach- und Fachbücher, Biografien, etc.. Ich bin mittlerweile auf nahezu allen Themengebieten so belesen, dass ich zumindest auf Partygesprächsniveau mit Physikern, Soziologen, Historikern, Politikwissenschaftlern, Künstlern und Literaten, Ärzten und Biologen mitreden kann, ohne unangenehm aufzufallen. Ich habe unzählige Themengebiete, die mich interessieren und faszinieren. Ein Tag, an dem ich mich nicht wenigsten zwei Stunden lang weiterbilde und zu Themen recherchiere, die mich begeistern, ist für mich ein verlorener Tag.

[21:30] Zeit für die zweite Hauptmahlzeit (bzw. eigentlich an diesem speziellen Tage die dritte – ich war ja bei der Nordsee): In der Küche mache ich mir eine kleine Müslischüssel mit Couscous und Reis zurecht, vermischt mit gefüllten Oliven, allerlei Kräutern und Gewürzen, sowie mit etwas Salat und Nüssen garniert. Philomena strickt oben vor dem Fernseher. Ich nehme die Müslischale mit dem Reis-Couscous mit nach oben und lese beim Essen im „SPIEGEL“ von vor drei Wochen.

[22:45 Uhr] „Nachdem ich kurz begutachtet habe, was für einen Mist sich Philomena wieder im TV anschaut, gehe ich in den Garten um in Ruhe eine gute Zigarre zu rauchen. Oft telefoniere ich dort mit Rudi: Langes, monotones Gespräch, bei dem Rudi zu 90% doziert und ich zu 10% Ja & Amen grunze…“ Früher war mein Alltag von etlichen Rauchpausen unterbrochen. Die erste Zigarre glomm gleich nach dem Wachwerden. Mittlerweile rauche ich seit etwa fünf Jahren kontinuierlich abnehmend immer weniger. Oft nur noch eine Abendzigarre – manchmal gibt es seit einigen Monaten sogar komplett rauchfreie Tage. Bevor ich zurück ins Haus gehe, lege ich gegebenenfalls neues Vogelfutter aus, befülle das Vogelhäuschen mit Erdnüssen und ersetze leergepickte Meisenknödel.

[23:45 Uhr] Wieder im Haus, putze ich mir nach einem letzten Espresso und zwei bis vier Stücken Schokolade (momentan mag ich die Salzlakritz-Schokolade von Marabou ganz gerne, oder die Vollmilch-Lindt mit den gerösteten Haselnüssen), die Zähne und schaue danach noch mal, wie es Philomena geht. Oft unterhalten wir uns noch eine Weile. Manchmal ist ihr Rücken durch das viele Liegen und Sitzen völlig verspannt und ich renke sie dann noch ein wenig ein. Dazu greife ich ihr unter die Arme und hebe sie ruckartig in die Höhe. Wenn es nicht gleich knackt, lasse ich sie noch etwas baumeln und schüttele sie, bis sie sich wieder gelängt hat. Meistens geht es ihr danach wirklich wieder deutlich besser.

[00:00] Oft erledige ich nachts ein paar Planungsaufgaben, mir fallen oft Ideen ein, die ich bei privaten und beruflichen Projekten umsetzen kann. Ich mache mir ein paar Notizen in mein rotes Buch (wo alle wichtigen Daten notiert werden, die ich für meine Monatsabrechnungen brauche) oder auf Karteikarten und Zettel und fahre oft noch einmal den PC hoch. Vom persönlichen Biorhythmus her, habe ich nach dem ersten Hoch am frühen Nachmittag nun mein zweites Tageshoch. Wenn ich tagsüber eher reichhaltig gegessen habe (oft auch, wenn ich abends noch mit Freunden wie „Mitch“ im Restaurant gewesen bin), muss ich nachts noch eine zweite Sitzung auf dem Lokus einlegen. Gerne wieder mit Tablet oder Zeitung bewaffnet, kann das erneut eine Weile dauern und ich gehe danach abermals unter die Dusche.

[02:00] Ich tippe noch einen Blogeintrag, oder arbeite irgendetwas am PC. Vor anderthalb Jahrzehnten wäre ich um diese Zeit noch mit ein paar Kumpels whisky- und champagnertrinkend durch irgendwelche Nachtclubs, Jazz-Bars oder Zigarrenlounges gezogen, aber ich lasse es diesbezüglich schon recht lange sehr viel ruhiger angehen – gesundheitlich könnte ich das auch gar nicht mehr.

[03:45] Meistens hat sich Philomena um diese Uhrzeit bereits ihr Medikament für die Nacht reingehauen und ist vor dem Fernseher in ihrem Bett eingeschlafen. Ich schließe leise ihre Zimmertür und gehe nun selber zu Bett. Dort nehme ich meinen Blutdrucksenker ein und lese dann oft noch, oder recherchiere mit dem iPad etwas im Internet, bis mir fast die Augen zufallen.

[05:00] So gegen vier bis fünf Uhr morgens lege ich alles zur Seite und mache das eh schon auf Kerzenscheinhelligkeit gedimmte Licht in meinem Schlafzimmer ganz aus. Obwohl ich nun meistens sehr müde bin, kann ich oft nicht gleich einschlafen und liege noch 20 bis 40 Minuten wach, bis ich endlich in den Schlaf finde. Alle paar Wochen kommt es vor, dass ich oft an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen nachts annähernd gar nicht einschlafen kann und allenfalls zwischen 8 und 10 Uhr ein wenig schlummere.

So, dass war nun ein hypothetischer Durchschnittstagesablauf von mir – zumindest, falls ich nicht davon abweichend irgendwo auf den Lofoten unterwegs bin, oder in Berlin oder Norddeutschland Freunde besuche, mit Philomena bei deren Mutter in Süddeutschland weile, oder auf Dienstreise bin. Im Sommer verbringe ich auch ganze Tage weitgehend im Garten – dort relaxend, oder irgendetwas bauend, rasenmähend, büschestutzend… Alle paar Tage mache ich mit Philomena gemeinsame Spaziergänge hier ums Dorf herum. Eigentlich sind meine Tagesabläufe hier recht unterschiedlich. Aber seit etlichen Jahren schon eher ruhig und gemächlich verlaufend und nicht mehr wild und rauschhaft. Ich bin physisch und psychisch auch bei weitem nicht mehr so belastbar, wie noch vor zehn oder zwanzig Jahren! Am besten lässt man mich in Ruhe. Fühle mich größtenteils ganz wohl im selbstgewählten Exil fernab meiner ehemaligen Wirkungsstätten und Bekanntenkreise.

6 Gedanken zu “— Typischer Tagesablauf —

  1. Deine Methode, Philomena wieder einzurenken, klingt sehr verlockend. Werde ich M. bei Gelegenheit auch mal nahelegen. (Obwohl ich eher wenig sitze, habe ich eigentlich immer Kreuzweh.) Hoffentlich hebt er sich keinen Bruch. Bin ja nicht so ein Federgewicht wie Philomena.

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  2. Spannend – ich zieh natürlich wieder Parallelitäten, nämlich zu mir und dem Tom. Schon frappierend. Natürlich kommt hier bei Dir auch das glatte Gegenteil vor, doch umso bezeichnender sodann. 😉 Erstmal – das Einrenken, das geschieht aber schon von hinten? Hihi – Männer, der Hausherr holt sich auch in jeder Stadt, egal ob in seiner rheinischen oder in meiner Heimat seine obl. Fischsemmel, resp. -brötchen. Muß er mir auch jedesmal vorher dick unter die Nase schmieren, wo ich das doch nimmer kann. Ò_ó Ach, Hummus ja leider auch nimmer. Gegen 21:30 Uhr komm ich erst dazu, meine Hauptmahlzeit zu mir zu nehmen, vorm laufenden TV-Apparat (bestimmt auch Mist, was ich mir da wieder alles so rein zieh 😉 ) … blablabla, sorry, sollte ja selber meinen Tagesablauf bloggen, trau mir das allerdings seit Tagen nimmer so recht zu … Ach, seh grad noch was: Salzlakritze – typischer Geschmack der nördlich der Mainlinie angesiedelten Leckermäuler. Und das mit Tieren, die „unsere“ paar Wege noch kreuzen, hast vielleicht wo anders von mir schon gelesen – ich muß die auch immer mit Kosenamen trösten, wenn Hunde z. B. angebunden vorm Aldi rum jaulen … Wenigstens nach dem Umbauphase neuerdings überdacht. 🙂

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